Lebensdaten
1919 – 1975
Geburtsort
Andernach
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117196770 | OGND | VIAF: 261487257
Namensvarianten
  • Lohner, Edgar

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Zitierweise

Lohner, Edgar, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117196770.html [25.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (1886–1950), Pfleger in A.;
    M Maria Theresia Lantz (1884–1969);
    New York 1957 Marlene (* 1925), Dr. phil., T d. Carl Friedrich Clewing (1896–1982), Importkaufm. in Bremen, u. d. Maria Dyes;
    2 S.

  • Biographie

    L. besuchte 1930-39 das Beethoven-Gymnasium in Bonn, dessen humanistische Tradition ihn ebenso nachhaltig prägte wie die bündische Jugendbewegung. Kurz nach dem Abitur 1939 wurde er wegen regimefeindlicher Geheimbündelei durch die Gestapo verhaftet und wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ durch den Volksgerichtshof zu fünfjähriger Zuchthausstrafe verurteilt, die er in Plötzensee, Moabit und Siegburg abbüßte. 1943 zum Strafbataillon 999 „begnadigt“, geriet er in Afrika in amerikan. Kriegsgefangenschaft, aus der er 1946 entlassen wurde. Durch eine Tätigkeit bei der Bonner Wach- und Schließgesellschaft finanzierte er sein passioniert betriebenes Universitätsstudium der engl., amerikan., deutschen und franz. Literatur. Im Anschluß an die Promotion zum Dr. phil. 1950 mit einer grundlegenden Arbeit über William Faulkner, der im|selben Jahr durch den Nobelpreis in Deutschland bekannt wurde, führte der Weg über das „Salzburg Seminar in American Studies“ 1951 in die USA, wo er deutsche (zeitweilig auch spanische) und vergleichende Literaturwissenschaft lehrte: bis 1954 in Harvard, bis 1955 am Lake Forest College in Illinois, bis 1961 an der New York University, wo er seine Frau kennenlernte, schließlich bis 1973 als Full Professor und Chairman der deutschen Abteilung an der Stanford University in Kalifornien. In Amerika machte er sich einen Namen als Interpret von Gottfried Benn, dem mehrere Veröffentlichungen galten. Durch Benn erschloß sich ihm der deutsche Expressionismus sowie moderne Lyrik überhaupt. In Ergänzung zu Hugo Friedrichs auf die Romania fixiertem Standardwerk „Struktur der modernen Lyrik“ spürte L. den Wurzeln der Moderne nördlich der Alpen nach, wobei er über Coleridge zu Schillers Begriff des Scheins kam: (Schiller und die moderne Lyrik, 1964). Auf diese Fährte wurde er geführt durch die enge Freundschaft mit dem Literaturtheoretiker René Wellek, dessen Hauptwerke er mit seiner Frau ins Deutsche übersetzte – in einer Zeit, als eine differenzierte Terminologie im Gefolge des New Criticism in Deutschland erst noch entwickelt werden mußte. Hier haben L.s Aufsätze viel klärende Vorarbeit geleistet, so etwa „Die Neu-Aristoteliker in Chicago, Einige grundsätzliche Überlegungen zu Begriffen ihrer kritischen Theorie“ (1967).

    Nachdem L. 1968 einen Ruf nach Hamburg abgelehnt hatte, zog es ihn 1973 doch in die Heimat zurück, als ihm der angesehene, durch Horst Rüdiger begründete Lehrstuhl für vergleichende Literaturwissenschaft in Mainz angeboten wurde. Nach Abschluß einer siebenbändigen Ausgabe des kritischen Werkes von August Wilhelm Schlegel (1962–74) widmete er sich dem Projekt eines dreibändig geplanten Interpretationswerkes zum Roman, zum Drama und zur Lyrik Nordamerikas, dessen 1. Band „Der amerikan. Roman im 19. und 20. Jh.“ er 1974 noch selbst herausgeben konnte.

  • Werke

    Weiters W u. a. Thematik, Symbolik u. Technik im Werk William Faulkners, Diss. Bonn 1950 (ungedr.);
    Gottfried Benn, Bibliogr. 1912–56, 1958, ²1960;
    Passion u. Intellekt, Die Lyrik Gottfried Benns, 1961. -
    Hrsg.: Dichter üb. ihre Dichtungen: Gottfried Benn, 1961, 1976;
    Stud. z. Westöstl. Divan Goethes, 1971;
    Interpretationen z. Westöstl. Divan Goethes, 1973;
    Theater u. Drama in Amerika, Aspekte u. Interpretationen, 1978 (mit v. R. Haas).

  • Literatur

    Erkennen u. Deuten: Essays z. Lit. u. Lit.-theorie, E. L. in memoriam, hrsg. v. M. Woodmansee u. W. F. W. Lohnes, 1983 (3 biogr. Essays, vollst. W-Verz., P);
    Kürschner, Gel.-Kal. 1976;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor/in

    Rudolf Sühnel
  • Zitierweise

    Sühnel, Rudolf, "Lohner, Edgar" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 135-136 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117196770.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA