Lebensdaten
1891 bis 1947
Geburtsort
Mönchengladbach
Sterbeort
Riva am Gardasee
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119340569 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Brinckmeyer, Hermann (Pseudonym)
  • Overstolz, Konrad (Pseudonym)
  • Leifhelm, Hans
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Zitierweise

Leifhelm, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119340569.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz Josef (* 1855), Böttcher in M., aus westfäl. Bauernfam.;
    M Anne Klare Krahe ( 1910) aus Regensburg;
    1) 1917 ( 1934) Sophie ( 1944 KZ Ravensbrück), T d. Prof. Adalbert Hennicke in Graz, 2) 1936 Fernande Prissé, Kunstgewerblerin.

  • Leben

    Die vorübergehend gelockerte, niemals endgültig gelöste Bindung L.s an einen sozial engagierten Katholizismus begann, als der Gymnasiast regelmäßig in dem Kreis um Carl Sonnenschein verkehrte; dort festigte sich auch die lebenslange Freundschaft mit Heinrich Lersch. 1911 nahm L. in Straßburg das Studium der Medizin auf, wechselte jedoch bald zu den Staatswissenschaften, denen er sich in Innsbruck, Wien und Berlin weiter widmete; nach dem Wehrdienst ohne Fronteinsatz seit 1914 wurde er 1918 an der Univ. Heidelberg mit der Dissertation „Die Lohnarbeiter bei den Preuß.-Hess. Staatseisenbahnen, ihre Lage und Organisation“ promoviert; unter dem Pseudonym Hermann Brinckmeyer veröffentlichte er später Monographien über die Industriellen Stinnes (1921) und Rathenau (1922). Seine Berufslaufbahn begann L. in Berlin als Leiter einer Zeitschrift des Eisenbahnersyndikats, 1919 siedelte er jedoch nach Kiefersfelden (Oberbayern) über, da er die Redaktion der Münchner Kulturzeitschrift „Wieland“ übernommen hatte. Nach deren Konkurs 1920 kehrte er in den Gewerkschaftsdienst zurück und war zeitweilig auch Leiter des von Martin Spahn und Reimar Hobbing gegründeten „Politisch-Akademischen Verlags“. Seit 1923 lebte er zunächst als Berufsberater, dann als Leiter des Arbeitsamtes in Graz, der Heimatstadt seiner Frau; die Steiermark blieb seine Wahlheimat bis 1935. Eine 1930 aufgenommene Tätigkeit am Dortmunder Arbeitsamt gab L. noch im selben Jahr wieder auf. Seit 1932 Direktor der staatlichen Fachschule für Wirtschaft und Verwaltung in Düsseldorf, wurde er 1933 entlassen. Seither versuchte er, gefördert von dem Dortmunder Druckereibesitzer Fritz Busche, sich als freier Schriftsteller zu etablieren. Obwohl sein Werk die frühe Begeisterung für Will Vespers Anthologie „Buch der Ernte“ (1906) nicht völlig verleugnet und Heinrich Lersch eine Umdeutung zur „Blut-und-Boden“-Dichtung versuchen konnte, blieb L. wegen seiner traditionsbewußten politischen Neutralität den Behörden verdächtig und wurde vorübergehend aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen; seine Ehe zerbrach an der sozialistischen Aktivität seiner Frau. 1935-37 hatte L. als Nachfolger eines Freundes aus der Wiener Studentenzeit, Felix Braun, ein Lektorat an der Univ. Palermo inne; nach einem Aufenthalt in Rom lehrte er seit|1939, abermals durch Braun empfohlen, an der Univ. Padua. 1942 verschafften Paula Sack und andere Freunde dem seit längerem an einer unheilbaren Enzephalitis Leidenden eine Pflegestelle im Hospital in Riva. Sein Tod wurde in der literarischen Öffentlichkeit kaum beachtet.

    L.s Schaffen muß einer stilkonservativen „Heimatkunst“ zugerechnet werden, aus der sich auch viele Werke der „inneren Emigration“ speisen; L. gehörte zu den Mitarbeitern der Zeitschrift „Das innere Reich“. Die Themen, Motive und Kunstmittel bleiben, nachdem eine anfängliche, vom frühen Rilke und von Trakl geprägte Manier überwunden ist, fast unverändert; die 1926 veröffentlichte erste Gedichtsammlung „Hahnenschrei“ kennt bereits die Aufhebung der Zeit im Augenblick und jenen Gegensatz von Naturordnung und Werden, den die künstlerische Wesensschau, ähnlich wie in Rilkes Dinggedichten, aufhebt. Der Mensch nimmt unter den detailgenau erfaßten Naturdingen keine Sonderstellung ein; er ist vielmehr magisch mit ihnen vereint. L. beruft sich auf das Vorbild der Droste, steht freilich dem spätexpressionistischen Richard Billinger ebenso nahe; überdies ergeben sich zu Ina Seidels und Hans Carossas Lyrik auch biographisch fundierte Bezüge. Die folgende, sorgfältig komponierte Sammlung „Gesänge von der Erde“ (1935) bevorzugt die hymnischen Langzeilen Walt Whitmans; der Ordnungsgedanke wird ins Kosmische geweitet und die „großen Urformen der Natur“ (Sturm), die Winde, das Meer und vor allem das Gebirge, werden der industriellen Zivilisation mahnend entgegengestellt. Zivilisationskritik ist auch das Anliegen von L.s, an dem stilistischen Vorbild Gerhart Hauptmanns geschulter Prosa. Sowohl ein 1933-36 konzipierter Roman „Die Erde wartet“, dessen Bruchstücke laut testamentarischer Verfügung unveröffentlicht bleiben sollen, als auch die kleineren Erzählungen kreisen um das einfache Leben des Bauern in der Natur. Die Nachdichtungen, vor allem aus dem Italienischen, sind auf L.s eigene Anschauungen abgestimmt; so hat er, der sich in seinen letzten Lebensjahren wieder zum katholischen Glauben bekannte, den „Sonnengesang“ des hl. Franziskus übersetzt.

  • Werke

    Weitere W Steirische Bauern, Erzz. u. Schilderungen, 1935, 1941 (u. d. T. Das Dorf im Gebirge);
    Menschen d. Berge, 1936;
    Die grüne Steiermark, 1937;
    Lob d. Vergänglichkeit, 1949;
    Sämtl. Gedichte, hrsg. v. N. Langer, 1955 (P);
    Ges. Prosa, hrsg. v. dems., 1957. -
    Hrsg.: Die dt. Bergbücher, 1935-38;
    Die Dt. Bergbücherei, 1935 -38. - W-Verz.:
    G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgg. dt. Dichtung 1600-1960, 1967.

  • Literatur

    M. Sturm, in: Die neue Lit. 36, 1935, S. 594-602;
    H. Lersch, in: Skizzen u. Erzz. aus d. Nachlaß, hrsg. v. Ch. Jenssen, 1940, S. 96-100;
    E. Waldinger, in: Monatshh. (Wisconsin) 40, 1948, S. 337-44;
    J. Weinheber, in: Sämtl. Werke IV, 1954, S. 376-86;
    N. Langer, Dichter aus Österreich I, 1956, S. 64-68 (P);
    I. Bröderer, H. L., Versuch e. Monogr., Diss. Wien 1961 (ungedr., W, L);
    F. Braun, Zeitgefährten, 1963, S. 91-100;
    A. Schmidt, Dichtung u. Dichter Österreichs II, 1964, S. 74-77;
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Eppelsheimer I, II, III, VI, VIII;
    Kunisch;
    Lennartz, 81959;
    ÖBL;
    Lex. dt.-sprach. Schriftsteller, 21974.

  • Autor/in

    Walter Schmitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitz, Walter, "Leifhelm, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 139-140 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119340569.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA