Lebensdaten
1890 bis 1946
Geburtsort
Dorsten (Westfalen)
Sterbeort
in Rußland
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118780328 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lohmeyer, Ernst
  • Lohmeyer, Ernst Johannes

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Zitierweise

Lohmeyer, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118780328.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1851–1918), Pfarrer in Schildesche, S d. Peter Heinrich Nikolaus (1814–71), Lehrer u. Rektor, Hrsg. v.Ev. Choralbuch f. Kirche u. Haus“ (1861), u. d. Marie Sophie Amalie Schlüter;
    M Marie (1850–1937), T d. Carl Niemann (1820–95), Pfarrer, dann Oberkonsistorialrat in Münster, u. d. Marie Siemsen;
    Vlotho 1916 Amalie Seyberth;
    2 S (1 ⚔), 2 T (1 früh †).

  • Leben

    L. begann 1908 das Studium der Theologie, Philosophie und Orientalistik, wurde 1912 zum Licentiaten promoviert und bestand im selben Jahr sein 1. theol. Examen. „Die Lehre vom Willen bei Anselm von Canterbury“ war 1914 Thema seiner Dissertation bei der Promotion zum Dr. phil. 1913-18 war er zum Militär- und dann Kriegsdienst eingezogen. 1918 hielt er in Heidelberg seine Antrittsvorlesung, nachdem er sich mit der Arbeit „Vom göttlichen Wohlgeruch“ (1919) habilitiert hatte. 1920 nahm er einen Ruf als Professor für neutestamentliche Theologie an die Univ. Breslau an (Rektor 1930/31). Fruchtbare Jahre in geistigem Austausch mit Kollegen und Freunden folgten. Erste Kommentare erschienen: 1926 zur Offenbarung des Johannes, 1928 zum Philipperbrief und 1930 zum Brief an die Kolosser und Philemon. Die Untersuchung des Christuspsalms Philipper 2, 5-11 (vor der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 3.12.1927 vorgetragen) war ein Musterbeispiel für die Verbindung von historisch-kritischer mit theologischer Exegese. – Über das Fachgebiet hinaus umspannte L.s Denken Probleme, auf die von der biblischen Botschaft her Licht fallen konnte: „Soziale Fragen im Urchristentum“ (1921), „Vom Begriff der religiösen Gemeinschaft“ (1927), „Kapitalismus und Protestantismus“ (1928). Biblische Begriffe, Gleichnisse und Erzählungen untersuchte er in vielen Aufsätzen. – Von Breslau wurde er 1935 an die Universität Greifswald versetzt, da er seit dem „Cohn-Skandal“ von 1932 den Nationalsozialisten zum Ärgernis geworden war. Er hatte nämlich in Vertretung des abwesenden Rektors und des Prorektors nationalsozialistische Störer der Vorlesungen seines jüd. Kollegen durch Polizei aus der Universität entfernen lassen. Nach Hitlers Machtergreifung hielt er demonstrativ Kontakt zu Martin Buber. Trotz mancher Bedenken war er Mitglied der Bekennenden Kirche. Er unterschrieb auch 1933 die Erklärung von Theologieprofessoren, die für Juden wie Heiden allein „Glaube und Taufe“ als konstitutiv für die Zugehörigkeit zur Kirche bestimmte. – In Greifswald reiften weitere Arbeiten. In „Galiläa und Jerusalem“ (1936) suchte L. einen doppelten Ursprung der Urgemeinde nachzuweisen. Die damit zusammenhängenden christologischen Fragen erfuhren im Markuskommentar (1937) Vertiefung und Antwort. Die Untersuchungen „Kultus und Evangelium“ (1942), „Gottesknecht und Davidsohn“ (1945 in Schweden veröffentlicht), „Das Vaterunser“ (1946) entstanden zum Teil im Felde. Den 2. Weltkrieg erlebte er als Besatzungsoffizier in West und Ost bis zu seiner Freistellung 1943. Unvollendet erschien nach seinem Tode der Matthäuskommentar (1956). – Nach der kampflosen Übergabe Greifswalds an die Rote Armee wurde L. zum Rektor der Universität gewählt. Sechs Wochen später wurde die Universität durch die Besatzungsmacht wieder geschlossen. In der Nacht vor ihrer Wiedereröffnung im Febr. 1946 wurde L. von russ. Geheimpolizei aus wohl nie mehr zu klärenden Gründen verhaftet und im Sept. 1946 hingerichtet. Gelehrte des In- und Auslandes hatten sich vergeblich für ihn eingesetzt.

  • Werke

    Weitere W Kyrios Jesus, Eine Unters. zu Phil. 2, 5-11, in: SB d. Heidelberger Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 1928;
    Das Urchristentum, 1. Buch, Johannes d. Täufer, 1932;
    „Und Jesus ging vorüber“, in: Nieuw Theol. Tijdschr., 1934, S. 206-24;
    |Vom urchristl. Abendmahl, in: Theol. Rdsch., 1937;
    Die Reinigung d. Tempels, in: Theol. Bll., 1941;
    Lohmeyer-Schmauch, Das Evangelium d. Matthäus, Nachgelassene Ausarbeitungen u. Entwürfe z. Übers. u. Erklärung, hrsg. v. W. Schmauch, 1956;
    Urchristl. Mystik, Neutestamentl. Stud., 1956.

  • Literatur

    In Memoriam E. L., hrsg. v. W. Schmauch, 1951 (W-Verz., P);
    E. Esking, Glaube u. Gesch. in d. theol. Exegese E. L.s, 1951;
    H.-J. Barkenings, Bruderschaft mit d. Juden? in: Junge Kirche 1, 1981, S. 10-14;
    G. Otto (geb. Lohmeyer), Erinnerung an E. L., in: Dt. Pfarrerbl. 8, 1981, S. 358-62;
    G. Saß, Die Bedeutung E. L.s f. d. neutestamentl. Forschung, in: ebd., S. 356-58.

  • Autor/in

    Gerhard Saß
  • Empfohlene Zitierweise

    Saß, Gerhard, "Lohmeyer, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 132 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118780328.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA