Lebensdaten
1731 bis 1793
Geburtsort
Braunschweig
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Übersetzer ; Verleger ; Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118660438 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bode, Johann Joachim Christoph
  • Bode, Christoph
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Zitierweise

Bode, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118660438.html [18.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Jürgen, S des Hofbesitzers Hennig, 1730 als „invalider Soldat“ in Braunschweig bezeichnet, wenige Jahre später Ziegeleiarbeiter in Klein-Schöppenstedt bei Braunschweig;
    1) Braunschweiger Instrumentenmacher-T, 2) Simonetta Tamm ( 1766), Senatoren-T; 3) 1768 Metta Maria Bohn, T des Johann Karl Bohn (1712–77), Buchhändler und Verleger in Hamburg.

  • Leben

    Nach bildungsfernen ländlichen Jahren und einer freudenarmen Lehrzeit in der Braunschweiger Stadtpfeiferei war B. Hoboist in einem Braunschweigischen Regiment geworden; eine übereilt geschlossene, unglücklich verlaufende Ehe des Neunzehnjährigen machte ihm seine gedrückte Lage doppelt schwer. Eine längere Beurlaubung (1750) nach Helmstedt weckte sein Verlangen nach höherer Bildung, das durch J. Christian Stockhausen gefördert wurde, den Begründer der Helmstedter Deutschen Gesellschaft, der ihn im Englischen unterrichtete. In Helmstedt legte B. auch den Grund zu seinen lateinischen, französischen und italienischen Sprachkenntnissen. Nach dem Tode seiner Frau und seiner Kinder schied er 1756 aus dem Militärdienst und wandte sich im Frühjahr 1757 nach Hamburg. Hier wirkte er zunächst als Musiklehrer, erweiterte seine Sprachkenntnisse um das Spanische und leitete eine Zeitlang den einflußreichen Hamburgischen Korrespondenten. Er trat in enge Beziehungen zur H. G. Kochschen Theatertruppe, in deren Auftrag er englische und französische Dramen übersetzte. Ende 1766 eröffnete er eine Druckerei, die anfangs für die A. Seylersche Theaterentreprise arbeitete, sich aber bald zu einer der besten deutschen Offizinen entwickelte und Druckaufträge der angesehenen Verleger Christian Friedrich Voß und Friedrich Nicolai in Berlin und Philipp Erasmus Reich in Leipzig erhielt. Ein alsbald an die Druckerei angeschlossener Verlag, die „Buchhandlung der Gelehrten“ mit ihrem Ziel der Hebung und Sicherung des Schriftstellerstandes, scheiterte an der Geschäftsunerfahrenheit des Unternehmers, wobei auch B.s zeitweiliger Teilhaber Lessing erhebliche finanzielle Einbußen erlitt. Erst die energische und kaufmännisch erfahrene dritte Frau B.s wußte den Verlag, der außer eigenen Übersetzungen B.s Schriften von Klopstock, Lessing, Herder, Goethe, Gerstenberg, Claudius u. a. in seine Obhut nahm, in ein glücklicheres Fahrwasser zu lenken. 1761 war B., wie es seinen aufgeklärt Philanthropen Neigungen entsprach, der Loge „Absalon“ beigetreten, wurde Meister vom Stuhl und entwickelte sich zu einem Führer der deutschen Freimaurerei; sein Eintritt in Adam Weishaupts Illuminatenorden endete freilich mit einer Enttäuschung. Die innere Vereinsamung, die ihn infolge des Todes seiner Kinder und seiner Frau überkam, ließ ihn im Sommer 1778 das Anerbieten der Witwe des dänischen Ministers Grafen Johann Hartwig von Bernstorff annehmen, mit ihr als Geschäftsführer nach Weimar zu übersiedeln. Im Sommer 1787 unternahm der Übersetzer so zahlreicher fremder zeitgenössischer Werke seine einzige Auslandsreise, die nach Paris führte.

    B.s literarischer Ruhm gründet sich ausschließlich auf seine Übersetzertätigkeit; von seinem reichen maurerischen Schrifttum kann hier abgesehen werden. Diese Übersetzungen bevorzugten zunächst die englische dramatische Dichtung - B. war einer der ersten, die das zeitgenössische englische Drama nach Deutschland verpflanzten -, später wendete er sich vorzugsweise der Übertragung von Prosawerken vor allem aus dem Englischen zu. B.s Übersetzungen aus dem Englischen, dem Französischen und dem Spanischen sind nicht alle gleichwertig, nicht wenige aber erreichen die Höhe einer vollendeten Meisterschaft der Eindeutschung, vor allem seine Übersetzungen Sternes, die dem englischen Dichter Heimatrecht in Deutschland gewannen und die dadurch historisch denkwürdig wurden, daß er auf Lessings Vorschlag das Wort „empfindsam“ in Aufnahme brachte, und ferner seine Übertragung des Smollettschen „Humphrey Klinker“. Bei den Unternehmungen kam insbesondere der angeborene Humor und die feine seelische Reizbarkeit des jovialen Mannes mit der massig-vierschrötigen Brauergestalt glücklich entgegen, der sich zur Charakterisierung der derbkomischen Figuren seiner Originale gern niedersächsischer Wendungen bediente. Seine Montaigne-Verdeutschung, die ihn in seinen letzten Lebensjahren beschäftigte, kann als eine der besten bis auf den heutigen Tag gelten. Bedauerlich bleibt es, trotz Regis', daß seine Rabelais-Übertragung, zu der er sich schon das zeitechte sprachliche Material in Gestalt der Werke Hans Sachsens und der Lutherschen Tischreden bereitgestellt hatte, durch seinen Tod nicht über die Planung hinausgediehen ist.

  • Werke

    Hss.: Kat. d. Slg. Kippenberg, 21928, Bd. 3, Register;
    Frels, 1934, S. 28;
    Briefe: an Gerstenberg b. C. R. Lessing, Bücher- u. Hss.-Slg. II, 1915, S. 17;
    an Gleim b. H. Harts, Berliner Mhh. 1, 1885, S. 168 f.;
    an Klopstock, in: Lessing u. Hamburg, Festgabe z. Zweihundertjahrfeier d. Geburtstags d. Dichters, 1929. S. 35 bis 39;
    an Mauvillon (üb. Freimaurerei), in: Briefwechsel od. Briefe v. verschiedenen Gelehrten an d. …. Obristlieutenant Mauvillon. 1801, S. 150-81;
    an Wiedemann, in: Euphorion 26, 1925, S. 246 f.;
    s. a. M. B. and L. M. Price, The publication of English lit. in Germany in the eighteenth Century, = Univ. of California publ. in modern philol. 17, Berkeley 1934 (Verz. d. Überss. aus d. Engl.);
    A. Wolfstieg, Bibliogr. d. freimaurer. Lit., Registerbd., 1913, u. Erg.bd. 1, 1926, Nr. 5155 u. 5219 (Verz. d. freimaurer. Schrr.).

  • Literatur

    ADB II;
    Goedeke IV/1, 1916, S. 585-87 u. Reg. (W, L);
    Frels, 1934;
    E. A. Greeven, J. J. Ch. B., in: Imprimatur, 1938, S. 113-27.

  • Portraits

    Kupf. v. E. S. Henne nach d. Porträt v. J. E. Heinsius, in: Allg. dt. Bibl., Bd. 94, 1790;
    Tonbüste v. M. G. Klauer (im Bes. d. Slg. Kippenberg), Abb. in: H.Wahl u. A. Kippenberg, Goethe u. seine Welt, 1932, S. 71;
    Singer I, S. 289, Nr. 8183-86, XIII, 1934, S. 270, Nr. 100 765.

  • Autor/in

    Kurt Schreinert
  • Empfohlene Zitierweise

    Justi, Ludwig, "Bode, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 348-349 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118660438.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bode: Johann Joachim Christoph B., geb. zu Braunschweig 16. Jan. 1730, 13. Dec. 1793, war weder in der Wissenschaft noch in der Dichtung von selbständiger Schöpferkraft; trotzdem ist er durch seinen edlen warmen Eifer für die höchsten Zwecke der Menschheit, durch seine feinsinnigen Uebersetzungen fremder Litteraturwerke, durch sein weitgreifendes gemeinnütziges Wirken einer der achtungswerthesten Vorkämpfer und Verbreiter der deutschen Aufklärungsbestrebungen des 18. Jahrhunderts geworden. Er hatte sich aus den dürftigsten Anfängen heraufarbeiten müssen. Sohn eines armen Soldaten, der später in Schöppenstädt Ziegelstreicher wurde, selbst aber zu körperlicher Arbeit ungeschickt, entschloß sich der Knabe, dessen Unterricht nur im Lesen und Schreiben bestanden hatte, sich der Musik zu widmen. In Braunschweig erwarb er sich tüchtige Fertigkeit auf mehreren Blas- und Saiteninstrumenten und wurde Militärhautboist. Obgleich er, noch nicht zwanzig Jahre alt, durch eine unüberlegte Heirath sich in die drängendsten Sorgen gestürzt hatte, verfolgte er doch sein Ziel wacker, ging 1750 nach Helmstädt, um bei einem dort wohnenden Bassonvirtuosen Unterricht zu nehmen, und trat 1752 in Celle als Hautboist in hannoversche Dienste. Hier machte er sich sogar als Componist bemerkbar. Inzwischen aber hatten sich schon seine litterarischen Neigungen vorgedrängt, da er sowohl in Helmstädt wie in Celle günstige Gelegenheit gefunden hatte, mehrere fremde Sprachen zu lernen. Nachdem er durch den plötzlichen Tod seiner Frau und seiner drei Kinder wieder ein freier Mann geworden, nahm er daher seinen Abschied und zog 1757 nach Hamburg; er durfte hoffen, dort musikalische und schriftstellerische Thätigkeit miteinander verbinden zu können. Und diese Hoffnung erfüllte sich über Erwarten. Eine seiner Musikschülerinnen bot ihm ihre Hand und brachte ihm ein reiches Vermögen als Mitgabe; und durch die von ihm in den Jahren 1762 und 1763 geführte Redaction des Hamburgischen unparteiischen Correspondenten gewann er sich schnell eine angesehene litterarische|Stellung. Sein junges Eheglück wurde zwar schon nach kurzer Zeit durch den jähen Tod seiner Gattin gelöst; aber B. blieb, obgleich er einen beträchtlichen Theil des Vermögens an die Verwandten zurückgab, fortan unabhängig. Im J. 1768 verheirathete er sich zum dritten Mal, doch wurde auch diese Ehe bald wieder durch den Tod getrennt. Die wärmste Freundschaft verband ihn mit den besten Männern Hamburgs, mit Alberti, Basedow, Klopstock, Gerstenberg und namentlich auch mit Lessing, mit dem er sogar den freilich bald scheiternden Versuch einer eigenen Buchhandlung und Buchdruckerei unternahm. Und unter diesen geistvollen Anregungen entstanden jene feinsinnigen Uebersetzungen der englischen Humoristen Sterne, Goldsmith, Smollet, deren Einfluß auf die deutsche Litteratur um so höher anzuschlagen ist, wenn wir bedenken, welche begeisterte Vorliebe ein Lessing und Goethe den Dichtungen Sterne's und Goldsmith's zuwendeten und welch einen großen Antheil an der Gefühlsvertiefung der sogenannten Sturm- und Drangperiode die Bekanntschaft mit Sterne und Goldsmith gehabt hat. Es ist bekannt, daß es Lessing war, welcher für die Uebersetzung der Sentimental journey Sterne's das deutsche Wort „empfindsame“ schuf. Zugleich aber hatte sich B. noch eine andere unmittelbarer in das Leben eingreifende Wirksamkeit gesucht, welcher er die wärmste Begeisterung und die unermüdlichste Thätigkeit entgegentrug. Er war ein begeisterter Apostel des Freimaurerthums in jenem idealen Sinn, in welchem selbst die Größten des Aufklärungszeitalters das Maurerthum als eine Propaganda reiner und liebekräftiger Humanität betrachteten, und wie er einer der eifrigsten Führer des Maurerthums war, wurde er auch später (unter den Namen Amelius) einer der mächtigsten Führer des von Weishaupt in Ingolstadt neugegründeten Illuminatenordens, da beide Orden immer weitere Verbreitung vernünftiger Aufklärung und sittlicher Werkthätigkeit zum gemeinsamen Zweck hatten und daher mit vollem Recht einer allmählichen Vereinigung zustrebten. Und diese Thätigkeit erfüllte ihn auch fast ganz ausschließlich, nachdem er 1778 als Geschäftsführer der Gräfin Bernstorff, der Wittwe des großen dänischen Staatsministers, nach Weimar übergesiedelt war; doch stammt aus dieser Zeit noch seine meisterhafte Montaigneübersetzung und die Uebersetzung von Fielding's Tom Jones. In Weimar starb B. Die neue Zeit war über ihn hinweggegangen; wir finden nicht, daß er mit Goethe in näherem Verkehr war. Aber das liebevollste Andenken Aller folgte ihm, und dies liebevolle Andenken bleibt ihm auch bei der Nachwelt gesichert.

  • Autor/in

    Hettner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hettner, Hermann, "Bode, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 795-796 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118660438.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA