Lebensdaten
geboren Mitte 18. Jahrhundert
Geburtsort
Bonn
Sterbeort
Brauneck (Tirol) auf der Rückreise nach Italien
Beruf/Funktion
Theaterdirektor
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116237929 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bondini, Pasquale

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Zitierweise

Bondini, Pasquale, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116237929.html [13.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Catarina, gefeierte Prager Opernsängerin, u. a. in Mozarts „Figaros Hochzeit“ und als Zerlina der Uraufführung des „Don Giovanni“.

  • Leben

    Als „Basso buffo“ und Opernregisseur der Truppen des G. Molinari und des J. Bustelli trat B. 1762/63 erstmals in Prag in Erscheinung. 1764 gründete der mit echtem Theatersinn Begabte im Prager Kotzentheater seine eigene italienische Opernimpresa. Die Dresdener|Opera buffa, die B. 1765 dazu ins Leben rief, mußte infolge des Bayerischen Erbfolgekrieges aufgelöst werden. Jedoch wußte er sich dem Dresdner Hof so zu verpflichten, daß ihm die Gesamtdirektion des kurfürstlich subventionierten Hoftheaterwesens übertragen wurde. Er behielt seinen Konkurrenten J. Ch. Brandes als Regisseur bei und brachte die bedeutsamsten Aktualitäten seiner Zeit (1777 Emilia Galotti, 1778 Clavigo, 1779 Hamlet, Macbeth, 1780 Räuber u. a.) zur Aufführung. Die bekannten Hamletdarsteller seiner Zeit spielten bei ihm oder nahmen sich Anregung bei seiner Truppe, die einen natürlichen Konversationston bevorzugte. 1779 wurde B. vom Prager Adel mit der Leitung einer neuen Oper betraut, die er im Thunschen Theater einrichtete. Auch hier verstand er, vom Kaiser Joseph II. empfohlen, dem 1783 in Prag von C. Wahr bespielten, von Graf Anton von Nostitz gepachteten Kotzentheater Konkurrenz zu machen, so daß auch die Leitung des neugebauten gräflich Nostitzschen National-Theaters auf dem Karolinenplatz ihm übertragen wurde. Da B. während der Messezeit gastierte, bespielte er zeitweise 4 Theater in Dresden, Prag und Leipzig. Mit J. Friedrich Reinecke als Schauspielregisseur und dem Italiener D. Quardasoni als Opernregisseur wußte er die geeigneten künstlerischen Vertreter zu verpflichten. 1785 brachte er die erste Aufführung in tschechischer Sprache unter der Direktion von F. Bulla, mit dem er die zweite B.sche Gesellschaft gegründet hatte. B.s Fähigkeiten als Theaterleiter gipfelten in der richtigen Erkenntnis der Prager Mozartbegeisterung, die dem in Wien distanziert aufgenommenen „Figaro“ in der B.schen Aufführung (1786 unter der Regie von D. Quardasoni) einen triumphalen Erfolg bereitete. B. konnte Mozart, der selbst am 20.1.1787 eine Aufführung des Figaro dirigierte, für das übliche Honorar von 100 Dukaten zur Komposition einer neuen Oper verpflichten.

    Mozarts „Don Giovanni“, in seiner Komposition im Zuschnitt auf die Möglichkeiten des Prager Nationaltheaters geschrieben und unter Mozarts eigener Oberleitung einstudiert, bestätigte die Leistungsfähigkeit der B.schen Operngesellschaft und ihrer frischen Darstellerindividualitäten, ihres natürlichen Darstellungsstiles und des hervorragenden, von Mozart selbst bedankten Orchesters, das der Überlieferung zufolge die Ouvertüre ohne Probe zu spielen vermochte (Uraufführung 29.10.1787).

    Nach Ablauf des Kontraktes mit dem Besitzer des Nationaltheaters überließ B. seine Prager Operngesellschaft D. Quardasoni. F. Seconda, B.s Kassierer, wurde Kompagnon des Dresdener Schauspiels. 1789 überließ B. alle seine Rechte Seconda, verkaufte diesem für 8000 Gulden das Thunsche Theater samt seinem Inventar. Instinktsicher in der Wahl künstlerischer und finanzieller Mittel, war B. einer der bedeutendsten Theaterimpresarios seines Jahrhunderts, der sich um italienische Oper und deutsches Schau- und Singspiel gleichermaßen verdient gemacht hat.

  • Literatur

    ADB XLVII (L);
    Beobachtungen in Prag v. einem reisenden Ausländer, Prag 1797;
    Taschenb. f. d. Schaubühne auf d. J. 1791, Gotha o. J.;
    J. C. Brandes, Meine Lebensgesch. II, 1800, S. 222, 245;
    O. Teuber, Gesch. d. Prager Theaters, 1883–85;
    R. v. Prochazka, Mozart in Prag, 1892;
    R. Proelß, Kurzgefaßte Gesch. d. dt. Schauspielkunst, 1900, S. 207-11, 278-83;
    B. Paumgartner, Mozart, 1927, S. 368 f., 371, 374 f;
    O. Schürer, Prag, 41935, S. 280 ff.;
    P. Nettl, Mozart in Böhmen, Prag 1938.

  • Autor/in

    Karl Richter
  • Empfohlene Zitierweise

    Richter, Karl, "Bondini, Pasquale" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 441 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116237929.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bondini: Pasquale B., Theaterdirector, taucht zuerst in der Opernsaison von 1762 auf 1763 in Prag als Baßbuffo auf und wird als eines der tüchtigsten Mitglieder der Gesellschaft des Gaetano Molinari gerühmt. Später begegnen wir ihm als Mitglied der Bustelli'schen Operngesellschaft. Durch Bustelli, der sich im J. 1776 von seinem Vertrag mit dem Dresdener Hof zurückzog, kam B. nach Dresden. Bustelli überließ ihm die Leitung seiner Operngesellschaft, und am 11. Juli 1777 wurde mit B. vereinbart, daß er die Direction des gesammten Theaterwesens am kurfürstlichen Hof zu Dresden mit einer Subvention von 6000 Thalern übernehmen sollte. Zu Michaelis 1777 kam B. nach Leipzig und stellte sich der unter Brandes stehenden Hofschauspielergesellschaft vor, die er nach Beendigung der Messe nach Dresden überführte. Da er aber wenig vom deutschen Theater verstand und nicht einmal der deutschen Sprache völlig mächtig war, mußte er die Verwaltung der Directionsgeschäfte seinem Regisseur Brandes fast ganz überlassen. Während er zur Ostermesse im Frühjahr 1778 in Leipzig weilte, hatte er durch allerhand ärgerliche Streitigkeiten zwischen seinem Regisseur Brandes und dem Schauspieler Reinecke viel zu leiden. Beim Ausbruche des Bairischen Erbfolgekrieges wurde B. am 14. Juni 1778 der Dresdener Contract gekündigt, während der für Leipzig bestehen blieb. Ein Jahr darauf wurde der alte Contract in seinem vollen Umfange erneuert und B. die rückständigen Subventionsgelder ausgezahlt. Seit dem Jahre 1781 übernahm er auch noch die Leitung der Prager Oper und mußte nun mit seiner Truppe zwischen Leipzig, Dresden und Prag beständig umherwandern. Trotzdem gelangte das deutsche Schauspiel unter seiner Leitung zu großer Blüthe, da Bondini's Regisseur Reinecke Bedeutendes leistete und ihm eine Reihe tüchtiger Kräfte zur Verfügung standen. In Prag aber sorgte er|selbst dafür, daß sich die Oper auf ihrer Höhe erhielt. Im J. 1782 ließ er Mozart's „Entführung aus dem Serail“ in Prag auf der Bühne erscheinen, und im J. 1786 nahm er sich des in Wien durchgefallenen „Figaro“ mit großem Erfolg an. In seinen letzten Lebensjahren machte ihm die Concurrenz der böhmischen Schauspieler viel zu schaffen. Er suchte sich durch die Erwerbung des städtischen Kotzentheaters schadlos zu halten, konnte aber seine Absicht nicht durchsetzen. Er überließ daher seine Prager Operngesellschaft seinem artistischen Leiter Domenico Guardasoni und mußte sich auch entschließen, im J. 1788 für seine Dresdener und Leipziger Schauspielertruppe seinen bisherigen Cassirer Franz Seconda als Compagnon aufzunehmen. Bald darauf, am 31. October 1789, starb er zu Brauneck in Tirol, als er mit seiner Familie auf der Reise nach Italien begriffen war.

    • Literatur

      Vgl. Taschenbuch für die Schaubühne auf das Jahr 1791. Gotha o. J. S. 273. — Joh. Christ. Brandes, Meine Lebensgeschichte. Berlin 1800. II, 222. 245. —
      (Blümner,) Gesch. des Theaters in Leipzig. Leipzig 1818, S. 196 s. —
      E. Kneschke, Zur Geschichte des Theaters und der Musik in Leipzig. Leipzig 1864. S. 50 fg. — Moritz Fürstenau, Die Theater in Dresden 1763—1777. S. 33. (Separatabdruck aus dem 26. Hefte der Mittheilungen des K. Sächs. Alterthumsvereins 1875.) —
      O. Teuber, Geschichte des Prager Theaters. Prag 1885. II, 127—248. — Max Wittig, Joh. Christian Brandes. Schneeberg 1899. S. 29. 30.

  • Autor/in

    H. A. Lier.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lier, Hermann Arthur, "Bondini, Pasquale" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 97-98 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116237929.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA