Lebensdaten
1870 bis 1957
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Bakteriologe ; Hygenieker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11726881X | OGND | VIAF: 35229715
Namensvarianten
  • Uhlenhuth, Paul Theodor
  • Uhlenhuth, Paul
  • Uhlenhuth, Paul Theodor
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Uhlenhuth, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11726881X.html [15.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1835–1910), kgl. Eisenbahndir. in H., Geh. Baurat, S d. Carl (1807–76), aus Golmbach b. Holzminden, Kunstdrechslermeister in Paderborn, u. d. Auguste Friederike Bornebusch (1805–86), aus Neuhaus (Solling);
    M Elise (1841–1925), T d. August Wilhelm Wasmus (1805–78), Stadtkämmerer in Braunschweig, u. d. Wilhelmine Caroline Henriette Händler (1811–82);
    2 B, 4 Schw; Hann. Münden 1899 Martha (1873–1961), aus Blâmont (Lothringen), T d. Theodor v. Klüfer (1832–1912), preuß. Oberst, u. d. Clara v. Dargitz (1837–1908);
    3 T Margarete (1900–95, 1] Fritz Braun, 1899–1968, Dr. med., 2] Hans Veihoff, 1893–1967, Apotheker), Irmgard (1903–82, ⚭ Otfried Roth, 1908-n. 1982, Dr. med.), Clara (1905–83, ⚭ Ernst Dörffler, 1890–1970, Gen.lt.); Schwäger Georg v. Klüfer (1864–1943), Amtsger.rat, Rr. d. Johanniterordens, Hans v. Klüfer (1866–1914), preuß. Major, Kurt v. Klüfer (1869–1941), Oberstlt., Polizeioberst, Mil.schriftst., Orden Pour le mérite, Rr. d. Johanniterordens;
    E Irmgard Dörffler (* 1929, Fritz Lange, 1899–1978, Bergwerksdir., s. NDB 13), Apothekerin.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1889 am Ks.-WilhelmGymnasium in Hannover studierte U. Medizin am militärärztlichen Friedrich-WilhelmInstitut in Berlin (Staatsexamen u. Approbation 1895). 1893 wurde er mit einer Arbeit „Über zwei Fälle von Tumor cerebri“ an der Univ. Berlin zum Dr. med. promoviert; sein Doktorvater war Friedrich Jolly (1844–1904), Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité. Nach zweijähriger Tätigkeit als Militärarzt in Oldenburg wurde U. 1897 an das Kgl. Preuß. Institut für Infektionskrankheiten nach Berlin abkommandiert, wo er unter Anleitung von Friedrich Löffler (1852– 1915) zur Maul- und Klauenseuche forschte. Ferner setzte U. seine in Oldenburg begonnenen Untersuchungen zur Serumdiagnose und -therapie, u. a. bei Typhus, fort. 1898 zum Oberarzt befördert, wechselte U. 1899 als Mitarbeiter von Löffler an die Univ. Greifswald, wo er zur Biologie und Ätiologie des Maul- und Klauenseuchenerregers arbeitete sowie einen Impfstoff zur passiven Immunisierung herstellte. U. entwickelte das Präzipitin-Verfahren zur Unterscheidung verschiedener Blutseren bzw. von Tier- und Menschenblut; diese Methode der biologischen Eiweißdifferenzierung fand in die Gerichtsmedizin und Nahrungsmittelchemie zur Differenzierung von Fleischsorten Eingang. Bereits 1903 zum Professor ernannt, habilitierte sich U. zwei Jahre später mit Arbeiten zur Eiweißdifferenzierung. 1906 wurde er Direktor der Bakteriol. Abteilung des Ksl. Gesundheitsamts in Berlin, wo er an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Schweinepest forschte sowie den Paratyphus-C- Erreger abgrenzte und erstmalig beschrieb. Darüber hinaus war er auf dem Gebiet der experimentellen Krebsforschung tätig, v. a. zur Verimpfung von Tumoren im Tiermodell und zur Physiologie von Tumoren. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Tätigkeit bildeten therapeutische Versuche zur Bekämpfung verschiedener durch Trypanosomen und Spirochäten verursachter Erkrankungen, wie Syphilis, Schlafkrankheit und andere Tropenkrankheiten. Als Therapeutikum dienten die Arsenverbindung Atoxyl und davon abgeleitete Derivate. U. untersuchte auch die therapeutische Verwendung von Antimonverbindungen. Dies führte zu ausgedehnten Prioritätsstreitigkeiten mit Paul Ehrlich (1854–1915) über die Frage, wer als „Entdecker“ der Arsentherapie gegen Syphilis zu gelten habe. 1911 wurde U. auf den Lehrstuhl für Hygiene nach Straßburg berufen, wo er zur Behandlung von durch Trypanosomen und Spirochäten verursachten Erkrankungen mit Antimon- und Arsenverbindungen arbeitete. Am 1. Weltkrieg nahm U., 1911 zum Oberstabsarzt der Reserve befördert, als beratender Hygieniker teil. 1915 konnte er den Erreger der Weil’schen Krankheit identifizieren, die Übertragungswege nachweisen und einen Impfstoff zur Bekämpfung der Krankheit entwickeln. Nach Kriegsende mußte er Straßburg verlassen und kehrte vorübergehend an das Reichsgesundheitsamt zurück. 1921 wechselte er, als Leiter des Instituts für Experimentelle Therapie und zum Honorarprofessor für Hygiene ernannt, an die Univ. Marburg. Hier und seit 1923 als Professor für Hygiene in Freiburg (Br.) beschäftigte sich U. mit der Entwicklung eines Impfstoffs gegen Tuberkulose und mit der Desinfektion von tuberkulösem Auswurf und Sekreten, u. a. durch Formalin, Alkalysol, Chloramin und v. a. Antiformin, dessen desinfizierende Wirkung er bereits im Berliner Gesundheitsamt erprobt hatte (1926/27 Dekan; 1928 Rektor).

    Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme war U. an der Entlassung von 39 Angehörigen der med. Fakultät jüd. Glaubens beteiligt, indem er in Abwesenheit des Rektors und des Dekans den Erlaß zur Umsetzung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums unterzeichnete (Mitgl. d. NSDAP seit 1937). 1935 emeritiert, blieb U. vertretungsweise bis 1936 im Amt. Im Ruhestand setzte er frühere Arbeiten bis in die 1950er Jahre fort und publizierte zahlreiche Überblicksartikel, wenngleich er keine grundlegenden Ergebnisse mehr erzielte.

    Umstritten ist, ob U. Kenntnisse über Menschenversuche hatte, die er während seiner Teilnahme an Arbeitstagungen der beratenden Fachärzte der Militärärztlichen Akademie gewonnen haben könnte, und ob er Versuche an farbigen Kriegsgefangenen zur Klärung der Frage nach der Verwandtschaft der Menschenrassen plante. Die an sich ungefährlichen Versuche, die die Entnahme von Blut und die Injektion von fremden Blut zur Antikörperbildung beinhalteten und deren Ausführung nicht belegt ist, hätten den Genfer Konventionen widersprochen, nach denen Versuche an Kriegsgefangenen verboten sind. U.s beeindruckende Lebensleistung und seine international anerkannten wissenschaftlichen Arbeiten werden letztlich überschattet durch sein unkritisches und opportunistisches Verhalten in der NS-Zeit.

  • Auszeichnungen

    A u. a. Geh. Reg.rat; Verdienstorden d. bayer. Krone (1908); preuß. Roter Adler-Orden IV. Kl. (1909); E. K. (II. Kl. 1914, I. Kl. 1916); Dr. med. vet. h. c. (Hannover 1924); Goldene Medaille GeSoLei Düsseldorf (1926); Mitgl. d. Leopoldina (1932) u. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1938); Paul-Ehrlich-Medaille (1933); korr. Mitgl. d. Schwed. Ak. d. Wiss. (1936); Dr. med. h. c. (Gent 1937); Emil v. BehringPreis (1942); Ehrenbürger d. Stadt Freiburg (Br.) (1950); Dr. med. h. c. (Greifswald 1955); Gr. BVK (1955); Geh. Reg.rat; P.-U.-Str. in Greifswald.

  • Werke

    W u. a. Über d. Schutzimpfung gegen d. Maul- u. Klauenseuche, im bes. über d. prakt. Anwendung e. Schutzserums z. Bekämpfung d. Seuche b. Schweinen u. Schafen, in: Dt. Med. Wschr. 27, 1901, S. 7–9 (mit F. Löffler);
    Über d. präventive Wirkung d. Atoxyls b. experimenteller Affen- u. Kaninchensyphilis, ebd. 33, 1907, S. 1590–97 (mit E. Hoffmann u. O. Weidan);
    Das biol. Verfahren z. Erkennung u. Unterscheidung v. Menschen- u. Tierblut sowie anderer Eiweißsubstanzen u. seine Anwendung in d. forens. Praxis, 1905 (Habil.schr.);
    Weitere Unterss. über d. Wesen u. d. Bekämpfung d. Schweinepest mit bes. Berücksichtigung d. Bakteriol. d. Hogcholer-(Paratyphus B-)Gruppe sowie ihres Vorkommens in d. Außenwelt, in: Arbb. aus d. Ksl. Gesundheitsamte 30, 1909, S. 217–329 (mit E. Hübener, O. Xylander u. H. Bohtz);
    Mitt. über einige experimentelle Krebsforsch., in: ebd. 30, 1909, S. 434–44 (mit O. Weidanz);
    Unterss. über Antiformin, e. bakterienauflösendes Desinfektionsmittel, ebd. 32, 1909, S. 158–67 (mit O. Xylander);
    Experimentelle Grundlagen d. Chemotherapie d. Spirochaetenkrankheiten, mit bes. Berücksichtigung d. Syphilis, 1911 (ges. Abhh.);
    Unterss. über d. Ätiol., Immunität u. spezif. Behandlung d. Weil’schen Krankheit (Icterus infectiosus), in: Zs. f. Immunitätsforsch. 25, 1916, S. 317–481 (mit W. Fromme);
    Experimentelle Unterss. über d. Infektionsmodus, d. Epidemiol. u. Serumbehandlung d. Weil’schen Krankheit (2. Mitt.), ebd. 28, 1919, S. 1–118 (mit ders.);
    Die Abtötung d. Tuberkelbazillen im Sputum mit chem. Desinfektionsmitteln, Versch. Mitt., in: Archiv f. Hygiene 90/91, 1922, S. 291–335, 92, 1922/23, S. 31–52 u. 293–311, 93, 1923, S. 343 (mit K. W. Jötten u. E. Hailer);
    Chemotherapeut. Antimonstud., in: Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene 29, 1925, S. 623–50 (mit P. Kuhn u. H. Schmidt); Hg. Zs. f. Immunitätsforsch. u. experimentelle Therapie; Archiv f. Hygiene; Zs. f. d. gesamte experimentelle Med.; Hdb. d. pathogenen Mikroorganismen (mit W. Kolle u. R. Kraus).

  • Literatur

    L P. U. z. Gedächtnis, 1958 (P);
    W. Fromme, in: Zbl. f. Bakteriol. 171, 1958, S. 1–6 (P);
    ders. u. J. Kathe, in: Zs. f. Immunitätsforsch. u. experimentelle Therapie 115, 1958, S. 230–76 (P;
    W-Verz.);
    E. Seidler, Freiburger Professoren in d. Kritik, P. U., Franz Büchner, in: Freiburger Univ.bll. 136, 1997, S. 11–22;
    H.-P. Schmiedebach, P. U. (1870–1957), Forscher im Dienst d. Vaterlandes, in: Rechtsmed.11, 2001, S. 265–69;
    H. A. Neumann, P. U., Ein Leben f. d. Forsch., 2004 (P;
    W-Verz.);
    Wi. 1935;
    BLÄ; Rhdb. (P).

  • Portraits

    P Photogr., Abb. in: GHdA 108, 1995, S. 242.

  • Autor/in

    Axel C. Hüntelmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hüntelmann, Axel C., "Uhlenhuth, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 542-543 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11726881X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA