Lebensdaten
1901 bis 1968
Geburtsort
Wernigerode
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Wirtschaftshistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 122795784 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lütge, Friedrich
  • Luetge, Friedrich

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lütge, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122795784.html [18.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl ( 1905), Handelsmarinekapitän;
    M Martha Rohde;
    1929 Eva (* 1910), T d. Generals Ernst Buchfinck;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    L. studierte Nationalökonomie in Freiburg i. Br. (besonders bei G. v. Below), Marburg und Jena. Dort promovierte er zum Dr. rer. pol. (1924) und Dr. phil. (1928) und wurde als Privatassistent des Handwörterbuch-Herausgebers L. Elster, dann unmittelbar als Lektor, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Verlags Gustav Fischer, Jena, besonders für Wohnungswirtschaft und Sozialpolitik. Mit einem Buch über die mitteldeutsche Grundherrschaft im 16.-18. Jh. (1934, 21957) schlug er die Richtung der agrarhistorischen Forschung ein, die sein Gesamtwerk am stärksten prägen sollte. Nach der Habilitation in Jena wurde er 1937 dort Dozent für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte in der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, 1940 ao. und 1943 o. Professor an der Handelshochschule Leipzig und Direktor ihres Instituts für Wohnungs- und Siedlungswirtschaft. Krankheitshalber aus dem Heeresdienst bei einem Wirtschaftsstab entlassen, übernahm L. mit E. Preiser (seit 1967 allein) die Herausgabe der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“. Die amerikan. Militärregierung stimmte zu, als er, Nichtparteigenosse und Mitglied der ev. Bekenntnisgemeinde, zum Nachkriegsrektor der nunmehrigen Hochschule für Wirtschaftswissenschaften in Leipzig gewählt wurde, und die sowjetische bestätigte ihn. Durch die Eingliederung der Hochschule in die Universität als Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften wurde er deren Dekan, übernahm aber Anfang 1947 einen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte und Volkswirtschaftslehre an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Univ. München, verbunden mit der Leitung des Seminars für Wirtschaftsgeschichte. Die einheitlich konzipierte und in die Gesamtgeschichte eingebettete „Deutsche Sozial- und Wirtschaftsgeschichte“ (1952, 31966) wurde sein weitverbreitetes Hauptwerk. 1960 beschränkte er sich auf die Lehre des Faches Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und begründete die Gesellschaft für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte für den deutschsprachigen Raum, deren erster Vorsitzender er war und die er erfolgreich in die International Association of Economic History eingliederte.

    L. war auch als Historiker methodisch voller Fachgelehrter. Er gehörte, trotz mancher Kritik an der jüngeren, sog. ethischen Historischen Schule der deutschen Nationalökonomie wegen ihrer theoretischen Schwächen, zu den späten Vertretern dieser Schule. Als Agrarverfassungshistoriker stand er ebenbürtig neben G. F. Knapp und G. v. Below;|die eigentliche Agrarwirtschaftsgeschichte überließ er vor allem W. Abel. Zur mathematischen und ökonometrischen Richtung der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte, die in der Bundesrepublik auch in den Studienordnungen schließlich die Oberhand über die späte historische gewann, fand L. kein rechtes Verhältnis mehr. In seiner politischen Grundhaltung christlich-sozialer Konservativer ohne Parteibindung, brach er dem Fach Wirtschafts- und Sozialgeschichte in den 50er und 60er Jahren – neben dem Nichtökonomen H. Aubin – mittelbar die Bahn auch in die philosophischen Fakultäten der Bundesrepublik hinein, indem er eine fachlich überzeugende Alternative zur abgelehnten Geschichtsauffassung des historischen Materialismus bot.|

  • Auszeichnungen

    O. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1955), korr. Mitgl. d. Fläm. Ak. d. Wiss. Brüssel (1966).

  • Werke

    Weitere W Das Verlagshaus G. Fischer in Jena, seine Gesch. u. Vorgesch., 1928;
    Wohnungswirtsch., 1940, 21949;
    Die Agrarvfg. d. frühen MA im mitteldt. Raum, vornehml. in d. Karolingerzeit, 1937;
    Die landesherrl. Urbarsbauern in Ober- u. Niederbayern, 1943;
    Einführung in d. Lehre vom Geld, 1948;
    Die Bayer. Grundherrschaft, 1949;
    Gesch. d. dt. Agrarvfg., Vom frühen MA b. z. 19. Jh., 1963, 21967. -
    Aufsatzslgg.: Stud. z. Sozial- u. Wirtsch.gesch., 1963;
    Btrr. z. Sozial- u. Wirtsch.gesch., 1970. -
    Hrsg.: G. v. Below, Gesch. d. dt. Landwirtsch. d. MA, 1937.

  • Literatur

    K. Borchardt, in: Wirtsch., Gesch. u. Wirtsch.gesch., Festschr. F. L., 1966 (W-Verz., P);
    ders., in: Jbb. f. Nat.ökonomie u. Statistik 184, 1970;
    G. Franz, in: Zs. f. Agrargesch. 17, 1969;
    W. Zorn, in: VSWG 55, 1968;
    K. Bosl, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1969, S. 202-05 (P).

  • Autor/in

    Wolfgang Zorn
  • Empfohlene Zitierweise

    Zorn, Wolfgang, "Lütge, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 476 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122795784.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA