Lebensdaten
1792 bis 1871
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Schauspieler ; Regisseur
Konfession
jüdisch,evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 119164035 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kindermann, Hans (Pseudonym)
  • Sonnabend, Tobias (Pseudonym)
  • Waller, Kurt (Pseudonym)
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Zitierweise

Lewald, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119164035.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel Markus ( um 1800), Kaufm. in K., S d. Markus David Wehle in K.;
    M N. N. Eichel (Euchel): Om Isaak Abraham Euchel (1756–1804), Vorkämpfer d. Mendelssohnschen Haskala, Mitbegr. d. Ges. z. Förderung d. hebr. Sprache 1782, Hrsg. d. hebr. Zs. „ha-Meassef“ (1782-90), dann in Berlin Leiter d. Druckerei „Chinnuch Nearim“, 1792 Mitbegr. d. Ges. d. Freunde, Mitarb. an Mendelssohns Bibelübers. (s. L);
    - Kathi N. N.; kinderlos (?);
    N Fanny (s. 2);
    Groß-N Theodor (s. 3).

  • Leben

    Durch den frühen Tod des Vaters und infolge der preuß. Niederlage gegen Frankreich verarmte L.s Familie. Er mußte das Gymnasium verlassen und eine kaufmännische Lehre bei seinem Onkel David aufnehmen. 1813 verließ L. die Lehre und nahm als Freiwilliger an den Kriegen gegen Napoleon in Rußland und Polen teil. In Warschau fand er erstmals Zugang zu literarischen Kreisen (1815), in Breslau (seit 1816) machte er die Bekanntschaft von Theaterleuten und Schauspielern wie Karl v. Holtei, Karl Schall, Heinrich Anschütz und Karl Seydelmann. Hier entstanden L.s erste dramatische, zum Teil Pseudonyme Arbeiten nach dem Vorbild Holteis. Die eigene Zeitschrift „Der Breslauer Gesellschafter“ erschien nur 9 Monate. In Wien (seit 1818), Brünn (1821) und München war L. als Schauspieler und Gelegenheitsjournalist tätig; seit 1824 leitete er das Nürnberger Theater und war Mitredakteur des „Nürnberger Correspondenten“. Entscheidend wurde für L. aber sein Aufenthalt in Hamburg (1828), wo seine lebenslange Bekanntschaft mit Heine begann, nach dessen Vorbild er erste Novellen verfaßte. Wie für Heine war auch für L. Paris, wo er sich 1831/32 aufhielt, das Zentrum des europ. literarischen Lebens. L.s Zeitschriften, „Unterhaltungen für das Theaterpublikum“ (1833) in München und „Allgemeine Theater-Revue“ (1836) in Stuttgart, mußten jeweils nach wenigen Monaten ihr Erscheinen einstellen. Erst mit der 1835 gegründeten Zeitschrift „Europa, Chronik der gebildeten Welt“, der ersten deutschen Zeitschrift mit eigenem Feuilletonteil, hatte L. durchschlagenden Erfolg. Durch die geschickte Mischung aus behaglicher Salonplauderei, populärwissenschaftlichen Reiseberichten und jungdeutscher Kritik gelang es ihm, Zensur und Verbot zu unterlaufen. Neben Tendenzliteratur und gefälligen Harmlosigkeiten erschienen hier von L. geförderte literarische Neulinge wie Berthold Auerbach, Fanny Lewald, Nikolaus Lenau, Friedrich Hackländer und sogar Richard Wagner. Im Umkreis dieser nirgends aneckenden Unterhaltungsliteratur setzte auch L.s eigene umfänglichere schriftstellerische Produktion ein. Zwar mit geringem literarischem Anspruch, aber mit scharfem Gespür für die Erfordernisse des literarischen Marktes und des Publikumsgeschmacks errang er mit seinen schnell geschriebenen Romanen und Novellen Ansehen und finanziellen Erfolg. Seine frühen Erzählungen sind stark dem Einfluß der Schauerromantik und den phantastischen Erzählungen E. T. A. Hoffmanns verpflichtet („Die schöne Ägypterin“, „Gadsalünah“). Seit der Bekanntschaft mit Heine und dem Pariser Aufenthalt folgte er dem Stil- und Gattungsvorbild des Jungen Deutschland und der modernen franz. Erzähltechnik. Damit fanden zugleich Zeitgeschichte und gesellschaftliches Leben Eingang in seine Erzählungen, z. B. in die den aktuellen Polenstoff behandelnden „Novellen“ (3 Bde., 1831–33). Die historischen Romane und Erzählungen wie „Hans Holbein“, „Artushof“, „Der abgerissene Knopf“ oder „Gorgona“ (1833) nehmen das Vorbild des historischen Romans nach Walter Scott nicht direkt auf, wohl aber über die Vermittlung franz. Erfolgsautoren (Dumas, Hugo). In diesen Zeit- und Sittengemälden ist die traditionelle Heldenfigur nur noch Vehikel für die Darstellung der Gesellschaft. Zur Gattung des Zeitpanoramas gehören auch die beiden Romane „Die Memoiren eines Banquiers“ (1836) und „Theater-Roman“ (1841 u. dem T. „Die Geheimnisse des Theaters“, 1845). Da L. mit einer stärkeren Zeitorientierung seiner Zeitschrift (seit 1845 u. d. T. „Das neue Europa“) keinen Erfolg hatte, verkaufte er sie 1846 an Gustav Kühne und wandte sich erneut dem Theater zu. Am Stuttgarter Landestheater (seit 1850) inszenierte er vor allem Opern. Mit der Herausgabe einer neuen Zeitschrift, der konservativen „Deutschen Chronik“ (seit 1849), zog sich L. zunehmend vom zeitgenössischen Literaturbetrieb zurück. Mit seinem Umzug nach München und seiner Konversion zum Katholizismus (1852) geriet er seinem Lesepublikum endgültig aus dem Blick. Seit seiner Pensionierung als Oberregisseur in Stuttgart 1863 stellte er seine publizistische Tätigkeit in den Dienst eines ultramontanen Katholizismus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Album v. Paris, 2 Bde., 1832;
    Tyrol vom Glockner b. z. Ortler u. vom Gardasee b. z. Bodensee, 2 Bde., 1833 f.;
    Aquarelle aus d. Leben, 4 Bde., 1836 f. (Bd. 5 u. 6 u. d. T. Neue Aquarelle aus d. Leben);
    Blaue Mährchen, 1837;
    Mörder u. Gespenster, 2 Bde., 1840;
    Aus d. Jugendleben Friedrichs d. Großen, 2 Bde., 1840 f.;
    Entwurf zu e. prakt. Schauspielschule, 1846;
    Aus d. kath. Leben d. Gegenwart, 1862;
    Clarinette, 3 Bde., 1863 (Roman);
    Der Insurgent, 2 Bde., 1865 (Roman);
    Moderne Familiengeschichten, 3 Bde., 1866;
    Inigo, Eine Bilderreihe aus d. Leben d. hl. Ignatius v. Loyola, 1870;
    Letzte Fahrten, 1871;
    Ein Menschenleben, Gesammelte Schrr. in e. Ausw., 12 Bde., 1844-46.

  • Literatur

    ADB 18;
    K. Gutzkow, Öffentl. Charaktere, in: ders., Werke, hrsg. v. H. H. Houben, VIII, 1908, S. 192-202;
    U. Cruse, A. L. u. s. zeitgeschichtl. Bedeutung, 1933 (W-Verz., L);
    G. Reischert, Theater u. Dramaturgie in d. theaterkrit. Schrr. A. L.s (1833-46), Diss. Göttingen 1961;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Goedeke XI, 1, S. 509-15. - Zu Om Euchel:
    M. Erik, Di Komedies fun d. Berliner Oyfklerung, 1933, S. 42-61;
    Enc. Jud. VI, 1971.

  • Autor/in

    Rolf Selbmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Selbmann, Rolf, "Lewald, August" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 408 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119164035.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lewald: Johann Karl August L. wurde am 14. October 1792 zu Königsberg in Preußen als der Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren, mußte nach dem frühen Tode desselben seine Gymnasialstudien unterbrechen und sich gegen seine Neigung gleichfalls dem Handelsfache widmen. Die alte Liebe zu den Wissenschaften war jedoch zu mächtig in ihm, als daß er es auf die Dauer in dem ihm aufgedrungenen Berufe hätte aushalten sollen. Nach fleißigem Studium der modernen Sprachen war er eben im Begriff, die Kunst als Lebensberuf zu erwählen und zu seiner weiteren Ausbildung nach Italien zu reisen, als der Krieg gegen Frankreich ausbrach (1813) und L. als Freiwilliger in das Heer trat. Er erkrankte indessen bald und erhielt seinen Abschied. Nach seiner Genesung begab er sich in Geschäften eines nahen Verwandten nach Warschau, lernte hier den russischen General v. Rosen kennen und machte mit demselben als Secretär seiner Kanzlei den Feldzug nach Frankreich mit. Nach Beendigung desselben durchstreifte er Deutschland und nahm erst in Breslau längeren Aufenthalt. Seine Bekanntschaft mit Schall und Holtei wurde die Veranlassung, daß er sich der Bühne zuwandte. Ueber Wien begab er sich nach Brünn, wo er 1818 als Schauspieler auftrat und drei Jahre lang, vorwiegend als Theaterdichter, thätig blieb. Hierauf wurde er Secretär am Isartheater in München, später Theaterdichter und Secretär beim Director Carl in Wien und übernahm nach zwei Jahren (1824) die Oberleitung des Nürnberger Stadttheaters und zugleich einen Theil der Redaction des „Nürnberger Correspondenten“. Obwol bereits früher als Dichter unter dem Namen Kurt Waller am „Breslauer Gesellschafter", an der „Abendzeitung", an der „Pannonia“ und Holtei's „Jahrbuch deutscher Nachspiele“ thätig, schrieb er doch in Nürnberg sein erstes selbstständiges Werk, seine „Geschichte der Musik“ (1826) und betrat damit zugleich die Schriftstellerlaufbahn. Nachdem L. kurze Zeit das Theater in Bamberg geleitet, kam er als Theaterdichter und Comparsen-Inspector nach Hamburg, wo er vier Jahre verweilte und seine Novelle „Der Rächer“ (1829), sein Zeitbild „Warschau“ (1831) und drei Bände „Novellen“ (1831—33) schrieb. Um sich ganz schriftstellerischer Thätigkeit widmen zu können, begab er sich 1831 nach Paris, verließ aber wegen der Cholera nach neun Monaten diese Stadt wieder und übersiedelte nach München, dem Geburtsorte seiner Frau. Hier entstanden sein „Album aus Paris“ (2 Bde., 1832), „Gorgana. Bilder aus dem französischen Mittelalter“ (2 Bde., 1832), „Gadsalünah. Erinnerungen aus Hamburg“ (1833). Im J. 1834 verlegte L. seinen Wohnsitz nach Stuttgart, gründete hier 1835 die Zeitschrift „Europa. Chronik der gebildeten Welt“, mit der er später nach Karlsruhe übersiedelte und die er bis 1846 redigirte, wo sie Gustav Kühne übernahm. Während dieses Zeitraumes schrieb L. seine Erinnerungen aus dem Leben nieder, die als „Aquarelle aus dem Leben" (4 Bde., 1836—37), „Neue Aquarelle aus dem Leben" (1840) und „Gesammelte Schriften", a. unter dem Titel: „Ein Menschenleben“ (12 Bde. 1843—46) erschienen. Mehrfache Reisen gaben ihm den Stoff zu seinen Schriften „Tyrol vom Glockner bis zum Orteler und vom Gardasee bis zum Bodensee“ (2 Bde.,|1835), „Handbuch für Reisende am Rheine“ (1838), „Praktisches Reisehandbuch nach und durch Italien" (1840); an novellistischen Arbeiten veröffentlichte er „Schattirungen" (2 Bde., 1836), „Memoiren eines Banquiers" (2 Bde., 1836—37), „Blaue Märchen für alte und junge Kinder" (1837), „Beaumarchais' Memoiren" (2 Bde., 1838), die Novellensammlung „Der Divan“ (6 Bde., 1839), „Erzählende Schriften“ (10 Bde., 1840), „Fee Rosa“ (1840), „Aus dem Leben Friedrichs des Großen“ (2 Bde., 1840—41), „Mörder und Gespenster" (1840), „Theater-Roman" (5 Bde., 1841), „Deutsche Volkssagen" (1845), „Russische Geschichten" (2 Bde., 1846); und seine früheren Beziehungen zum Theater fanden ihren Ausdruck in seinen „Schauspielen“ (2 Bde., 1838) und in seinem „Entwurf einer praktischen Schauspielerschule“ (1846). Nach Niederlegung der Redaction der „Europa“ lebte L. eine Zeit lang in Wien und während der Revolutionsjahre in Frankfurt a. M. Von dem politischen Treiben in dieser Stadt abgestoßen, ging er 1849 nach Stuttgart, übernahm hier die Redaction der conservativen „Deutschen Chronik“ und wurde fast gleichzeitig zum Regisseur des Hoftheaters und der Oper bestellt. In dieser Stellung blieb er bis zum J. 1863; inzwischen war er 1860 in München zur katholischen Kirche übergetreten. Nach seiner Pensionirung lebte er als Privatmann erst in Baden-Baden, dann in München und hier starb er am 10. März 1871. Von seinen Schriften aus der letzten Periode seines Lebens sind die ganz in katholischem Geiste gehaltenen Romane und Erzählungen „Clarinette" (3 Bde., 1863), „Der Insurgent" (2 Bde., 1865), „Moderne Familiengeschichten" (3 Bde., 1866), „Anna“ (1868) und „Inigo“ (1870) zu erwähnen.

    • Literatur

      Rosenthal, Convertitenbilder aus dem 19. Jahrh., I. S. 1010. — Kehrein, Lex. der kathol. Dichter u. Schriftsteller, I. S. 230. —
      v. Rehden, Deutsches Bühnen-Lex., I. S. 399. — Männer der Zeit, II. S. 377.

  • Autor/in

    Franz , Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Lewald, August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 512-513 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119164035.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA