Lebensdaten
erwähnt 1324 oder 1349 , gestorben 14. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118661418 | OGND | VIAF: 67033692
Namensvarianten
  • Bonerius, Ulrich
  • Boner, Ulrich
  • Bonerius, Ulrich
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Zitierweise

Boner, Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661418.html [03.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Einem früh ausgestorbenen angesehenen Berner Geschlecht entstammend.

  • Leben

    Boner ist in der deutschen Literaturgeschichte als Verfasser des „Edelsteins“, einer verständig moralisierenden Sammlung von 100 Beispielerzählungen, bekannt. Der Dominikaner Boner wird in Bern 1324-49 öfters genannt, seine Sammlung ist 1350 abgeschlossen. Er gehörte offenbar wie sein Mäzen, der Minnesänger Johann von Rinkenberg der Ältere, zum schreibkundigen Patriziat. Er schreibt gut bernisch. Die Beliebtheit seines Werkes zeigt sich schon darin, daß es der erste Druck weltlichen Inhalts ist. Datiert ist die Ausgabe des Bamberger Druckers Albrecht Pfister vom 14.2.1461 (in der Wolfenbüttler Bibliothek, in 2° 88 Blätter mit 101 Holzschnitten). Der „Edelstein“ wurde vom fabelfreudigen 18. Jahrhundert wiederentdeckt, Boners Landsmann Johann Jakob Breitinger druckte das Werk 1757 ab, Lessing rühmt die volkstümliche Didaktik. Boner hat seine literarischen Vorgänger, wie es der mittelalterliche Schriftsteller grundsätzlich tut, ausgiebig ausgeschrieben, er nennt den Aesop. Doch gestaltete er den Stoff recht selbständig und in Inhalt und Stil ansprechend. So wunderlich die Moral am Schluß der Beispiele sein kann, der Sinn für das Humane findet Worte, die aus landsmannschaftlichem Stolz in die neue Zeit weisen: Freiheit zieret alles Leben. Freiheit geht über alles Gut der Welt.

  • Werke

    Der Edelstein, zahlr. Ausgg., Lichtdrucknachbildung d. undatierten (Berliner) Ausg., nebst 6 Taf. der Wolfenbütteler Ausg., 1908.

  • Literatur

    K. Bartsch, in: ADB III;
    Goedeke I, 1884, S. 268-70;
    Ch. Waas, Die Qu. d. Beispiele B.s, Diss. Gießen 1897;
    F. Balsiger, B.s Sprache u. d. bern. Mundart, Diss. Bern 1904, in: Zs. f. hochdt. Mundarten 5;
    R.-H. Blaser, U. B., Un fabuliste suisse du XIVe siècle, Thèse Paris, Mülhausen 1949 (mit Dokumenten-, Hss. u. Inkunabelnachbildungen, nahezu erschöpfenden Qu.nachweisen u. ausführl. L);
    W. Mitzka, in: Vf.-Lex. d. MA. I (L);
    s. a. Körner, S. 141.

  • Autor/in

    Walther Mitzka
  • Empfohlene Zitierweise

    Mitzka, Walther, "Boner, Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 443 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661418.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Boner: Ulrich B., aus einem bürgerlichen Geschlechte zu Bern, lebte in seiner Heimath als Predigermönch, und erscheint zuerst 1324, als Zeuge bei dem Testamente des Walther von Ried zu Thun, zuletzt 1349, wo er zu Bern die Stiftung des Katharinenaltars zu Thurnen durch Nicolaus von Blankenburg bezeugt. Er verfaßte in einer mundartlich gefärbten Sprache, die von der Reinheit des Mittelhochdeutsch im 13. Jahrhundert absticht, vor 1340 eine Fabelsammlung unter dem Titel: „Der Edelstein“, und widmete sie dem Berner Patricier und Ritter Johann v. Ringgenberg, ohne Frage demselben, der in der Pariser Hs. als Verfasser einiger Spruchgedichte begegnet und 1340 zu Bern in hohem Alter starb. Boner's Edelstein ist, wie der Dichter in der Schlußrede selbst sagt, nach lateinischen Quellen gearbeitet; er benutzte hauptsächlich die Fabeln des Avianus und des Anonymus von Nevelet. Daneben hat er auch Anekdoten und Schwänke, die zu seiner Zeit im Schwange waren, namentlich gegen das Ende hin, verarbeitet; auch ein älteres Lehrgedicht, die „Bescheidenheit“ des Freidank, ist nicht selten benutzt; wenn er diese Quelle nicht nannte, so geschah es weil damals die Sprüche des Freidank schon Gemeingut geworden waren. Der Edelstein besteht im Ganzen aus hundert Fabeln, wozu noch ein ebenfalls gereimter Prolog und Epilog kommt. Seinen lateinischen Quellen steht B. durchaus frei und selbständig gegenüber. Mit einem nicht gewöhnlichen Erzählungstalent vereinigt er gemüthvolle und auch humane Gesinnung, aber ebenso sittlichen Ernst in den eingeschärften Lehren. Die Lehre, die Moral der Fabel ist ihm die Hauptsache, und nimmt daher einen viel breiteren Raum als in seinen Quellen ein. Sie ist immer mit einfachen, schlichten, aber warmen Worten, klar und bestimmt vorgetragen, und mit Recht weist der Dichter die kunstvoll geflochtene Dichtweise, in der sich sein Zeitalter gefiel, zurück. Im Mittelalter ein beliebtes Buch und vielfältig abgeschrieben, wurde der Edelstein bald nach Erfindung der Buchdruckerkunst (1461) zu Bamberg gedruckt. Nachdem im Beginn des 18. Jahrhunderts Scherz zuerst wieder auf ihn aufmerksam gemacht, gab 1757 Breitinger ihn fast vollständig heraus und widmete ihm kein Geringerer als Lessing aus Anlaß dieser Ausgabe ein eingehendes Studium. Mit scharfem Blicke den Werth und die Bedeutung des Werkes erkennend, ging er dessen Quellen nach und seine Ermittelungen sind noch heute maßgebend. In unserem Jahrhundert hat ihn zuerst Benecke unter Benutzung|von Handschriften (Berlin 1816), dann auf Grund reicheren Handschriftenmaterials Pfeiffer (Leipzig 1844) herausgegeben.

    • Literatur

      Vgl. noch v. Stürler in Pfeiffer's Germania I. 117; Schönbach in der Zeitschr. f. deutsche Philologie VI. 251.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Boner, Ulrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 121-122 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661418.html#adbcontent

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