Lebensdaten
1905 bis 1978
Geburtsort
Stralsund
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 137910940 | OGND | VIAF: 86078004
Namensvarianten
  • Mahnke, Hans

Orte

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Zitierweise

Mahnke, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137910940.html [30.10.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1876–1942), Bäckermeister in Stralsund;
    M Anna (1883–1937), T d. N. N. Bolze;
    ⚭ 1934 Grete (Margarete) Hädicke (* 1913), Tänzerin.

  • Leben

    M. absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre und nahm dann Schauspielunterricht. 1925 begann er seine Laufbahn in Köslin als jugendlicher Held. Über Schleswig, Ulm, Trier. Dessau, Stralsund, Osnabrück, Mainz und Stettin kam er 1939 an das Deutsche Volkstheater Altona, das 1942 dem Staatlichen Schauspielhaus in Hamburg angegliedert wurde. Das Charakterfach, schwere Helden und Heldenväter, gehörten dort zu seinen Rollen. M. spielte seit 1945 an Ida Ehres Kammerspielen in Hamburg und seit 1948 in Frankfurt/Main an Fritz Rémonds Theater am Zoo. 1950 trat er als König Claudius in „Hamlet“ zum ersten Mal am Württ. Staatstheater in Stuttgart auf, wo er in den folgenden Jahren Wilhelm Tell, Wallenstein und Othello spielte. Als Stuttgarts „Altmännerspieler“ wurde M. schließlich berühmt. Obgleich er von massiger Gestalt war, überwand seine behende, graziöse und leise Bewegungs- und Ausdruckskunst die Schwerfälligkeit des Körpers. Seine Kunst der eindringlich-genauen Figurenzeichnung schulte sich besonders an Rollen Brechts, die er in den 50er Jahren, als dessen Stücke in der Bundesrepublik noch umstritten waren, dem Publikum näherbrachte. Unter dem Regisseur Peter Palitzsch verkörperte er Hauptgestalten in Schauspielen von Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt, Martin Walser und Sean O'Casey. Bei Rudolf Noelte spielte er in Dramen von Tschechow und Sternheim. – M. verstand es, die Figuren in ihrer gesellschaftlichen Bedingtheit zu zeigen und zugleich ihre Individualität zu bewahren (Dorfrichter Adam, Recklinghausen 1966; Falstaff, Stuttgart 1970; Gustav Landauer, in „Toller“ von Tankred Dorst, 1968). Mit seiner realistischen Schauspielkunst konnte M., nachdem er 1972 zu Peter Zadek nach Bochum gegangen war, 1973 Shakespeares Shylock im radikalen Bruch mit der Rollentradition nach 1945 als den negativen Juden spielen. Er zeigte hier in Gestus, Sprache und Habitus alle verdrängt-dauernden Klischees unter virtuoser Nutzung theatralischer Mittel. Außenseiter und Verlierer waren die Rollen des späten M., der 1975 nach Stuttgart zurückkehrte. Mit minutiösen Studien seiner Figuren stand er im Zentrum der Inszenierungen.

  • Literatur

    H. Karasek, Die Dialektik v. Rolle u. Spieler, Ein Porträt d. Schauspielers H. M., in: Theater heute 7, 1966, Nr. 10, S. 18 ff. (P);
    G. Rühle, Die Schönheit d. erlittenen Alters, Über d. Schauspieler H. M., ebd. 16, 1975, Nr. 5, S. 18 ff. (P);
    ebd. 19, 1978, Nr. 7, S. 6 ff. (P);
    V. Canaris, Peter|Zadek, der Theatermann u. Filmemacher, 1979 (P);
    Kürschners Biogr. Theater-Hdb., 1956, S. 457 f. (Rollen-Verz.);
    Ch. Trilse u. a. (Hrsg.), Theaterlex., 1977, S. 348 (Rollen-Verz.);
    H. Rischbieter (Hrsg.), Theaterlex., 1983, Sp. 849 f. (P, Rollen-Verz.).

  • Portraits

    Phot. in: Württ. Staatstheater Stuttgart (Hrsg.), H. M., 1978.

  • Autor/in

    Michaela Giesing
  • Empfohlene Zitierweise

    Giesing, Michaela, "Mahnke, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 692 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137910940.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA