Lebensdaten
1252 oder 1253 bis 1294
Geburtsort
Brüssel
Sterbeort
Lierre
Beruf/Funktion
Herzog von Brabant und Lothringen ; Herzog von Limburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119203111 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann I. von Limburg
  • Johann I.
  • Johann I. von Limburg
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Zitierweise

Johann I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119203111.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Heinrich III. v. B. ( 1261, s. ADB XI);
    M Adelheid ( 1275), T d. Hzg. Hugo IV. v. Burgund ( 1273);
    B Hzg. Heinrich IV. v. Lothringen u. Brabant (resign. 1267, n. 1272), Johann ( 1309, Felicitas v. Luxemburg, Schw Kaiser Heinrichs VII., 1313, s. NDB VIII), Herr v. Herstal: Schw Maria ( 1321, Kg. Philipp v. Frankreich, 1285);
    - 1) 5.9.1270 Margaretha ( 1271), T d. Kg. Ludwig IX. v. Frankreich ( 1270), 2) 1273 Margaretha ( 1285), T d. Guido v. Dampierre ( 1304), Gf. v. Flandern;
    K aus 2), u. a. Hzg. Johann II. v. Lothringen, Brabant u. Limburg ( 1312), Margaretha (1276–1311, Kaiser Heinrich VII., 1313, s. NDB VIII), Maria ( 1305 Gf. Amadeus V. v. Savoyen, 1323);
    E Hzg. Johann III. v. B. ( 1355, s. NDB X).

  • Leben

    Nachdem zunächst J.s Bruder Heinrich dem Vater 1261 als Herzog von Brabant gefolgt war, wurde dieser nach Kämpfen (Sieg von J.s Parteigänger Walter Berthout, Herr v. Mecheln, über Arnold v. Wesemael 1266) durch J. ersetzt. J. erhielt 1268 von dem deutschen König Richard (v. Cornwallis) die Bestätigung. Der neue Herzog war eine starke Persönlichkeit mit eigenständiger Politik, wobei er gute Beziehungen zu Frankreich unterhielt, das er in den Kämpfen in Kastilien (1276) und Aragonien (1285) unterstützte. Er gewann Bedeutung für die rhein. Geschichte, seitdem er in den Streit des EB Siegfried von Köln mit dem Grafen von Jülich hineingezogen wurde, wobei er – auf der Seite des Erzbischofs stehend – versuchte, als Schiedsrichter zu wirken. Er griff dann in die Auseinandersetzung, bei der Jülich den Herzog von Limburg auf seiner Seite hatte, militärisch ein, um den dem Handel zwischen Brabant und dem Niederrhein abträglichen Kampf zu einem Ende zu bringen und den Frieden wiederherzustellen. J. nahm Aachen in seinen Schutz. Er erwarb 1282 an der großen Straße Köln-Aachen die zwischen Düren und Köln gelegene Herrschaft Kerpen (mit der die Straße beherrschenden Burg) und schuf damit Brabant eine territoriale Basis am Niederrhein. Er ergriff die Gelegenheit des limburg. Erbfolgestreits, um 1283 die Erbansprüche der Grafen von Berg zu erwerben. Als der als Erbe anerkannte Graf von Geldern Limburg 1288 an den Grafen von Luxemburg verkaufte, rückte J. in das Rheinland ein, um verbündet mit der Stadt Köln gegen den Erzbischof und die Grafen von Luxemburg und Geldern zu kämpfen. Er gewann mit den Bürgern von Köln die blutige Schlacht von Worringen (vor den Toren Kölns), die für die erstrebte Vormachtstellung des Erzstiftes Köln am Niederrhein von entscheidender Bedeutung war. Kg. Adolf (v. Nassau) machte J. zur Sicherung des Landfriedens zum Landesvogt und Generalrichter des Landes zwischen Mosel und Meer sowie gegen Westfalen hin. J., der die Kampfspiele liebte, starb an den Verletzungen, die er bei einem Turnier erhalten hatte. Der tatkräftige J. war ein Freund der Städte und der Kaufleute, Wahrer des Landfriedens und Dichter. Von seinen Gedichten sind 9 in hochdeutscher Sprache erhalten. Er ist mit Recht als der bemerkenswerteste Fürst der Niederlande am Ende des 13. Jh. bezeichnet worden.

  • Literatur

    ADB 14;
    J. de Sturler, Les relations politiques de l'Angleterre et du Brabant, 1272–1326, in: Revue beige de philol. et d'hist. 11, 1932;
    R. van Uytven, Standesprivilegies en - beden onder Jan I. 1290–93, ebd. 44, 1966;
    W. Reese, Die Niederlande u. d. Dt. Reich I, 21942, S. 307 ff.;
    P. C. Boeren, Een nederlandse Wacht aan de Rijn;
    Jan I., hertog van Brabant, 1942;
    H. Pirenne, Hist. de Belgique des origines à nos jours I, o. J. (1958), S. 160-64;
    C. Knetsch, Das Haus Brabant (I), 1918, Tafel III, S. 33;
    A. Buchet, Le duché de Limbourg sous les ducs de la maison de Brabant 1288-1404, I: Jean Ier de Brabant dit le Victorieux 1288–94, 1965;
    - M. des Ombiaux, Le Brabant et la bataille de Woeringen sur le Rhin, 1918;
    P. Bonenfant, Brabant en Gelre vóór en na Woeringen, in: Algemeene Geschiedenis der Nederlanden II, o. J., S. 258-68. Biogr. nat. Beige X;
    Winkler-Prins Enc. XI, 1951. Über d. Dichtungen: Goedeke I, S. 252;
    Vf.-Lex. d. MA II.

  • Autor/in

    Heinrich Neu
  • Empfohlene Zitierweise

    Neu, Heinrich, "Johann I." in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 470 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119203111.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johan I., Herzog von Brabant, 1267—1294. Als im Febr. 1261 Heinrich III. gestorben war und der älteste seiner beiden Söhne, Heinrich, ein körperlich und geistig schwacher Mann, auf Andringen seiner Mutter, Aleida von Burgund, auf die Regierung verzichtete, wurde sern erst 17jähriger Bruder J. Herzog (17. Mai 1267). Durch sein leutseliges Wesen, seine glänzende äußere Erscheinung, sein ritterliches Auftreten, wie auch durch seine Kunstfertigkeit im Gesang hat er sofort die Zuneigung seiner Unterthanen gewonnen, und unbestritten gehörte er unter die angesehensten Fürsten seiner Zeit. Kurz nach seiner Thronbesteigung vermählte er sich mit Margaretha, Tochter Ludwig's IX. von Frankreich und bald darauf (1274) seine Schwester Maria mit Philipp III., dem Kühnen, Ludwig's Sohn und Nachfolger. Als letztere bald nach ihrer Heirath von einem der Günstlinge des Königs beschuldigt wurde, den der ersten Ehe ihres Gemahls entsprossenen Sohn durch Gift aus dem Wege geräumt zu haben und deshalb in den Kerker geworfen wurde, eilte der Herzog nach Paris, warf sich zum Vertheidiger ihrer gekränkten Ehre auf und bewies auch die vollständige Grundlosigkeit der Anklage. Als Regent ließ er sich die Beförderung des Wohlstandes seiner Unterthanen in erster Linie am Herzen liegen, er ertheilte den Städten viele Privilegien, unter welchen das von Brüssel (1292) das wichtigste ist, wurde aber auch, wie es die Verhältnisse der damaligen Zeit mit sich brachten, in häufige Fehden und Kämpfe verwickelt. Das wichtigste Ereigniß, das unter seiner Regierung vorfiel, war die Vereinigung des Herzogthums Limburg mit Brabant, als eine Folge seines glänzenden Sieges bei Woeringen (1288). In Limburg war nämlich Herzog Walram IV. 1280 ohne männliche|Nachkommen gestorben und Graf Reinald I. von Geldern, sein Schwiegersohn, hatte sich vom Kaiser mit Limburg belehnen lassen. Da aber Reinald's Gemahlin im J. 1282 starb, so trat Adolf von Berg, Walram's Bruderssohn, als Prätendent auf. Da er aber wohl einsah, daß er zu schwach sei, um Reinald mit Erfolg angreifen zu können, verkaufte er seine Rechte und Ansprüche an J. Der Ausbruch des Krieges ließ denn auch nicht lange auf sich warten, während sich beide Parteien durch Bundesgenossen zu verstärken suchten. Zu Reinald hielten der Bischof von Köln, die Grafen von Nassau (Adolf, der spätere Kaiser) und Luxemburg, sowie der Herr von Valkenburg im Lande von Overmaze. Minder glücklich im Erwerben von Bundesgenossen wurde J. von seinen Edeln und Städten um so treuer und nachhaltiger unterstützt, auch trat Floris V. von Holland auf seine Seite. Nachdem der Krieg einige Jahre gedauert hatte, kam es endlich am 5. Juni 1288 zu der genannten Schlacht bei Woeringen (in der Nahe Kölns), in welcher J. seinen Gegnern eine entscheidende Niederlage beibrachte, die vornehmsten derselben waren gefallen (der Graf von Luxemburg und dessen Bruder) oder geriethen in Gefangenschaft (die Grafen von Geldern und Nassau) und der Bischof von Köln fiel in die Hände Adolfs von Berg. Durch diesen Sieg kam J. in den Besitz Limburgs, aber nicht lange sollte er die Vergrößerung seines Landes erleben: auf einem Turnier in Bar (im heutigen Frankreich, Departement de Meuse) erhielt er eine Wunde, an der er am 3. Mai 1294 starb. Sein Sohn Johann II. war sein Nachfolger (1294—1313), derselbe war Johan's zweiter Ehe mit Margaretha, Tochter von Guido von Dampierre, Grafen von Flandern, entsprossen.

    Vgl. dazu besonders Jan van Heelu's Reimchronik: De Slag van Woeringen, zwischen 1291 und 94 geschrieben. Wenzelburger.

    J. hat sich auch für die mittelniederländische Litteraturgeschichte hohe Bedeutung erworben. Nicht nur durch die Gunst, welche er der Dichtung in der Sprache seines Landes erwies: für seine Schwiegertochter Margaretha von England besang Jan van Heelu (s. d.) die Schlacht von Woeringen. J. hat auch selbst niederländisch gedichtet, er als der einzige bekannte Minnesänger in dieser Sprache, während sein Vater Heinrich III. sich als Dichter noch des Französischen bedient hatte. Unter Johann's Namen sind in der Pariser Liederhandschrift neun Minnelieder überliefert, welche in Bodmer's Minnesängern I, 7 und in der Sammlung von der Hagen's I, 15 abgedruckt zu finden sind. Eine Umsetzung der hochdeutschen Sprachformen in das Niederländische hat Willems versucht, Oude vlaemsche Liederen, Gent 1848, später H. Hoffmann in Pfeiffers Germania III, 154. Letzterer scheidet mit Recht das achte Lied und die letzte Strophe des sechsten aus. Von den übrigen scheinen das fünfte und neunte (beide nur mit einer Strophe), sowie das vierte unvollständig. Alle übrigen haben drei Strophen. Mit Ausnahme des fünften haben alle Refrain, das zweite mit den Schaltwörtern harbalorifa, wozu sich in altfranzösischen Pasturellen Anklingendes findet. Das letztgenannte gehört sicher der niederen Minne an; alle Lieder schildern den Reiz der Geliebten und die minnigliche Sehnsucht des Dichters.

  • Autor/in

    Martin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wenzelburger, Theodor, "Johann I." in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 148-149 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119203111.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA