Lebensdaten
1865 bis 1943
Geburtsort
Budapest
Sterbeort
Budapest
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119545063 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spitzer, Rudolf Lothar
  • Thomas, Angelo Cana (Pseudonym)
  • Battistini (Pseudonym)
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Lothar, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119545063.html [20.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Albert Spitzer, Kaufm.;
    M Louise Adler;
    1) 1899 Ernestine Singer (* 1866), Schriftstellerin, 2) 1922 Margarete, T d. Geh. Justizrats Oskar Cassel aus Berlin;
    1 S aus 1).

  • Leben

    L. war der einzige Sohn „eines wohlhabenden, frühverwitweten Kaufmannes, der ihn von Kindheit auf verwöhnt und gewissermaßen für den Dichterberuf erzogen hatte“ (Schnitzler). Aufgewachsen in Ofen-Pest, machte L. aber als Privatist seine Prüfungen an Wiener Gymnasien und übersiedelte 1882 nach der Matura mit dem Vater nach Wien. Er studierte zunächst Jura, dann roman. Philologie in Wien, Jena, Rostock, Heidelberg, wo er 1890 mit der Arbeit „Zur Geschichte des Spiels in Alt-Frankreich“ promoviert wurde. Aufgrund der Verwandtschaft seines Vaters mit einem der Chefredakteure konnte er bereits als Gymnasiast Feuilletons in der „Neuen Freien Presse“ schreiben (u. d. T. Kritische Studien zur Psychologie der Litteratur, 1895), deren ständiger Mitarbeiter er 1889 wurde. Früh äußerten sich L.s „Betriebsamkeit und Wichtigtuerei“ (Schnitzler): 1888 hatte er sich „in den Kopf gesetzt“, seinen Freund Schnitzler „zu managen“ und verhalf dessen erstem Drama zum Druck; bei Versuchen, eigene Dramen durchzusetzen, kaufte er Claqueure oder ließ selbstverfaßte Erfolgsberichte in Wiener Zeitungen einrücken und hatte damit zunehmend Erfolg. 1900 erregte sein angeblicher Europaerfolg „König Harlekin“ (in Wien von der Zensur verboten) die Aufmerksamkeit von Karl Kraus, der den „Gemischtwarenhändler der öffentlichen Meinung“ seitdem satirisch bloßstellte. Seine Abwertung stimmt mit Schnitzlers Einschätzung der „wunderbaren Oberflächlichkeit“ der „tausend Einfälle, Neuigkeiten, Halbwahrheiten, Unwahrheiten“ L.s überein (vgl. die Figur des Kajetan in „Fink und Fliederbusch“, 1917). Von seinen zahllosen (über 60) Dramen, Opern und Operetten (oft Bearbeitungen fremder Vorlagen), deren Erfolg ihm einen aufwendigen Lebensstil ermöglichte, sind lediglich die Libretti zu „Tiefland“ (von Eugen d'Albert, 1903) und „Friedemann Bach“ (von Paul Graener, 1931) noch bekannt. 1898-1902 gab L. die liberale Wochenschrift „Die Wage“ heraus. 1907-12 war er Redakteur des „Berliner Lokal-Anzeigers“, übernahm dann am 1.9.1912 die Leitung des „Neuen Operettentheaters“ in Berlin, kam aber bereits im November „der allgemeinen Erwartung einer Pleite durch einen Krach zuvor“ (Kraus). L. ging nach Paris, Spanien („Die Seele Spaniens“, 1916) und 1914 nach Zürich, wo er den österr. Kulturimport in die Schweiz leitete. In der Weimarer Zeit reiste er nach Palästina (Zwischen drei Welten, Pilgerfahrt eines Gläubigen, 1926), Ungarn (Autotouren-Brevier, 1932) und mehrfach in die USA, wo er erfolgreich für die Filmindustrie arbeitete. Seit 1932 war er in Wien Theaterkritiker am „Neuen Wiener Journal“. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. 1942 hielt er sich angeblich in der Schweiz auf.

  • Literatur

    A. Schnitzler, Jugend in Wien, 1968;
    ders., Tagebücher 1909–12, 1981;
    F. Servaes, Grüße an Wien, 1948;
    Personenregister z. Fackel v. Karl Kraus, v. F. Ögg, o. J.;
    Brümmer;
    Rhdb. (P);
    S. Wininger, Große jüd. Nat.-Biogr., 1925-36;
    Nagl-Zeidler-Castle;
    Enc. Jud. X, 1934, XI, 1971;
    The Universal Jewish Enc., 1948;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Uwe Laugwitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Laugwitz, Uwe, "Lothar, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 234 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119545063.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA