Lebensdaten
um 1505 bis 1577
Geburtsort
Roclenge – sur – Geer (?)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Komponist ; Kapellmeister
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 12926699X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Le Maistre, Mattheus
  • De Meistre, Matthias
  • Le Maistre, Matthaeus
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Zitierweise

Le Maistre, Mattheus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12926699X.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    vor 1565 N. N.; K, u. a. Valerian, Kapellknabe in d. Kantorei in D., später Musiker am kaiserl. Hof.

  • Leben

    Bis zu L.s Dienstantritt als Nachfolger des Dresdener Hofkapellmeisters Johann Walter 1554 klafft eine biographische Lücke. In der Vorrede seines letzten Druckes von 1577 erwähnt er lediglich, er habe sich von Jugend auf dem Musikstudium ergeben. Die mutmaßliche Identität mit dem 1552 in den Akten der Münchner Hofkapelle geführten „Mathesz Nidlender“ wird durch die Quellenlage der Werke gestützt. Aus der vom 1.1.1555 datierten Kantoreiordnung, in der u. a. das Gehalt des Kapellmeisters und sein Wirkungsbereich festgelegt sind, geht hervor, daß er unmittelbar aus seiner Heimat verpflichtet worden war. Nach 1565 konnte er aus Gesundheitsgründen seinen Dienst, zu dem auch die Unterweisung der Knaben gehörte, nicht mehr zur allgemeinen Zufriedenheit ausüben und wurde 1568 von seinem Vizekapellmeister Antonio Scandello abgelöst. In den letzten Jahren versuchte er, seine finanzielle Lage durch Dedikationen von Kompositionen zu verbessern.

    Unter L.s Ägide wurde die Dresdener Kapelle von 21 auf 45 Mitglieder vergrößert. Die Verpflichtung 6 „welscher Instrumentisten“ markiert den Anfang der ausländischen Musikerinvasion in Dresden. Die nach 1554 veröffentlichten Werke verstärken das Bild eines starken Traditionsbewußtseins und lassen L. als Nachfolger einer abgeklungenen Stilrichtung erscheinen. Hieraus erklärt sich auch das Fehlen von Neuauflagen seiner Werke, obwohl sie qualitätsmäßig die Leistungen der ersten Generation der deutschen Reformationsmusiker übertreffen. Bei seinem Dienstantritt in Dresden übernahm L. den Maßstab musikalischer wie theologischer Art, der durch seinen berühmten Vorgänger gesetzt war: Das beweisen seine Konversion wie auch seine schlichte dreistimmige Katechismus-Vertonung von 1559 und nicht zuletzt die Anlage der geistlichen Sätze als „himmlische Tanzreihen“ (R. Caspari). Die Sammlungen von 1566 und 1577 sind J. Walters „Gesangbüchlein“ (1524) und G. Rhaws „Gesengen“ (1544) nachgebildet. Trotz gelegentlicher madrigalischer Textausdeutung in seinen Liedern knüpft L. unmittelbar an den Liedsatz der Blütezeit des Tenorliedes an und markiert deren Ende. Während die Münchner Messen ganz im altertümlichen Cantus-firmus-Typus gehalten sind, baut er in Dresden in die protestantische Messe über „Ich weiß mir ein fest gebauets Haus“ im „Qui tollis“ das Lied „O du Lamm Gottes“ ein. Wie J. Walters Alterswerk, Psalm 1, nimmt L.s Vertonung des 90. Psalms wegen seines kunstvoll disponierten Cantus firmus eine Sonderstellung in der Geschichte der deutschen Psalmmotette ein. Die für seine Zeit konservativ und archaisch anmutende Kompositionstechnik stellt eine Verbindung älterer niederländ. Satzkunst, vor allem im Hinblick auf Imitation und Kanon, und deutscher Eigenart, besonders der Cantus-firmus-Gebundenheit, dar.

  • Werke

    Magnificat octo tonorum, 1557;
    Catechesis numeris musicis inclusa, 1559, 21563;
    Geistl. u. Weltl. Teutsche Geseng, 1566;
    Liber primus sacrarum Cantionum, 1570;
    Officia de Nativitate et Ascensione, 1574;
    Schöne u. auserlesene … Geistl. Gesenge, 1577;
    Missa „Ich weiß mir ein fest gebauets Haus“ in „Praestantissimorum artificum selectissimae Missae“… ed. per Michaelem Voctum Cantorem, 1568;
    Missa „Gott ist mein Licht“, in: Ordo suavissimarum et optimarum … selectarum cantionum (E. Widman), 1592.

  • Literatur

    ADB 18;
    G. Reese, Music in the Renaissance, 1954, S. 682 (Verz. d. Ausgg.);
    O. Kade, M. Le M., 1862;
    H. Osthoff, Die Niederländer u. d. dt. Lied, 1938, Nachdr. mit neuem Anhang 1967;
    M. Bente, Neue Wege d. Quellenkritik u. d. Biogr. L. Senfls, 1968, bes. S. 185-90, 212. D. C. Gresch, M. Le M., A Netherlander at the Dresden Court Chapel, 2 Bde., Diss. Univ. of Michigan 1970 (W-Verz.);
    ders., M. L.s Polyphonic Officia, 1974;
    R. Caspari, Liedtradition im Stilwandel um 1600, Das Nachleben d. dt. Tenorliedes in d. gedr. Liederslgg. v. Le M. (1566) bis Schein (1626), 1971;
    W. Dehnhard, Die dt. Psalmmotette in d. Ref.zeit, 1971;
    MGG VIII (W). H. Kätzel, Musikpflege u. Musikerziehung im Ref.jh., 1957;
    The new Grove X (W).

  • Autor/in

    Friedhelm Brusniak
  • Empfohlene Zitierweise

    Brusniak, Friedhelm, "Le Maistre, Mattheus" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 181 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12926699X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Le Maistre: Mattheus Le M., bekannter niederländischer Componist und kurfürstlich sächsischer Kapellmeister, wurde wahrscheinlich im ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts geboren. Die bisherige Annahme der meisten Biographen des Meisters, auch O. Kade's in seinem trefflichen Buche über le Maistre (Mainz 1862), daß derselbe Kapellmeister am Dom zu Mailand und Componist der „Battaglia Taliana“ (Venedig 1552) gewesen sei, ist durch Haberl in den „Monatsheften für Musikgeschichte“ (1871, Nr. 12) genügend widerlegt worden. Man verwechselte ihn bisher mit dem zeitgenössischen Componisten Matthias Herrmann Nerrecorensis. Le M. kam 1554 nach Dresden. Die kurfürstlich sächsische Cantorei oder musikalische Kapelle in Dresden hatte seit 1548 unter der Kapellmeisterschaft Johann Walther's großen Ruf erlangt. Der alternde Meister, dem verschiedene Aenderungen, darunter namentlich die Anstellung italienischer Instrumentalisten und niederländischer Sänger, nicht sympathisch sein mochten und der den eintretenden Wirrnissen, welche durch diese Heranziehung fremdländischer Künstler entstanden, nicht energisch genug zu steuern wußte, hatte um seinen Abschied gebeten und denselben auch unter Bezeigung der allerhöchsten Zufriedenheit mit 60 Gulden jährlicher Pension durch Rescript d. d. Dresden, 7. August 1554 erhalten. Kurfürst August, der nach dem Tode seines Bruders Moritz am 9. Juli 1553 zur Regierung gelangt war, liebte Musik außerordentlich und interessirte sich deshalb lebhaft für die Cantorei. Seine nächste Sorge war, einen neuen tüchtigen Kapellmeister für dieselbe zu gewinnen. Sein Agent in Antwerpen. Christian Haller v. Hallerstein, hatte von ihm den Auftrag erhalten, einen solchen sammt mehreren Sängern in den Niederlanden zu engagiren. Für das Kapellmeisteramt gewann er Le M. Die erste urkundliche Nachricht über den Aufenthalt des Letzteren in Dresden datirt vom 30. October 1554, an welchem Tage er das Notenarchiv der Cantorei übernahm. Le M. bezog in Dresden gegen 240 Gulden jährliche Besoldung, eine für jene Zeit bedeutende Summe. Außerdem erhielt er jährlich „ein Hofkleid“, freien Tisch und hatte im Anfang seiner Amtsführung auch die Cantorei- oder Kapellknaben in Kost und Wohnung. Die niederländischen und italienischen Musiker waren eben damals sehr gesucht und beliebt. Unterm 22. December 1566 richtete Le M. ein Memorial an Kurfürst August, in welchem er bittet, da er sich nun entschlossen|habe in Sachsen zu bleiben, ihm wegen überkommener Kränklichkeit und aus Rücksicht auf sein „Weip und Kinder" mit seiner „Bestallung sampt der Herberge“, in welcher er eine Zeit lang Wohnung gehabt, auf „lebenslangh gnädigst bedencken und versorgen“ zu wollen. Der Meister klagt nämlich über Podagra und erinnert den Kurfürsten daran, daß er einst in Torgau in der Schloßkirche „umbgefallen“ sei. Er gibt ferner zu bedenken, wie er „Vatter und Mutter“ verlassen müssen, um nach Sachsen zu kommen, und wie er sein väterliches Vermögen, welches sich auf einige Hundert Gulden belaufen, verloren habe, da er „der neuen Religion anhängigh worden". Le M. hatte wie meist sämmtliche Italiener und Niederländer, welche damals in den Dienst protestantischer Fürsten traten, convertirt. Der Meister erklärte sich übrigens vollständig damit einverstanden, „daß die Kapelle mit einem Andern (Kapellmeister) versehen werde“. — Durch Rescript d. d. Dresden, 24. Januar 1567, ward das Ansuchen Le Maistre's genehmigt; er erhielt eine „Begnadigungs-Verschreibung“ auf die Zeit seines Lebens, worin ihm ein Gehalt von 195 Gulden 7 Groschen 5 Pfennigen incl. Kost, Kleidung und Herberge, zahlbar in vier Quartalen, lebenslang zugesichert wurde. Mittlerweile, jedoch nur so lange, bis ein neuer Kapellmeister angestellt wurde, gestattete ihm der Kurfürst in dem Hause, welches von Hieronimo Altpach auf der Breitegasse für die Kapellknaben gekauft worden war, seinen „Aufenthalt“ zu nehmen. — Der schon damals auch als Componist rühmlichst bekannte Instrumentist der kurfürstlichen Kapelle, Antonius Scandellus, unterstützte nun den alternden Meister im Dienste: er wird in den Acten oft der „zugeordnete Moderator“ desselben genannt. Le M. wurde jedoch immer kränklicher, auch mochte wol das Verhältniß mit Scandellus manche Unzuträglichkeit mit sich führen und nachtheilig auf den Zustand der Cantorei einwirken, weshalb Scandellus durch Rescript d. d. Dresden, 12. Februar 1568, definitiv an Le Maistre's Stelle zum Kapellmeister ernannt wurde. Letzterer trat durch Rescript vom 24. Juni 1568 unter Belastung seines Gehaltes factisch in den Ruhestand. Le M. führte sein Prädikat fort und scheint in Dresden geblieben zu sein. Noch 1577 nannte er sich auf dem Titel seiner in diesem Jahre herausgekommenen dreistimmigen schönen und auserlesenen deutschen und italienischen geistlichen Lieder „Churfürstl. Gnaden zu Sachsen alter Kapellmeister“. Auch in den Personallisten der Cantorei wird er oft nur „der alte Kapellmeister“ genannt und nach Scandellus aufgeführt. Die letzte urkundliche Nachricht, welche im königlich sächsischen Hauptstaatsarchiv über den Meister zu finden gewesen, datirt vom 22. Januar 1577. Le M. hatte die früher erwähnten dreistimmigen Lieder dem Rathe von Mühlhausen übersendet. Unter obigem Datum gratulirt dieser dem Meister zum neuen Jahre und bedankt sich freundlichst für „gethane Verehrung“ unter Beifügung eines Thalers, mit der Bitte, „solch kleine Verehrung dankbahrlich“ annehmen zu wollen. Im April 1577 wird Le Maistre's bereits als eines Verstorbenen gedacht. Er hat eine ziemlich große Anzahl kirchlicher und weltlicher Compositionen hinterlassen, theils gedruckt, theils im Manuscript. Ein genaues Verzeichniß derselben enthält Kade's oben erwähntes Buch (S. 113 ff.). Es befinden sich darunter Motetten, ein acht- und ein vierstimmiges Magnificat, ein Grabgesang, sechs Messen, vier Antiphonen, lateinische geistliche, sowie deutsche geistliche und weltliche Gesänge. Interessant ist des Meisters Katechismus für die Dresdener Kapellknaben, um dieselben zu fleißigen und frommen Andachtsübungen im Hause aufzumuntern, der 1563 in Nürnberg erschien. Nach Kade's Urtheil steht Le M. als weltlicher Tonsetzer höher denn als geistlicher. Unter seinen leider nicht zahlreichen deutschen weltlichen Liedern finden sich köstliche Perlen.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Teichmann, "Le Maistre, Mattheus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 233-235 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12926699X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA