Lebensdaten
1821 bis 1893
Geburtsort
Stettin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kartograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116702729 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lange, Heinrich
  • Lange, Henry
  • Lange, Heinrich
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Zitierweise

Lange, Henry, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116702729.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, aus Berlin, Geh. Justizrat, Oberlandesgerichtsrat in St.;
    M Caroline Dorothea Stegemann aus Templin;
    1854 Pauline Meyer.

  • Leben

    L.s frühzeitige Neigung zu den Naturwissenschaften und zu kartographischen Arbeiten veranlaßte seinen Vater, ihn zur kartographischen Ausbildung auf die Geographische Kunstschule des Heinrich Berghaus in Potsdam zu schicken. Berghaus schuf als den ersten thematischen Atlas der Welt seinen „Physikalischen Atlas“ (1845-48, 21849-52); außerdem arbeitete er an einem weltweiten Seeatlas und für Stielers Handatlas sowie andere Verlagswerke von Justus Perthes in Gotha. An diesen Arbeiten beteiligte er seine ersten Zöglinge August Petermann und L. Im Nov. 1844 ging L. mit einem Empfehlungsschreiben Alexander v. Humboldts nach Edinburgh zu Alexander Keith Johnston, der L. und später auch Petermann zur Übernahme des Physikalischen Atlas ins engl. Schrifttum (Physical Atlas, 1848, 21856) heranzog. 1847 kehrte L. nach Berlin zurück, wo er als freischaffender Kartograph die Werke bedeutender Forscher durch Kartenbeilagen ergänzte. Nach der Gründung seines Hausstandes wünschte L. bei Justus Perthes in Gotha gleichberechtigt neben Petermann wirken zu können. Da aber Petermann die Unterordnung unter seine Verlagsleitung voraussetzte, ging L. nach Leipzig zu F. A. Brockhaus, wo er eine Geographische Anstalt aufbaute und leitete (1855-60). Den Höhepunkt seines Schaffens bildete die Herausgabe des „Atlas von Sachsen, ein geographisch-physikalisch-statistisches Gemälde“|(12 Karten, 1860–62), der als thematischer Regionalatlas in jener Zeit ohne Beispiel war.

    Nebenberuflich bearbeitete L. bei Georg Westermann in Braunschweig Schulatlanten. Zunächst vollendete er für den Gebrauch in Oberschulen den von Theodor v. Liechtenstern angefangenen „Schul-Atlas zum Unterrichte in der Erdkunde“ (29 Karten, 1853), der mit seiner Veranschaulichung des Bodenreliefs in 40 Jahren 90 Auflagen erreichte. L.s eigener „Kleiner Schulatlas über alle Theile der Erde“ (26 Karten, 1862) wurde durch den teueren Kupferhanddruck im Absatz gehemmt. Großen Erfolg erzielte sein „Neuer Volksschulatlas über alle Theile der Erde“ (32 Karten, 1871). Der Umdruck auf Druckplatten für die Schnellpresse ergab ein billiges Kartenwerk, das auch in Sonderausgaben für Österreich, Ungarn und Dänemark erschien und die kartographischen Erfahrungen von Berghaus bis ins 20. Jh. weitertrug. Die 225. Auflage übernahm 1892 Eduard Gaebler in Leipzig. Nachdem L. seinen Vertrag mit Brockhaus 1859 gelockert hatte, arbeitete er 1860-68 in Leipzig als freischaffender Schriftsteller. Er griff über die geographische Fachpresse hinaus und veröffentlichte Lebensbilder von Geographen und Berichte über Forschungsreisen. Mit Nachdruck setzte er sich für die deutsche Einwanderung in Südbrasilien ein. 1861 erfolgte auf L.s Anregung die Gründung des Leipziger Vereins für Erdkunde und der Leipziger Carl-Ritter-Stiftung. Im Okt. 1868 siedelte L. nach Berlin über und übernahm 1871 im Preuß. Statistischen Bureau die Leitung der Plankammer.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Jena 1857), Prof.titel (1881).

  • Werke

    Weitere W u. a. Südbrasilien, Die Provinzen São Pedro do Rio Grande do Sul, Santa Catharina [u. Parana] mit Rücksicht auf d. dt. Colonisation, 1882, 21885;
    Karte v. Südbrasilien, 1885;
    Reiseskizzen aus Schottland, Mit e. Originalkarte v. A. Petermann, in: Dt. Rdsch. f. Geogr. u. Statistik 16, 1894, S. 20-26, 64-69.

  • Literatur

    ADB 51;
    C. v. Koseritz, in: Volkskal. f. d. Prov. Rio Grande do Sul auf d. J. 1882;
    H. Umlauft, in: Dt. Rdsch. f. Geogr. u. Statistik 6, 1884, S. 89-91;
    W. Wolkenhauer, H. L. u. s. Schulatlanten, in: Zs. f. Schulgeogr. 15, 1894, S. 40-43;
    R. Jannasch, in: Export, 1894, Nr. 34;
    H. Haack, in: Pommer. Lb. III, 1939, S. 308-17 (P);
    W. Stams, Frühe Beispiele dt. Regionalatlanten, in: Petermanns Georgr. Mitt. 109, 1965, S. 233-37;
    G. Engelmann, Heinr. Berghaus, Der Kartograph v. Potsdam, in: Acta Historica Leopoldina, Nr. 10, 1977 (P);
    Pogg. III.

  • Autor/in

    Gerhard Engelmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Engelmann, Gerhard, "Lange, Henry" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 560 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116702729.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Lange: Henry L., Kartograph, ist am 13. April 1821 zu Stettin als Sohn eines preußischen Oberlandesgerichtsrathes geboren. Nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt besucht hatte, trat er 1839 gemeinsam mit seinem später berühmt gewordenen Freunde August Petermann als Lehrling in die von Heinrich Berghaus gegründete Geographische Kunstschule ein, welche die wissenschaftliche und technische Ausbildung von Kartographen zum Ziele hatte. Hier eignete er sich in einem Zeitraum von sechs Jahren nicht nur eine umfassende geographische und mathematische Kenntniß, sondern auch eine ungewöhnliche Geschicklichkeit im Zeichnen, Kupferstechen, Lithographiren und Feldmessen an, so daß er seinem Meister allmählich ein tüchtiger und verständnißvoller Mitarbeiter wurde. Theils gemeinsam mit seinem Lehrer und seinen Mitschülern, theils allein bearbeitete er eine große Zahl von Blättern für die verschiedenen von Berghaus herausgegebenen Kartenwerke, namentlich für den Physikalischen Atlas. 1841 trat er mit seiner ersten selbständigen Karte: „Sailing Directory of the Strait of Le Maire and round Staatenland to and from Cape Hoorn“ hervor, die er aber unter dem Namen seines Lehrers ausgehen ließ. 1844 folgte er einer Einladung des schottischen Geographen Alexander Keith Johnston nach Edinburg. Dieser beabsichtigte, eine englische Ausgabe von Berghaus' Physikalischem Atlas zu veranstalten. L. bearbeitete für diesen Physical Atlas eine Isothermenkarte und eine Karte der Alpengletscher, sowie mehrere Blätter zur Thiergeographie und Ethnographie. 1847 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete als selbständiger Kartograph. Als solcher hat er zahlreiche Karten für die Schriften und Abhandlungen vieler bedeutender Männer der Wissenschaft, unter denen namentlich Alexander v. Humboldt, Carl Ritter, Leopold v. Buch, Wilhelm Dove, Adolf und Hermann Schlagintweit, Heinrich Barth, Heinrich Kiepert und Matthias Jacob Schleiden zu nennen sind, entworfen. Seit 1850 knüpfte er Beziehungen zu der Buchhändlerfirma George Westermann in Braunschweig an und ließ in deren Verlage eine Reihe vielverbreiteter Atlanten erscheinen, so eine Neubearbeitung von Theodor v. Liechtenstern's Schulatlas (1853), ein Kartenwerk zu Carl Andree's Nordamerika in 18 Blättern mit erläuterndem Text (1854), sowie später noch einen Kleinen, einen Größeren und einen Vollständigen Schulatlas über alle Theile der Erde (1862), einen Kleinen Atlas für einbis dreiclassige Volksschulen (1862), einen Elementarschulatlas der neuesten Erdkunde (1862) und einen Volksschulatlas (1871), der bis zum Tode des Verfassers gegen 250 Auflagen erlebte und in ¼ Million Exemplaren abgesetzt wurde. Alle diese Atlanten zeichneten sich durch Freihaltung des Kartenbildes von überflüssigen Einzelheiten, durch möglichst charakteristische und naturgemäße Darstellung des Bodenreliefs und vor allem durch billigen Preis aus und bedeuteten deshalb einen anerkennenswerthen Fortschritt auf dem Gebiete des Schulkartenwesens. 1855 folgte L. einem Rufe der Verlagsfirma F. A. Brockhaus in Leipzig, welche ihn zum Leiter ihrer neu begründeten geographisch-artistischen Abtheilung ernannte. In dieser Stellung entfaltete er bis zum Jahre 1860 eine außerordentlich fruchtbare Thätigkeit. Aus dieser Zeit stammen eine Karte der Kaukasusländer (1856), der Reiseatlas von Deutschland in 58 Karten mit erläuterndem Text von Julius Michaelis (1857—1860), theils Stadtpläne, theils Routenkarten umfassend, die auch als Einzelblätter erschienen und als solche viele Auflagen erlebten, ferner eine|Land- und Seekarte des Mittelländischen Meeres den angrenzenden Ländern in 10 Blättern (1859), ein Atlas von Sachsen in 12 Karten mit 12 Bogen Text (1860), ein Bibelatlas, enthaltend 10 Karten zu Bunsen's Bibelwerk (1860), 3 Schulkarten vom Königreich Sachsen für den Gebrauch der Schüler beim Unterricht in der vaterländischen Geographie (1861) und ein Handatlas über alle Theile der Erde in 30 Karten (1863). 1860 löste er seinen Vertrag mit der Firma Brockhaus und lebte nun mehrere Jahre als Privatgelehrter in Leipzig. Er nahm regen Antheil an der Begründung des Vereins für Erdkunde (1861) und der Carl Ritter-Stiftung daselbst. Auch bewies er lebhaftes Interesse für die deutsche Afrikaforschung und stand mit Vogel, Barth, Overweg, Nachtigal, v. Heuglin und v. Beurmann in freundschaftlichen Beziehungen. Daneben bearbeitete er gemeinsam mit V. F. Klun einen Atlas zur Industrie- und Handelsgeographie für commercielle und technische Lehranstalten (1860), sowie eine in vielen Auflagen verbreitete Eisenbahnkarte von Europa (1863) und eine Illustrirte Geographie für Schule und Haus mit einem Atlas von 58 Karten (1866). Auch lieferte er einzelne Karten für Sydow's Methodischen Atlas, für Stein's Neuen Atlas der ganzen Erde und für mehrere Bände von Oncken's Allgemeiner Geschichte in Einzeldarstellungen. 1868 wurde er zum Inspector der Plankammer des kgl. Preußischen Statistischen Bureaus in Berlin ernannt. Dieses Amt verwaltete er bis kurz vor seinem Tode. Neben seinem Berufe entfaltete er eine äußerst rege Agitation zu Gunsten der deutschen Nordpolarforschung. Auch trat er unermüdlich für die Besiedelung der südlichen Provinzen Brasiliens durch deutsche Auswanderer ein, ohne indeß dieses Land aus eigener Anschauung zu kennen. Doch verfolgte er alle litterarischen Neuerscheinungen auf diesem Gebiete, stand mit Blumenau, Dörffel, Koseritz und andern Führern der Ansiedler in Briefwechsel und legte die Ergebnisse seiner Studien in einer großen, in mehreren Ausgaben erschienenen Karte von Südbrasilien (1881) und in einem populär geschriebenen illustrirten Werke: „Südbrasilien. Die Provinzen Sao Pedro do Rio Grande do Sul, Santa Catharina und Parana mit Rücksicht auf die deutsche Colonisation“ (1882) nieder, das allerdings die Schwäche der brasilianischen Regierung und die gesetzlosen und ungeordneten Zustände des Landes nicht genügend scharf betonte und darum zahlreichen, nicht immer sachlichen und oft persönlich verletzenden Angriffen der Ansiedelungsgegner ausgesetzt war. Auch auf andern Gebieten war L. bis zu seinem Tode unermüdlich litterarisch thätig. Er bearbeitete die 8. Auflage von L. G. Blanc's Handbuch des Wissenswürdigsten aus der Natur und Geschichte der Erde und ihrer Bewohner (1869), zeichnete Schulatlanten in russischer (1871) und ungarischer Sprache (1881) und veröffentlichte eine Uebersichtskarte der Leuchtfeuer an den deutschen Küsten in 2 Blättern (1877), eine Wandkarte der Herzogthümer Bremen und Verden und des Landes Hadeln in 4 Blättern (1878), eine Karte von Liv-, Esth- und Kurland (1883) und einen Erdglobus im Durchmesser von 36 cm (1886). Daneben war er Mitarbeiter zahlreicher Tagesblätter, belletristischer und wissenschaftlicher Zeitschriften, namentlich der Deutschen Allgemeinen Zeitung, des Reichsanzeigers, der Nationalzeitung, der Leipziger und Vossischen Zeitung, der Illustrirten Zeitung, der Gartenlaube, der Deutschen Auswanderer-Zeitung, der Natur, des Deutschen Museums, der Annalen der Hydrographie, der Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik, der Deutschen Geographischen Blätter, der Verhandlungen der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, des Auslandes und des Exports, sowie von Petermann's Mittheilungen, Schorer's Familienblatt und Westermann's Monatsheften, in denen er namentlich Biographien hervorragender Reisender,|Berichte über neue Polarexpeditionen und Afrikaforschungen, sowie Nachrichten über die Lage der deutschen Colonisten in Brasilien veröffentlichte. Am 30. August 1893 starb er in Berlin. Seinem Wunsche gemäß wurde sein Leichnam in Gotha verbrannt.

    • Literatur

      Ausland 1893, S. 606—607. — Export 1894, S. 505—506. —
      Zeitschrift für Schulgeographie 1894, S. 40—43. — Geogr. Jahrbuch XIX (1896), S. 376.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantzsch, Viktor, "Lange, Henry" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 556-558 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116702729.html#adbcontent

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