• Leben

    L. studierte Theologie in Tübingen und erhielt 1831 den Preis der Fürstbischöfl.-Speyer'scfaen Stiftung. 1832 in Rottenburg zum Priester geweiht, wurde er 1833 Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen. Seit 1835 war er Domkaplan in Rottenburg und Lehrer an der dortigen Lateinschule, seit 1845 Pfarrer und Dekan in Amrichshausen. 1856 wurde er Domkapitular (bischöfliche Wahl), zugleich auch Stadtdekan und Dompfarrer in Rottenburg. 1862-68 fungierte er als vom Domkapitel gewähltes Mitglied der Kammer der Abgeordneten. L. gehörte in seiner Jugend zur „jungkirchlichen“ Partei im Rottenburger Klerus, die entschieden Front gegen das staatliche Kirchenregiment und den älteren, von Aufklärung, „Febronianismus“ und „Gallikanismus“ geprägten Klerus machte. Er griff auch literarisch in diesen Streit ein: Beim offenen Ausbruch des Kirchenkampfes in Württemberg erschien seine „Darstellung der Rechtsverhältnisse“ (1840). Nach allgemeiner Auffassung stammten auch die „Neueste Denkschrift“ (1844) und eine Biographie des ersten Rottenburger Bischofs, Johann Baptist v. Keller, von ihm. 1842 schlug ihn J. E. Kuhn bei der Besetzung einer Professur in Gießen vor. Nach dem Tod Kellers 1845 wurde auch L. von ultramontaner Seite für die Nachfolge genannt, von der Regierung aber abgelehnt. Nach 1848 gehörte er zur „gemäßigt“-ultramontanen Partei; gelobt wurden eine „kluge Mäßigung“ und sein loyales Verhalten gegenüber dem Staat. Die Regierung sah deshalb keinen Grund mehr, ihn abzulehnen, als er 1856 für ein Domkanonikat vorgeschlagen wurde. Trotz der flüchtigen Arbeitsweise und der polemischen Einseitigkeit (Ablehnung von „Febronianismus“, „Gallikanismus“ und „Aufklärung“) sind seine „Beiträge zur Geschichte der Oberrhein. Kirchenprovinz“ (1863) auf Grund ihrer Materialfülle noch immer unentbehrlich.

  • Werke

    Weitere W u. a. Darst. d. Rechtsverhältnisse d. Bischöfe in d. oberrhein. Kirchenprov., Eine v. d. Juristenfac. in Tübingen gekrönte Preisschr., 1840;
    (Anonym), Neueste Denkschr. d. württ. Staatsregierung an d. Röm. Stuhl, veröff. u. beleuchtet nebst einigen wichtigen Actenstücken, 1844;
    (Anonym), Joh. Baptist Keller, erster Bischof v. Rottenburg, Eine biogr. Scizze nebst Blicken auf d. kath. Kirche Württembergs, Aus den Papieren e. Verstorbenen hrsg. v. W. Binder, 1848;
    Rottenburg, in: Wetzer - Welte;
    Oberrhein. Kirchenprov., ebd.

  • Literatur

    ADB 19;
    W., Die Gräber v. Sülchen, in: Rottenburger Mschr. f. prakt. Theol. 10, 1933/34, S. 207-14;
    S. Merkle, Zum württ. Mischehenstreit, in: Theolog. Quartalschr. 119, 1938, S. 60-108;
    A. Hagen, Gesch. d. Diözese Rottenburg, 3 Bde., 1956-60;
    R. Reinhardt, Die Kath.-theol. Fak. Tübingen im ersten Jh. ihres Bestehens, Faktoren u. Phasen d. Entwicklung, in: Tübinger Theologen u. ihre Theol., Qu. u. Forschungen z. Gesch. d. Kath.-theol. Fak. Tübingen, 1977, S. 1-42;
    Kosch, Kath. Dtld. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Rudolf Reinhardt
  • Empfohlene Zitierweise

    Reinhardt, Rudolf, "Longner, Ignaz von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 147 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100514278.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Longner: Ignaz v. L., katholischer Theolog und Schriftsteller, geb. zu Friedrichshafen am 9. März 1805, studirte Theologie zu Tübingen, wo er durch Bearbeitung einer canonistischen Preisaufgabe den ersten Grund zu seiner späteren Thätigkeit in Sachen der kirchlichen Rechte der Katholiken Württembergs legte. In Rottenburg 1832 zum Priester geweiht. 1833 Repetent in Tübingen, seit 1835 Dompräbendar in Rottenburg und Lehrer an der dortigen Lateinschule, veröffentlichte er die gekrönte Preisschrift „Darstellung der Rechtsverhältnisse der Bischöfe in der oberrheinischen Kirchenprovinz“ (Tübingen 1840). Da seine Anstellung in Rottenburg in jene Zeiten des Conflicts zwischen Bischof v. Keller und der württembergischen Regierung (Ministerium Schlayer) fiel, in welchem der Bischof besonders durch seine Motion in der württembergischen Abgeordnetenkammer (1841) gegen verschiedene Eingriffe der Regierung in die kirchlichen Rechte Einsprache erhob und die Freiheit der katholischen Kirche, z. B. in Sachen der Einsegnung gemischter Ehen reclamirte, so stellte sich L. in die vordersten Reihen jener jüngeren Geistlichen, welche gegenüber der alten Josefinischen Schule und der staatlichen Büreaukratie die canonistisch und vertragsmäßig der Kirche gebührenden Rechte und Freiheiten verfochten und in ihren Forderungen zuweilen weiter gingen als ihr Bischof, auch sich nicht scheuten, nicht blos mißliebige Institutionen, sondern auch Persönlichkeiten schonungslos anzugreifen und an die Oeffentlichkeit zu ziehen. So namentlich in der anonymen Publication „Neueste Denkschrift der württembergischen Staatsregierung an den römischen Stuhl. Veröffentlicht und beleuchtet, nebst einigen wichtigen Actenstücken“ (Schaffhausen 1844), als deren Verfasser L. gilt. Im J. 1845 wurde L. Decan und Pfarrer von Amrichshausen, den 1. September 1856 Domcapitular und bis 1862 zugleich Dom- und Stadtpfarrer von Rottenburg, 1862—1868 vom Domcapitel gewähltes Mitglied der württembergischen Abgeordnetenkammer. Er starb am 12. Juni 1868. Literarische Arbeiten finden sich von ihm im „Katholik“, sowie im Kirchenlexicon von Wetzer und Welte. Als eigene Schrift erschienen noch: „Beiträge zur Geschichte der oberrheinischen Kirchenprovinz“ (Tübingen 1863).

  • Autor/in

    Linsenmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Linsenmann, Franz Xaver, "Longner, Ignaz von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 19 (1884), S. 155 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100514278.html#adbcontent

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