Lebensdaten
erwähnt 1434, gestorben 1484
Geburtsort
Danzig
Sterbeort
Kloster La Grande Chartreuse (Grenoble)
Beruf/Funktion
Deutschordensprokurator ; Geschichtsschreiber ; Frühhumanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118664115 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Blumenau, Lorenz
  • Blumenau, Laurentius
  • Blumenau, Lorenz
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Zitierweise

Blumenau, Laurentius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118664115.html [11.07.2020].

CC0

  • Leben

    B. studierte seit 1434 in Leipzig, wurde 1437 Baccalaureus, kam 1444 nach Bologna und wurde dort 1447 zum Dr. jur. promoviert. Er vertrat den Deutschen Orden seit 1447 als stellvertretender Oberprokurator an der römischen Kurie und in Wien im Rechtskampf des Ordens mit dem Bund der preußischen Stände; er selbst war nicht Ordensbruder. In Rom fungierte er auch als Auditor in Rota und stand zeitweilig in Dienst und Gunst des Kardinalbischofs Peter von Augsburg. Zudem hatte B. eine Domherrnstellung an einer dem Orden reservierten Pfründe der ermländischen Kirche inne. In den 50er Jahren war er Hofjurist des Hochmeisters und Vertreter der konservativen Politik. B. mußte 1456 die belagerte Marienburg verlassen und trat aus dem Dienst des Deutschen Ordens in den Herzog Sigismunds von Tirol über. Im Konflikt des Herzogs mit dem Papst wegen Nikolaus von Cues wurde er gebannt und gefangen gehalten. 1466-71 arbeitete B. als Sachwalter des Erzbischofs von Salzburg und war auf mehreren Reichstagen tätig. 1468 stand er nochmals im Dienst des Deutschen Ordens in Rom. Zuletzt wurde er Kartäuser. B. verfaßte um 1460 eine Ordensgeschichte, die besonders für seine eigene Zeit wertvoll ist. Er gilt als der erste Humanist in Preußen.

  • Werke

    Hist. de ordine Theutonicorum cruciferorum, hrsg. v. M. Toeppen, in: Scriptores rerum Prussicarum IV, S. 35-67.

  • Literatur

    ADB II (L);
    G. Voigt, L. B., in: Neue Preuß. Prov.bll. 3, 1859, Bd. 4, S. 242-64;
    M. Perlbach, Prussia scholastica, 1895, S. 130;
    ders., L. B.s Ende u. Hinterlassenschaft, in: Mitt. d. Westpreuß. Gesch.-Ver. 20, 1921, S. 27 ff.;
    Lorenz II, S. 223;
    H. Freytag, Die Geschäftsträger d. Deutschen Ordens an d. röm. Kurie, in: Zs. d. Westpreuß. Gesch.-Ver. 49, 1907, S. 209 ff.;
    W. Ziesemer, in: Vf.-Lex. d. MA I, Sp. 250 f.;
    LThK;
    |Dictionnaire d’Histoire et de Géographie Ecclésiastiques IX, 1937, Sp. 257;
    H. Schmauch, in: Altpreuß. Biogr. I, 1941.

  • Autor/in

    Klaus Eberhard Murawski
  • Empfohlene Zitierweise

    Murawski, Klaus-Eberhard, "Blumenau, Laurentius" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 328 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118664115.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Blumenau: Laurentius B., gebürtig aus Preußen, Geschäftsführer und Geschichtschreiber des Deutschen Ordens, 7. Juni 1484. Ueber seine früheren Lebensschicksale ist nichts weiter bekannt. Um das Jahr 1450, als in Preußen die Spannung zwischen Orden und Land schon jeden Augenblick in offenen Krieg auszubrechen drohte, finden wir ihn in Rom schnell hintereinander dreimal als außerordentlichen Gesandten des Hochmeisters bei der Curie thätig, und ebenso war er 1453 am kaiserlichen Hofe zu Wien, hier zusammen mit dem Bischof von Ermland, bei der Ordensgesandtschaft, welche die Achtserklärung des preußischen Bundes auswirkte. Als getreuer Anhänger der Ordenssache und vollends als einer der „Schreiber“ des Hochmeisters zu den verhaßtesten Leuten im Lande gehörend, mußte er, als die Söldner die Marienburg in ihre Gewalt bekamen,|noch vor seinem Herrn dieselbe verlassen und auch aus Preußen sich entfernen. Da er die ihm früher, bei seiner Anwesenheit in Rom, angetragene Stelle eines Auditors der Rota ausgeschlagen hatte, um dem Orden weiter dienen zu können — nur den Titel eines päpstlichen Capellans hatte er angenommen — so mußte er einen neuen Dienst suchen. Bereits selbst etwas vom Humanismus angeflogen, scheint er einige Jahre in Beziehungen zu dem Cardinalbischof von Augsburg, Peter v. Schaumburg, gestanden zu haben, der schon in Rom sein Gönner gewesen war, und an den er sich jetzt wieder bittend wandte. Von 1460—63 war er neben Gregor Heimburg Sachwalter des Herzogs Sigismund von Tirol in dem bitteren Streite, den dieser mit der römischen Curie wegen des in das Bisthum Brixen eingedrungenen Cardinals Nicolaus Cusanus führte, und zog sich dadurch nicht bloß gleich seinem Herrn den Haß der Curie und den Bann, sondern auch persönliche Nachstellung zu, der er nur mit Mühe entging. Nachdem er darauf den Erzbischof von Salzburg auf mehreren Reichstagen vertreten hatte, auch im Auftrage des Deutschen Ordens noch einmal in Rom gewesen war, trat er zuletzt in den Karthäuserorden und verlebte den Rest seiner Tage zu Karthaus bei Danzig. — In der Zeit seiner ersten Muße, nachdem er Preußen hatte verlassen müssen, begann B. die Abfassung einer Ordensgeschichte, die in ihren Anfängen gleich allen ähnlichen Werken jener Zeit auf älteren Arbeiten beruht, vom J. 1435 aber hohen Werth erhält, es sind „die Memoiren seiner eigenen Leiden“. Aber er brach schon beim J. 1449, beim Tode des Hochmeisters Konrad v. Erlichshausen, ab, wie er selbst sagt, „um nicht durch zu heftiges Speien den Ausbruch des Blutes herauszufordern"; den entschiedenen Standpunkt, den er in seiner praktischen, politischen Thätigkeit unverrückbar eingehalten hatte, hat er auch hier nicht verleugnen können, nicht verleugnen wollen.

    • Literatur

      Eine Biographie Blumenau's von Georg Voigt in den Neuen Preußischen Provinzialblättern, Jahrg. 1859. II. Bd. Vgl. dazu M. Töppen in der Einleitung zur Ausgabe der Ordensgeschichte Blumenau's im IV. Bde. der Scriptores rerum Prussicarum (1870).

  • Autor/in

    Lohmeyer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohmeyer, "Blumenau, Laurentius" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 747-748 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118664115.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA