Lebensdaten
1882 bis 1965
Geburtsort
Trier
Sterbeort
Koblenz
Beruf/Funktion
katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119418266 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Laros, Matthias

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Zitierweise

Laros, Matthias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119418266.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Matthias (* 1858), Schuhmacher, S d. Schuhmachers Matthias in T. u. d. Katharina Münster;
    M Angela Weber aus Löwenbrücken (* 1858), T d. Küfers Peter Weber aus Olewig u. d. Helena Binz aus Niedermennig.

  • Leben

    Nach Abschluß des Gymnasiums bezog L. das bischöfliche Priesterseminar in Trier und empfing 1907 die Priesterweihe. Daran schlossen sich Studienjahre in Bonn, Straßburg und Würzburg an, unterbrochen durch die Übernahme von Kaplanstellen in Saarbrücken St. Johann, Waldbreitbach, St. Wendel, Gebhardshain/Westerwald, Nalbach. 1913 wurde L. bei Sebastian Merkle in Würzburg mit einer Dissertation über das „Glaubensproblem bei Pascal“ promoviert. Merkle empfahl ihn 1915 für eine Dozentur an der Theol. Fakultät Straßburg; die Berufung scheiterte am Einspruch des Trierer Bischofs Korum, dem Straßburg zu „liberal“ erschien. Früh und unberechtigterweise vom Stigma des religiösen und kirchlichen Liberalismus|gebrandmarkt, blieb L. von einer akademischen Laufbahn ausgeschlossen. Er wurde Landpfarrer in seiner Heimatdiözese: 1913 in Rodershausen (Eifel), 1919 in Geichlingen (Eifel), 1939-48 in Kapellen-Stolzenfels.

    Seine Tätigkeit als Seelsorger ließ L. ausreichend Muße zu einer ausgedehnten und vielseitigen publizistischen Tätigkeit. Sie erstreckte sich vor allem auf drei Gebiete: auf die Erschließung von Pascal und J. H. Newman für den deutschen Sprachraum, eine zeitgemäße Verkündigung und eine Annäherung der christlichen Konfessionen.

    In seiner Dissertation suchte L. den Nachweis zu erbringen, daß Pascal – dessen Pensées er 1913 herausgab – keine grundsätzliche Trennung von Verstandeserkennen und Gefühlsglauben anstrebte, sondern als gemäßigter Intellektualist eine rationale Grundlage des Glaubens für notwendig hielt. Auch mit dem Intuitionsbegriff von Bergson setzte L. sich auseinander. Doch wandte er sich immer stärker dem in seinen Studienjahren durch seinen Trierer Landsmann F. X. Kraus entdeckten, in der angelsächs. kath. Theologie seiner Zeit völlig unterschätzten John Henry Newman zu. Durch zahlreiche Aufsätze und Textausgaben, besonders aber mit den von ihm herausgegebenen „Ausgewählten Werken“ (10 Bde., 1922–40, Neuausg., 9 Bde., 1951–75) schuf L. die Grundlage für die Wirkung Newmans in Deutschland, wo dessen Theologie eine Antwort auf Probleme der Zeit erlaubte, zu denen eine rein scholastische Theologie keinen Zugang fand. Die Themen, denen sich L. als Vermittler und Interpret Newmans besonders widmete, waren: der existenzielle Zugang zum Glauben, die Überwindung der Entfremdung zwischen Klerus und Laien, die Tatsache der Entwicklung der christlichen Lehre, eine trinitarische, an Schrift und Kirchenvätern genährte Frömmigkeit und die Verpflichtung, durch Kirchenreform auf die sichtbare Einheit der Christen hinzuarbeiten. Dem Nationalsozialismus stand L. – nach anfangs allzu optimistischer Einschätzung der durch Konzentration auf den rein religiösen Bereich verbleibenden Wirkmöglichkeiten für die Kirche – ablehnend gegenüber. Wiederholt mußte er sich polizeilicher Untersuchung stellen. War die Beschäftigung mit Newman das Hauptthema seiner publizistischen Bemühungen in der Zwischenkriegszeit, so war seine Tätigkeit nach 1945 auf die Entschärfung des konfessionellen Gegensatzes gerichtet.

    1945 verbrannte bei einem Bombenangriff, neben seiner 7 000 Bände umfassenden Bibliothek das Manuskript einer großen Newmanbiographie. Er selbst wurde schwer verletzt. Denoch blieb sein Lebensmut ungebrochen. An Stelle seines Freundes M. J. Metzger, der 1944 hingerichtet worden war, übernahm er die Leitung der „Una Sancta“-Bewegung. In den „Meitinger Rundbriefen“ (1946-49), in Büchern, Vorträgen und kontroverstheologischen Gesprächen setzte er sich mit deren Problemen auseinander. Diese Pionierarbeit brachte den außerhalb des Verbandskatholizismus stehenden L., der freimütig gegen kirchliche Selbstgenügsamkeit und Erstarrungserscheinungen Position bezog, den Ruf eines Kantengängers ein. 1941 wurde ein Vortrag, den er in Köln gehalten hatte, von der Indexkongregation gerügt. Seine kirchliche Loyalität fand trotz aller Schwierigkeiten immer wieder Wege, den zwischenkonfessionellen Dialog in Gang zu bringen. Das 2. Vatikanische Konzil rechtfertigte nicht nur seine innerkirchlichen Reformpostulate, sondern auch sein Lebenswerk im Dienste der Ökumene. Selber kein schöpferischer Theologe, hat L. durch seine Vermittlertätigkeit bleibende Grundlagen für eine ökumenische Verständigung über zentrale Fragen des christlichen Glaubens geschaffen.

  • Werke

    Weitere W u. a. John Henry Kardinal Newman, Die Gesch. meiner rel. Psyche, bearb. v. M. Laros, 1913;
    Das Glaubensproblem bei Pascal, 1918;
    Kardinal Newman, Ex umbris et imaginibus in veritatem, 1920;
    Pfingstgeist üb. uns, 1935;
    Moderne Ehefragen, 1936;
    Evangelium hier u. heute I-IV, 1936-40;
    Der Christ in d. geistigen Entscheidung d. Zeit, 2 Bde., 1937;
    Was ist positives Christentum?, 1937;
    Franz Xaver Kraus. 1941;
    Index u. Bücherzensur heute, 1941 (Privatdr.);
    Schöpfer. Friede d. Konfessionen, 1950;
    Der Ewige Kreuzweg, 1950;
    Die Botschaft d. Herrn an diese Zeit, 2 Bde., 1950-51;
    Drei verlorene Söhne u. wir heute, 1951.

  • Literatur

    Paulinus (Trierer Diözesanbl.), Nr. 27 v. 4.7.1965, S. 17;
    J. Lortz, in: Una Sancta 20, 1965, S. 245-50;
    F. Grosse, Dr. theol. M. L. (1882-1965), Der große geistige Brückenbauer, Werkgeleit u. Bibliogr., 1971;
    F. Broemser, M. L., in: Landeskundl. Vj.bll. (Kurzbiogrr. v. Mittelrhein u. Moselland), Sonderh. 1971, S. 281 f.;
    V. Conzemius, Propheten u. Vorläufer, Wegbereiter d. neuzeitl. Katholizismus, 1972, S. 193-205 (P);
    Kosch, Kath. Dtld.;
    LThK X, S. 1199;
    RGG VI, S. 1118.

  • Autor/in

    Viktor Conzemius
  • Empfohlene Zitierweise

    Conzemius, Victor, "Laros, Matthias" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 641 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119418266.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA