Lebensdaten
1775 bis 1851
Geburtsort
Zülz (Oberschlesien)
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Fuhrunternehmer ; Hofagent ; Begründer des Berliner Kutschenwesens
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 136522157 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kremser, Simon

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Zitierweise

Kremser, Simon, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136522157.html [20.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Löbel ( 1814), Kaufm. in Z.;
    M N. N.;
    1) N. N., 2) Täubchen, dann Amalie Bloch, Wwe d. Eybeschütz Baron Adlersthal in Dresden, T d. Rabbiners Moses Fischel Bloch; Schwager Salomon Bloch, Schnittwarenhändler in Berlin;
    T aus 2) Julie Henriette ( 1846 Julius Lesser, Kaufm. in Dresden), Clara ( 1850 Jacob Rosenhain, Kaufm. in B.).

  • Leben

    Der Hofagent K. tat sich 1806 als Kriegscommissarius im persönlichen Dienste Blüchers durch die Rettung einer preuß. Kriegskasse hervor. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, leitete er nach Beendigung der Freiheitskriege den Rücktransport der Quadriga des Brandenburger Tores aus Paris. Der Breslauer Bürger erwarb von Gf. Yorck die Herrschaft Lossen mit den Gütern Linden, Jägerndorf und Löwen. Wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen ihn schon nach wenigen Jahren zum Wiederverkauf der Ländereien. Mit den Resten seines Vermögens organisierte K., nachdem er im Mai 1825 in Anbetracht seiner früheren Verdienste und nach Fürsprache Blüchers von Friedrich Wilhelm III. die Konzession erhalten hatte, „ganz alleine sogenannte Omnibusse am Brandenburger Thore aufzustellen“, einen Fuhrbetrieb. Die „Kremserwagen“ waren größer und komfortabler als die bereits verwendeten „Korbwagen“ oder „Charlottenburger“. Sie waren gefedert und boten Schutz bei schlechtem Wetter. Auch nicht vollständig besetzt, fuhren sie zu vorher festgelegten Zeiten ab. Allerdings hatten sie anfangs erheblich mit dem Nachteil eines höheren Fahrpreises zu kämpfen. K.s Fahrzeuge versahen ursprünglich den Liniendienst zwischen Berlin und Charlottenburg, später standen sie an allen Berliner Toren und wurden ein beliebtes Transportmittel für Ausflugsfahrten in die engere und weitere Umgebung. Der Fuhrbetrieb in der Luisenstraße erreichte nach wenigen Jahren beträchtliche Ausmaße. Gemeinsam mit den angeschlossenen Werkstatteinrichtungen beschäftigte er etwa 50 Familien. Im Juni 1827 stellte K., zusammen mit Gustav Benneke, die ersten jüd. Leichenwagen in Berlin. K.s persönlicher unternehmerischer Erfolg war gering. Schon 1827 gab er sein Geschäft ab und wanderte, so gut wie mittellos, nach Rußland aus. Als Transporteur russ. Kronengelder erreichte er den Rang eines Majors, bevor er sich 1849 nach Breslau zurückzog. K.s Fuhrwerke („Kremser“) versahen bis zur Einrichtung der ersten öffentlichen Fuhrwerke mit festem Fahrplan (1839) bzw. der ersten Pferdebahnen (1865) weitgehend die Aufgabe des Personentransports zwischen Berlin und seinen Vorstädten. – Für Ausflugsfahrten war der „Kremser“ vielerorts in Deutschland bis ins 20. Jh. in Gebrauch.

  • Literatur

    ADB 53;
    J. Jacobson, Die Judenbürgerbücher d. Stadt Berlin, 1962;
    Voss. Ztg., Nr. 455 v. 27.9.1896, Nr. 461 v. 1.10.1896, Nr. 465 v. 3.10.1896;
    Der Bär 6, Nr. 39 v. 25.9.1880;
    - zahlr. kurze Hinweise in d. Berlin-Lit. u. a.
    in: P. Goldschmidt, Berlin in Gesch. u. Gegenwart, 1910;
    B. Krieger, Berlin im Wandel d. Zeiten, Eine Wanderung v. Schloß Charlottenburg durch 3 Jhh., o. J. [1923];
    I. Mieck, Die werdende Großstadt, Berliner Verkehrsprobleme in d. Biedermeierzeit, in: Der Bär v. Berlin 9, 1960, S. 64.

  • Autor/in

    Bodo Rollka
  • Empfohlene Zitierweise

    Rollka, Bodo, "Kremser, Simon" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 7 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136522157.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kremser *)Zu Bd. LI, S. 376.: Simon K., Begründer des Berliner Kutschenwesens, war am 15. September 1775 in Breslau geboren und fungirte 1806 als „Kgl. preuß. Kriegscommissarius“ im persönlichen Dienste Blücher's. Von diesem mit dem Transport der Kriegscasse betraut, rettete K. diese auf einem schwierigen Rückzuge glücklich aus Feindeshand. Als Belohnung erhielt er dafür das Eiserne Kreuz und den Orden pour le mérite. Während der Befreiungskriege war er ständig an Blücher's Seite und wurde von ihm auch beauftragt, den Transport der Victoria des Brandenburger Thores von Paris nach Berlin zu leiten. Nach den Kriegsjahren kaufte K. die dem General York gehörige Herrschaft Lossen mit Linden, Jägerndorf und Löwen und schloß hier eine zweite Ehe mit der Wittwe des Barons Adlersthal. Nach wenigen Jahren verkaufte er seine Besitzung mit hohem Verlust, ging nach Berlin zurück und begann mit 5000 Mk., dem Reste seines Vermögens in Berlin den Omnibusbetrieb. Die Concession datirt vom Mai 1825 und lautet darauf „ganz allein sogenannte 'Omnibusse' am Brandenburger Thor aufzustellen". Der Unternehmer nannte sie „Kremserwagen“. 1827 ging K., da er viel an dem Unternehmen verloren hatte, mittellos nach Rußland. Auch dort war er wieder im Transportwesen thätig, wurde russischer Major und als solcher seit 1849, als er nach Breslau zog, auch pensionirt. Noch auf dem Sterbebett bekam er zwei hohe russische Orden. K. ist begraben auf dem Barbarafriedhof in Breslau.

    • Literatur

      Vossische Zeitung, Berlin 1. Mai 1898; 27. Sept. 1896; 1. Oct. 1896; 3. Oct. 1896. — Der Bär, Berlin, VI, 478. — Die Nation, Berlin 1892, S. 773.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Kremser, Simon" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 769 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136522157.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA