Lebensdaten
1366 - um 1405
Geburtsort
Eichstätt
Sterbeort
im Lager Bettlern (Petlary) a. d. Eger
Beruf/Funktion
Kriegsingenieur ; Verfasser des Bellifortis
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119310872 | OGND | VIAF: 52005634
Namensvarianten
  • Kyeser, Konrad
  • Kyeser von Eichstädt, Konrad
  • Kyeser von Eichstädt, Conrad
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Zitierweise

Kyeser, Conrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119310872.html [04.08.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus bürgerl. Fam.;
    V Rüdiger;
    M Elisabeth;
    N. N.;
    S (?) Rüdiger.

  • Leben

    K. hatte wohl bei den Dominikanern in Eichstätt Medizin studiert. 1389 zog er, vielleicht als Arzt, im Heere Stephans III. von Bayern-Ingolstadt nach Italien, um für Hzg. Francesco II von Carrara gegen die Bürger von Padua zu kämpfen. In Italien blieb er einige Zeit; er leistete dort auch diplomatische Dienste und nahm Anteil an den frühhumanistischen Bildungsbestrebungen. 1394 zog er als Offizier mit einem bayer. Kontingent im Heere des Ungarnkönigs Sigmund, des späteren deutschen Kaisers, gegen die Türken. Er erlebte 1396 bei Nikopolis die|schreckliche Niederlage des Kreuzheeres und suchte zu fliehen. Bei Sigmund nun in Ungnade gefallen, schloß er sich in den folgenden Thronkämpfen Kg. Wenzel, dem Bruder Sigmunds an, der aber 1402 von Sigmund gefangen gesetzt wurde. Auch K. wurde in Haft genommen und in das Lager Bettlern in Böhmen verbannt. Hier schrieb er, nicht als Kriegsingenieur, wohl aber als allem Technischen gegenüber sehr aufgeschlossener Truppenführer, 1402-04 das kriegstechnische Werk „Bellifortis“. Davon ausgehend schuf er 1405 unter Mithilfe rückwandernder deutscher Maler der Prager Wenzel-Werkstatt, die ihm hervorragende Malereien lieferten, eine erweiterte Fassung auf Pergament (jetzt in Göttingen).

    Das Werk ist die erste spätmittelalterliche kriegstechnische Bilderhandschrift Deutschlands. K. versucht, die Kriegstechnik auch wissenschaftlich zu betrachten. In Wort und Bild behandelt er Angriffswaffen für die Feldschlacht und den Festungskrieg, wassertechnische Kriegsmittel (z. B. Faltboot, Schwimmgürtel), Steiggeräte, Armbrüste (mit Spannwinden) und Wurfmaschinen, Verteidigungswaffen für den Festungskrieg, die friedliche und kriegerische Verwendung des Feuers (z. B. Raketen, Pulverwaffen) und fliegende Drachen. K. bringt weiter Rezepte für Sprengstoffe und Heilmittel, wie er auch eine Rezeptsammlung für den Hof Kg. Wenzels zusammenstellte. Astrologie, Alchimie und Magie, die als Teilgebiet der Technik betrachtet wird, spielen, ganz im Geiste der Zeit, eine Rolle. Im lateinischen Text seiner Kg. Ruprecht von der Pfalz gewidmeten Handschrift bringt K. Rhythmus und Reim zur Geltung, um seine gelehrte Bildung zu zeigen.

    K.s waffentechnisches Werk wirkte weniger durch die Pergamenthandschrift in die Zukunft, als vielmehr durch die, zum Teil vorausgehenden, Papierhandschriften. Die Verwandtschaft der Handschriften hat G. Quarg geklärt. Seit der Mitte des 15. Jh. fand der „Bellifortis“ recht weite Verbreitung. In vielen technischen Handschriften jener Zeit, wie solchen von Giovanni Fontana, Mariano gen. Taccola, Francesco di Giorgio, sowie in den Büchern von Vegetius und Valturio findet man Vorrichtungen, die an K. erinnern. Vielleicht aber gehen K. und die genannten Autoren auch auf eine gemeinsame ältere Quelle zurück. K. ist 1405 oder wenig später gestorben, ohne die Freiheit wiedererlangt zu haben.

  • Werke

    Bellifortis, Bd. 1;
    Faks.-Ausg. v. Cod. Ms.-philos. 63 in Göttingen (P), Bd. 2: Umschr., dt. Übers., Erll. v. G. Quarg, 1967.

  • Literatur

    ADB 52;
    A. v. Eye, Btrr. z. Kunst- u. Kulturgesch, v. Beginn d. 15. Jh., in: Anz. f. Kde. d. dt. Vorzeit, 18, 1871, S. 1-6, 33-40;
    M. Jähns, Gesch. d. Kriegswiss., Abt. 1, 1889, S. 248-58;
    M. Berthelot, Le livre d'un ingénieur militaire à la fin du 14e siècle, in: Journal des savants, Jan. 1900;
    C. Gf. v. Klinckowstroem, in: Waldenburger Schrr. 8, 1928, S. 115-21;
    B. Gille, Etudes sur les manuscrits d'ingénieurs du XVme siècle, II. Kyeser, in: Techniques et civilisations 5, 1956, S. 216-23;
    G. Quarg, Die Bellifortis v. C. K. aus Eichstätt, 1405, in: Technikgesch., 32, 1965, S. 293-324;
    F. Klemm, Conrad K.s Bellifortis, in: VDI-Nachrr. 22, 1968, Nr. 27;
    L. White jun., K.s Bellifortis, the first technological treatise of the 15th century, in: Technol. and culture 10, 1969, S. 436-41;
    H. Heimpel, Besprechung d. Edition v. K.s Bellifortis (1967), in: Götting. Gel. Anz. 223, 1971, S. 115-48;
    G. Quarg, Eine Nachlese z. Bellifortis, 1971 (als Ms. gedr., Erwiderung auf Heimpels Besprechung);
    Vf.-Lex. d. MA II.

  • Autor/in

    Friedrich Klemm
  • Empfohlene Zitierweise

    Klemm, Friedrich, "Kyeser, Conrad" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 355 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119310872.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kyeser *)Zu Bd. LI, S. 461.: Konrad K. von Eichstädt wurde nach seiner eigenen Aufzeichnung am 25. August 1366 aus einem fränkischen Adelsgeschlecht in Eichstädt geboren. Nachdem er in vieler Herren Kriegsdiensten gestanden, schrieb er seine Erfahrungen im Ingenieurfach — „encignerii“ kommen seit 1196|vor — in einem umfangreichen Werk nieder, dem er den Titel „Bellifortis“ gab. Es sollte den Besitzer „kampfstark“ machen. Wann er starb, wissen wir nicht, 1405 lebte er noch als Verbannter in den Wäldern Böhmens.

    Der „Bellifortis“ eröffnet die Reihe der illuminirten Encyklopädien der Kriegswissenschaften, die der militärischen Litteratur des ausgehenden Mittelalters einen so eigenartigen Charakter verleihen. Der Verfasser muß ein umfangreiches Wissen besessen haben, denn neben dem Artilleriewesen werden auch andere Künste behandelt, z. B. Taucherapparate, Feuerdrachen, Sprengminen, Fahrstühle, die Seilschifffahrt u. s. w. Am Ende des Bandes gibt K. sein eignes Brustbild in ganzseitiger Malerei, das älteste männliche Porträtgemälde das wir kennen.

    Das Originalmanuscript besitzt Göttingen (cod. phil. 63), es besteht aus 140 Pergamentblättern mit mehreren hundert Malereien. Darunter sind die Darstellungen der Planetengötter in Turnierkostüm von besonderer Pracht. Datirt ist der Codex von 1405 mit der Widmung für König Rupprecht von der Pfalz.

    • Literatur

      In den Werken von Alwin Schultz und von Moritz Heyne sind einzelne Bilder des Bellifortis zu finden. Jähns (Geschichte der Kriegswissenschaften S. 249—256) und v. Romocki (Geschichte der Explosivstoffe I, Berlin 1895) haben bisher am meisten über das Werk veröffentlicht. Eine Faksimilewiedergabe mit übersetztem und erläutertem Text steht von mir zu erwarten.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Kyeser, Conrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 52 (1906), S. 768-769 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119310872.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA