Lebensdaten
1582 bis 1654
Geburtsort
Aachen
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Thurn und Taxisscher und schwedischer Postmeister in Frankfurt/Main ; Zeitungsverleger
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 124657788 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Birghden, Johann von den
  • Birghden, Iohannes Vonden
  • Birghden, Johannes Von den
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Zitierweise

Birghden, Johann von den, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124657788.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Einer im Herzogtum Jülich auf dem Haus von den Birghden bei Wassenberg ansässigen Familie entstammend;
    V Peter von den Birghden „zur Heist“ (lutherisch), in spanischen Kriegsdiensten;
    M Petronella Faissen;
    1) Frankfurt/Main Kunigunde Hoffmann, verwitwete König ( 1634), 2) ebenda 22.6.1635 Katharina, verwitwete Faber, T des aus dem Fettmilchaufstand bekannten Stadtschultheiß Johann Martin Baur von Eysseneck ( 1634); 1 S.

  • Leben

    B. begann seine Tätigkeit als Gehilfe des Rheinhausener Postmeisters Matthias Sulzer 1598, und zwar als Verwalter des Zollamts und als Postamtssekretär, wobei er das in Verfall geratene Postwesen zwischen Flandern und dem Reich wieder aufrichtete. Als Sulzer 1610 mit der Aufgabe betraut wurde, in Frankfurt ein von Köln unabhängiges kaiserliches Reichspostamt einzurichten, nahm er seinen bisherigen erfolgreichen Mitarbeiter B. dorthin mit. Drei Jahre nach dem Tode Sulzers (1612) wurde er vom Generaloberstpostmeister Lamoral (I.) Freiherr von Taxis zum Postmeister in Frankfurt bestellt mit dem Auftrag, „das angefangene, aber in voller Unrichtigkeit damals begriffene Postamt zu reformieren“. Tatsächlich gelang es B., Frankfurt nicht nur zum ersten Postamt im Reich zu erheben, sondern noch ein ganzes Netz neuer Postämter (z. B. Leipzig, Hamburg, Nürnberg) und kleinerer Poststationen zu errichten und so das kaiserliche Postgeneralat des Hauses Taxis auf feste Füße zu stellen. - Daneben hat er sich einen Namen gemacht durch Gründung einer Zeitung - erst „Aviso“, dann „Unvergreiffliche Postzeitungen“, zuletzt „Frankfurter Kaiserliche Reichs-Oberpostamtszeitung“ geheißen -, die bis zum Untergang des Taxisschen Postwesens (1866) fortbestanden hat. - 1626 unterlag B. seinen zahlreichen Feinden, die er sich einerseits durch seine glänzende Laufbahn, andererseits aber auch durch sein eigenwilliges, herrisches Wesen - die vorgeschützte protestantische Konfession und angeblicher Verrat von Postgeheimnissen an den Feind waren sicherlich nur Mittel zum Zweck - geschaffen hatte, und wurde von dem Grafen Leonhard (II.) von Taxis seines Amtes enthoben. Als Gustav Adolf 1631 in Frankfurt einzog, setzte ihn dieser wieder ein, nach dem Abzug der Schweden 1635 verlor er sein Amt endgültig. In den Jahren bis zu seinem Tod prozessierte B. um eine von ihm der kaiserlichen Postverwaltung vorgeschossene Summe. Dem Friedenskongreß von Münster und Osnabrück legte er eine Rechtfertigungsschrift vor. Seine Verdienste um die Taxis'sche Reichspost sind unvergänglich und übertreffen weit die seines Zeitgenossen, des großen Postmeisters Hennot in Köln, der wiederholt gegen Taxis Front bezog, während B. zeitlebens ein treuer Freund der kaiserlichen Post blieb, auch in den Zeiten, wo er seines Amtes entsetzt war, stets allerdings gestützt von dem kaiserlichen Postprotektor, dem Kurfürsten von Mainz, der ihn trotz des Glaubensunterschiedes niemals fallen ließ.

  • Literatur

    ADB II (L);
    E. Goller, J. Henot, Postmeister v. Cöln, Diss. Bonn 1910, S. 5 Anm.;
    H. Herzog, Postmeister v. d. B., in: Archiv f. Post u. Telegr., 1918, S. 9, Anm. 1;
    A. Dietz, Frankfurter Handelsgesch., 1910–25, Bd. 3, 1921, S. 352-54 (P);
    J. Kleinpaul, H. v. d. B., in: Der Bund, Verkehrs- u. Wirtschaftszs., Jg. 1925/26, S. 244 f. (P). - Qu: Akten im Fürstl. Thurn u. Taxisschen Zentralarchiv (RR, II, 139, XXVI B, RR, 2, 12).

  • Portraits

    im Bes. d. Städt. Mus. Frankfurt a. M., danach Stich v. Seb. Furck.

  • Autor/in

    Georg Stail
  • Empfohlene Zitierweise

    Stail, Georg, "Birghden, Johann von den" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 255 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124657788.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Birghden: Johann v. d. B., geb. 7. Aug. 1582 zu Aachen, 4. März 1654. Gründer der „Frankfurter Oberpostamtzeitung“. Schon in ganz jungen Jahren trat er 1597 in spanische Militärdienste, verließ diese aber bald und|bereiste dann Oberdeutschland, wurde hierauf Protokollführer bei Kammergerichts-Procuratoren zu Speier, bekam 1599 von dem Kammerrichter Bischof das Zollamt zur Verwaltung und die damit verbundene Postverwaltung in Rheinhausen und brachte durch seine Bemühungen eingegangene Posten wieder in Gang. Im J. 1613 am 24. October wurde er von den Grafen Leonhard und Octavian von Thurn und Taxis nach Frankfurt a. M. berufen, um als Postmeister an der Spitze des neu errichteten Postamts den Postdienst hier einzuführen. Um diese Zeit verheirathete er sich mit Kunigunde Hoffmann, einer Bürgerstochter. Neben seinem Postamte hatte er auch eine Buchdruckerei und gab eine Wochenschrift heraus. Deshalb wurde er nun von Buchdrucker Egenolph Emmel, der in Frankfurt seit 1615 die erste Wochenschrift herausgegeben hatte und dem B. nachgedruckt haben sollte, bei dem Schöffenrath verklagt; es wurde ihm verboten, ferner eine Zeitung drucken zu lassen. Bei der ihm eigenen Hartnäckigkeit und seinem unternehmenden Geiste erklärte er im Februar 1616, er leiste dem Verbot nicht Folge. Zu seinen Gunsten mischte sich sein amtlicher Oberherr, der Graf von Taxis, zuletzt auch noch Kur-Mainz ein, indessen bestanden die beiden Zeitungen „Journal“ und „Postzeitung“ fort.

    Der Postengeneral Freiherr Lamoral von Taxis scheint die Ausdehnung der Posten gerne gesehen zu haben und diese scheint auch v. d. B. nützlich geworden zu sein. Derselbe suchte deshalb alle älteren Boteneinrichtungen zu beseitigen, verständigte sich mit den Kaufleuten über den Betrag des Portos und richtete, wie die Urkunden sagen, „mit vieler Leibes- und Lebensgefahr und großen Kosten nach allen Richtungen Posten ein“. Bald jedoch beschwerten sich die Kaufleute beim Rathe über Erhöhung des Portos, allein der Postmeister antwortete ihnen, die Kosten seien zu groß für geringere Portoansätze. Seine große Grobheit war bekannt; er mußte einst 1000 Thaler Strafe zahlen, weil er seinen Bedienten hart geschlagen hatte; ebenso machte er sich durch seine Unnachgiebigkeit und Eigensinnigkeit viele Feinde. Am 7. October 1625 wurden er und seine Frau von Kaiser Ferdinand in den Adelstand erhoben. Mit dem Sohne und Nachfolger des General-Postmeisters, Leonhard von Taxis, muß er sich weniger vertragen haben, als mit dem Vater; jetzt versuchte man ihn aus seiner Stellung zu bringen, hauptsächlich durch den Vorwurf, daß er lutherisch sei; außerdem wurde er beschuldigt, zu Anfang des dreißigjährigen Krieges gefährliche Correspondenzen mit dem Kurfürsten von der Pfalz (dem Winterkönig) geführt zu haben, allein bewiesen konnte ihm dies nicht werden. Um sich zu vertheidigen, war er nach Wien gereist, dennoch hat Kaiser Ferdinand unterm 3. März 1627 befohlen, daß das Postamt „mit einem andern und zwar katholischen Subjecte wiederum ersetzt werden solle“. Kur-Mainz hatte zwar dagegen Vorstellungen gemacht, konnte aber, weil der General-Postmeister gegen v. d. B. war, nicht verhindern, daß der Kaiser unter dem 2. November desselben Jahres diesen Befehl wiederholte und v. d. B. wirklich den Dienst verlassen mußte, obwol der Kaiser zugleich rücksichtlich „der gefährlichen Correspondenzen, deren v. d. B. beschuldigt wurde“, verfügte, ihm kein weitläufiges Verhör zu verstatten, noch solches wider ihn anzustellen. Um nun ihn weiter zu kränken, entzog man ihm die Postfreiheit seiner Briefe, ja man erlaubte sich sogar, dieselben zu erbrechen; auf wiederholt an den Kaiser gemachte Vorstellungen erhielt er endlich Schutz dagegen, allein es bedurfte mehrerer Befehle dazu, bis er denselben wirklich erlangte.

    Der neue Postmeister in Frankfurt hatte sein Amt schlecht verwaltet, ja war sogar durchgegangen, wie denn überhaupt das Postwesen bei schlechter Verwaltung in Verfall gekommen zu sein schien, was auch dem Kaiser nicht verborgen geblieben war, denn auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers wurde die Postverwaltung und das Postamt zu Frankfurt a. M. dem abgesetzten alten Postmeister|v. d. B. aufs neue übergeben und er übernahm dieses Amt, aber nur unter Verwahrung eines Notars. — v. d. B. war zweimal verheirathet; nach Kunigunde Hoffmann's Tod (2. September 1634) mit Anna Katharina, geb. Baur von Eyseneck, seit 1634 Wittwe des Sebastian Gilbert Faber J. U. D. in Stuttgart. Er starb zu Frankfurt a. M. und liegt auf dem Peterskirchhofe begraben.

  • Autor/in

    Kelchner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Birghden, Johann von den" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 658-660 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124657788.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA