Lebensdaten
um 1490 bis 1545
Geburtsort
Neiße
Sterbeort
Liegnitz
Beruf/Funktion
Humanist ; Schwenckfeldianer ; Theologe
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119020270 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cratoaldus, Valentin
  • Crautwaldt, Valentin
  • Cratoaldus
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Zitierweise

Krautwald, Valentin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119020270.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Eltern u. Voreltern waren Bauern; der Name begegnet auch 1451 u. 1470 unter d. Studenten d. Univ. Krakau; ledig.

  • Leben

    K. besuchte die Jakobischule in Neiße und studierte seit dem Sommersemester 1506 in Krakau. Sein Lehrer im Griechischen war C. Claretti. Als einer der ersten Schlesier studierte er Hebräisch und wurde ein hochgeachteter Humanist Reuchlinscher Prägung. 1509 war er Lehrer an der Jakobischule in Neiße, dann deren Rektor, 1515 Sekretär in der dortigen bischöflich Kanzlei, zugleich Altarist am Breslauer Dom (noch 1530) und Kanonikus. Zu seinen Schülern zählte Johann Schweintzer (Apronianus), der 1530 seine und des Peter Schaefer Offizin in Straßburg mit einer Schrift K.s eröffnete (In tria priora capita libri geneseos annotata, Neudruck: Corpus Schwenckfeldianorum 3, S. 580-611). Seit 1515 bestand K.s Verbindung mit Johann Heß, der 1513-16 ebenfalls Sekretär des Bischofs Johann Thurzo in Neiße war. Heß wird K. für die Reformation gewonnen haben. Die Wirkung war so tief, daß K. seine bisherigen wissenschaftlichen und poetischen Arbeiten vernichtete. Nur auf der Innenseite des Vorderdeckels einer Grammatik aus seinem Besitz sind einige lateinisch Verse erhalten geblieben. Eine Meditation aus der Osternacht 1516 bezeugt seine Neigung zur Mystik. 1523 berief Herzog Friedrich II. von Liegnitz, wohl durch Vermittlung von Heß, K. als Kanonikus und Lektor an das Liegnitzer Johannesstift. Hier kam er Schwenckfeld nahe, lehrte ihn das Griechische und wirkte bestimmend mit an dem Ausbau von dessen Abendmahlslehre. K.s Abendmahlsschriften spielen in der Auseinandersetzung mit den Wittenbergern schon bei Schwenckfelds vergeblichem Gespräch mit Luther und Bugenhagen Dezember 1525 eine wichtige Rolle (die sogenannte(r) Revelatio, Oktober 1525, Corpus Schwenckfeldianorum 2, S. 173-209, die Collatio, 1526, Corpus Schwenckfeldianorum 2, S. 383-408 und andere). Die Paulusvorlesungen in seinem Lektorenamt dienten, schon nach älterer Auffassung dieses Amtes (Bischof Wenzel, um 1400), auch der öffentlichen Unterweisung. Der „Kadecismus Lignicensis“ (Neudruck|in Corpus Schwenckfeldianorum 17, 1960), an dem K. gewiß maßgebend mitgearbeitet hat, kann als einer der ältesten evangelisch Katechismen gelten (1525). Zur selben Zeit werden seine katechetischen Arbeiten entstanden sein (Catechesis, Canon generalis und andere). In dem Schreiben an den Breslauer Bischof Jakob von Salza 1527, das Schwenckfeld und K. gemeinsam unterzeichnet haben, wird mit großer Dringlichkeit auf die Unterweisung des Volkes hingewiesen. 1534 empfahl K. den Katechismus, den Johann Sigismund Werner (1491–1561), Pfarrer in Liegnitz, ausgearbeitet und Friedrich II. für Liegnitz und Brieg angenommen hat (Corpus Schwenckfeldianorum 9, 731-56). Er ist durch den Katechismus des Lutheraners Ambrosius Moibanus ersetzt worden, wie überhaupt alle Bemühungen der Schwenckfelder um die evangelisch Unterweisung in Schlesien über dem Wirken Valentin Trotzendorfs, bis 1529 selbst ein Anhänger Schwenckfelds, in Vergessenheit gerieten. K. und Trotzendorf waren unter den ersten Professoren an der 1526 begründet Liegnitzer Universität, an die der Herzog auch Lutheraner und Anhänger Zwinglis berief. Sie hat nur wenige Jahre bestanden. Als Schwenckfeld 1529 Schlesien verlassen mußte, blieb er in ständiger Verbindung mit K. Der evangelisch Pfarrer Fabian Eckel ( 1546) und K. haben 1531-32 die Auseinandersetzung mit den lutherisch Theologen in Königsberg geführt. K. hat Schwenckfeld in seinen Gesprächen über die Kindertaufe in Straßburg durch verschiedene Schriften unterstützt. In Liegnitz ist er bis zu seinem Tode geblieben. 1540 erzählt er in einem Brief von seinen mühseligen Besuchen bei den Bauern als Schaffer und Bauernvogt des Domstifts (bis 1537).

  • Werke

    Viele Schrr. abgedr. in: Corpus Schwenckfeldianorum, hrsg. v. Ch. D. Hartranft u. a., bisher 19 Bde., 1907-61; andere u. d. meisten Briefe nur in Abschrr. A. Reisners erhalten.
    -K.s Bibl. befindet sich in d. Univ. Wrocław.

  • Literatur

    ADB IV;
    G. Eberlein, Der kirchl. Volksunterricht, n. d. Anschauungen d. Schwenckfeld. Kreise in Schlesien im ersten Drittel d. 16. Jh., zugl. e. Btr. z. Würdigung d. V. K., in: Corr.bl. d. Ver. f. Gesch. d. ev. Kirche Schlesiens 7, 1900, S. 1-48 (unvollst. W-Verz.);
    F. Cohrs, Die Ev. Katechismusversuche vor Luthers Enchiridion IV, = MG Paedagogica 23, 1902, S. 183-225 (S. 188 falsch: „Adolf Orysius“, vielmehr: „Adam Oryzius“ = Adam Reisner vgl. C. Sch. II, S. 175);
    C. Sch. II, 1911, S. 177-82 u. ö.;
    K. Ecke, Kaspar Schwenckfeld, 1911, S. 12 f., 27-29 (üb. ungedr. W u. Briefe);
    S. G. Schultz, Caspar Schwenckfeld v. Ossig, 21947;
    O. Bucher, A. Reißner, Diss. München 1950, S. 22, 49, 112;
    H. Weigelt, Spiritualist. Tradition im Protestantismus, 1973.

  • Autor/in

    Hans Urner
  • Empfohlene Zitierweise

    Urner, Hans, "Krautwald, Valentin" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 724-725 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119020270.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Crautwald: Valentin C. (Cratoaldus), Schwenckfeld's Melanchthon, von bürgerlichen Eltern 1490 in Neisse geboren, 1545 am 5. Sept., erhielt vom Bischof Johann Thurzo, dem freigebigen Förderer ausstrebender Talente, die Mittel zu höheren Studien, denen er mit großem Erfolge mehrere Jahre in Krakau oblag. Als Doctor in die Heimath zurückgekehrt, verlieh ihm sein Gönner, der Bischof, ein Canonicat in Neisse und ernannte ihn zum Notar in seiner Kanzlei; 1522 unterzeichnet C. eine Urkunde als protonotarius cancellariae episcopalis. Luther's Auftreten gegen den Ablaß hatte auch in Breslau zündend gewirkt, und da Bischof Thurzo aus seinen Sympathien kein Hehl machte, ja selbst an Luther geschrieben hatte, so erklärt es sich leicht, wie sich unter seinen Augen gewissermaßen eine kleine evangelische Gemeinde bilden konnte, in welcher C. unzweifelhaft die erste Stelle einnahm. Schon 1521 war in diesen Kreisen die Messe anrüchig und vom Abthun derselben die Rede. Johann Heß stand noch schwankend im Hintertreffen, obschon er auf seiner Rückkehr aus Italien Wittenberg besucht und mit Luther und Melanchthon persönliche Verbindungen angeknüpft hatte. Alle Wittenberger Briefe an Heß brachten Grüße an C. Seine Gelehrsamkeit und namentlich seine gründliche Kenntniß des Griechischen bestimmten den evangelisch gesinnten Herzog Friedrich von Liegnitz, ihn 1523 zum Canonicus und Lector der Theologie an seine Stiftskirche in Liegnitz zu berufen; hier trat C. mit Schwenckfeld in inniges Freundschaftsverhältniß und ist nicht blos sein Lehrer im Griechischen, sondern überhaupt in der Theologie geworden. Von ihm rührt die wissenschaftliche Darstellung und Begründung der Schwenckfeld'schen Abendmahlslehre her, welche den in diesem Stücke unbeugsam auf seiner Meinung beharrenden Luther den Liegnitzern völlig entfremdete. Luther's Antwort auf die ihm von C. 1526 zur Prüfung überschickte Schrift: „Collatio et consensus verborum coenae dominicae de corpore et sanguine Christi cum VI. capite Joannis evangelistae, item consideratio de verbo Dei, an sit in pane eucharistiae et aqua baptismatis? D. Valentino Cratoaldo auctore“, lautetete abweisend; er verlangte unbedingte Unterwerfung. Von Luther aufgegeben und bald offen angegriffen, ließen C. und Schwenkfeld 1527 eine Vermahnung an den Breslauer Bischof Jakob von Salza ausgehn, in welcher sie ihn aufforderten, das rechte Mittel zwischen Papst und Luther herbeizuführen; sie ist natürlich erfolglos geblieben. Um seinen Landesherrn nicht zu gefährden, sah sich Schwenckfeld, gegen den von allen Seiten gewühlt wurde, 1529 genöthigt, das Land zu räumen. Zwar hielt|der Herzog an den bisher von ihm befolgten Principien vor der Hand noch fest, aber C. war zum Führer einer Partei durchaus nicht geschaffen und konnte nicht verhindern, daß nach und nach in das Luther'sche Fahrwasser eingelenkt wurde. Ein eigentliches Predigtamt war ihm nicht anvertraut und so brauchte er als Domherr „seiner Freiheit und redete mit seinen Büchlein oder schrieb etwas“. Seine Zurückgezogenheit war sein Schutz. Als Siegmund Werner, der letzte Freund Schwenckfeld's, 1539 seines Dienstes entlassen wurde, war C. nahe daran, sein Schicksal zu theilen. „Mein Stuhl“, schrieb er an eine Freundin in Ulm, „stunde vorlängst ganz vor dem Thore und ich sollte im Alter wandern, wie es auch geschehn wäre, wo mein Herr und Gott mein nicht verschont hätte.“ C. ist unverheirathet geblieben und sicher in Liegnitz gestorben; die Chronisten haben, wahrscheinlich absichtlich, es zu melden unterlassen. Seine Schriften sind nicht umfangreich und bestehen meist nur aus wenigen Bogen; einige sind in Schwenckfeld's Epistolar abgedruckt. Von seinen gelehrten Arbeiten sind seine „Adnotationes in 3 priora capita geneseos“, Argentor. 1530, von seinen ascetischen zwei zu nennen: „Von bereytunge zum sterben“, Breslau 1524 und „Der neue Mensch“, 1543, welche letztere Schrift mehrere Auflagen erlebt hat.

    • Literatur

      Liefmann, De fanaticis Silesiorum. Arnold, Kirchen- und Ketzergeschichte, Fortsetzungen und Erläuterungen S. 1275. Erhardt, Presbyterologie IV. 31 ff. Schneider, Ueber den geschichtlichen Verlauf der Reformation in Liegnitz. Programm 1860. Köstlin, Johann Heß im VI. Bande der Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens, S. 97 ff. Luchs, Schlesische Fürstenbilder des Mittelalters. Friedrich II. Herzog von Liegnitz und Brieg, S. 10 ff,

  • Autor/in

    Schimmelpfennig.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schimmelpfennig, Adolf, "Krautwald, Valentin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 570-571 unter Crautwald [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119020270.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA