Lebensdaten
1866 bis 1930
Geburtsort
Adendorf bei Bonn
Sterbeort
Burg Bergerhausen bei Köln
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 126119295 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Loë, Clemens Freiherr von

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Zitierweise

Loë, Clemens Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126119295.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1820–1907), auf Longenburg u. Hoyendonk, S d. Friedrich Gf. (s. Gen. 1) u. d. Luise Gfn. Wolff Metternich zur Gracht;
    M Mathilde (1839–72), T d. Victor Frhr. Waldbott v. Bassenheim u. d. Ferdinandine Freiin v. Quernheim;
    Ov Felix (s. 1), Walter (s. 2);
    Schw Anna ( Adolf Frhr. v. Dalwigk zu Lichtenfels. 1860-1924, preuß. Reg.präs., 1922-24 Vorsitzender d. Landwirtsch.kammer f. d. Rheinprovinz);
    Vt Paulus (s. 4);
    - Gimborn 1895 Mathilde (1875–1940), T d. Egon Frhr. v. Fürstenberg, auf Gimborn, u. d. Berthe Gfn. v. Marchant u. Ansembourg; kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Studium der Rechtswissenschaft in Bonn, München und Löwen und dem Besuch der Landwirtschaftlichen Akademie in Poppelsdorf b. Bonn betätigte sich L. in der Landwirtschaft. Noch als Student amtierte er eineinhalb Jahre als ehrenamtlicher Bürgermeister von Oberkassel, später von Blatzheim. Anfang der 90er Jahre erwarb er das Rittergut Bergerhausen (450 ha) im Kreis Bergheim. Weitere Güter in den Kreisen Geldern (Hoyendonk) und Euskirchen (Ving) gaben L. die wirtschaftliche Unabhängigkeit, um sich in der Landwirtschaftskammer, im Genossenschaftswesen und vor allem im Rheinischen Bauernverein, dessen Präsidentschaft ihm 1903 gleichsam als Familienerbe zufiel, ganz der wirtschaftspolitischen Interessenwahrnehmung widmen zu können. Der agrarischen Fronde eng verbunden – 1907 unterzeichnete er mit anderen „Nationalkatholiken“ einen Aufruf gegen das Zentrum –, zog L. 1908 in das Preuß. Abgeordnetenhaus ein, dem er bis zum Ende der Monarchie angehörte. Der rhein. Zentrumsparlamentarier kath.-aristokratischer Prägung war einer der Väter des „Kartells der schaffenden Stände“ (1913). Der agrarische Parteiflügel, der durch die Unterstützung der Sammlungspolitik zur Spaltung der konservativen Kräfte des Zentrums beitrug, war nicht bereit, sich dem Führungsanspruch einer der fortschreitenden Parlamentarisierung und Industrialisierung Rechnung tragenden Generation jüngerer Zentrumsparlamentarier zu beugen. In vorderster Linie bekämpfte er die Reform des preuß. Dreiklassenwahlrechts. Seine monarchistische Grundüberzeugung hat L. auch später in der Republik nie verleugnet. Die nahezu völlige Verdrängung des grundbesitzenden Adels aus den Parlamentsfraktionen des Zentrums nach der Revolution 1918/19 – L. war noch eine Zeitlang Mitglied des Rhein. Provinziallandtages – legte Zündstoff für weitere Konflikte. In einem zähen, stets persönlich und polemisch geführten Abwehrkampf konnte er im agrarischen Vereinswesen eine interessenpolitische Aufsplitterung in Grenzen halten und dem Rhein. Bauernverein die dominierende Stellung sichern, ohne allerdings die agrarischen Bastionen in der Zentrumspartei wiedererlangen zu können. L., der im Frühjahr 1919 in Verbindung mit Rheinstaatsplanungen gebracht wurde, war nicht bereit, die Zusammenarbeit von Zentrum und Mehrheitssozialdemokratie in Preußen und im Reich zu tolerieren, schreckte aber vor dem Risiko der Gründung einer Landpartei zurück. Mit der rhein. Parteiführung (W. Marx) lag er in Dauerfehde. In der populistischen Traditionslinie des Rhein. Bauernvereins warb L., der den Vorwurf einseitiger Klassenpolitik stets zurückwies, für eine „Politik des flachen Landes“ und für die Einbindung des Zentrums in einen „Rechtsblock“. Anläßlich der Reichspräsidentenwahl 1925 verweigerte er jede Unterstützung des Zentrumskandidaten Marx. Ungeachtet der Vereinigung des Rhein. Bauernvereins mit dem Rhein. Landbund (1927/29), die in der Bauernvereinsorganisation überwiegend auf Widerspruch stieß, konnte L. sein Ziel eines organischen Zusammenschlusses der Landwirtschaft nicht erreichen. Im Kampf um den Vorsitz des genossenschaftlichen Einheitsverbandes unterlag er 1929 A. Hermes.|Selbst im Rheinland konnte L. die genossenschaftliche Einheitsorganisation unter seiner Führung nicht voll durchsetzen. Der adelsstolze Autokrat hat als Vorsitzender des Verbandes rhein. landwirtschaftlicher Genossenschaften (Köln) seit 1899 und als Präsident des Rhein. Bauernvereins seit 1903 sowie in einer Vielzahl von Verbands- und Ehrenämtern der rheinischen Landwirtschaft in über drei Jahrzehnten rastlosen Wirkens seinen Stempel aufgedrückt.|

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Landwirtsch. Hochschule Bonn 1928).

  • Werke

    Das Getreidemonopol, Ein Btr. z. Reichsfinanzpol, nach d. Kriege, 1917;
    Die Organisation d. landwirtsch. Berufsstandes, 1917.

  • Literatur

    Nachrufe: Rhein. Bauer Nr. 51 v. 20.12.1930 (P);
    Köln. Volksztg. Nr. 624 v. 8.12.1930 (Abendausg.);
    Köln. Ztg. Nr. 670 v. 8.12.1930 (Abendausg.);
    - F. Jacobs, Von Schorlemer (…), 1957;
    R. Morsey, Die Dt. Zentrumspartei 1917–23, 1966;
    H. Barmeyer, Andreas Hermes u. d. Organisationen d. dt. Landwirtsch., 1971;
    M. Schumacher, Land u. Pol., Eine Unters. üb. pol. Parteien u. agrar. Interessen 1914–23, 1978;
    K. Reimer, Rheinlandfrage u. Rheinlandbewegung (1918–33), Ein Btr. z. Gesch. regionalist. Bestrebungen in Dtld., 1979;
    U. v. Hehl, Wilhelm Marx in d. pol. Auseinandersetzungen d. Zentrumspartei während d. 1. Weltkrieges, in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 186, 1983, S. 98-138;
    Wenzel;
    Rhdb. (P).

  • Portraits

    Phot. in: GHdA 21.

  • Autor/in

    Martin Schumacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Schumacher, Martin, "Loë, Clemens Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 15-16 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126119295.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA