Lebensdaten
1880 bis 1933
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Löwenstein (Württemberg)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11872567X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kyber, Manfred
  • Kibers, Manfrēds
  • Kjuber, Manfred
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Zitierweise

Kyber, Manfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872567X.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Viktor (1841–1902), Gutsbes. in Paltemal, S d. Julius Adalbert (aus Zwickauer Fam.) u. d. Olga v. Wrangell;
    M Olga (1848–1939), T d. Joh. Karl Bähr (1801–69), Maler u. Ak.prof. in Dresden (s. ThB) u. d. Luise Kyber; Vorfahre George Bähr ( 1738), Baumeister (s. NDB I);
    B Wladimir (1878–1941), Chemiker, zeitweilig in d. Direktion d. Moskau-Kasaner Bahn;
    - Alt-Wohlfahrt 1909 ( 1922) Elisabeth (* 1882), T d. Konrad Boltho v. Hohenbach, auf Alt-Wohlfahrt (Livland), u. d. Helene Poorten; Lebensgefährtin Elisabeth geb. Wintzer (* 1862, Otto Gerlach, 1905, Maler u. Illustrator in Leipzig, s. ThB); 1 außerehel. T (1922 adoptiert).

  • Leben

    K. wuchs in enger Naturverbundenheit auf dem väterlichen Gut auf. Das Gymnasium – in Riga und 1898/99 in St. Petersburg – verließ er kurz vor dem Abitur und besuchte seit SS 1900 als Gasthörer Vorlesungen über Philosophie, Psychologie und deutsche Literatur in Leipzig. Er fand Anschluß an Künstler- und Schriftstellerkreise und lernte Max Klinger und Franz Bender, H. H. Ewers und Ernst v. Wolzogen kennen. Einige seiner damals entstandenen Kinder- und Überbrettl-Lieder übernahm Wolzogen für seine Bunte Bühne in Berlin. 1902 zog K. mit der 17 Jahre älteren Elisabeth Gerlach, die einige seiner Kinderlieder und Gedichte vertonte, und von der er sich fünf Jahre später wieder trennte, nach Berlin, wo er beim Verlag Vita eine Anstellung fand. Der Stoff der frühen Arbeiten – Gedichte und Erzählungen – wird|durch die Bilder der Heimat bestimmt: die großen Gutshäuser in der eintönigen baltischen Landschaft, die äußerlich kühlen, innerlich leidenschaftlichen Menschen. Als Schriftsteller erfolgreich und international bekannt wurde K. durch seine Tiergeschichten. Von den Episoden „Unter Tieren“ (1912), die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, waren Ende der 20er Jahre bereits über 200 000 Exemplare verkauft worden. K. zeigt mit Liebe und Einfühlungsvermögen das Charakteristische im Verhalten der Tiere auf und wirbt für brüderliches Mitempfinden mit dem Tier. Nach seiner Überzeugung ist die Welt des Menschen verwoben mit dem Reich der Tiere, des Märchens und der jenseitigen Welt. Märchen sind für ihn nicht erdachte Geschichten, sondern „Wirklichkeiten einer anderen Welt“ (Neues Menschentum, 1931, wieder 1949, 1960). Ein wirkliches Märchen entstehe „aus Rückerinnerung, aus dem Heimweh nach jener geistigen Welt“, die durch die technisierte, materialistische Zivilisation verschüttet worden sei. Er sieht seine Mission darin, die verborgenen Grundlagen des Lebens wieder aufzudecken und durch das Bekenntnis zum Übersinnlichen den Weg zu einer Erneuerung der Kultur zu bahnen. K.s Weltbild, das stark vom Okkultismus und einer kulturpessimistischen Haltung geprägt war, wurde durch Rudolf Steiner, dem er 1911 erstmals begegnete und dessen Anthroposophischer Gesellschaft er einige Jahre angehörte, entscheidend geprägt. Im Herbst 1918 kehrte K., der erst 1922 die deutsche Staatsbürgerschaft erwarb, in seine Heimat zurück, wo die Bolschewisten vom Januar bis Mai 1919 die Macht innehatten. Er übernahm die Leitung der „Deutschen Volksbühne“, dann die des neugegründeten Kabaretts „Marabu“ in Riga. Nach einem Kuraufenthalt in der Schweiz im Sommer 1919 ging K. nach Stuttgart, wo er bis 1923 Schriftleiter der Verlagsgesellschaft Union war sowie Theaterkritiker des „Kunstführer“ und des „Schwäb. Merkur“. Zwei Semester lang hielt er an der Volkshochschule Vorträge über das Märchen und den Okkultismus. 1923 übersiedelte K. nach Löwenstein. Hier entstanden seine – neben den Tiergeschichten und Märchen – bedeutendsten Werke: „Tierschutz und Kultur“ (1925), „Die drei Lichter der kleinen Veronika, Der Roman einer Kinderseele in dieser und jener Welt“ (1929, zuletzt 1952, zahlr. Übers.) und die Programmschrift „Neues Menschentum“ (1931). In „Tierschutz und Kultur“ rechnet K., der aus Tierliebe Vegetarier war, mit der Grausamkeit der Menschen gegenüber den Tieren ab. Die Vivisektion sei die „größte und gemeinste Kulturschande“, das Schächten solle verboten werden (was 1930 in Bayern, 1933 im Reich auch geschah). 1930 erhielt K., der sich in verschiedenen Organisationen des Tierschutzes betätigte, vom Bureau International Humanitaire Zoophile in Genf den Welttierschutzpreis für literarische Arbeiten zuerkannt.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedichte, 1902;
    Genius astri, 1918, wieder 1960 (33 Dichtungen);
    Stilles Land, 1922, 21924;
    Nord. Geschichten, 1909, NF 1921;
    Coeur-As, 1905, 41922 (Roman);
    Meister Mathias, Dramat. Gedicht, 1906;
    Drei Mysterien, 1913, 31921;
    Neue Tiergeschichten, 1926 (auch engl.);
    Gesammelte Tiergeschichten, 1922, zuletzt 1968 (zahlr. Überss.);
    Der Mausball u. andere Tiermärchen, 21940, wieder 1968;
    Drei Waldmärchen, 1903;
    Märchen, 1920, wieder 1922;
    Puppenspiel, Neue Märchen, 1928;
    Gesammelte Märchen, 1922/24/28, zuletzt 1966;
    Der Königsgaukler, Ein ind. Märchen, 1921, wieder 1949;
    Das Pantoffelmännchen, 1971;
    Einführung in d. Gesamtgebiet d. Okkultismus, 1923. |

  • Nachlaß

    Nachlaß im M.-K.-Zimmer Löwenstein.

  • Literatur

    G. v. Karger, M. K., Dichter u. Tierfreund, 1936 (W, P);
    Ingeborg Günther, M. K. 1880-1933, Diss. Wien 1954 (ungedr.);
    G. Flügge-Kroenberg, M. K. u. s. Werk, in: Balt. Hh., 1955, H. 1, S. 29-35;
    E. Thomson, M. K., Leben u. Werk, 1960;
    E. W. Funcke, M. K.s Märchen, Eine krit.-lit. Unters., Diss. Pretoria 1970;
    A. Brieger, In zwölfter Stunde, M. K., Seher u. Dichter, 1973 (W, L, P). - Zu Ehefrau: E. Jauer-Herholz, Elisabeth Kyber v. Boltho, 1960;
    F. Fischer-Sörensen, in: Der Vegetarier, v. Mai 1972.

  • Portraits

    Gipsmaske v. E. S. v. Sallwürk, Abb. b. Karger, s. L;
    Gem. v. H. Giger-Eberle, 1929, Abb. ebd.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Kyber, Manfred" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 354 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872567X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA