Lebensdaten
1865 bis 1933
Geburtsort
Einsiedeln Kanton Schwyz
Sterbeort
Küsnacht bei Zürich
Beruf/Funktion
Mundartdichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122250656 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lienert, Meinrad
  • Kälin, Meinrad Lienert-
  • Lienert, Meinrad Alois
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lienert, Meinrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122250656.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Konrad Xaver (1833–1911), Landschreiber, Notar u. Kantonsrat in E., S d. Franz Alois u. d. Gertrud Lindauer;
    M Maria Anna Apollonia (1836–1900), T d. Zimmermanns u. Landwirts Joh. Zacharias Ochsner u. d. Maria Anna Waldvogel;
    Einsiedeln 1893 Marie (1873–1948), T d. Kantonsrichters Karl Gyr u. d. Severine Tanner;
    2 S, 1 T, u. a. Meinrad Gero (* 1894), Bankier;
    N Otto Helmut (1897–1965), Mundartdichter u. Redakteur.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Benediktinergymnasiums in Einsiedeln, der Matura in Lausanne und dem Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, München und Zürich ließ sich L. zunächst als Gehilfe des Vaters in seiner Heimatstadt nieder, 1891 wurde er Bezirksnotar. Seit 1887 war er Mitarbeiter der „Neuen Zürcher Zeitung“. Hier förderte ihn vor allem Carl Spitteler, der 1890-92 das Feuilleton leitete. 1893 erwarb L. den „Einsiedler Anzeiger“, gemeinsam mit seinem Bruder Konrad und seinem Schwager Karl Eberle, der 1895 ausschied. 1897, nach dem Tod des Bruders, zog L. sich, auch wegen politischer Streitigkeiten, zurück und siedelte Anfang 1899 nach Zürich über, wo er die Redaktion der liberalkonservativen Tageszeitung „Die Limmat“ übernahm. Als das in Konkurrenz zur freisinnigen „Neuen Zürcher Zeitung“ gegründete Blatt nur noch wöchentlich erscheinen sollte, trat L. im Dez. 1899 zurück. 1919-20 übernahm er bei der „Zürcher Volkszeitung“ nochmals eine Redakteursstellung. L. war Inhaber zahlreicher Ehrenämter, u. a. im leitenden Ausschuß des „Schweizerdeutschen Idiotikons“ und im „Dramatischen Verein“ Zürichs. 1923 kehrte er nach Einsiedeln zurück, zog jedoch Ende 1929 wiederum in die Nähe Zürichs, nach Küsnacht.

    Nach den „Liedern eines Waldfinken“ (2 Bde., 1897), die seine frühen Versuche enthielten, wandte sich der Lyriker L., von Carl Spitteler ermutigt, ausschließlich der „eigensprachigen Muse“ (Die Stimme der Heimat, 1918, S. 18) zu; hatte die Mischung volkstümlicher Schlichtheit mit philologischer Genauigkeit schon in „Jodler vom Meisterjuzer, Sächzg Liedli in Einsiedler und Iberger Mundart“ (1893) genau den Publikumsgeschmack getroffen, so wurden die Natur- und Liebeslieder, die Heimatgesänge und die Nachbildungen der brauchtümlichen „Nachtbuebenliedli“ aus der mehrfach veränderten Sammlung „'s Schwabelpfyffli“ (1906, 2 Bde., 1909, 3 Bde., 1913–20) noch populärer, nicht zuletzt durch zahlreiche Vertonungen (u. a. von Volkmar Andreae und Walter Schultheß). Inzwischen hatte sich L., noch immer angefochten durch das barsche Urteil Gottfried Kellers über Mundartdichter (s. o. Stimme der Heimat), der literatursprachlichen Prosa zugewandt und nach seinen Neufassungen überlieferter Volkserzählungen auf volkstümliche Stoffe wie den Hirthemlikrieg zurückgegriffen. Der Wille zur Quellentreue erzwang dabei, etwa beim „Pfeiferkönig“ (1908 in der „Neuen Zürcher Zeitung“), mehrere Fassungen (Buchfassung 1909 auf Grund einer Kritik Nanny v. Eschers; Endfassung 1919), die beim „Schellenkönig“ (1901) überdies mit einem mehrfachen Wechsel zwischen Mundart und Schriftsprache und von der Erzählung zum Drama einhergingen (1908 Uraufführung im Dramatischen Verein; vierte, schweizerdeutsche Fassung 1921). Der historischphilologische Grundzug, die Wertschätzung des Dramas, aber auch die Wiederbelebung der Verserzählung, wie L. sie, von Rudolf Baumbach angeregt, in „'s Heiwili“ (1908) unternommen hatte, zeugen vom Einfluß der tonangebenden und erfolgreichen Literatur der deutschen Gründerzeit und lassen L.s Werk als deren kunstfertigen Nachtrag in der Heimatliteratur verstehen. Grund seiner Erfolge war vor allem das bildungsbürgerliche Bedürfnis nach einer populären und respektablen Fortsetzung der „Schweizer Klassik“, das er durch seine, über J. C. Heers „Der König der Bernina“ vermittelte, Anlehnung an C. F. Meyers „Jürg Jenatsch“ im „Schellenkönig“ und an Kellers „Hadlaub“ im „Pfeiferkönig“ vollauf befriedigte. Nach Spittelers Rede „Unser Schweizer Standpunkt“ profitierte die Reputation der „Schweizerdichter“ überdies von der bis zur „geistigen Landesverteidigung“ verstärkten Betonung|der schweizer. Eigenart, so daß bei der Landesausstellung von 1939 auch eine Aufführung des bodenständigen „Schällechüng“ von 1908 gezeigt wurde. L.s Konstruktion eines zeitlosen Schweizertums im historistisch erfaßten Wandel der Epochen wird in dem komischen Roman „Der doppelte Matthias und seine Töchter“ (1929) nochmals entfaltet; die Talgemeinde erneuert sich aus dem Bergbauernstamm, und diese religiös überhöhte Sendung macht den scheinbar Kleinen wahrhaft groß. Dem unverfälschten Menschentum in der nationalen Vergangenheit entspricht die Verklärung der Jugend in L.s autobiographischen Schriften. Im Spätwerk wird, auch als Abwehr gegen seine Geltung als „Singvogel par excellence“ (Federer), der weltanschauliche Anspruch besonders betont und das tragische Motiv des inneren Königtums aus den historisch-politischen Dichtungen auf das Künstlerschicksal übertragen; so endet der „König von Euland“ (1928) als ein unverstandener Phantast, während sich die „Kunst zu Illendorf“ (1931) nur versöhnt durch die Kirche unter das Diktat der Volkstümlichkeit beugen kann.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Zürich 1919).

  • Werke

    Weitere W Flüehblüemli, Erzehlige u. dä Schwyzorberge, 1891;
    Geschichten aus d. Schwyzerbergen, 1894;
    Erzz. aus d. Urschweiz, 2 Bde., 1895;
    Das war e. goldene Zeit, Kindheitserinnerungen, 1906;
    Das Bergspieglein, Neue Kindergeschichten, 1910;
    Schweizer Sagen u. Heldengesch., 1914;
    Zürcher Sagen, 1919;
    Der Ahne, Ein Trauerspiel, 1921;
    Us Härz u. Heimed, Nü Värs, 1933. - W-Verz.:
    G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgg. dt. Dichtung 1600-1960, 1967.

  • Literatur

    E. Eschmann, M. L., zu seinem 50. Geb.tag, 1915;
    P. Suter, M. L., 1918;
    O. v. Greyerz, Die Mundartdichtung d. dt. Schweiz, geschichtl. dar-gest., 1924, S. 87-91;
    H. Federer, Unser Singvogel, in: Neue Zürcher Ztg. v. 21.5.1925;
    J. Nadler, Lit.gesch. d. dt. Schweiz, 1932, S. 432-37;
    G. Schmid u. E. Rogivue-Waser, Gedenkschr. z. 75. Geb.tag v. M. L., 1940 (P);
    R. Schwab, M. L.s geschichtl. Dichtung, Diss. Fribourg 1940;
    C. Spitteler, Ges. Werke VII, 1947, S. 504-06;
    R. Faesi, Erlebnisse, Ergebnisse, 1963, S. 141 f.;
    W. Kälin, M. L., Unser Waldstattdichter, 1965 (W-Verz., P);
    W. Stauffacher, Carl Spitteler, 1973;
    H. Wahlen, Dichter u. Maler d. Bauernstandes, 1973;
    Schweizer. Zeitgenossen-Lex., 21932;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Autor/in

    Walter Schmitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitz, Walter, "Lienert, Meinrad" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 529 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122250656.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA