Lebensdaten
1806 bis 1878
Geburtsort
Schwebheim (Unterfranken)
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Naturforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118868705 | OGND | VIAF: 32164517
Namensvarianten
  • Bibra, Ernst Freiherr von
  • Bibra, Ernst von
  • Bibra, E. v.
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Bibra, Ernst Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868705.html [30.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1756–1807), würzburgischer Regierungsrat und Oberamtmann, S des Johann Philipp, würzburgischer Geheimer Rat, und der Sophie Treusch von Buttlar;
    M Lukretia (1778–1857), T des Franz Carl Freiherr von Bibra, kaiserlich-königlicher Offizier, und der Aloysia Gräfin Petazzi;
    Gaibach 1836 Josephine Pickel;
    3 S, 1 T.

  • Leben

    B. konnte sich neben der Verwaltung seines Familiengutes vielseitigen Studien widmen. Nach seiner Übersiedlung nach Nürnberg (1846) veröffentlichte er zahlreiche Werke, die auf dem Gebiet der angewandten Chemie neue wichtige Erkenntnisse und Anregungen für die Weiterarbeit der Wissenschaft vermittelten und ihm allgemeine Anerkennung und verdiente Ehrungen eintrugen. Bahnbrechend für die Gewerbehygiene war sein Buch über die Phosphornekrose, für die Nahrungsmittelchemie das über „Getreidearten und Brot“; der Heilkunde gab seine Untersuchung über den „Schwefeläther“ wertvolle Hinweise für die Betäubung bei Operationen. Zuletzt beschäftigten ihn chemische Untersuchungen von antiken Münzen und Altertümern. Die Revolution von 1848 trieb ihn auf eine zweijährige Studienreise nach Südamerika. Seine Forschungsergebnisse wertete er zuerst wissenschaftlich aus, später regten ihn seine Erlebnisse zu lange Zeit viel gelesenen Romanen und Novellen an, in denen er eine spannende Handlung glücklich mit belehrendem Inhalt im Stil seiner Zeit zu vereinen wußte.

  • Werke

    Üb. d. Krankheiten d. Arbeiter in d. Zündholzfabriken (mit L. Geist), 1847;
    Btrr. z. Naturgesch. v. Chile, 1853;
    Reise in Südamerika, 1854;
    Die narkot. Genußmittel u. d. Mensch, 1855;
    Reiseskizzen u. Novellen, 1864.

  • Literatur

    ADB XLVII;
    W. v. Bibra, Gesch. d. Fam. d. Frhr. v. B., Bd. 3, 1888. S. 201-06 (vollst. W-Verz. P.)

  • Autor/in

    Werner Schultheiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Schultheiß, Werner, "Bibra, Ernst Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 216 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868705.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bibra*)Zu Bd. XLVI, S. 538.: Freiherr Ernst von B., Naturforscher, geboren zu Schwebheim (bei Schweinfurt) am 9. Juni 1806, zu Nürnberg am 12. October 1872. Einer uralten fränkischen Reichsritterfamilie entsprossen, studirte B. Jurisprudenz, suchte aber kein öffentliches Amt, sondern wandte sich mehr und mehr den schon auf der Universität eifrig betriebenen Naturwissenschaften zu und lebte, zuerst auf seinem oben genannten Familiengute, seit dem Beginn der vierziger Jahre aber in Nürnberg, als Privatmann seinen Studien. In der weiteren Oeffentlichkeit wurde er theils durch seine litterarischen Arbeiten, theils auch, und noch mehr, durch die große Forschungsreise bekannt, welche er in den Jahren 1849 und 1850 nach den westlichen Staaten von Südamerika unternahm. Als Schriftsteller bevorzugte B. die angewandte Chemie, um die er sich große und anerkannte Verdienste erworben hat. Zuerst galt seine Arbeit hauptsächlich der Zoochemie ("Chemische Untersuchung verschiedener Eiterarten“, Berlin 1842; „Chemische Untersuchungen über die Knochen und Zähne des Menschen und der Wirbelthiere“, Schweinfurt 1844; „Chemische Fragmente über die Leber und die Galle“, Braunschweig 1849; „Hilfstafeln zur Erkennung zoochemischer Substanzen“, Erlangen 1849; „Vergleichende Untersuchungen über das Gehirn des Menschen und der Wirbelthiere“, Mannheim 1854). Weitaus am bekanntesten wurde ein Buch, welches B. in Verbindung mit dem Nürnberger Mediciner Geist über die Phosphornekrose schrieb ("Die Krankheiten der Arbeiter in den Phosphorzündholzfabriken“, Erlangen 1847); ersterer erhielt dafür den sogenannten Monthyon-Preis, und beiden Verfassern erkannte der König von Preußen eine goldene Medaille zu. Die Heilkunde dankte B. noch eine weitere, gleicherweise von ihm und dem Physiologen Harleß herrührende Bereicherung ("Die Wirkung des Schwefeläthers in chemischer und physiologischer Beziehung“, Erlangen 1847). Für die Nahrungsmittelchemie erwies sich bahnbrechend Bibra's Schrift über das wichtigste menschliche Nahrungsmittel ("Die Getreidearten und das Brot“, Nürnberg 1860), für welche der Autor eine hohe Auszeichnung vom russischen Kaiser empfing; zuvor schon hatte er die wichtigsten Genuß- und Anregungsmittel, an ihrer Spitze den Kaffee, in zwei größeren Monographien (Nürnberg 1855; München 1858) behandelt. Späterhin gewann für ihn, der zugleich begeisterter Alterthumsfreund war und der in dem mit Antiquitäten und Naturseltenheiten angefüllten „Rittersaale“ seiner Wohnung eine wirkliche Stadtmerkwürdigkeit geschaffen hatte, die chemische Zerlegung von alten Münzen und Kunstgegenständen besonderes Interesse. Zwei einschlägige Schriften (Erlangen 1869; Nürnberg-Leipzig 1873) haben auch heute noch ihren Werth nicht eingebüßt.

    Für die Geographie wurde Bibra's Reisewerk ("Reise in Südamerika“, 2 Bde., Mannheim 1854) aus verschiedenen Gründen werthvoll. Gerade von|Peru, Chile und Bolivia wußte man vor fünfzig Jahren verhältnißmäßig noch recht wenig, und so haben seine geistvoll geschriebenen, allenthalben den denkenden Naturforscher bekundenden Skizzen zur Begründung einer wissenschaftlichen Landeskunde jener Staaten das Ihrige beigetragen, ebenso wie zwei Abhandlungen specielleren Inhaltes, welche die Wiener Akademie in ihre Denkschriften aufnahm. Die Meereskunde förderte er durch genaue Messungen der Wassertemperatur und durch die ersteren schärferen Bestimmungen des Salzgehaltes im Atlantischen und Großen Ocean. Wesentlich unter dem Eindrucke seiner südamerikanischen Reminiscenzen sind auch Bibra's spätere Arbeiten über Gesteinszusammensetzung im „Journal für praktische Chemie“ und über Luftelektricität in der „Gaea“ entstanden. Eben diese Reise, die den phantasievollen Mann in eine ganz neue Welt versetzt hatte, machte ihn auch zum Belletristiker. Seine Productionskraft war eine staunenswerthe, und gar manche seiner novellistischen Schöpfungen (z. B. „Erinnerungen aus Südamerika“, 3 Bde., Leipzig 1861; „Aus Chile, Peru und Brasilien“, 3 Bde., Leipzig 1862) haben sich lange auf dem Büchermarkte behauptet. Die Neigung der Leserwelt, sich Belehrung auf erd- und völkerkundlichem Gebiete in solcher Einkleidung zuführen zu lassen, war damals eine weit verbreitete, und B. verstand es vorzüglich, in die leichte Lectüre ein belehrendes Element hineinzulegen.

    • Literatur

      Poggendorff's Biogr.-litt. Handwörterbuch z. Gesch. d. exacten Wissenschaften, 1. Bd., Leipzig 1863; 3. Bd., Leipzig 1896. — Grande Encyclopédie, 6. Bd., S. 682. — Günther, Der fränkische Naturforscher E. von Bibra in seinen Beziehungen zur Erdkunde, Festschrift d. Naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg, ebenda 1901.

  • Autor/in

    Günther.
  • Empfohlene Zitierweise

    Günther, "Bibra, Ernst Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 758-759 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118868705.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA