Lebensdaten
erwähnt 847, gestorben 874
Beruf/Funktion
Bischof von Hildesheim
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11864842X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aldfredus <Heiliger>
  • Aldfredus <Hildesheim, Bischof>
  • Aldfredus <von Hildesheim>
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Zitierweise

Altfrid, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11864842X.html [28.07.2016].

CC0

Altfrid

Bischof von Hildesheim (seit 851), 15.8.874, begraben Essen.

  • Genealogie

    Aus sächsischem Adel; V Ovo; M Richeit.

  • Leben

    A.s Anteil an der Gründung der Klöster Lamspringe und Gandersheim sowie die häufige Erwähnung in den entsprechenden Nekrologien sprechen dafür, daß er zu den Klosterstiftern Graf Ricdag und Herzog Liudolf in verwandtschaftlichem Verhältnis stand. Über die Zeit vor seiner Erhebung zum Bischof von Hildesheim, die erst in reiferen Jahren erfolgt sein kann, berichten die zeitgenössischen Quellen nichts, spätere - und nicht immer ungetrübte - machen ihn zum Mönch von Fulda oder Corvey. Ob die Gründung von Essen, wo nach alter Überlieferung seine Schwester Gerswind die erste Äbtissin wurde, und von Salighenstad (eingegangen, wahrscheinlich Osterwieck bei Halberstadt) in die Zeit vor 851 fällt, ist nicht sicher. Vermutlich aber hat A. schon in den 40er Jahren Beziehungen zu Papst Sergius II. aufgenommen, dessen Name bei allen Gründungen, an denen A. beteiligt war, auffällig hervortritt. Als Bischof von Hildesheim annullierte A. die von seinem Vorgänger Ebo (vormals Erzbischof von Reims) erteilten Weihen. Der häufige Besuch von Synoden (852 und 857 Mainz, 864 Pitres, 868 Worms, 873 Köln) bezeugt sein reges Interesse an der Kirchenpolitik, mit dem er, wie sein Zeitgenosse Hincmar von Reims, theologische Bildung und praktische Fürsorge für den Klerus verband. In der Reichspolitik spielte er seit etwa 860 als Ratgeber Ludwigs des Deutschen eine hervorragende Rolle, die ihn ebenso als gewandten und von der Gegenseite geschätzten Vermittler zeigt (860 in Koblenz, 862 in Savonnieres, 865 in Thousey, wo ihn Karl der Kahle als Vertragsbürgen benannte) wie als entschiedenen Parteigänger seines Herrn (in den Teilungsverträgen von Metz 867, Aachen und Meersen 870; aktiv beteiligt an der Erhebung Williberts von Köln gegen den Kandidaten Karls des Kahlen, Hilduin). A. wurde in Essen als Heiliger verehrt.

  • Werke

    Autograph: UB d. Hochstifts Hildesheim u. seiner Bischöfe, T. 1, hrsg. v. K. Janicke, 1896, Nr. 6, = Publikationen aus d. preuß. Staatsarchiven, Bd. 65.

  • Literatur

      ADB I;  K. Grube, Der hl. A., 1875;  Kölner Pastoralbl., Bd. 25, 1891, S. 28-30;  A. Bertram, Gesch. d. Bistums Hildesheim, 1899, S. 26-46;  W. Ribbeck, Ein Essener Necrologium aus d. 13./14. Jh., in: Btrr. z. Gesch. v. Stadt u. Stift Essen, H. 20, 1900, S. 33, 39, 41, 78, 92, 104 f;  F. Ahrens, Der liber ordinarius d. Essener Stiftskirche u. seine Bedeutung f. d. Liturgie, Gesch. u. Topogr. d. damaligen Stiftes Essen, ebenda, H. 21, 1901, S. 109 bis 126, 154-56;  L. van de Loo, Eickenscheidt, ebenda, H. 56, 1938;  G. O. v. Wersebe, Der A.sdom z. Hildesheim u. d. Gründungskirchen v. Essen u. Gandersheim, Diss. Göttingen 1937;  G. Ullrich, Die Kölner Bischofswahl v. 870, in: Rhein. Vjbll. 11, 1941;  H. Goetting, Die Anfänge d. Reichsstifts Gandersheim, in: Braunschweig. Jb. 31, 1950, S. 30-34, 40;  Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques II, 1914.

  • Autor

    Sabine Krüger
  • Empfohlene Zitierweise

    Krüger, Sabine, "Altfrid" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 218 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11864842X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Altfrid

  • Leben

    Altfrid, vierter Bischof der von Ludwig dem Frommen gestifteten Hildesheimer Kirche (851—874), ein Niedersache, folgte auf Ebbo, dessen Weihen er für ungiltig erklärte, weil derselbe von dem Erzbisthume Reims ungesetzlicher Weise zum Bisthum Hildesheim übergegangen war. Vorher scheint er dem Kloster Korvei angehört zu haben. A., dessen Scharfsinn und geistige Gewandtheit höchlich gerühmt werden, spielt unter Ludwig dem Deutschen vielfach als Staatsmann eine hervorragende Rolle und es ist dies um so bemerkenswerther, als er dem sonst spröde sich absondernden sächsischen Stamme entsprossen war. Wir finden ihn zuerst auf der Mainzer Synode von 852, sowie auf einer zweiten im Oct. 857, dann auf dem Friedenscongresse zu Koblenz, welcher im Juni 860 das gestörte Einvernehmen der drei fränkischen Theilreiche wiederherstellte und bei den zu dem gleichen Zwecke im J. 862 gepflogenen Verhandlungen zwischen Ludwig und Karl dem Kahlen, die zu einer Zusammenkunft beider mit Lothar zu Sablonieres führten. Abermals im Sinne der Vermittelung besuchte er den westfränkischen Reichstag zu Pistres 864 und trat gleich darauf im Febr. 865 zu Thousey bei Tull in Gemeinschaft mit dem Erzbischofe Liutbert von Mainz als Bürge für den Bundesvertrag ein, den Ludwig und Karl mit einander abgeschlossen. Jener befragte ihn bei diesem vertrauten Beisammensein neben dem gelehrten Hinkmar von Reims über eine schwierige Psalmenstelle und im Namen beider Könige übernahm er mit dem Bischofe von Chalons eine Gesandtschaft an Lothar, ihren Neffen. Nachdem er 868 das Wormser Concil mitgemacht hatte, das vorzüglich gegen die griechische Kirche sich wendete, wirkte er im Jan. 870 bei der Wahl und Weihe Williberts zum Erzbischofe von Köln mit, die für die Sicherung Lothringens von wesentlichem Werthe war und bewog bald darauf Karl den Kahlen zu einem Theilungsvertrage über die Erbschaft Lothars II., welcher den deutschen Ansprüchen gerecht wurde, indem er die Grenze bis über Metz erweiterte. Wiederum im Gefolge seines Herrn verhandelte A. im Aug. 871 zu Maestricht mit dem westfränkischen Könige, um die Anerkennung Willibert's auf dem Kölner Stuhle zu erwirken. So in den Reichsgeschäften unermüdlich thätig und auch im Westreiche in gutem Ansehen stehend|— Hinkmar von Reims übertrug ihm die Aufsicht über die in Thüringen gelegnen Besitzungen seiner Kirche — vernachlässigte er doch die nächsten Interessen seines Sprengels und seine Hirtenpflichten in keiner Weise. Vor allem erbaute er in Hildesheim selbst, das bisher nur eine Capelle besessen, ein neues und stattliches Münster, das nach langen Jahren am 1. Nov. 872 zu Ehren der Jungfrau eingeweiht wurde. Er stiftete ferner außerhalb seiner Diözese das Frauenkloster Essen, in welchem Altfrid's Andenken besonders lebendig geblieben ist, weil er dort seine letzte Ruhestätte fand. Die Stiftung, deren Jahr uns unbekannt ist, wurde auf einer Kölner Synode im Sept. 873 bestätigt. Viel zweifelhafter ist die ihm gleichfalls zugeschriebene Begründung des Nonnenklosters Lammspringe. Mitgewirkt hat A. endlich noch bei den Anfängen des Klosters Gandersheim, zu welchem Graf Liudolf in seinem Sprengel den Grund legte, aber die Vollendung fiel über seine Lebenszeit hinaus. Als ein um das Reich wie um die Seinen hochverdienter Mann starb A. am 15. Aug. 874 und noch nach seinem Tode genoß er so große Verehrung, daß man an seinen Gebeinen in Essen wunderbare Heilungen sich vollziehen sah.

    • Literatur

      Vgl. H. A. Lüntzel, Geschichte der Diöcese und Stadt Hildesheim I. 16—35, Hildesheim 1858; Dümmler Geschichte des ostfränkischen Reichs I.

  • Autor

    E. Dümmler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dümmler, Ernst, "Altfrid" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 364-365 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11864842X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA