Lebensdaten
um 1438 bis 1519
Geburtsort
Everswinkel bei Münster
Sterbeort
Münster (Westfalen)
Beruf/Funktion
Humanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 102157774 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langen, Rudolf von
  • Langen, Rodolphus de
  • Langhen, Rodolphus de
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Zitierweise

Langen, Rudolf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd102157774.html [21.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Dietrich, S d. Goswin;
    M Fye;
    Ov Hermann, 1443 Domherr, 1448-84 Domdechant in Münster (s. L);
    B Hermann ( 1491), 1471 Domherr in Münster u. Propst d. Stifts St. Mauritz b. Münster, Florenz, 1495-1528 Domherr in Münster; Verwandter Hermann, 1485 Domherr, 1503-08 Domdechant in Münster.

  • Leben

    Sein Onkel, Hermann v. Langen, Domscholaster, später Domdechant, sorgt für die erste Ausbildung L.s und verschafft ihm früh ein Kanonikat. 1456 bezieht L. die Univ. Erfurt, wo er 1458 baccalaureus und 1460 magister artium wird. Zwischen 1460 und 1462 interpretiert er Briefe Ciceros an der Univ. Basel. Diese Tätigkeit kann aus einer autographen Widmung L.scher Verse in einer Straßburger Bibel an ihren Drucker Mentelin erschlossen werden: L. stellt sich darin als Erklärer Ciceros in Basel und als einstigen Studenten der Rhetorik und Poesie zu Erfurt vor. 1462 wird er Propst des Kollegiatsstifts am Alten Dom zu Münster und damit Mitglied des Domkapitels. 1466 hält sich L. einige Monate lang in Rom auf, um die päpstl. Bestätigung der Wahl des Bischofs Heinrich von Schwarz(en)burg zu betreiben. Er tritt in Beziehung zu Humanisten und erwirbt eine wertvolle Bibliothek, die 1534 während der Münsterer Wiedertäuferunruhen verbrennt. Anfang 1469 finden wir ihn in der Benediktinerabtei und „Akademie“ Adwert b. Groningen, 1474/75 in Begleitung seines Bischofs im Heerlager vor Neuß. Kurz vor der Jahrhundertwende setzen seine Bemühungen um eine humanistische Reform der Münsterer Domschule ein, wenngleich L. selbst nie Lehrer dieser Schule ist. Zwischen 1498 und 1501 tritt er in Beziehungen zu Erasmus. 1505 wird er in die Bursfelder Kongregation aufgenommen.

    Das Gerüst der Tatsachen, noch im 16. Jh. durch Hermann Hamelmann, dem daran lag, aus L. einen Vorläufer der Reformation zu machen, stark entstellt, ist erst 1930 durch Klemens Löffler entscheidend korrigiert worden. Zweifellos ist L. am nachhaltigsten von Italien, von wo er „den unverwelklichen helikonischen Kranz als erster nach Deutschland gebracht“ hat (Murmellius), geprägt worden. Es treten aber noch andere formende Elemente hinzu, so die devotio moderna, vertreten durch die Münsterer Fraterherren. Einem der Fraterherren, Friedrich Mormann ( 1482), hat L. Gedenkverse gewidmet, worin er freilich, seinem stark formalen, metrischen Interesse entsprechend, vor allem den geschickten Verseschmied lobt. Die „fertige“ Gestalt des Humanisten erscheint am deutlichsten in den sechs Briefen, die er, aus Italien zurückgekehrt, aus Adwert 1469 an zwei Freunde geschrieben hat. Gedruckt sind sie um 1477 zu Köln in einer Musterbriefsammlung, die mit Cicero beginnt und eine große Zahl moderner Italiener aufnimmt; L., Rudolf Agricola und der Herausgeber selber, Antonius Liber (Vrye) aus Soest, bilden den Schluß. Ein humanistisches Programm enthält sein Brief an den Münsteraner Lubbertus Zedeler ( 1485 als Jurist in Rostock). In ihm begegnen die meisten Losungsworte, die den deutschen Frühhumanismus charakterisieren: „dicendi elegantia“, „de virtute praeceptio“, „sermonis nitor et gravitas“, Verachtung für die Barbaren, die die Latinitas verwüsten. Ein sehr elitäres Bildungsideal im übrigen: Die Humanisten wollen nicht missionieren, nur in Ruhe gelassen, nicht vom Pöbel gestört werden. So scharf L. die „Barbaren“ geißelt, so bezeichnend ist aber doch seine Zurückhaltung im Verurteilen der Scholastik, mit der er sich auch selbst befaßt habe. Aristoteles empfiehlt er, aber nur in guter lat. Übersetzung (Griechisch konnte L. nicht). Führend bleibt erwartungsgemäß Cicero, „magnus bene vivendi magister“. Humanistische Programmpunkte werden auch in den Gedichten verfochten. Die öfter angesprochene Stadt Köln, zu der L. auch persönliche Verbindungen hatte, wird wohl als Tochter Roms gepriesen, aber zugleich – mit Blick auf die Universität – gefragt, weshalb sie die Musen vernachlässige. Patriotische Motive kommen verschiedentlich hinzu. Im Kontrast zur „natio nostra“ steht dann entweder Italien oder, auf politischem Gebiet, Burgund (Belagerung von Neuß, Abwehr Karls des Kühnen von Köln), endlich im Feld des Themas: „Hierosolyma“, der damals wieder mächtig auflebende Pilger- und Kreuzzugsgedanke. Auch Albertus Magnus wird als Kreuzzugsprediger gefeiert. Zum großen Teil sind L.s Gedichte religiös gestimmt, mögen jedoch an Flüssigkeit von den Versen des Murmellius und Buschius übertroffen werden. Wer z. B. die Widmungsbriefe zum „Rosarium“ oder zu „De sancta cruce“ an die Kölner Patrizier Peter und Johannes Rink liest, wird auch hier die formale humanistische Komponente finden. L.s Gedichte bedürfen noch einer präzisen Analyse, wozu es in der bisherigen Forschung höchstens Ansätze gibt.

  • Werke

    u. a. Carmina, 1486;
    Rosarium … beatissimae virginis … Mariae, 1493;
    Epitaphium auf Albertus Magnus, ca. 1494, gedr. in: R. v. L., De forti mulieri [= Kirche], 1499;
    Horae de sancta cruce, 1496;
    Hierosolyma, Kompilation z. Gesch., bes. d. Untergang d. Stadt u. d. Tempels, o. J.;
    Lebensabriß d. Bischofs Heinrich v. Schwarz(en)burg im Rahmen e. Bischofschronik, o. J. (kurz n. 1496);
    - versch. Gedichte bis 1516.

  • Literatur

    ADB 17;
    A. Parmet, R. v. L., Leben u. gesammelte Gedichte d. 1. Münsterschen Humanisten, 1869 (mit Crecelius u. Löffler, grundlegend);
    W. Crecelius, Epistolae Rudolfi Langii sex, in: Progr. Elberfeld 1876;
    A. Bömer, Das literar. Leben in Münster b. z. endgültigen Rezeption d. Humanismus, 1906;
    P. S. Allen, Opus Epist. Des. Erasmi Roterodami I, 1906, ep. 23, S. 106, ep. 70, S. 197, ep. 72, S. 199, ep. 156, S. 362;
    K. Löffler (Hrsg.), Illustrium Westphaliae virorum libri sex, 1908;
    ders., in: Westfäl. Lb. I, 1930;
    R. Schulze, Das Gymnasium Paulinum zu Münster, 1948;
    H. Bücker, Das Lobgedicht d. Johs. Murmellius auf d. Stadt Münster …, in: Westfäl. Zs. 111, 1961;
    E. Droz, La première réforme scolaire à Münster en Westphalie, in: Festschr. Hugo Friedrich, 1965;
    dies., Die „Reguli Remigii“, Eine unbek. münster. Inkunabel …, in: Ex officina literaria …, hrsg. v. J. Prinz, 1968 (Die Bemerkung | v. Droz üb. L. ist mit Vorsicht zu benützen, d. meiste ist veraltet).

  • Autor/in

    Otto Herding
  • Empfohlene Zitierweise

    Herding, Otto, "Langen, Rudolf von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 578-580 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102157774.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langen: Rudolf v. L., deutscher Humanist, geb. zu Everswinkel bei Münster 1438. in Münster 1519. Er erhielt durch seinen Oheim, den Domdechanten Hermann v. Langen, den ersten Unterricht, wurde in der Schule von Deventer, die auch schon vor dem Rectorat des Hegius sich eines zahlreichen Besuchs erfreute, weiter gebildet und befreundete sich dort mit dem genannten Hegius, Rudolf Agricola und anderen Humanisten der altern Generation. Dann bezog er nach kurzem Aufenthalt in Münster, wo ihm sein Oheim ein Canonicat verschaffte, die Erfurter Universität (1457), die schon damals eine Pflanzstätte des Humanismus war und wurde 1458 Baccalaureus. 1460 Magister der Philosophie. 1466 zog er mit seinem Freunde Moritz v. Spiegelberg nach Italien, nachdem er sich vorher einige Zeit am Hofe des Herzogs Johann von Cleve aufgehalten hatte. In Italien blieb er etwa vier Jahre, zumeist dem Studium der lateinischen — vielleicht auch dem der griechischen — Sprache ergeben, doch weiß man weder, welche Städte er besucht, noch bei welchen Lehrern er gehört hat. In Gemeinschaft mit seinem Freunde war er bemüht, eine große Anzahl römischer Classiker abzuschreiben und durch solche Abschriften sich eine Bibliothek zu erwerben. Nach der Rückkehr von Italien lebte er als Canonicus in geachteter Stellung in Münster. Nur selten verließ er diese Stadt. 1474, 1475 verweilte er während des von Karl dem Kühnen unternommenen Kriegszuges gegen Neuß im Lager des Münster'schen Bischofs Hermann von Schwarzburg; 1486 ging er zum zweiten Male nach Italien, diesmal um in Sachen des Domkapitels mit dem Papste zu unterhandeln. Nachdem er seine Aufgabe in befriedigender Weise gelöst, konnte er sich ungestört seiner Lieblingsthätigkeit widmen: dem persönlichen und schriftlichen Verkehr mit gleichgesinnten Freunden, dem Verfertigen lateinischer Gedichte, der Förderung jugendlicher Genossen und der Neugestaltung des münsterischen Schulwesens. Am unbedeutendsten ist seine dichterische und schriftstellerische Thätigkeit. Derselben gehört eine Schrift. "Hierosolyma", an, in Prosa, die, wie es scheint, zu einem Epos verarbeitet werden sollte, welches Ursprung der Stadt Jerusalem und ihres Tempels und die Zerstörung beider schildert. Zu derselben ist serner eine Sammlung Gedichte zu rechnen, die 1486 erschien. Dieselben sind theils geistliche Gedichte, fromme Gesinnung verrathend, theils persönlichen Inhalts, inniges Interesse für Freunde und Bekannte bekundend, theils historischen Inhalts. Zu den letzteren gehört|ein größeres Gedicht über die Belagerung der Stadt Neuß, das aber ohne historischen und dichterischen Werth ist. Denn es gibt keineswegs eine anschauliche Beschreibung der geschichtlich wichtigen Begebenheit, noch auch eine ansprechende Charakteristik der handelnden Personen, sondern ist zumeist ein Lobspruch auf den dabei betheiligten Bischof Hermann. Viel wichtiger als seine schriftstellerische ist seine pädagogische Thätigkeit. Die Beförderung, die er Einzelnen, z. B. seinem jüngern Verwandten Hermann vom Busche, angedeihen ließ, war für die Geförderten von großer Bedeutung, aber sein eigentlichstes Verdienst ist die Begründung und Ausbildung des münsterischen Schulwesens. An diesem seinem Lebensplan hielt er unverrückt fest und führte ihn schließlich durch trotz mancher Gegenanstrengungen, die theils aus Münster stammten, theils durch die Kölner Theologen beeinflußt waren. Als Leiter seiner Anstalt wünschte er den alten Freund Alexander Hegius zu gewinnen, der aber den Ruf ablehnte. Daher führte er im Verein mit Timann Camener (1470—1535), einem tüchtigen Pädagogen, aber noch in der mittelalterlichen Auffassung und Darstellung befangenen Gelehrten, A. Tunnicius (s. d.) und J. Murmellius (s. d.) seine Pläne durch. Die Anstalt trat 1500 ins Leben, zuerst mit vier Klassen, denen ein Jahrzehnt später zwei neue hinzugefügt wurden, als eine geistliche Anstalt, die daher naturgemäß auf den Religionsunterricht den größten Nachdruck legte, sodann Latein — seit 1512 auch Griechisch — Philosophie, Poetik, Rhetorik und Dialektik lehrte. Das humanistische Wesen dieser Schule zeigte sich sofort in der Bevorzugung der lateinischen Sprache und in der methodischen Art der Unterweisung, erst später in der Umgestaltung der Hilfsmittel und der Lehrbücher, in Ersatz der mittelalterlichen durch neue und zweckmäßigere. Die Errichtung dieser für die Entwickelung des Humanismus höchst segensreichen Lehranstalt ist Rudolf v. Langen's schönstes Denkmal.

    • Literatur

      A. Parmet, Rudolf v. Langen. Leben und gesammelte Gedichte des ersten Münsterischen Humanisten. Münster 1869. Gölt. gel. Anz. 1870 St. 33 S. 1295—1302. Geiger, Renaiss. und Humanismus, S. 396 ff.

  • Autor/in

    Ludwig Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig, "Langen, Rudolf von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 659-660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd102157774.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA