Lebensdaten
1744 bis 1806
Geburtsort
Meldorf (Holstein)
Sterbeort
Meldorf (Holstein)
Beruf/Funktion
Dichter ; Schriftsteller ; Herausgeber ; Mitglied des Göttinger Hainbundes
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118661078 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Boie, Heinrich Christian
  • Boie, Heinrich C.
  • Boie, Heinrich Cristian

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Zitierweise

Boie, Heinrich Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661078.html [18.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Friedrich (1716–76), Pastor in Meldorf und Flensburg, S des Manke, süderdithmarscher Landesgevollmächtigter, und der Marg. Wilkens;
    M Engel Katharina, T des Predigers in Ahrensboek Heinrich Peter Haberkorn, aus hessischer Gelehrtenfamilie;
    Schw Ernestine ( Johann Heinrich Voß, 1751–1826, Dichter);
    1) Celle 1785 Luise (1746–86), T des Kriegskanzleisekretärs Franz Otto Mejer in Hannover und der Sophie Katharina Kaiser, 2) Ohsen (Weser) 1788 Sara (1754–1842), T des Amtmanns Konr. Albrecht von Hugo; 7 K aus 2), u. a. Heinrich (1794–1827), Zoologe, Kustos am Reichsmuseum Leiden, 1825 Leiter einer holländischen Expedition nach Java, Friedrich (1789–1870), Justitiar in Kiel, veröffentlichte ornithologische Abhandlungen in L. Okens „Isis“ (1822-35) und im „Journal für Ornithologie“ (1855-69).

  • Leben

    B. begann in Jena das Studium der Theologie, wechselte aber bald zur juristischen Fakultät über und ging 1769 als Hofmeister junger Engländer nach Göttingen, wo er sich während der folgenden Jahre eine bedeutende Stellung im literarischen Leben errang, indem er gleichzeitig zu den älteren aufklärerischen und anakreontischen Dichtern lebhafte, auf bleibender geistiger Verwandtschaft beruhende Verbindungen knüpfte und durch seine herausgeberische Tätigkeit der jungen Generation entscheidend zum Durchbruch verhalf. Mit Friedrich Wilhelm Gotter begründete er 1770, von Abraham Gotthard Kästner fördernd unterstützt, nach französischem Vorbild den Göttinger Musenalmanach. In diesem gewann nach anfänglichem Überwiegen der poésie fugitive, auf die sich B.s eigene Produktivität fast ganz beschränkte, die neue deutsche Lied- und Odendichtung des Göttinger Hains die unbedingte Vorherrschaft. B., der selber als „Werdomar“ dem Bund angehörte, stand zu allen seinen Mitgliedern und zu G. A. Bürger in freundschaftlichem Verhältnis, gab jedoch, als er deren programmatische Parteilichkeit zur Unduldsamkeit werden sah, die Leitung des Almanachs 1775 an Johann Heinrich Voss ab und wandte sich allgemeineren literarischen Bildungszielen zu, für die er sich zusammen mit Dohm in der Zeitschrift „Deutsches Museum“ ein neues Organ gründete (1776-88, 1789-91 „Neues Deutsches Museum“). In der Geschichte des literarischen Zeitschriftenwesens gebührt dank B.s umsichtiger Leitung dem „Museum“ ein hervorragender Platz. - 1776 entschloß er sich zum Eintritt in die Verwaltungslaufbahn: er wurde zunächst Stabssekretär in Hannover, danach Landvogt von Süderdithmarschen. Auch in späteren Jahren erwarb sich seine auf gegenseitige geistige Mitteilung angewiesene Natur zu den treu bewahrten Freundschaften seiner Jugend noch manche neue hinzu, worunter die mit Karsten Niebuhr die menschlich bedeutsamste war. Das Familienleben des älteren Mannes wies mit seiner Neigung zur Idylle ähnlich wie das von Voss und Claudius hinüber in die Biedermeierzeit.

  • Werke

    Gedichte im Göttinger u. Vossischen Musenalm., u. a. Göttinger Musenalm. 1770–74, Neudr. der Jgg. 1770-72 hrsg. v. C. Redlich, Dt. Lit.denkmale 49/50, 52/53, 64/65, 1894-97, Ausw., hrsg. v. M. Mendheim, Lyriker u. Epiker d. klass. Periode, in: Kürschners Dt. Nat.-Lit., Bd. 135/I, o. J.;
    Lieder d. Freude. 1804;
    hs. Nachlaß Berlin, Staatsbibl.;
    s. a. Frels.

  • Literatur

    ADB III;
    Goedeke IV/1, 1916;
    K. Weinhold, H. Ch. B., 1868 (W);
    H. Grantzow, Gesch. d. Göttinger u. d. Vossischen Musenalm., = Berliner Btrr. z. german. u. roman. Philol. 35, 1909;
    W. Hofstaetter, Das Dt. Mus. u. d. Neue Dt. Mus., in: Probefahrten 12, 1908;
    Mitt. aus d. Lit.archiv in Berlin 3.1905, S. 237-379 (Briefe an H. Ch. B.);
    E. Consentius, Aus B.s Nachlaß, in: ZDP, 1923;
    L. Bäte, Vossische Hausidylle, Briefe v. Ernestine Voss an H. Ch. u. S. B., 1924;
    R. Voigt, Der Lebensweg eines bedeutenden Meldorfers, in: Dithmarschen, Jg. 13, 1937;
    Kosch,|Lit.-Lex. I. - Zu Heinr. B.: J. A. Susanna, Lebensabriß u. Würdigung d. Verdienste H. B.s, 1830;
    Briefe v. H. B. … aus Ostindien…, 1832;
    E. Stresemann, Entwicklung d. Ornithol., 1951, S. 136 f.;
    ders., in: Journal f. Ornithol. 94, 1953, S. 7 f.;zu Frdr.:
    K. Möbius, in: Journal f. Ornithol. 18, 1870, S. 231-33.

  • Portraits

    Schattenriß in: Ch. D. Henning, Slg. v. Schattenrissen, 1782, Abb. b. G. Könnecke, Bilderatlas z. Gesch. d. dt. Nat.lit., 21895, S. 258.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Boie, Heinrich Christian" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 423-424 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661078.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Boie: Heinrich Christian B., geb. 19. Juli 1744 zu Meldorf in Ditmarschen, das. 3. März 1806. Er besuchte die Schule in Flensburg, wohin sein Vater als Prediger versetzt war, und studirte 1764—67 in Jena die Rechte. Ostern 1769 ging er nach Göttingen. Mit Gotter verband er sich hier zur Herausgabe eines Musenalmanachs, in Nachahmung des Pariser Almanach des Muses, dessen erster Jahrgang im Januar 1770 erschien. Die folgenden besorgte B. allein bis 1775, wo er die Redaction aufgab. Durch diesen Almanach und seine Verbindung mit den jungen in Göttingen studirenden Dichtern: Hölty, J. M. Miller, Voß, Ch. und F. L. Stolberg, Hahn, K. Fr. Cramer, die sich zu einem Bunde vereinigten, ebenso durch seine Freundschaft mit Bürger und seine ausgebreiteten literarischen Bekanntschaften war er von 1770—75 von unleugbarer Bedeutung für unsere Lyrik. B. selbst bearbeitete kleine Gedichte nach dem Englischen und Französischen, übersetzte auch wissenschaftliche englische Werke. Anfang 1776 ging er als Stabssecretär des commandirenden Generals nach Hannover und blieb dies bis 1781, wo er als Landvogt von Süderditmarschen nach seinem Geburtsort Meldorf kam. 1785 verheirathete er sich mit Louise Mejer, verlor sie aber schon 1786. Er vermählte sich zum zweiten Male 1788 mit Sara v. Hugo. Mit Dohm begründete er 1776 das "Deutsche Museum", das er von 1778—1788 und als "Neues deutsches Museum" bis 1791 allein herausgab, eine tüchtige Monatsschrift, welche der Litteratur und dem öffentlichen Leben dienen und vorzüglich die Deutschen mit ihren Nationalangelegenheiten bekannter machen sollte. Seit dem Aufhören des Museums trat B. der Litteratur ferner, doch regte ihn sein Schwager Voß noch zu manchen poetischen Versuchen an. B. war kein Dichter, aber ein formgewandter geschmackvoller Kenner. Er hat viele jüngere Talente durch seine Bildung, durch feines Urtheil und opferwillige Freundschaft gefördert.

    • Literatur

      K. Weinhold, H. Chr. Boie. Halle 1868.

  • Autor/in

    Weinhold.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weinhold, "Boie, Heinrich Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 85 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118661078.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA