Lebensdaten
1699 bis 1776
Geburtsort
Schloß Oberstadt bei Suhl (Thüringen)
Sterbeort
Schloß Jägersborg bei Kopenhagen
Beruf/Funktion
Forstmann
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118778676 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Langen, Johann Georg von

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Zitierweise

Langen, Johann Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118778676.html [24.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Ludwig (1655–1725), auf O. (bis 1712), S d. Ernst Christian, auf O., u. d. Kunigunde Anna v. Hanstein;
    M Anna Charlotte, T d. Alexander Thilo v. Seebach ( 1689), auf Großfahner, Drost d. Gfsch. Tonna, u. d. Elisabeth Magdalene v. Stauff;
    B Franz Philipp (1709–51), Hofjägermeister, Kartograph, Landschaftsmaler, Mitarbeiter L.s auf allen Stationen seines Werdegangs, 1739-46 Mitgl. d. Gen.forstamts in Kongsberg (Norwegen), seit 1747 Forstverwalter in Blankenburg (Harz); - ledig;
    N Joh. Carl v. Baumbach (1736–74), braunschweig. Kammerrat u. Oberforstmeister in Blankenburg (Harz).

  • Leben

    L.s Jugendjahre wurden überschattet durch den Verlust der Heimat, als der Vater den Familienbesitz 1712 im Spiel verlor. Um die Rückgewinnung wurden längere Prozesse geführt, die aber verloren wurden. Die verarmte Familie fand Aufnahme auf dem Gut eines Verwandten der Mutter in Klein-Fahner. L. erhielt 1716 eine Anstellung als Page bei der Hzgn. Elisabeth Eleonore von Sachsen-Meiningen, einer Schwester des Fürsten Ludwig Rudolf v. Braunschweig-Blankenburg. Dieser nahm ihn noch im selben Jahr in seine Dienste und ließ ihn im Jagd- und Forstwesen ausbilden. Eine Bildungsreise führte L. 1719-21 an die Höfe in Stuttgart und Ludwigsburg, Wien, Nymphenburg, Dresden und Moritzburg. 1721 zum Jagdjunker ernannt, erhielt L. 1722 die erste selbständige Aufgabe übertragen. Sie bestand in der Vermessung, Taxierung und Einrichtung der sog. „Unteren Forsten“ des Fürstentums. Ein gleicher Auftrag für Forstreviere um Blankenburg und Braunlage folgte. Als wesentlichstes Ergebnis der Vermessungs- und Kartierungsarbeiten legte der inzwischen zum Forstmeister ernannte L. 1732 einen „Forstatlas“ vor (Niedersächs. Staatsarchiv Wolfenbüttel). Dieser erste Forstatlas überhaupt läßt bereits sein ganzes Können deutlich werden und zeigt seinen beginnenden Wandel vom „waidgerechten Jäger“ zum „holzgerechten Förster“.

    Die besonderen Fähigkeiten L.s müssen bald weithin bekannt geworden sein, denn 1737 wurde er auf Empfehlung von Christian Ernst Gf. zu Stolberg-Wernigerode von Kg. Christian VI. von Dänemark zur Reorganisation der Forsten nach Norwegen berufen. Im waldreichen Norwegen entfaltete der zum Forstinspektor und Forstmeister ernannte L. eine rege Tätigkeit und konnte den ihm erteilten Auftrag zur Vermessung und Einrichtung der Forsten des Stifts Akershus, d. h.|der Umgebung Oslos, in kurzer Zeit abschließen und dazu eine erste „Forstordnung“ konzipieren. Die Ernennung zum Hofjägermeister am 24.4.1739 – gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Franz Philipp, der ihn schon in Blankenburg bei seinen Arbeiten unterstützt hatte, war begleitet von dem ungleich größeren Auftrag zur Reorganisation der gesamten norweg. Forsten, zu dessen Durchführung ein Generalforstamt in Kongsberg begründet wurde. Als Grundlage für dessen Arbeit legt L. dem König ein umfangreiches „Project zu einer erneuerten Forst- und Jagdordnung“ für ganz Norwegen vor; dieses Dokument mit seinen in 10 Kapitel aufgegliederten 180 Paragraphen signalisiert den Beginn einer neuzeitlichen Forstwirtschaft in dem durch Personalunion mit Dänemark verbundenen Norwegen.

    L. zog außer seinem Bruder weitere Forstmänner („Jagdjunker“ und „Holzförster“) aus Deutschland heran, mit deren Hilfe die ersten zuverlässigen Karten von ganz Norwegen erarbeitet werden konnten. Darüber hinaus ging es L. um die Hebung der gesamten Volkswirtschaft, basierend auf dem bis dahin vernachlässigten oder sinnlos vergeudeten Rohstoff Holz. Von Kongsberg aus gründete er eine Anzahl von gewerblichen Betrieben. Seine Projekte bewegten sich im Rahmen der Gedankenwelt des Merkantilismus mit besonderer Betonung der Wohlfahrt des ganzen Volkes. Die in der „Nordske Compagnie“ (nach ihrem Haupterzeugnis Holzkohle auch „Schwarze Compagnie“ genannt) zusammengeschlossenen und nach Art einer Aktiengesellschaft aufgebauten Betriebe befaßten sich mit der Produktion und dem Vertrieb von Glas – L. gründete die erste Glashütte (Nöstetangen) in Norwegen –, Holzkohle, Salz, Seife, Pottasche, Salpeter, Ziegeln, Waffen, Pfeifen sowie Waren des täglichen Gebrauchs, die bisher aus dem Ausland eingeführt werden mußten. Wenn einzelne dieser Unternehmen auch florierten und teilweise bis heute bestehen, so trug das umfangreiche Aufbauwerk doch den Keim des Fehlschlags in sich. Dazu trugen persönliche Mißgunst sowie Unverständnis der betroffenen Bevölkerungskreise ebenso bei wie L.s zuweilen allzu forsches Temperament. Letztlich resignierend und ohne förmlichen Abschied kehrte L. bereits 1742 nach Deutschland zurück und trat zunächst in die Dienste von Christian Ernst Gf. zu Stolberg-Wernigerode, dessen Forsten er nunmehr inspizierte und nach seinen Grundsätzen einrichtete. In Kongsberg ließ er sich von seinem Bruder Franz Philipp vertreten, bis auch dieser nach der förmlichen Aufhebung des sog. älteren Generalforstamtes (1746) durch den neuen dän. König Friedrich V. nach Blankenburg zurückkehrte. Damit fehlte dem mit so vielen Hoffnungen begonnenen Reformwerk der eigentliche Motor, und es blieb letzten Endes unvollendet. Doch waren besonders auf kartographischem Gebiet bereits so bedeutsame Erfolge erzielt, daß die im Lande verbleibenden deutschen Forstmänner und das 1760 neu errichtete „jüngere“ Generalforstamt darauf aufbauen konnten. Insofern ist es berechtigt, L. als den eigentlichen Begründer einer neuzeitlichen Forstwirtschaft in Norwegen zu bezeichnen.

    Nach kurzem Zwischenspiel in stolberg-wernigerod. Diensten betraute Hzg. Karl I. von Braunschweig-Lüneburg L. 1745 mit der Reorganisation der Forsten im braunschweig. Weserdistrikt. Als Wohnsitz wurde ihm das Schloß Fürstenberg angewiesen. Auch hier begann L. mit einer umfassenden Bestandsaufnahme, die alles erfaßte, was zu einer Landesaufnahme als Grundlage für landeskulturelle Maßnahmen dienen konnte. Unter Heranziehung auch junger dän. Forstleute legte er 1745/46 eine Karte des gesamten braunschweig. Weserdistrikts vor (Niedersächs. Staatsarchiv Wolfenbüttel). Der angestrebten Forsteinrichtung legte L. eine rein geometrische Flächeneinteilung zugrunde ohne Rücksicht auf das Gelände. Seine Planung ging auch hier auf möglichste Schonung und einen Wiederaufbau der überbeanspruchten Wälder aus; seine Vorschläge betrafen: geregelte Umtriebszeit, entsprechende Flächeneinteilung, rationelle Nutzung, Zurückdrängung der schädlichen Waldweide, Wiederaufforstung, Einführung neuer, schnellwüchsiger Holzarten, vor allem der Fichte, aber auch Abgrenzung der Forstorte durch Eichen und Kastanien – dies nicht so sehr aus ästhetischen Gründen als zum Schutz der Schonungen vor Wildverbiß. Derartige Alleen bilden noch heute den besonderen Schmuck der in Fichtenbestände umgewandelten Sollingwaldungen. Mit seinem früheren Arbeitsgebiet im Harz fühlte sich L. stets verbunden. Seinem Rat verdankten die notleidenden Bewohner des Harzes die Einführung der Kartoffel, während seinen mannigfachen Versuchen zur industriellen Verwertung der Torflager hier wie auch in Skandinavien der Erfolg versagt blieb.

    Neben seiner forstwirtschaftlichen Arbeit förderte L. gewerbliche Betriebe jeder Art, die entweder Holz als Rohstoff verwerteten oder aber durch Verwendung anderer heimischer Rohstoffe das wertvolle Holz ersetzen sollten: in erster Linie Sägewerke, Glashütten, Ziegeleien und Töpfereien, überhaupt handwerkliche Betriebe, für die er im eigenen Land fehlende Fachkräfte aus benachbarten Gebieten heranzog und ihre Ansiedlung in Dörfern und Städten (Holzminden) großzügig förderte. Wichtig waren 1747 die Gründung der braunschweig. Porzellanmanufaktur in Fürstenberg/Weser sowie die Neugründung der Spiegelglashütte in Grünenplan im Hils. In beiden Fällen kümmerte sich L. nicht nur um die organisatorischen, finanziellen und technischen Dinge sowie die Heranziehung von Fachkräften, sondern plante und baute auch ganze Siedlungen für die Glas- und Porzellanmacher. In Grünenplan geht die Holzbergsiedlung, das erste Beispiel einer neuzeitlichen Werkssiedlung in Norddeutschland (1750), auf ihn zurück. Auch in Fürstenberg und Schorborn sind typische Häuserreihen noch heute erhalten.

    Wegen der Vielzahl der von ihm durchgeführten oder geplanten landeskulturellen Maßnahmen erwuchsen L. Widersacher vor allem in der Bürokratie des kleinen Herzogtums. Daher verließ der bereits 60jährige sein Land zum zweiten Mal, als Kg. Frederik V. von Dänemark ihn 1762 mit der Reorganisation der dän. Forstwirtschaft beauftragte. Auf der Hauptinsel Seeland, deren ehedem prachtvolle Buchen- und Eichenwälder durch allzu hohen Einschlag vor allem für die Flotte, aber auch durch starke Waldweide und mangelnde Wiederaufforstung arg gelitten hatten, begann L. von neuem und legte bald die Grundsätze einer völligen Neuordnung der Forstwirtschaft vor, die als „Gram-Langensche Forstordnung“ am 23.6.1764 verordnet wurde. Mit ihr gelang L. ein Aufbauwerk, das sich durch die strikte Anwendung seiner besonders im Weserbergland erprobten Grundsätze, deutlich sichtbar in der geometrischen Flächeneinteilung, in der Zurückdämmung der Waldweide, in der Anwendung neuer Verjüngungsarten (Prinzip des „Säens und Pflanzens“) sowie in der Einführung neuer Waldbäume in die bisherigen nahezu reinen Buchen/Eichenbestände Seelands bis in unsere Tage erhalten hat und durch ganze Reihen von Lärchen und Edeltannen, von Ahorn- und Kastanienbäumen, von Ulmen und Eschen in der Form der sog. „Plantagen“ in den weiten Wäldern nördlich von Kopenhagen bezeugt wird. L. hat kein literarisches Werk im eigentlichen Sinne hinterlassen; seine Ideen und Pläne legte er in einer großen Zahl von Eingaben, Vorschlägen und Denkschriften nieder; soweit sie die Forstwirtschaft betrafen, mündeten sie in „Verordnungen“ oder „Forstordnungen“. Um die Erhaltung und vernunftgemäße Verwertung des Waldes als eines volkswirtschaftlichen Potentials kreisten letztlich alle seine Gedanken. L. wurde damit einer der Väter der modernen Forstwirtschaft. Seine Methoden entsprachen dem rationalen Denken seiner Zeit, und die von ihm eingeführte streng geometrische Flächeneinteilung ist ihr deutlicher und bis heute erkennbarer Ausdruck. Daß diese Wirtschafts- oder Betriebsform nicht von Dauer war, besagt nichts gegen ihre seinerzeitige, als „sensationell“ (Opsal) empfundene Bedeutung. Das aus der Forstwirtschaft in den allgemeinen Wortschatz gelangte Prinzip der „Nachhaltigkeit“ (von H. C. v. Carlowitz, 1717) erhielt durch L. in der Betonung des „Säens und Pflanzens“ gegenüber dem Plenterbetrieb seine volle Anerkennung. Die Inwertsetzung des Rohstoffes Holz für die gesamte Volkswirtschaft geschah durch ihn in einer bis dahin kaum bekannten Vollkommenheit; wenn er auf der einen Seite dem Walde neue Verwertungsmöglichkeiten durch die Anlage von holzverarbeitenden Betrieben, von ortsfesten Glashütten – im Gegensatz zu den bis dahin üblichen und waldschädlichen Wanderglashütten – erschloß, so suchte er auf der anderen Seite einer Verschwendung von Holz zu begegnen.

  • Werke

    Karten (hs.) im Norweg. Reichsarchiv u. im Archiv d. Norweg. Landesaufnahme.

  • Literatur

    ADB 17;
    C. J. Pontoppidan, Geografiske oplysninger til Cartet over det sydlige Norge, 1785, S. 2-17;
    R. Heß, Lb. hervorragender Forstmänner, 1885, S. 202-05;
    K. Nissen, Bidrag til Norges karthistorie, in: Norsk Geografisk Tidsskrift 8, 1938, S. 126-60, 7, 1939, S. 529-70 (dt. Zus.fassung S. 566-68);
    R. Aanrud, Generalforstamtet og norsk kartografi, ebd. 31, 1977, S. 97-100;
    G. E. Christiansen, De gamle privilegerte norske glassvaerker og Christiania Glasmagasin, 3 Bde., 1939 (grundlegend);
    W. Evers, Kgl. Wirtsch.spionage im 18. Jh., Ein Btr. z. Vorgesch. d. Porzellanmanufakturen in Fürstenberg u. Kopenhagen, in: ZUG, Zs. f. Firmengesch. u. Unternehmerbiogr., 8, 1963, S. 164-71;
    ders., J. G. v. L., in: Der Forst- u. Holzwirt 26, 1971, S. 478-82;
    ders., J. G. v. L. im Spiegel s. Briefe, in: Harz-Zs. 30, 1978, S. 69-86 (P);
    E. Laumann Jörgensen u. P. Ch. Nielsen, Nordsjaellands skove gennem 200 år, Den Gram-Langenske Forstordning, 1964 (üb. L.s Wirken in Dänemark);
    A. Opsal, I Holzförsternes fotspor, XV. Generalforstmester J. G. v. L., in: Tidsskrift for Skogbruk 74, 1966, S. 302-30;
    H. Klages, Die Entwicklung d. Kulturlandschaft im ehem. Fürstentum Blankenburg, Hist.-geogr. Unterss. üb. d. Werk d. Oberjägermeisters J. G. v. L. im Harz, 1968 (P);
    J. Hagemann, Die Entwicklung d. Kulturlandschaft im Hils, Hist.-|geogr. Unterss. üb. d. Werk d. J. G. v. L. im ehem. braunschweig. Weserbez., Diss. TU Hannover 1972;
    Z. Rozsnyay, J. G. v. L. u. s. Bedeutung f. d. Forstwirtsch., in: Forstarchiv 47, 1976, S. 140-45, 170-74.

  • Portraits

    Ölgem., um 1740 (Braunschweig, Hzg. Anton Ulrich-Mus.), Abb. b. Evers, 1978, s. L;
    Porzellanbüste v. B. Cavaceppi (Fürstenberg/Weser, Porzellanmanufaktur), Abb. b. Evers, 1963 u. 1971, s. L;
    Porzellanplakette (v. dems. ?) (ebd.).

  • Autor/in

    Wilhelm Evers
  • Empfohlene Zitierweise

    Evers, Wilhelm, "Langen, Johann Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 575-578 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118778676.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Langen: Johann Georg von L., einer der bedeutendsten praktischen Forstmänner des vorigen Jahrhunderts, von Moser geradezu als "Vater der regelmäßigen Forstwirthschaft" bezeichnet, wurde als ältester Sohn eines Zweiges der in Nieder- und Obersachsen vielfach verbreiteten Familie von Langen zu Oberstedt (Grafschaft Henneberg) 1699 geboren. Er scheint in der Jugend eine sehr gediegene Ausbildung erhalten zu haben, ob im Elternhause oder in Schulen oder am Hofe des Herzogs Ludwig Rudolf zu Braunschweig-Lüneburg in Blankenburg, wohin er frühzeitig kam, ist in Dunkel gehüllt. Bereits 1716 fungirte er an diesem Hofe als Jagdpage; in dieser Eigenschaft hatte er, außer der Mitaufsicht über die Forste und Wildbahnen, die Auswartung bei|Hofe bis Abends 9 Uhr und die Ueberwachung der herzoglichen Jagdgewehre, sowie deren Instanderhaltung durch die Büchsenspanner, zu besorgen. 1719 wurde ihm vom Herzoge, welchem er zeitlebens eine große Anhänglichkeit bewahrte, die Erlaubniß zu Theil, verschiedene süddeutsche Höfe zu bereisen, um sich im Jagdbetriebe weiter auszubilden. Er begab sich, mit Empfehlungsschreiben ausgestattet, nach Stuttgart, München, Wien etc., scheint sich auch eine Zeit lang an den Höfen der sächsischen Herzöge, wohin ihn Privatangelegenheiten geführt hatten, aufgehalten zu haben und nahm — von vortrefflichen Anlagen unterstützt — überall die Gelegenheit wahr, sich auch forstliche Kenntnisse anzueignen und Erfahrungen zu erwerben. Nach seiner etwa um 1735 erfolgten Zurückunft unternahm er, unter Beihülfe seines jüngeren Bruders Franz Philipp, die Vermessung und Taxation der zum Fürstenthum Blankenburg gehörigen Harzforste, wobei er im Wesentlichen die Flächentheilung zum Grunde legte. Später richtete er auch die anderen braunschweigischen Forste (ausgenommen die Communion-Harzsorste) ein; um welche Zeit dies geschah, ist aus den vorhandenen Quellen nicht mehr genau zu ersehen. Das große Geschick, welches er bei diesen Forsteinrichtungsarbeiten an den Tag gelegt hatte, in Verbindung mit den Empfehlungen des dem dänischen Hofe nahe stehenden Grafen Christian Ernst von Stolberg-Wernigerode, verschaffte ihm 1737 einen Ruf nach Norwegen. König Christian VI. von Dänemark hatte schon einige Jahre zuvor durch Vermittelung dieses Grafen deutsche Bergbeamte nach Kongsberg in Norwegen gezogen, um den dortigen Bergbau zu heben. Nun galt es, auch die Forste daselbst wirthschaftlich einzurichten, um sie den montanistischen Zwecken nachhaltig dienstbar zu machen. Diese Ausgabe wurde v. L. zu Theil. In Begleitung einer Anzahl deutscher Forstwirthe (darunter von Zanthier, Dieskau, Carlowitz, v. Laßberg. Lengenfeld und sein jüngerer Bruder) traf er in Kopenhagen ein, nahm hier nähere Instructionen entgegen und wurde als "Hofjägermeister" und "Forstmeister" zum Chef des neu gegründeten Forstamtes zu Kongsberg bestellt. Sein Bruder wurde ihm als zweiter Vorstand beigegeben. Nach den noch im Archive zu Wernigerode befindlichen zahlreichen Briefen v. Langen's an den Grafen Christian Ernst hatten beide Brüder mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Abgesehen von den höchst verwickelten rechtlichen Verhältnissen des Bergwerks und den fortwährenden Uebergriffen der Mittheilhaber in das königliche Eigenthum, welche Umstände die Geschäftsführung nicht zu einer beneidenswerthen machten, hatten die deutschen Forstbeamten als Fremdlinge auch stark unter den Anfeindungen und Verdächtigungen der Eingeborenen zu leiden. Demohngeachtet entfalteten die beiden Brüder v. L. eine äußerst hervorragende Thätigkeit, theils im forstlichen Vermessungs- und Taxationswesen, theils durch Einrichtung von Glashütten, Pottaschensiedereien, Pechösen, Kienrußhütten, Theerösen und sonstigen industriellen Etablissements. Der zahlreichen Verfolgungen endlich müde, kehrte v. L. 1742 nach Braunschweig zurück; jedoch wurde ihm vom Könige die Erlaubniß ertheilt, von Haus aus zu dienen, d. h. in königlich dänischen Diensten zu bleiben, aber mit der Befugniß, seinen Wohnsitz außerhalb Dänemarks nehmen zu dürfen. Er wurde nun zunächst Chef der Forsten im Weserkreis mit dem Wohnsitze in Fürstenberg. Hier richtete er 1745 zuerst die gräflich stolberg'schen Forste in der Grafschaft Hohnstein nach dem sog. Stangenholzbetriebe, einer modificirten Form des Buchenhochwaldbetriebes, ein und wendete sich dann mit Eifer der Vermessung und Einrichtung der braunschweigischen Weserforste zu. Sein unruhiger und lebhafter Geist, sowie eine förmliche Sucht, sich seinem Landesfürsten auch nach anderer Richtung hin nützlich zu erweisen, trieben ihn der damals stark wuchernden Projectenmacherei in die Arme. Noch war|Meißen die einzige Porzellanfabrik in Deutschland. Er kam daher auf die Idee, dieser Anstalt Concurrenz zu machen, begründete die neue Anlage in den Räumen des ihm zur Wohnung angewiesenen Fürstenberger Schlosses, gewann für dieselbe den Commerzienrath Bentgraf aus dem Mainzischen als sachverständigen Leiter und widmete' sich selbst der jungen Fabrik mit voller Kraft. Es wurde eine eigene Zeichner- und Malerschule in Wolfenbüttel eingerichtet und ein besonderer Arbeiterstand für die Fabrik herangebildet. Trotz aller Bemühungen wollte diese aber nicht recht gedeihen. Die Hoffnung auf Ueberschüsfe erfüllte sich nicht, weil man die Kunst des Porzellanbrennens noch nicht ordentlich verstand. Zudem waren auch die kriegerischen Zeitverhältnisse dem Aufblühen der neuen Anlage hinderlich. Bald nach ihrer Gründung war der siebenjährige Krieg ausgebrochen. Fürstenberg und seine Umgebung unterlagen mehrfachen Plünderungen etc. Diesen Unruhen mußte v. L. zuletzt selbst weichen und 1760 nach dem Harze flüchten. Verdächtigungen der niedrigsten Art, von einem seiner früheren Untergebenen gegen ihn ausgestreut, fanden leider bei dem damaligen braunschweigischen Minister v. S. und der ganzen Büreaukratie, welche ihn wegen seiner bevorzugten Stelle bei Hofe beneidete, einen so gut vorbereiteten Boden, daß sich v. L. entschloß, seinem Vaterlande zum zweiten Mal den Rücken zu kehren. Er trat abermals in Unterhandlungen mit Dänemark, welche zu einem günstigen Abschlug führten, ging daher im Sommer 1763 nach Kopenhagen und ordnete die forstlichen Verhältnisse auf der Insel Seeland. Eine officielle Entlassung aus den braunschweigischen Diensten wurde ihm aber, so oft er auch hierum nachsuchte, niemals zu Theil. Man fürchtete wahrscheinlich, daß v. L. in diesem Falle der mit unter seinem Einflüsse neu gegründeten Porzellanfabrik zu Kopenhagen das Geheimniß des Porzellanbrennens und seine sonstigen in Fürstenberg gemachten Erfahrungen verrathen könne. Seine Hauptthätigkeit war und blieb übrigens dem Forstwesen zugewendet. Er schuf ausgedehnte Plantagen, zumal Nadelholzculturen auf Kahlhiebsflächen, machte sich an die Vermessung und forstliche Einrichtung der feeland'schen Forste, gründete sogar in Kopenhagen eine Schule für die forstlichen Grund- und Hülfssächer, namentlich für die praktische Geometrie, und ertheilte an derselben den Unterricht in Forstbotanik und Baumzucht. Seine letzten Lebensjahre waren leider sehr traurige, indem ihn eine schwere Geistesverwirrung überkam. Er starb noch dazu in ziemlich zerrütteten Vermögensverhältnissen im Mai 1776 auf dem ihm schon lange als Wohnsitz angewiesenen königlichen Jagdschlosse Jägersburg unweit Kopenhagen. Daß die Dänen sein Andenken ehrten, beweisen die im Kirchenbuche zu Gjentofte eingetragenen Aufzeichnungen über sein Leben und Wirken, beweist ferner die Thatsache, daß man ihm in der als Taufkapelle benutzten Apsis der dortigen Kirche eine Grabstätte anwies. v. L. war ein seiner Zeit weit vorausgeeilter, rastlos thätiger Forstmann. Von besonderem Interesse ist die von ihm verfaßte Forstordnung des Grafen Christian Ernst zu Stolberg vom 3. November 1744 für den Hohnstein'schen Forst, welche sich in den Verhandlungen des Harzer Forstvereins. Jahrgang 1864, auf S. 125—29, abgedruckt findet. Es wird hierdurch eine 40jährige Umtriebszeit festgesetzt, wobei aber jedesmal die schönsten und gesundesten Bäume aus allerhand harten nützlichen Holzarten zu Bauholz übergehalten und in die abgetriebenen Orte Einsaaten von Ulmen. Ahorn, Eschen, Elsbeeren, Birken etc. gemacht werden sollen. Diese Wirtschaft — eine Art von Mittelwaldbetrieb mit vielem Ober holz — bestand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter dem Namen "Stangenholzbetrieb" in einem Theile des Harzes in verschieden modificirter Weise. Außerdem verfaßte er 1755 eine Denkschrift, in welcher die Pflanzen cultur der Fichte empfohlen, die Erziehung gemischter Bestände befürwortet und|dem Anbau von Feldgewächsen im Walde das Wort geredet wird. Erwähnung verdient noch, daß unter seinem Einflusse das von seinem Schüler Hans Dietrich von Zanthier 1767 zu Wernigerode gegründete Forstinstitut, überhaupt das erste in Deutschland, eine Anstalt von vorwiegend praktischer Richtung, zu Stande kam.

    • Literatur

      W. G. von Moser, Forstarchiv etc. IX. S. 358. Verhandlungen des Hils-Solling-Forstdereins vom Jahre 1861. Verhandlungen des Harzer Forstvereins, Jahrg. 1864, erschienen zu Braunschweig 1865, S. 125, Anmerkung. Fraas, Geschichte der Landbau- und Forstwissenschaft, S. 549 u. 552. Fr. von Löffelholz-Colberg, Chrestomathie I, S. 29, Nr. 96 u. S. 85, Bemerkg. 84 a; das. II. S. 294, Nr. 610, Bemerkg. 242 a. Bernhardt, Geschichte I, S. 243; das. II, S. 78, 103, 104, 105 u. 109. Forstliche Blätter, N. F. 1874, S. 148 (Der Stangenholzbetrieb etc. von Beling). Oberförster H. Langerfeldt zu Riddagshausen (in der Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Alterthumskunde, Jahrgang 1876, wol die zuverlässigste der Biographien). Roth, Geschichte des Forst- und Jagdwesens in Deutschland, S. 587. Viele Quellen schreiben unrichtig "von Lange", geben als Todesjahr 1770 an und enthalten auch sonstige kleine Ungenauigkeiten.

  • Autor/in

    R. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Richard, "Langen, Johann Georg von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 17 (1883), S. 656-659 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118778676.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA