Lebensdaten
1870 bis 1972
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Washington D. C. (USA)
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Wirtschaftspolitiker ; Diplomat
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118937510 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schüller, Richard

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Zitierweise

Schüller, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118937510.html [19.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Sigmund, Textilfabr. in B.;
    M Erna Kohn;
    Wien 1902 Ernestine Rosenthal (1880–1968);
    3 T Ilse S.-Mintz (1902–78, Max Mintz, * 1899, aus Wien, RA), Dr. rer. pol., Ph. D., emigrierte 1938 in d. USA, Prof. an d. Columbia Univ., Mitarb. im Nat. Bureau of Economic Research New York, Konjunkturforscherin in W. (s. L), Susanne S.-Piroli (* 1907), Dr. phil., Hist. in Rom, Hilde Kurz (* 1910), Dr. phil., Kunsthist. in London; Verwandter Arthur (1874–1957), aus B., Dr. med., Prof. f. Nerven- u. Geisteskrankheiten u. Röntgenol. an d. Univ. Wien (s. Wi. 1935; Kreuter, Neurologen), S d. Johann, Dr. med., Ohrenarzt in B.

  • Leben

    S. besuchte in Brünn die Volksschule und das Gymnasium und studierte Rechtswissenschaften und v. a. Nationalökonomie in Wien (Dr. iur. 1892). Er gilt als einer der besten Schüler Carl Mengers (1840–1921) und zählt neben Ludwig v. Mises (1881–1973) und Joseph A. Schumpeter (1883–1950) zur Wiener Schule der Nationalökonomie. Er trat durch zahlreiche wirtschaftswissenschaftliche und -politische Publikationen hervor. Wegen seines jüd. Glaubens mußte er sich nach seiner Habilitation 1899 mit einer ao. Professur für|Nationalökonomie in Wien begnügen. Während seines Studiums verdiente S. sich seinen Lebensunterhalt mit journalistischer Tätigkeit und publizierte u. a. in der „Arbeiter-Zeitung“. Seit 1896 arbeitete er als Sekretär-Stellvertreter beim Niederösterr. Gewerbeverein und trat 1898 als Ministerialkonzipist in das Handelsministerium ein, wo er bis 1918 in verschiedenen hervorgehobenen Verwendungen wirkte (1913 Min.rat). 1918 gehörte er der Delegation für die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk und Bukarest an, 1919 nahm er an den Friedensverhandlungen von Saint Germain teil. Nach der Revolution wurde S. auf Initiative Victor Adlers (1852–1918) in das Außenministerium übernommen und bekam die Leitung der Handelspolitischen Sektion. Er führte bis 1938 sämtliche handelspolitischen Verhandlungen der Ersten Republik und des Ständestaates und war auch in finanzpolitischen Fragen von maßgeblichem Einfluß. 1927 wurde S. Mitglied des Wirtschaftskomitees des Völkerbundes, seit 1932 bekleidetet er außerdem den Posten eines a.o. Gesandten und bevollmächtigten Ministers der österr. Regierung beim Völkerbund in Genf.

    S. kann als Architekt der österr. Handelspolitik der Zwischenkriegszeit bezeichnet werden, dessen Einfluß aber weit über diese Agenden hinausging. Seine Bedeutung kann man nicht zuletzt daran ermessen, daß er nach Erreichen des Pensionsalters seit 1933 auf Beschluß des Ministerrates weiterbeschäftigt wurde; nach dem „Anschluß“ am 14.3.1938 ließ er sich beurlauben und wurde am 1.9.1938 pensioniert. Am 19. Juli floh S. nach Italien, wo ihm Mussolini behilflich war, und weiter über London 1940 in die USA. Hier lehrte er bis 1952 als Professor an der New School for Social Research in New York. Im Juni 1941 übernahm er den Vorsitz des neugegründeten Austrian Committee, das den alliierten Kampf gegen NS-Deutschland unterstützte. 1969 zog er zu seiner Tochter Ilse nach Washington.

  • Auszeichnungen

    Franz-Josephs-Orden; belg. Leopold-Orden; Hon.prof. (Univ. Wien 1926); Dr. h. c. (New York 1952, Wien 1970).

  • Werke

    u. a. Monogrr.: Die klass. Nat.ök. u. ihre Gegner, Zur Gesch. d. Nat.ök. u. Soz.pol., 1895 (franz.: Les Économistes classiques, 1896);
    Die Wirthsch.pol. d. Hist. Schule, 1899;
    Schutzzoll u. Freihandel, Die Voraussetzungen u. Grenzen ihrer Berechtigung, 1905;
    Der wirtschaftl. Zus.bruch Österr.-Ungarns, Die Tragödie d. Erschöpfung, 1930 (mit Gustáv Grátz;
    auch engl);
    Aufss.:
    Die österr. Handwerksgesetzgebung, in: Archiv f. Soz. Gesetzgebung u. Statistik, 11, 1897, S. 381-401;
    Die Nachfrage nach Arbeitskräften, in: Archiv f. Soz.wiss. u. Soz.pol. 33, 1911, S. 37-76;
    Die Nachfrage auf d. Arbeitsmarkte, ebd., S. 715-43;
    Die Ansprüche d. Arbeiter, ebd. 39, 1915, S. 33-61, 385-409;
    Keynes Theorie d. Nachfrage nach Arbeit, in: Zs. f. Nat.ök. 7, 1936, S. 475-82;
    Commercial Policy, in: Social Reserach 10, 1943, S. 159-67;
    Hungary, a Danubian problem, ebd. 11, 1944, S. 40-52;
    A free trade area, ebd. 16, 1949, S. 151-57 (dt.: Freihandelszonen, in: Zs. f. internat. Wirtsch.beziehungen 5, 1950, S. 36-43);
    Mithg.:
    Zs. f. Nat.ök., 1930-38.

  • Literatur

    Money Talks, Fifty years of internal, finance, The autobiography of Sir Frederick Leith-Ross, 1968;
    E. Craver, The emigration of the Austrian economists, in: Hist. of Political Economy 18, 1986, S. 1-32;
    J. Nautz, in: F. Stadler (Hg.), Vertriebene Vernunft II, Emigration u. Exil österr. Wiss., Internat. Symposium v. 19. bis 23. Okt. 1987 in Wien, 1988;
    ders., Unterhändler d. Vertrauens, Aus d. nachgelassenen Schrr. v. Sektionschef Dr. R. S., 1990;
    ders., Österr. Überlegungen z. wirtschaftl. Integration u. z. europ. Machtgleichgewicht, Die wirtschaftspol. Arbb. R. S.s im amerik. Exil 1943-1950, in: MÖStA 42, 1992;
    ders., Une tempête intellecutuelle dans un verre d'eau? La querelle de méthode entre l'École viennoise déconomie politique et l'École historique allemande, in: V. Robert (Hg.), Intellectuels et polémiques dans l'espace germanophone, 2003, S. 199-208;
    C.-D. Krohn, Wiss. im Exil, 1987;
    G. Enderle-Burcel u. M. Follner, Diener vieler Herren, Biogr. Hdb. d. Sektionschefs d. Ersten Republik u. d. Jahres 1945, 1997;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    BHdE I;
    BHdwE;
    zu Ilse S-Minlz:
    J. Nautz, in: R. W. Dimand, M. A. Dimand u. E. L. Forget (Hg.), A Biogr. Dict. of Women Economists, 2000;
    ders., in: Wissenschafterinnen Österr.

  • Autor/in

    Jürgen Nautz
  • Empfohlene Zitierweise

    Nautz, Jürgen, "Schüller, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 638-639 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118937510.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA