Lebensdaten
erwähnt 1264, gestorben 13. Jahrhundert
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 103138773 | OGND | VIAF: 61554166
Namensvarianten
  • Konrad
  • Haslau, Konrad von
  • Konrad von Haslau
  • mehr

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Konrad von Haslau, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd103138773.html [23.10.2021].

CC0

  • Leben

    Die für junge Adlige bestimmte Lehrdichtung „Der Jüngling“ (1264 Reimverse) ist nur anonym überliefert. Den Namen des Dichters bietet uns aber ein etwa gleichzeitiger ritterlicher Didaktiker, der sogenannte Seifried Helbling (Ende 13. Jahrhundert), unter deutlichem Hinweis auf das (auch von ihm verwertete) Grundmotiv der Pfennigbuße (2,439 ff.). Er kennzeichnet K. als Landsmann und nennt ihn Meister. Dies stimmt mit der Selbsteinschätzung des Dichters überein: er rechnet sich zu den Besitzlosen und ist bereit, auch getragene Kleidung zu nehmen. Er war also offenbar ein fahrender Literat, der wohl, wie der Schluß der Dichtung nahelegt, sich gelegentlich als „magezoge“ (Knabenerzieher) in adligen Häusern sein Brot verdiente. Die Ortsangabe seines Namens weist am ehesten auf Haslau an der Leitha. Dem entspricht auch K.s Sprache, die, oft derb und reich an volkstümlichen Redensarten, von erdgebundenen österreichischen Dialektworten strotzt. Die Entstehung der Dichtung, die sich in ihrer freien Metrik von der Klassik bereits gelöst hat, ist wohl in die 1280er Jahre zu setzen.

    Das Grundmotiv der Pfennigbuße entlehnte K. der Disciplina clericalis des Petrus Alfonsi ( circa 1140), der einer der wichtigsten frühen Vermittler arabischen Geistes in Spanien war und diese Erziehungslehre durch mancherlei zum Teil orientalische Erzählungen stützte. Hier erhält ein Dichter von einem König|das Recht, als Stadttorwärter von jedem mit einem Gebrechen Behafteten einen Denar zu erheben, was dann auch auf das Moralische ausgeweitet wird. Dies wandelte K. in den Wunsch, daß jeder junge Edelmann, der gegen die von ihm dargelegten Anstands- und Verhaltensregeln verstößt, ihm einen Pfennig entrichten möge.

    Diese Vorstellung wird zum gliedernden Prinzip der Darstellung. Zunächst nach strophenähnlichen Abschnitten von 5-7 Reimpaaren, dann nach größeren ungleichmäßigen Partien schließt die Formel swâ daz tuot ein jungelinc, der gebe mir einen pfenninc (o. ä., bisweilen gesteigert auf einen Schilling oder eine Mark oder variiert dadurch, daß bei verächtlichen Verstößen die Entgegennahme einer Buße verweigert wird), eine Gedankenreihe ab. Kritisch tritt er seiner Zeit mit ausgeprägter Neigung und Fähigkeit zu lebensvoller satirischer Zustandsschilderung und einer scharfen Beobachtungsgabe gegenüber (vergleiche V. 378 ff.). Sein Pessimismus beruht auf dem kulturellen Wandel der Epoche: die sittlichen Normen der höfischen Zeit sind bereits verblaßt; Minnedienst und ritterliche Waffenübung spielen bei ihm ebenso wenig mehr eine Rolle wie der erzieherische Wert der höfischen Literatur. Gutes Benehmen bei Tisch (eine der ersten Tischzuchten in deutscher Sprache) und auf dem Ritt, maßvolle Sorgfalt in Kleidung und Pflege der äußeren Erscheinung und Warnung vor Trunk und Würfelspiel stehen im Vordergrund, daneben moralische Forderungen allgemein menschlicher Art und fast ganz ohne Bezug auf das öffentliche Leben: rechter Gebrauch des Reichtums, Wahrheit und Aufrichtigkeit. Abgesehen von der starken Wirkung auf den ihm innerlich verwandten sogenannten Seifried Helbling, war die Verbreitung des Gedichtes wohl gering.

  • Werke

    Überlieferung: Heidelberger Hs. cod. Pal. germ. 341;
    Auszug aus d. Partie Vers 293-448 als „Der Spieler“ in Leipziger Hs. 946, hrsg. v. H. Hoffmann v. Fallersleben, in: Altdt. Bll. 1, 1835/36, S. 63-65;
    Ausg. v. M. Haupt, in: Zs. f. dt. Altertum 8, 1851, S. 550-87;
    die Tischzucht Vers 529-626, in: Höf. Tischzuchten, nach d. Vorarbb. A. Schirokauers, hrsg. v. Th. P. Thornton, 1957, S. 62-64 (ohne Beachtung d. wichtigen Besserungen Wallners).

  • Literatur

    J. Seemüller, Stud. z. kl. Lucidarius (Seifried Helbling), in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien 102, 1882, S. 651 ff.;
    P. Merker, Die Tischzuchtenlit. d. 12.-16.Jh., in: Mitt. d. dt. Ges. z. Erforschung vaterländ. Sprache u. Altertümer in Leipzig, 1911, S. 19 f.;
    H. de Boor, Die dt. Lit. im späten MA, Zerfall u. Neubeginn, 1. T. (1250–1350), 1962, S. 391-93;
    J. G. Neuer, The historical development of Tischzuchtlit. in Germany, Univ. of California, Los Angeles Diss. (DA 32) 1970;
    Ehrismann II, 2, S. 333;
    Vf.-Lex. d. MA II - Zur Textkritik:
    E. Schröder, in: Zs. f. dt. Altertum 69, 1932, S. 354 f.;
    A. Wallner, Garben u. Halme, III: K. v. H., ebd. 72, 1935, S. 261-67.

  • Autor/in

    Hans-Friedrich Rosenfeld
  • Empfohlene Zitierweise

    Rosenfeld, Hans-Friedrich, "Konrad von Haslau" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 541-542 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103138773.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Haslau: Konrad v. H., Dichter des 13. Jahrhunderts. In dem Lucidarius des sogenannten Seifried Helbling (2. 439 ff.) wird eines Meisters Konrad v. H. gedacht, der (in einem von ihm verfaßten Gedichte) jeden mit einem sittlichen Makel behafteten Jüngling nur um einen Pfennig bat. Mit Recht hat Haupt erkannt, daß in einem anonym überlieferten Gedichte der Heidelberger Handschrift 341 jenes Gedicht Konrads uns erhalten sei; denn hier schließen in der That die Abschnitte, in welchen die verschiedenen Unsitten der ritterlichen Jugend in Oesterreich aufgeführt werden, mit der Aufforderung des Dichters, ihm einen Pfennig zu geben. Der Dichter war ein Landsmann und älterer Zeitgenosse des Verfassers des Lucidarius, seine Schilderungen stimmen mit denen dieses Dichters genau überein. Wenn eine andere Erwähnung im Lucidarius (2, 1228), wo der alten Märe, die der alte Haslauer vor zwanzig Jahren gesagt, gedacht wird, auch auf ein Gedicht Konrads geht, so dichtete dieser um 1270 und war wahrscheinlich zur Zeit der Abfassung des Lucidarius schon todt. Schwerlich ist der Dichter adlichen Geschlechts gewesen; ein Herr Konrad v. H. kommt allerdings urkundlich 1268 vor, die Bezeichnung „Meister“ aber für den Dichter scheint gegen die Identificirung zu sprechen.

    • Literatur

      Herausgegeben von Haupt in seiner Zeitschrift 8, 550 ff.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Konrad von Haslau" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 744 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd103138773.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA