Lebensdaten
1790 bis 1869
Geburtsort
Fulda
Sterbeort
Wiesbaden
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Kulturhistoriker ; Dichter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118724320 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • König, Heinrich Josef
  • König, Heinrich
  • König, Heinrich Josef

Orte

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Zitierweise

König, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118724320.html [15.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Georg, fuld. Soldat, Bauern-S (vermutl. aus Schweben b. Flieden);
    M Anna Katharina Wiegand;
    1) Diedershausen 1810 Franziska ( 1835), T d. Staatsprokurators Georg Leonhard Follenius u. d. Barbara Koch, 2) 1836 Minna ( 1869, ev.), T d. Teppichfabr. Joh. Daniel Leißler in Hanau u. d. Maria Magdalene Ruprecht;
    1 T aus 1), 1 S aus 2) (früh †).

  • Leben

    Dieser fleißige Schriftsteller war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts „vielgelesen und vielgepriesen“ (Adolf Stern). Hoch lobten die zeitgenössischen Literarhistoriker Heinrich Kurz und Rudolf Gottschall K.s antikirchlichen Roman „Die Waldenser“(1836). Auf Heinrich Laube wirkte „Die hohe Braut“ (1833), ein historischer Roman aus der piemontesischen Revolution, wie ein „gesegnetes blühendes Land“ in poetisch dürrer Zeil; Wagner wollte den Roman veropern, der Prager Komponist J. F. Kittl tat es (nach Wagners Libretto) unter dem Titel „Die Franzosen in Nizza“. Die deutschen Polizeibehörden nannten K. gelegentlich „die talentvollste Koryphäe des Jungen Deutschland“. Sogar der Ehrenname eines „hessischen Scott“ wurde für ihn laut. Solch übertreibende Bewertungen sind heute vergessen, auch wird die Distanz zu den jungdeutschen Schriftstellern erkannt: Sie ist nicht nur durch den Altersunterschied einer halben Generation bedingt, auch der erotische Liberalismus, die jungdeutsche libertine Auffassung von der Ehe oder das Programm der weiblichen Emanzipation sind K. fremd. Dagegen teilt er mit der Gruppe um Laube und Gutzkow die Ablehnung jeder religiösen und staatlichen Bevormundung, verwirft die Zensur und bekennt sich zur „Tendenz“, das heißt zur Absicht gesellschaftlicher Wirkung der Poesie.

    Schon als Zweijähriger verliert K. seinen Vater, einen zum Militär gezogenen Bauernsohn, der als Soldat während der Belagerung von Mainz 1792 stirbt. Nach Privatstunden und dem gleichzeitigen Besuch der Fuldaer Stadtschule wechselt K. 1802 auf das Gymnasium der Stadt, später auf das ehemalige Jesuiten-Lyzeum. Mit 20 Jahren heiratet er überstürzt Franziska Follenius; das Kind, Grund dieser Ehe, stirbt 9 Tage nach seiner Geburt. 1810 wird K. durch Vermittlung des Graf Bentzel-Sternau Hilfsschreiber beim Magistrat der Stadt Fulda, 1813 Distriktskontrolleur für das Amt Burghaun; als Fulda 1816 hessisch wird, avanciert er zum Regierungssekretär der Finanzen und wird als solcher 1819 nach Hanau versetzt. Einige religionskritische Aufsätze tragen K. 1831 die Exkommunikation ein. Im selben Jahr veröffentlicht er die Denkschrift „Leibwacht und Verfassungswacht“, in der er die Einrichtung einer Volksmiliz zum Schutz der Verfassung gegen autokratische Übergriffe vorschlägt. Viermal seit 1832 wird K. von seinen Mitbürgern zum hessischen Landtagsabgeordneten gewählt und erlebt zweimal die Auflösung der Ständeversammlung durch die Regierung. Wegen seiner unerschrockenen liberalen Haltung versetzt man ihn 1839 gegen seinen Willen als Obergerichtssekretär nach Fulda zurück. 1847 wird K. auf eigenen Wunsch pensioniert und zieht 1848 nach Hanau; wieder geht er von hier als Abgeordneter, diesmal der Landgemeinden, zur hessischen Kammer nach Kassel. 1860 läßt er sich in Wiesbaden nieder.

    Nach unbedeutenden dramatischen Anfängen ist die erste Hanauer Periode literarisch fruchtbar. K. ist für mehrere jungdeutsche Organe tätig, so für Mundts „Freihafen“, für|den „Literarischen Zodiacus“, für Lewalds, später Kühnes „Europa“, für Gutzkows „Literaturblatt zum Phönix“, für dessen „Deutsche Revue“ und den „Telegraph“, auch für Laubes „Zeitung für die elegante Welt“. Die Verbindungen zu den genannten Herausgebern gestalten sich freundschaftlich, auch zu Wienbarg, Grabbe, Varnhagen, Bechstein, Auerbach und andern Stimmführern der Literatur werden Beziehungen geknüpft. Eine reiche Korrespondenz entsteht; auch persönlicher Umgang findet statt, vor allem mit Franz Dingelstedt. Die vielbesprochenen und -übersetzten „Literarischen Bilder aus Rußland“ (1837) begründen K.s Ruf als Literarhistoriker und -kritiker. 1839 erscheint der auf längeren Studien basierende Shakespeare-Roman „Williams Dichten und Trachten“ (21850), 1845 die „Denkwürdigkeiten des Generals Eickemeyer“, eine aus archivalischen Quellen gearbeitete Schrift über den Mainzer Festungskommandanten von 1792. Die hierzu gemachten Erhebungen kommen auch der umfangreichen Georg Forster-Biographie zugute, die 1852 unter dem Titel „Haus und Welt“ (21858) veröffentlicht wird. Mehr auf diese im engeren Sinn wissenschaftlichen Werke ist K.s Ruhm zu gründen als auf seine Romanproduktion. Die Marburger Ehrendoktorwürde belohnt Ende der vierziger Jahre denn auch diesen Teil seines Schaffens; ihm sind noch die aufschlußreichen autobiographischen Leistungen – „Aus dem Leben“ (1840), „Auch eine Jugend“ (1852), „Ein Stilleben“ (1861) – zuzurechnen. Die umfangreichen literar- und kulturhistorischen Vorarbeiten haben sich auf K.s novellistisches Schaffen nicht nur positiv ausgewirkt. Allzusehr bleibt er in seinen wichtigsten, meistens mehrbändigen, Romanschöpfungen seit den 40er Jahren dem historischen Detail verhaftet, sieht allzu ängstlich auf kulturgeschichtliche Treue von Geschehnis, Kolorit und Kostüm. Der erzählerische Faden ist dünn, und ein Übermaß berichtender und schildernder Passagen läßt keine Eigenentfaltung der tragenden Charaktere durch ihre Handlungen zu. Schon die zeitgenössische Kritik tadelt, daß ein historisch-politischer Roman wie „Die Clubisten in Mainz“ (1847), ein Sittenbild wie „König Jérômes Carneval“ (1855), ein patriotischer Familienroman wie „Von Saalfeld bis Aspern“ (1864) für Dichtungen zu materialreich und mosaikartig seien (Gutzkow). Gleichwohl behalten diese von liberaler bürgerlicher Gesinnung getragenen Werke für denjenigen ihren didaktischen Wert, der sich über die deutschen Verhältnisse während der Revolutions- und Napoleonzeit in angenehmer Form belehren lassen will.

  • Werke

    Ges. Schrr., 20 Bde., 1854-68;
    Ausgew. Romane, 15 Bde., 1875.

  • Literatur

    ADB 16;
    H. Laube, Moderne Charakteristiken, 1835;
    K. Gutzkow, Rückblicke auf meine Leben, 1875;
    H. H. Houben, Jungdt. Sturm u. Drang, 1911;
    K. Glossy, Literar. Geheimberr. a. d. Vormärz, in: Jb. d. Grillparzerges. 21-23, 1912;
    H. Halbeisen, H. J. K., Ein Btr. z. Gesch. d. dt. Romans im 19. Jh., Diss. Münster 1915;
    G. Hohmann, H. K., Leben u. Werk d. Fuldaer Schriftst., 1965 (Bibliogr., P);
    R. Vogel, Das erzähler. Schaffen H. J. K.s, Ein Btr. z. Gesch. d. Lit. d. dt. bürgerl. Liberalismus im 19. Jh., Diss. Halle 1965 (ungedr.).

  • Portraits

    Ölbild, um 1840 (Hist. Mus. d. Stadt Hanau);
    Bleistiftzeichnung v. B. Hoefling, in: Erinnerungsbuch d. Fuldaer Freunde zum Abschied K.s aus Fulda, 1848;
    Kupf. v. A. Hüssener (Eichenzell b. Fulda, Privatbes.);
    Altersbild nach Phot. (Original Vonderau-Mus. d. Stadt Fulda, Stadtschloß). -
    Abb. dieser P b. Hohmann, s. L.

  • Autor/in

    Hans-Wolf Jäger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jäger, Hans-Wolf, "König, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 339 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118724320.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    König: Heinrich Josef K., geb. am 19. März 1790 zu Fulda, gehörte zu jenen dichterischen Talenten unseres Jahrhunderts, welchen die geistigen, namentlich die politischen Kämpfe desselben insofern verhängnißvoll wurden, als diese ihre poetische Thätigkeit zu ihrem Nachtheil beeinflußten und trübten. Auch seine persönlichen Schicksale ließen eine harmonische Entwickelung nicht zu. Die Knaben- und Jünglingsjahre, für das Gedeihen eines Dichters fast die wichtigsten, waren trübe, was K. wohl ungünstigen Umständen zuzuschreiben hatte, aber auch seinem eigenen Leichtsinn, indem er, noch Student und kaum 20 Jahre alt, sich zu einer Ehe entschließen mußte, aus Gründen, die wohl analog denen waren, welche den jungen Shakespeare an Anna Hathaway fesselten. Erst spät endete der Tod der Frau dieses unglückliche Verhältniß. Hervorgegangen war Heinrich König aus einer armen, den unteren Ständen angehörigen Familie des 1790 noch souveränen Bischofssitzes Fulda; seine Mutter, Wittwe, wollte ihn bei einem Schneider in die Lehre geben; dank dem Scharfblick eines Schulmeisters, der Besseres in ihm ahnte, kam er ins Jesuiten-Lyceum, woselbst Klosterkost und Klosterzucht den Knaben zum Mönch erziehen sollte, was die Energie seines Geistes jedoch vereitelte. K. fand seit seiner Verheirathung seine Laufbahn in der Verwaltung; er war zuerst Schreiber, 1813 Accisekontroleur in Fulda, 1816 Finanzsenetär, ward 1819 nach Hanau versetzt; aber jetzt beginnt sich seine amtliche Thätigkeit mit der politisch freiheitlichen des Deutschen jener Jahre zu verwirren, bis der Knoten sich allmählich dahin entwirrte, daß K. als Abgegeordneter und Poet schließlich allein dastand. 1832—33 wählte man ihn zum (hessischen) Landtagsabgeordneten; als solcher zählte K. zur liberalen Opposition. Als Mitglied dieser, da er zugleich kurfürstlicher Beamter war, mußte er zweien Kurfürsten zum Blitzableiter ihres Zornes gegen den Liberalismus dienen. Als er 1839 neu gewählt ward, verweigerte man ihm den nöthigen Urlaub und versetzte ihn nach Fulda als Obergerichtssecretär. Dieser Plackereien müde, nahm er 1847 seinen Abschied, ging nach Hanau zurück, anfangs noch als Abgeordneter thätig. Hier lebte er, von aller Welt zurückgezogen, bis 1860, in welchem Jahre seine zweite Frau starb, worauf er nach Wiesbaden übersiedelte, wo er am 23. September 1869 an Altersschwäche starb. — Als Dichter kommt bei Heinrich K. vorwiegend der Romancier in Betracht. Zwar fing er als Dramatiker an, aber von den Dramen pflegte der Poet selbst, in richtiger Selbstkritik derselben, als von Anstrengungen, die verfehlt und verschmerzt waren, zu sprechen. Es sind dies: „Wyatt". Tragödie, 1818. „Otto's Brautfahrt". Schauspiel. 1826. „Der Bischof-Ritter.“ „Die Stiftung.“ „Womit wir|scheiden." Dramen 1829. „Des Zufalls Launen" 1832. „Die Bußfahrt", Trauerspiel 1836. In König's Nachlasse soll sich noch ungedrucktes Dramatisches vorfinden, dessen Druck der Dichter aber selbst verweigerte. Von seinen Romanen gilt das, was ich zu Anfang über König's Charakter als Künstler gesagt habe: die Zeit, in der er lebte, hat sie geschädigt. Sie sind zu subjectiv gehalten; der Dichter gibt seinem politischen Groll und Haß zu sehr nach, um nicht die Objectivität der Poesie zu schädigen. Zwar wählt König historische Stoffe, aber die Romane sind mehr reflexiv über die Zeit als aus der Zeit des Stoffes heraus geschrieben. Des Verfassers Stil ist kein glänzender, aber ein solider, kerniger, witzsprudelnder, gerundeter. Diese Romane und Novellen sind folgende: „Die Wallfahrt", Novelle 1829. „Die hohe Braut", Roman 1833. „Die Waldenser", Roman 1836. „Williams (Shakespeares) Dichten und Trachten", Roman 1839, 1850, 1864. „Die Busennadel“, Novelle 1842. „Deutsches Leben in deutschen Novellen“, 1842—44. „Die Clubisten in Mainz", Roman 1847. „Spiel aus Liebe", Novelle 1849. „Seltsame Geschichten" 1856. „Familienabende. Ein Novellenkranz" 1857, 1862. „Marianne oder Um Liebe leiden“ 1858. „Deutsche Familien. Novellen aus dem Leben“ 1862. „Von Salfeld bis Aspern“, Roman 1864. „Eine Pyrmonter Nachcur“, Roman 1868. Am bleibendsten gestaltet sich König's Thätigkeit als Historiker, Literarhistoriker und Publicist. In der Eigenschaft eines solchen geht seine ganze kräftige Persönlichkeit auf: das Geschriebene wird von dem Schreibenden nur zum Vortheil des ersteren beeinflußt, nicht zum Schaden, wie bei den Dichtungen. Es ist da zu nennen: „Rosenkranz eines Katholiken“ 1829 und „Der Christbaum des Lebens. Eine Festgabe für finnige Frauen und Freunde“ 1831 — beides eine Sammlung von Artikeln, die K. auf Wunsch des Frankfurter Predigers Friederich für dessen Zeitschrift „Der Protestant“ schrieb, welche ihm am 25. Juni 1831 — K. war Katholik — die Excommunication eintrugen. „Saga. Ein Taschenbuch der Geschichte für die gebildete Jugend“ 1830. „Literarische Bilder aus Rußland" 1837. „Aus dem Leben" 1840. „Auch eine Jugend“ 1852 — beides König's Autobiographien. „Haus und Welt. Eine Lebensgeschichte“ 1852 — nämlich die von Georg Forster. „Was ist die Wahrheit von Jesu? Zeitfrage und Bekenntniß“, 1867. Seine „Gesammelten Schriften“ erschienen 1854—1868. Leipzig, F. A. Brockhaus. Ein vollständiges Verzeichniß von König's Schriften gibt Goedeke im Grundriß III. S. 725—727. Aus den zuletzt genannten Schriften lernt man auch König's Charakter als Mensch kennen und schätzen: eine kräftige, männliche, edle Natur, welche sich, infolge der mannichfachen Lebensschicksale und der Nackenschläge die ihr Träger erlitten, zum Herben und Scharfen vorwiegend entwickelt hatte. Seine politische Gesinnung, für die er gekämpft und gelitten, war die der Altliberalen vom Schlage der Jordan, Welcker, Itzstein, Leißler u. a.: leider sollte K. nicht mehr die Frucht reifen sehen, welche seine Partei für Deutschland hatte zeitigen helfen. Er starb ein Jahr vor dem völkerbewegenden und staatenumgestaltenden Jahre 1870.

    • Literatur

      Ueber Heinrich König vgl. noch: R. Prutz, Die deutsche Literatur der Gegenwart. Leipzig 1860. 2, 159—174 und die beiden Nekrologe: in der „Allgemeinen Zeitung“ 1869. Nr. 273. Donnerstag den 30. September. S. 4215 und in den „Blättern für literarische Unterhaltung“ Nr. 41 ff.

  • Autor/in

    Julius Riffert.
  • Empfohlene Zitierweise

    Rissert, Julius, "König, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 513-514 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118724320.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA