Lebensdaten
1671 – 1750
Geburtsort
Bern
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Pietist ; Mathematiker ; Orientalist ; Theologe
Konfession
evangelisch,pietistisch
Normdaten
GND: 136127320 | OGND | VIAF: 80524592
Namensvarianten
  • König, Samuel
  • König, Samuel
  • K., S.
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Zitierweise

König, Samuel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136127320.html [21.05.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel (1646–1706), Pfarrer in B., seit 1691 in Gerzensee, S d. David ( 1656), Dr. med., Arzt in B., Hauptm. u. Kriegskommissar, u. d. Margaritha Zehender;
    M Katharina Judith (* 1646), T d. Stephan Perret, Landvogt v. Laupen, u. d. Maria Tschiffeli;
    1) 1698/9 Barbara Wild, 2) 1711/12 Anna Maria Nöthiger ( 1740);
    2 S aus 2) Samuel (1712–57), Mathematiker u. Jurist, 1744 mit s. B Daniel aus B. ausgewiesen, Prof. d. Math. u. Philos. in Franeker, führte mit Maupertuis e. berühmten Streit üb. d. „Prinzip d. kleinsten Aktion“ (s. ADB 16), Daniel (1725–47), Mil.-arzt in Rotterdam;
    Groß-N Franz Niklaus (1765–1832), Genre- u. Porträtmaler (s. ADB 16). - Zur Fam. gehören auch Rudolf (1790–1815), Maler (s. ThB), Karl Gustav (1828–92), Prof. d. Rechte in Bern, und René (1871–1957), Prof. d. Gynäkol. in Genf.

  • Biographische Darstellung

    K. studierte Theologie, Orientalistik und Mathematik in Bern, Zürich, Basel und Franeker. Zu seinen theologischen Lehrern gehörten Johann Rudolf Rudolf, Johann Heinrich Heidegger und Campegius Vitringa. Ihnen verdankte er das beim biblischen Bundesgedanken ansetzende heilsgeschichtliche Konzept und ein solides exegetisches Rüstzeug. Auf einer Bildungsreise durch England und Deutschland lernte er die Werke Jane Leades und des Ehepaars Petersen kennen, in denen ihn die Hoffnung auf das tausendjährige Reich (Chiliasmus) nachhaltig beeindruckte. Als Spitalprediger in Bern (1698) vorerst noch gegen die dortigen Pietisten eingenommen und auf die akademische Laufbahn bedacht, wurde er bald zum temperamentvollsten Vertreter des pietistischen Reformprogramms. Der Chiliasmus, den er in die Bewegung einbrachte, war einer der Hauptgründe, weshalb die Repräsentanten des berner Staatskirchentums gegen die Pietisten drakonisch vorgingen und in einem aufsehenerregenden Prozeß 1699 die Anführer, allen voran K., des Landes verwiesen. - Da K. seine Verbannung im Horizont des kommenden Reiches als ein „Zeichen der Zeit“ beurteilte, beschleunigte sie seine Entwicklung zum radikalen, kirchenfeindlichen Pietisten. Als solcher spielte er in den Separatistenkreisen Deutschlands eine führende Rolle. Er spannte mit Horche zusammen, er wirkte in Frankfurt, Marburg und am Kasseler Hof als „Herold des kommenden Reiches“ (Renkewitz).

    Sein zusammen mit Hochmann von Hochenau 1699/1700 in Berleburg (Sayn-Wittgenstein) unternommener Versuch, ein enthusiastisches Gemeindemodell zu verwirklichen, schlug fehl. In Hessen und den umliegenden Territorien als „Erzketzer“ steckbrieflich gesucht, zog K. während 12 Jahren in Deutschland umher, ohne ein öffentliches Amt zu bekleiden. Er hielt sich unter anderem in Magdeburg und Halle auf. Zur Ruhe kam er erst, als er 1711 in Büdingen eine Anstellung als Inspektor und 1. Pfarrer fand. Er reaktivierte seine theologischen und philologischen Studien. Aus der Überzeugung heraus, daß Christus für alle Menschen gestorben sei, und aufgrund der eigenen bitteren Erfahrungen trat er 1712 für eine tolerante Haltung gegenüber den Täufern ein. – 1715-30 wirkte K. als Pfarrer an der französischen Gemeinde Waldensberg im Vogelsberg. – Nachdem er zweimal (1711 u. 1719) erfolglos versucht hatte, nach Bern zurückzukehren, nahm man ihn dort 1730 wieder in das Bürgerrecht auf, wollte ihm aber, indem man ihn als Extraordinarius für Orientalistik und Mathematik, nicht jedoch für Theologie anstellte, in religiöser Hinsicht keine freie Hand lassen. Trotz dieser Einschränkung entfaltete K. in Wort – 1732 predigte er zum Beispiel in Basel – und Schrift gerade auf theologischem Gebiet eine weitreichende Tätigkeit. Er wußte sich jetzt zum Enthusiasmus der Inspirierten wie zum Moralismus der Aufklärer gleichermaßen im Gegensatz. Von Luther angeregt, vertrat er ihnen gegenüber einen lebendigen, um die Begriffe „Wort“ und „Glaube“ kreisenden Pietismus. An seiner Ablehnung der staatsabsolutistischen Gesetzesreligion hielt er fest, ohne damit auch das theologische Erbe der Orthodoxie, sofern es dem biblischen Evangelium entsprach, preiszugeben. – In seinen jungen Jahren als wissenschaftliches Talent ebenso bewundert wie später als Radikaler verketzert, blieb K. zeitlebens eine umstrittene Persönlichkeit, deren geschichtliche Stellung aber in jedem Fall bedeutender war, als bisher angenommen wurde. Das gilt weniger für den Berner Pietismus – hier war K.s führende Rolle bekannt – als vielmehr für den radikalen Pietismus in Deutschland und für K.s theologische und philologische Leistung.

  • Werke

    u. a. Dissertatio theologica de foedere et testamento Dei, 1692;
    Specimen disputationum gemaricarum, Excerptum ex codice talmudico Beracoth, 1696;
    Etymologicon Helleno-Hebraeum, 1722;
    Grund-Sätze v. d. Allg. Gnade Gottes, 1723;
    Passions-Gedancken, 1707;
    Oratio inauguralis de mysterio Christi et ecclesiae, 1731;
    Drey Christl. Predigten, 1732;
    Pemptas concionum sacrarum, 1733;
    Schrifft-mässiger Ber. v. d. wahren u. lebendigen Glauben, u. d. Ev. Lehr-Amt, 1737, ²1742;
    Betrachtung d. inwendigen Reichs Gottes, 1734. -
    Weitere theol.-wiss. Publ. u. a. in: Tempe Helvetica II, 1736, S. 447-52, III, 1738, S. 310-25, 632-50, IV, 1739, S. 57-69, 232-50.

  • Literatur

    ADB 16;
    W. Hadorn, Gesch. d. Pietismus in d. Schweizer. Ref. Kirchen, 1901;
    P. Wernle, Der schweizer. Protestantismus im 18. Jh. I, 1923;
    H. Renkewitz, Hochmann v. Hochenau (1670–1721), ²1969;
    E. Koenig, 400 J. Bernburgerfam. König, in: Berner Zs. f. Gesch. u. Heimatkde. 29, 1967, S. 1-10, 33-50, 92-109 (P v. 1743 n. Ölbild v. R. Gardelle, Verbleib unbek.);
    PRE;
    RGG. -
    Eigene Archivstud.

  • Autor/in

    Rudolf Dellsperger
  • Zitierweise

    Dellsperger, Rudolf, "König, Samuel" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 349-350 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136127320.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographische Darstellung

    König: Samuel K., von Bern, Orientalist und Mystiker (1670—1750). K. war der Sohn des gleichnamigen Pfarrers zu Gerzengen im Kanton Bern und wurde schon in seiner Jugend als „ein Wunder der Gelehrsamkeit, welcher|in allem Wißbaren seines Gleichen suche“, angestaunt. Seine Bildung erhielt er erst in Bern, wo er bereits Vorliebe zeigte für das Studium der orientalischen Sprachen, dann in Zürich und auf einer wissenschaftlichen Reise nach Holland und England. In letzterem Lande erhielt er die Richtung auf eine schwärmerische Mystik, die sich ganz besonders mit der Lehre vom tausendjährigen Reiche beschäftigte. Nach Bern zurückgekehrt, wurde er ins Predigtamt aufgenommen und als Prediger im Spital angestellt. Zunächst strebte er indeß — nicht ohne Ehrgeiz — nach wissenschaftlicher Bethätigung und Auszeichnung mehr als nach kirchlichem Wirken, schloß sich aber bald immer enger an pietistische Kreise an und gerieth allmählich in immer entschiedeneren Gegensatz gegen die in der Lehre streng orthodoxe aber in ihren Sitten arg verweltlichte Geistlichkeit. Von der kirchlichen Oberbehörde verfolgt, von dem toleranteren Schulrath anfangs in Schutz genommen, wurde K. schließlich auch von der Regierung mit Mißtrauen angesehen, 1698 nebst einigen Gesinnungsgenossen vor einer eigens eingesetzten „Religionscommission“ verhört, bedroht, in seinem Amte eingestellt, endlich des Bürgerrechts verlustig erklärt und aus dem Lande gewiesen. Die entstandene Aufregung wurde durch das Verlangen eines so geheißenen „Associations-Eides“ bekämpft, in welchem alle kirchlichen und staatlichen Beamten sich feierlich zur Unterdrückung jeder religiösen Neuerung verpflichteten. K. begab sich zunächst nach Herborn, wo er wahrscheinlich hoffte ein Amt zu finden; allein als „schweizerischer Erzverführer und Erzketzer“ wurde er auch dort vertrieben, wandte sich nach Berleburg, nach Halle, nach Magdeburg. Zwölf Jahre lang blieb er so ohne Anstellung, bis er 1711 vom Grafen von Isenburg-Büdingen als Hofprediger angenommen wurde. Hier wandte er sich, ruhiger geworden, wieder mehr der Wissenschaft zu, schrieb ein griechisch-hebräisches Wörterbuch und einige theologische Schriften. Erst 1730 durfte K. nach Bern zurückkehren, wo die Stimmung sich etwas verändert hatte; er wurde Professor der orientalischen Sprachen und der Mathematik an der höheren Bernischen Lehranstalt. Sein geistliches Wirken gab er indessen nicht auf, machte selbst noch größere Reisen zu diesem Zweck. Noch mußte er es erleben, daß im J. 1744 zwei seiner Söhne wegen Betheiligung an einer politischen, gegen die Oligarchie gerichteten Bewegung gleich ihm das Land verlassen mußten; er starb am 30. Mai 1750. Von seinen Schriften sind zu nennen: „Betrachtung des inwendigen Reiches Gottes“, Basel 1734; „Specimen Arabismi in Proverbiis Salomonis"; „Etymologicon Helleno-hebraicum, seu primitiva graeca ex hebraeo fonte vicinisque Orientis linguis“, Frankf. 1722; „Lexicon Syriacum omnium vocabulorum syriacorum Vet. et Novi Test.“, ungedruckt; „Theologia mystica, oder geheime Gottesgelehrtheit, darinnen“ etc., Bern 1730; „Passionsgedanken“ und eine Reihe weiterer Predigten und Tractate.

    • Literatur

      Fr. Trechsel, S. König u. der Pietismus in Bern, im Berner Taschenbuch auf das Jahr 1852. — Gelzer, Vorlesungen über die drei letzten Jahrhunderte der Schweizergeschichte, Bd. II. —
      Lutz, Nekrolog. —
      Biogr. universelle, vol. 28. —
      Tillier, Geschichte des Freistaates Bern, Bd. IV. — J. R. Gruner, Athenae Bernenses, Manuscript der Stadtbibliothek in Bern.

  • Autor/in

    Blösch.
  • Zitierweise

    Blösch, "König, Samuel" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 520-521 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136127320.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA