Lebensdaten
1888 bis 1951
Geburtsort
Duisburg
Sterbeort
Haifa
Beruf/Funktion
Rabbiner
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 139652566 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lazarus, Paul
  • Lazarus, Paul Pinchas

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lazarus, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139652566.html [17.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Raphael ( 1906), Prediger u. Lehrer in D.;
    M Betty Leseritz ( 1891);
    B Felix, Dr. phil., Dir. d. Jüd. Lehrerseminars in Kassel;
    - München 1925 Jadwiga Walfisch (1903–76) aus Warschau;
    2 T, u. a. Hava (|1930-1998), Ph. D., Prof. f. Islamwissenschaft an d. Hebr. Univ. Jerusalem, 1952-55 Vizepräs. d. World Union for Progressive Judaism (s. BHdE II unter „Lazarus-Yafeh“;
    1954 Immanuel Yafeh, 1911–78, israel. Kultusminister).

  • Leben

    L. besuchte das Gymnasium in Kassel und trat im Herbst 1907 in das Jüd.-Theol. Seminar in Breslau ein. Gleichzeitig studierte er an der dortigen Universität, später in Marburg und Erlangen, Geschichte und Philosophie. 1911 wurde er in Erlangen mit einer Dissertation über „Das Basler Konzil“ (1912) zum Dr. phil. promoviert. 1915 legte er das Rabbiner-Examen ab und wurde Hilfsrabbiner in Essen. Bald meldete er sich jedoch als Kriegsfreiwilliger und kam als Feldrabbiner nach Südosteuropa. Nach dem Krieg wurde L. Rabbiner der traditionell liberalen Gemeinde in Wiesbaden. Er zeichnete sich als glänzender Prediger und eifriger Seelsorger aus. Während seiner Amtszeit wurden ein Altenheim, eine Wohlfahrtszentrale und Winterhilfe, 1921 unter Mithilfe von Franz Rosenzweig ein Lehrhaus, 1935 ein Kulturbund, 1936 eine Schule gegründet. L. beteiligte sich selbst am Lehrbetrieb des Lehrhauses und der Schule.

    Über Wiesbaden hinaus wurde L. als prominenter Vertreter des liberalen Judentums, das der Assimilation zuneigte, durch sein Wirken im jüd. Verbandswesen bekannt. Er gehörte der „Nassau-Loge“ im Orden B'nej B'rit an sowie dem „Allgemeinen Deutschen Rabbinerverband“, dem „Hilfsverein der deutschen Juden“, dem „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ und dem „Keren Hajessod“. Er wurde in den Vorstand der „Vereinigung der Liberalen Rabbiner Deutschlands“ gewählt, die 1932 und 1937 in Wiesbaden tagte. Vor allem trat er als Mitbegründer und -leiter des „Verbands der jüd. Jugendvereine Deutschlands“ („Neutraler Jugendverband“ genannt) hervor und publizierte in dessen Organen „Jüd. Blätter“ und „Der Jugendbund“. Er wollte die Jugend für die Ideale eines biblischen Humanismus gewinnen: Verantwortungsbewußtsein des einzelnen gegenüber der Allgemeinheit und Menschlichkeit sollten Leitlinien des Handelns sein. Unter liberalem Judentum verstand er lebendige Religion, innere Wahrhaftigkeit und eine Verbindung von Tradition mit Offenheit gegenüber der Welt. Wenn L. sich auch zum Judentum als einer Gesetzes-Religion bekannte und sich dem Zionismus zuwandte – der Jugendverband trat 1929 der „Jewish Agency for Palestine“ bei –, sah er sich doch heftigen Angriffen seitens der orthodoxen Juden und der Zionisten ausgesetzt.

    Im Okt. 1938 wurde L. pensioniert; wenige Wochen später wurde die Wiesbadener Synagoge in der „Kristallnacht“ zerstört. Verbittert verließ L. im Febr. 1939 seine Heimat und fand Zuflucht in Haifa, wo sein Freund Max Elk (* 1898, s. BHdE I) vier Jahre zuvor die liberale Gemeinde „Beth Jisrael“ gegründet hatte. Er beteiligte sich an der Seelsorge sowie an der Kinder- und Erwachsenenbildung und hielt Vorträge über die Geschichte des Judentums. Auch unter dem verstärkten Druck seitens der Orthodoxie blieb er seinen liberalen Grundsätzen treu; seine Forderung nach strikter Trennung von Staat und Religion fand in jenen Jahren nationaler Hochstimmung jedoch wenig Anklang.

  • Werke

    Weitere W Gesch. d. Nassau-Loge 1890-1930, 1930;
    Die Jüd. Gemeinde in Wiesbaden, 1919–42, Ein Erinnerungsbuch, 1949;
    zahlr. Art. in: Jüd. Lex., Enc. Jud., Philo-Lex. u. in mehreren jüd. Zss. u. Ztgg. - Seine reichhaltige Bibl. jetzt in d. Leo-Baeck-Schule, Haifa.

  • Literatur

    S. F. Rülf (Hrsg.), P. L. Gedenkbuch, Btrr. z. Würdigung d. letzten Rabbinergeneration in Dtld., 1961 (u. a. Btrr. üb. L. v. L. Baerwald, H. Hahn u. M. Elk, Abschiedspredigt L.s v. 17.10.1938, W-Verz., P);
    G. Kisch (Hrsg.), Das Breslauer Seminar, 1963;
    BHdE I.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Lazarus, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 13 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139652566.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA