Lebensdaten
1894 bis 1986
Geburtsort
Birnbaum (Landkreis Kronach, Oberfranken)
Sterbeort
Neunkirchen am Brand (Landkreis Forchheim, Oberfranken)
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118752081 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spindler, Maximilian
  • Spindler, Max
  • Spindler, Maximilian

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Spindler, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752081.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Konrad (1862–1926), aus Breitenloh b. Kronach, Volksschullehrer in Rappoltengrün (Lkr. Kronach), B. u. Elsendorf (Lkr. Bamberg), S d. Johann (1831–95), Bergmann;
    M Barbara (* 1868), Verkäuferin, Haushälterin b. d. Bankiersfam. Rothschild, T d. Lorenz Hetzel (* 1836), Metzgermeister in Staffelstein (Lkr. Lichtenfels), u. d. Margarete Nastvogel;
    München 1957 Elleonore (Elly) Loers, verw. Schmitt (* 1899), aus Schaidt (Lkr. Germersheim); kinderlos.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Neuen Gymnasiums (seit 1965 Franz-Ludwig-Gymnasium) und des ebfl. Knabenseminars in Bamberg sowie Kriegsdienst 1914–18 studierte S. Geschichte, Theologie, Philosophie, Lat. Philologie, Germanistik und Romanistik am Lyzeum in Bamberg und den Universitäten in München und Bonn (u. a. bei Wilhelm Levison, 1876–1947). Nach der Lehramtsprüfung in München 1923, arbeitete er ein Jahr als Lehrer in der Familie des Literaturhistorikers Wilhelm Kosch (1879–1960) in Nimwegen und anschließend an der Münchner Gisela-Oberrealschule. 1926 wurde S. mit einer Arbeit über „Joseph Anton Sambuga und die Jugendentwicklung Kg. Ludwigs I. von Bayern“ (gedr. 1927) bei Michael Doeberl (1861–1928) in München promoviert und war danach an der Universität tätig; 1930 folgte die Habilitation für mittlere und neuere Geschichte mit einer Studie über „Die Anfänge des bayer. Landesfürstentums“ (gedr. 1937, Neudr. 1973). Seinem verstorbenen Lehrer Doeberl verpflichtet, brachte S. 1931 den dritten Band von dessen „Entwicklungsgeschichte Bayerns“ zum Abschluß. 1935 wurde er ao., 1939 apl. Professor an der Univ. München. Ein Ordinariat blieb ihm wegen seiner distanzierten Haltung gegenüber dem NS-Regime versagt.

    Nach 1945 wirkte S. neben Franz Schnabel (1887–1966) wesentlich an der Erneuerung der Geschichtswissenschaft in München mit. 1946 wurde er zum o. Professor der Univ. München auf dem Lehrstuhl für bayer. Landesgeschichte ernannt (em. 1959). In Verbindung mit Ministerpräsident Wilhelm Hoegner gründete er 1946/47 das Institut für Bayer. Geschichte der Univ. München, das nach dem Vorbild des Wiener Instituts für Österr. Geschichtsforschung in enger Zusammenarbeit mit den Archiven den wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden sollte und mit S.sSchülern – wie z. B. Dieter Albrecht, Gertrud Diepolder, Pankraz Fried, Ludwig Hammermayer, Andreas Kraus und Kurt Reindl – zur Keimzelle einer modernen Landesgeschichte in Bayern wurde. 1946–60 war S. zudem 1. Vorsitzender der Kommission für bayer. Landesgeschichte bei der Bayer. Akademie der Wissenschaften (Mitgl. seit 1937). Seit 1952 gehörte er der neugegründeten Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien an, 1962 wirkte er an der Gründung der Kommission für Zeitgeschichte mit.

    S. vertrat die Landesgeschichte Bayerns vom frühen Mittelalter bis zur Zeitgeschichte. Seine Forschungen konzentrierten sich auf die Grundlegung der Wittelsbacher Landesherrschaft im 12. und 13. Jh. und v. a. auf die Regierungszeit Kg. Ludwig I. (1825–48). Wichtige Impulse gab S. zudem für die Erforschung des frühen und hohen Mittelalters, des Zeitalters von Hzg. und Kf. Maximilian I. sowie von Barock und Aufklärung in Bayern. Dabei ging es S. auch um die Revision aus dem 19. Jh. überkommener deutschnationaler und nationalliberaler Geschichtsbilder. In der Kooperation des Instituts für Bayer. Geschichte mit der Kommission für bayer. Landesgeschichte initiierte S. umfangreiche landesgeschichtliche Grundlagenprojekte, wie seit 1946 den „Historischen Atlas von Bayern“, das „Historische Ortsnamenbuch von|Bayern“ und seit 1957 die „Dokumente zur Geschichte von Staat und Gesellschaft in Bayern“. Nachhaltig wirkte sein epochenübergreifend und interdisziplinär angelegtes „Handbuch der Bayerischen Geschichte“ (4 Bde. in 6 T., 1967–75, 21981–2007), das – verkürzt auch als „der Spindler“ bezeichnet – zum Vorbild für landesgeschichtliche Grundlagenwerke im deutschsprachigen Raum wurde.

    Über die Geschichtswissenschaften hinaus und über Parteigrenzen hinweg erzielte S. erhebliche geschichts- und kulturpolitische Wirkung in Bayern. Sein 1949 vom Kultusministerium herausgegebener Essay „Die Grundlagen der Kulturentwicklung in Bayern“ formulierte gleichsam das historische Selbstverständnis des Freistaats bis Mitte der 1960er Jahre. S. Das Angebot, Kultusminister Bayerns zu werden, lehnte S. 1957 ab. Er war seit 1946 u. a. Mitglied des Landespersonalausschusses, 1952–55 des Sachverständigenausschusses zur Neugliederung des Bundesgebietes und 1960–66 des Rundfunkrates des Bayer. Rundfunks als Vertreter des Bayer. Heimattages. Des 1983 gegründete „Haus der Bayer. Geschichte“ geht in seiner frühen Konzeption (1962) auf S. zurück.

  • Auszeichnungen

    bayer. Verdienstorden (1959); bayer. Vfg.medaille in Gold (1974); Kultureller Ehrenpreis d. Landeshauptstadt München (1976); Preis d. Bayer. Landesstiftung (1980); Maximilians-Orden f. Wiss. u. Kunst (1981); Preis d. Bayer. Volksstiftung (1984); Mitgl. d. Hist. Komm. b. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1947, Sekr. 1947–50) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1947).

  • Werke

    Weitere W Briefwechsel zw. Ludwig I. v. Bayern u. Eduard v. Schenk 1823–1841, 1930 (Hg.);
    Kronprinz Ludwig v. Bayern u. Napoleon I., Nach Aufzeichnungen Ludwigs über Napoleon, 1942;
    Der Ruf d. barocken Bayern, in: HJb. 74, 1955, S. 319–41;
    Electoralis academiae scientiarum Boicae primordia, Briefe aus d. Gründungszeit d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1959 (Hg.);
    Erbe u. Verpflichtung, Aufss. u. Vortrr. z. bayer. Gesch., hg. v. A. Kraus, 1966;
    Bayer. Geschichtsatlas, bearb. v. G. Diepolder, 1969;
    Signate Kg. Ludwigs I., ausgew. u. eingel. v. M. S., hg. v. A. Kraus, 7 Bde., 1987–97;
    Nachlaß:
    Bayer. Staatsbibl. München;
    Bibliogr.:
    FS f. M. S., 1969 (s. L).

  • Literatur

    L FS f. M. S. (ZBLG 18), 1955;
    Ges., Staat, Kultur in Bayerns Gesch., M. S. z. 70. Geb.tag, (ZBLG 28), 1965;
    FS f. M. S. z. 75. Geb., hg. v. D. Albrecht. u. a., 1969 (W-Verz. S. 831–33);
    Land u. Reich, Stamm u. Nation, Probleme u. Perspektiven bayer. Gesch., FS f. M. S. z. 90. Geb.tag, 3 Bde., hg. v. A. Kraus, 1984 (Verz. d. v. S. angeregten Diss.);
    A. Kraus, M. S., Persönlichkeit u. Werk, in: ZBLG 49, 1986, S. 579–96;
    K. Böck, Der pol. Auftrag d. Historikers, Das historiogr. Grundanliegen M. S.s, ebd. 58, 1995, S. 3–10;
    F. Kramer, Der Lehrstuhl f. bayer. Landesgesch. 1917–1977, in: W. Volkert u. W. Ziegler (Hg.), Im Dienst d. bayer. Gesch., 21999, S. 351–407 (P);
    K. U. Gelberg, Die Gründung d. Inst. f. Bayer. Gesch. u. d. Jahre unter d. Leitung v. M. S., ebd., S. 407–35;
    U.-B. Vollhardt, Gesch.pol. in Bayern, Das Haus d. Bayer. Gesch., 2003;
    Kosch, Lit.Lex.3 (W, L);
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.;
    Gr. Bayer. Biogr. Enz.

  • Autor/in

    Ferdinand Kramer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kramer, Ferdinand, "Spindler, Max" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 702-703 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752081.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA