Lebensdaten
1872 bis 1939
Geburtsort
Reichenberg
Sterbeort
Reichenberg
Beruf/Funktion
Textilindustrieller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137845618 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liebieg, Theodor Freiherr von
  • Liebieg, Theodor von

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Liebieg, Theodor Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137845618.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (s. Gen. 2);
    M Angelika (1847–1919), T d. Bankiers u. Weingutsbes. Joh. Peter Clemens auf Schloß Niederburg in Gondorf b. Koblenz u. d. Gertrude Weckbecker aus Koblenz;
    Ov Johann (s. Gen. 3), Heinrich (s. 3);
    Om Gisbert Clemens (1850–1906), Gen.rat d. Anglobank, Leiter d. Wiener Niederlassung d. Fa. Joh. Liebieg & Co., Leopold Clemens (* 1852), Verwalter d. galiz. Besitzungen d. Fam. Liebieg;
    B Gisbert (1874–1944), Dr. iur., Gesellschafter d. Fa. Joh. Liebieg & Co., Leiter d. Wiener Niederlassung, Mäzen, Leo (1882–1922), Gesellschafter, Leiter d. Weinguts „Frhr. v. Liebieg“ auf Schloß Niederburg;
    Schw Adeline (1880–1932, Luitwin v. Boch-Galhau, 1877–1932, Dr.-Ing. E. h., Generaldir. d. Fa. Villeroy & Boch in Mettlach, Präs. d. Industrie- u. Handelskammer Saarbrücken);
    - Böhm. Aicha Bez. Turnau 1901 Maria Ida (1881–1979), T d. Fabrikbes. Konrad Blaschka in Böhm. Aicha u. d. Maria v. Schmitt;
    2 S, 3 T, u. a. Johann Wolfgang (1904–65), 1925 Prokurist, 1928 Gesellschafter, 1939-45 Leiter d. Fa. Joh. Liebieg & Co., Theodor (* 1911, 1940 adoptiert v. s. Onkel Gisbert v. Liebieg), 1940-45 Gesellschafter d. Fa. Joh. Liebieg & Co. in Reichenberg, bis 1973 Weingutsbes. auf Schloß Niederburg, Theodora (* 1902, 1) Roland Köster, 1883–1935, dt. Botschafter in Paris, 2) Ernst Köstring, 1876–1953, Gen. d. Kav., 1935-41 Mil.attaché in Moskau, s. L), Helene (* 1906, Christian v. Bülow, 1887–1957, Dr. iur., Gesandtschaftsrat).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums trat L. 1891 in das Familienunternehmen ein, das nach dem Tode des Vaters für kurze Zeit von L.s Onkeln Heinrich Liebieg sowie Gisbert und Leo Clemens geleitet wurde. L. arbeitete zunächst als Volontär in Antwerpen, Reims und Algier. 1897 übernahm er die Firmenleitung, als sich sein kränkelnder Onkel Heinrich zurückzog. In den vier Jahrzehnten seiner Leitung wurde das Unternehmen durch den Erwerb weiterer Produktionsstätten bedeutend erweitert; die bereits bestehenden Werke wurden ausgebaut und modernisiert. In Mezivod Gemeinde Swarow erbaute L. 1907 eine Baumwollspinnerei für feine Bunt- und Weißgarne mit 39 000 Spindeln, in Zwodau Bez. Falkenau/Eger erwarb er im selben Jahr die Kammgarnspinnerei von Ignaz Schmieger. Beteiligungen bestanden an mehreren Textil- und Ausrüstungsunternehmen in Böhmen und Ungarn sowie an einer Teppichfabrik in Hagenau (Elsaß). Die Reichenberger Werke wurden seit 1915 auf elektrischen Betrieb umgestellt, wobei sich L. an den erforderlichen Kraftwerksbauten und Überlandleitungen finanziell beteiligte. Doch auch die bestehenden Dampfkraftanlagen wurden durch die Errichtung neuer, leistungsfähigerer Kessel und Turbinen weiter ausgebaut. In den Krisenjahren nach 1920 wurden etliche Betriebe außerhalb des Textilsektors verkauft: das Kupferwerk in Guttenstein, die Kupferhütte in Rochlitz a. d. Iser, die Spiegel- und Glasfabrik Elisenthal, die Domäne Smiřitz und weitere Güter, eine Bierbrauerei und eine Zuckerfabrik sowie der Domänenbesitz in Galizien. Hingegen wurden die textilindustriellen Kapazitäten erweitert. 1923 gründete L. die Liebieg Textilwerke AG in Budapest, eine Baumwollspinnerei mit 30 000 Spindeln. 1925 erwarb er eine 50%ige Beteiligung an der Kattundruckerei und Färberei Rolffs & Co. AG in Friedland (Böhmen), die 1938 im Tausch gegen andere Beteiligungen mehrheitlich in seinen Besitz kam. 1927 beteiligte er sich an der Gründung der Textilindustrie AG (TIAG) in Wiener Neudorf Bez. Mödling (Niederösterreich). 1928 gründete er gemeinsam mit der Budapester Firma Ignaz Deutsch die Wollindustrie AG in Timisoara (Temesvar) und errichtete hier eines der bedeutendsten Textilwerke Rumäniens. Schon seit 1921 bestand in Wien ein unter Beteiligung ausländischer Finanzinstitute gegründetes Bankhaus Joh. Liebieg & Co.; dieses erwarb 1922 die Porzellanmanufaktur Augarten in Wien und 1924 eine Steingutfabrik in Wels (Oberösterreich), mußte jedoch 1930 liquidiert werden. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise geriet L. vorübergehend in Schwierigkeiten, doch gelang es ihm, durch den Verkauf von Auslandsbeteiligungen mit Hilfe von Banken den Kern seines Unternehmens zu retten. Ende der 30er Jahre stand die Firma Liebieg & Co. wieder gesichert da und begann erneut zu expandieren.

    L. baute die sozialen Einrichtungen des Unternehmens weiter aus und errichtete nach Plänen des Nürnberger Architekten Jakob Schmeißer eine große Garten-Wohnsiedlung. Für 150 Arbeiter-Eigenheime stellte er kostenlos Baugrund zur Verfügung und gewährte günstige Darlehen. Seit 1906 bestand die „Marienkrippe“ zur Unterbringung von Kindern der Beschäftigten. Eine Villa unterhalb des Schmiedsteins stellte L. 1924 der Deutschen Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen als Erholungsheim zur Verfügung.

    L. war 1929-38 Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg. Er war Mitbegründer und Präsident der Reichenberger Messe und des Hauptverbandes der Deutschen Industrie in der Tschechoslowakei, 1939 Mitglied des Beirats der Reichswirtschaftskammer, langjähriges Mitglied der Reichenberger Gemeindevertretung sowie Vorsitzender oder Mitglied der Verwaltungsräte zahlreicher Industrieunternehmen. 1909-18 war L. Mitglied des Herrenhauses des österr. Reichsrats. 1915 wurde er in das Kriegsministerium berufen, wo er die Leitung der „Wollzentrale“ übernahm, die einen zentralen Bereich der Textilwirtschaft kontrollierte. – L. war einer der ersten Automobilisten Österreichs. Mit Karl Benz befreundet, erwarb er schon 1894 einen Kraftwagen, mit dem er Fernfahrten unternahm, die höchsten Alpenpässe überquerte und Siege bei internationalen Autorennen errang.

    Die Liebieg-Werke waren vor 1918 mit 5 000 Beschäftigten das größte Unternehmen der Donaumonarchie und bis 1938 das größte Textilunternehmen der Tschechoslowakei. Im Mai 1945 wurden sie enteignet. L.s Sohn Johann Wolfgang fand nach seiner Entlassung aus tschech. Internierungshaft 1947 Aufnahme bei seinem Bruder Theodor auf Schloß Niederburg in Gondorf b. Koblenz. 1948 gründete er in Salmünster Kr. Schlüchtern die Johann Liebieg & Co. GmbH. Er begann mit einer Tuchweberei für Anzug- und Kleiderstoffe und nahm 1951 auch die Kammgarnspinnerei auf. Nach seinem Tode 1965 wurde das Unternehmen aufgelöst.

  • Werke

    Denkschr. üb. d. Wirtsch.lage Nordböhmens, 1930;
    Die Handels- u. Gewerbekammer in Reichenberg, 1930. -
    Hrsg.: Der Auto-Pionier auf Viktoria v. Karl Benz, 1938 (P).

  • Literatur

    Allg. Automobil-Ztg. (Wien), Jg. 2 v. 5.5.1901, S. 1 (P);
    100 J. Joh. Liebieg & Co., 1928, S. 53-80;
    Köpfe d. Pol., Wirtsch., Kunst u. Wiss. in Europa (Tschechoslowak. Republik), 1936, S. 151 (P);
    Compass-Finanzielles Jb. (Prag) 1939, S. 1254;
    Compass-Finanzielles Jb. (Wien) 1939, S. 765;
    Die Zeit, Jg. 5, Nr. 144 v. 26.5.1939, S. 24 (P) u. Nr. 146 v. 28.5.1939, S. 21;
    V. Lug, Reichenberg, 1940, S. 312 f.;
    Der „Benz-Baron“, in: Reichenberger Ztg. (München), Jg. 3, Nr. 6 v. 5.4.1952, S. 5 f. (P);
    J. Preußler, ebd., Jg. 10, Nr. 11 v. 5.6.1959, S. 7;
    Sudetendt. Ztg. (München), Jg. 7 v. 17.8.1957, S. 9;
    H. Hagel, Schloß Liebieg, in: 1400 J. Contrus, 1962;
    Gondorfer Heimatbuch, 1962, S. 50-56;
    Kobern-Gondorf, Von d. Vergangenheit z. Gegenwart, 1980, S. 145-52. - Zu S Joh. Wolfgang:
    Reichenberger Ztg. (München), Jg. 4, Nr. 20 v. 5.11.1953, S. 3; zu Schwieger-S Ernst Köstring:
    General E. K., Der militär. Mittler zw. d. Dt. Reich u. d. Sowjetunion, bearb. v. H. Teske, 1965.

  • Portraits

    Sudetendt. Bildarchiv, München.

  • Autor/in

    Erhard Marschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Marschner, Erhard, "Liebieg, Theodor Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 495-497 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137845618.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA