Lebensdaten
1850 bis 1923
Geburtsort
Dukla (Galizien)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Rabbiner ; Publizist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119136724 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bloch, Joseph Samuel
  • Bloch, Josef
  • Bloch, Joseph Samuel
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Zitierweise

Bloch, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119136724.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Bäcker in Dukla;
    Kobylin (Provinz Posen) Laura Lachmann, aus angesehener Breslauer Familie; Zahl der K unbekannt.

  • Leben

    B., der schon als Kind eine stupende Kenntnis des Talmud an den Tag legte, studierte nach unsteter rabbinischer und allgemeiner Vorbereitungszeit in Zürich und München und wurde 1875 in Zürich zum Dr. phil. promoviert. Danach war er Prediger in Rendsburg, Rabbiner in Kobylin, Brüx und 1877-83 in Floridsdorf bei Wien und ließ sich dann in Wien nieder. Als glänzender Redner in Arbeitervereinen wie auch im Reichsrat (1883–85, 1891-95), als Redakteur der von ihm als Gegenstück zu Heinrich Friedjungs „Deutscher Wochenschrift“ ins Leben gerufenen „Österreichischen Wochenschrift“ (1884-1921) und als Gründer der noch im Nachkriegsösterreich bestehenden Österreichisch-Israelitischen Union (1885) suchte er die nichtjüdische Welt über das Wesen des|Judentums aufzuklären, machte sich zu dessen Anwalt gegenüber den von der christlich-sozialen und deutschnationalen Bewegung vorgebrachten Verleumdungen und widmete sich daneben besonders der Sozialpolitik. Er trat stets für ein religions- und rassebewußtes Judentum ein und wandte sich gegen die Annäherungsversuche bestimmter jüdischer Kreise an die deutschen Parteien Österreichs, lehnte aber den politischen Zionismus seines zeitweiligen Mitarbeiters Theodor Herzl entschieden ab. Seine Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus faßte er in seinem Hauptwerk „Israel und die Völker“ (1922, englisch 1927) zusammen, dem „ersten Kompendium einer jüdischen Apologetik“ (Grunwald). Er galt in Österreich als bedeutender Repräsentant des Judentums. Bei zwei Amerikareisen 1912 und 1920, auf denen er um Hilfe für die notleidenden Juden Ost- und Mitteleuropas warb, bestätigte sich sein internationaler Ruf.

    Großes Aufsehen erregte B. vor allem durch seinen - von dem irenischen deutsch-liberalen Teil der Wiener Juden sehr ungern gesehenen - Kampf gegen den Prager Professor der Theologie und der hebräischen Altertümer August Rohling (1839–1931), früher Kanoniker in Münster, den 'wissenschaftlichen' Hintermann des Antisemitismus, dessen Schrift “Der Talmudjude“ (1871, Neudruck 1933) in 17 Massenauflagen z. T. kostenlos verbreitet wurde. Da es B. nicht gelang, seinen u. a. auch von dem Leipziger Alttestamentler Franz Delitzsch heftig befehdeten Gegner zu wissenschaftlich-publizistischem Kampf zu stellen - z. B. bot er ihm 3000 Gulden an, wenn er auch nur eine Seite im Talmud richtig lesen und übersetzen könne -, bezichtigte er öffentlich Rohling des angebotenen Meineids, als dieser gelegentlich des sog. Tisza-Eszlár-Prozesses als wissenschaftlicher Gutachter die Übung von Ritualmorden bei den Juden beeiden wollte. So zwang er ihn zu einem Ehrenbeleidigungsprozeß, in dem B. - bestätigt von christlichen Sachverständigen (Th. Nöldeke in Straßburg und August Wünsche in Dresden) - der Wahrheitsbeweis gelang, daß Rohlings Zitate aus der jüdischen und nichtjüdischen Literatur z. T. erfunden, z. T. gefälscht waren. Dieser trat daraufhin 1885 von seiner Anklage zurück und mußte seine Professur niederlegen. Ähnlich erfolgreich war B. in anderen Prozessen; so half er 1893 in einem von ihm veranlaßten Prozeß gegen den Pfarrer Jos. Deckert eine Ritualmordlüge entlarven. Kulturgeschichtlich gesehen ist bedeutsam, wie B. mit seinem Vorgehen gegen seine Gegner bewußt eine angesichts der Wirkungslosigkeit publizistischer Kontroversen „der neuen Zeit angepaßte Methode“, dem Antisemitismus entgegenzutreten, „zum ersten Mal gezeigt und gelehrt“ hat (Erinnerungen I, S. 64). Auch diese führte freilich nicht zu dem von ihm angestrebten Enderfolg.

  • Werke

    Weitere W Zur Reform d. Armenpflege u. d. Heimatrechtes in Wien. Eine sozial-talmud. Studie, 1884;
    Der nat. Zwist u. d. Juden in Österr., 1886;
    Erinnerungen aus meinem Leben, Bd. 1 u. 2, 1922 (bis 1893);
    Unterss. d. Arbeitertums u. d. Erziehungswesens im Altertum;
    zahlr. wiss. Arbb. üb. d. Talmud sowie d. jüd. Lit. u. Gesch.;
    Flugschrr. u. Aktenveröff.

  • Literatur

    M. Grunwald, in: Österr. Wschr., 20.11.1920;
    ders., in: DBJ V, S. 33-37 (W, u. Totenliste 1923, L);
    Wininger I, Czernowitz 1925, S. 392-94;
    Enc. Jud. IV (W). - Zu Aug. Rohling: Enc. Jud. II (im Art. Antisemitismus);
    Wi. I, 1905 (W);
    Der Große Herder X, 41935.

  • Portraits

    Büste v. Gustino Ambrosi (Nat.mus. Jerusalem).

  • Autor/in

    Erich Angermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Angermann, Erich, "Bloch, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 306 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119136724.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA