Lebensdaten
1457 bis 1520
Geburtsort
Sommerfeld (Kreis Crossen/Oder)
Sterbeort
Wittenberg
Beruf/Funktion
Humanist
Konfession
katholisch,evangelisch?
Normdaten
GND: 100076386 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aesticampianus, Johannes Rhagius
  • Rack, Johannes (eigentlich (Rack ist Wendisch für Krebs))
  • Rack von Sommerfeld, Johannes (eigentlich)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Aesticampianus, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100076386.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes Rack.

  • Leben

    A. erscheint erstmalig am 19.5.1491 in der Matrikel der Universität Krakau, woselbst er sich zunächst mehr realen Studien zuwandte (Naturgeschichte, Astronomie) und dann ganz Schüler des Erzhumanisten Conrad Celtis wurde, der ihm zeitlebens erstrebenswertes Vorbild in Dichtkunst und Wissenschaft blieb. Krakauer Bakkalaureus und vermutlich auch Magister Artium, ging A. mit Empfehlungen von Celtis 1499 über Wien mit Vincentius Longinus nach Italien, studierte in Bologna, war Schüler von Philipp Beroaldus, befreundete sich mit Jakob Questenberg und wurde vom Papst zum Dichter gekrönt. Um Ostern 1501 in Basel, wo er die bis zu Goethe hinwirkende Cebes-Tafel zuerst diesseits der Alpen bekannt machte, dann kurz in Augsburg aufhaltsam, nahm er dann in Straßburg am Streit Jacob Wimphelings mit Thomas Murner teil und wirkte danach als Professor der Moralphilosophie, gleichzeitig alle humanistischen Belange fördernd, von Ende 1501 bis 1505 an der Universität Mainz. Dem „Ruf seiner Heimat“ als Rhetorik- und Poetikprofessor an die neuerrichtete Universität Frankfurt/Oder folgte er im Frühjahr 1506,|scharte dort, als erster Griechisch lehrend, einen großen meist adeligen Schülerkreis um sich, geriet jedoch als polemisierender Humanist zu dem führenden Theologen Konrad Wimpina in einen Gegensatz, dessen Verschärfung ihn veranlaßte, sich im Frühjahr 1508 mit einigen seiner Schüler, dabei Hutten, nach Leipzig zu begeben. Von der Universität Leipzig wurde der Humanist A. zusammen mit seinem Gesinnungsfreund Hermann von dem Busche mit Zustimmung Herzog Georgs von Sachsen relegiert und 1511 aus der Stadt vertrieben, wie auch in den „Dunkelmännerbriefen“ geschildert ist. Versuche des hochbegabten, tiefreligiösen, doch ständig im Kampf mit den Feinden der neuen Studien, den „Barbaren“, stehenden Mannes, in Cottbus und Freiberg (Sachsen) als Lateinschulrektor Boden zu fassen, schlugen fehl. Er wanderte erneut nach Italien, erwarb in Rom 1512 den Dr. theol., tauchte danach vorübergehend als Lehrer des Griechischen in Paris auf und fand sich 1513 in Köln. Als Reuchlinist abermals vertrieben, landete er schließlich als Sechzigjähriger in Wittenberg und las von 1517 bis zu seinem Tod als „Professor der Plinianischen Gelehrsamkeit“ dort. Er war mit Luther und Melanchthon befreundet. Der weit und tief greifenden persönlichen Lehrwirkung, die von A. in seinem reichen, wechselvollen, der verdienten Krönung entbehrenden Leben ausströmte, ging eine für die humanistischen Studien grundlegende Herausgebertätigkeit parallel. A. war wohl auch der erste, der diesseits der Alpen die Lukianischen Dialoge eingehender bekanntmachte; er las bereits 1507 über die Totengespräche Lukians, die pseudolukianische Cebestafel und die Germania des Tacitus.

  • Werke

    Weitere W Carmina Aesticampiani (mit d. „Versiculi Theodorici Gresmundi“), Straßburg 1502;
    Epigrammata Joh. Ae. (mit Carmen Huttens), Leipzig 1507;
    Modus epistolandi, Wien 1515;
    Hymnus in laudem Barbarae, o. O. u. J.; Hrsg.
    Grammatica Martiani foelicis Capelle (mit empfehlenden Distichen Huttens), Frankfurt/O. 1507;
    Tabula Cebetis (mit Huttens De virtute), Frankfurt/O. 1507;
    Septem divi Hieronymi epistolae… cum Joh. Ae. carmine (mit zehn Distichen Huttens), Leipzig 1508;
    C. Plinii Secundi Veronensis ad Titum Vespasianum in Libros naturalis historiae Epistola cum praefatione J. A. Rhetoris et poetae Laureati, ebenda 1508;
    Germania des Tacitus, ebenda 1509;
    Augustini libellus de vita Christiana, Leipzig 1518; u. a.

  • Literatur

    ADB I;
    E. Boecking, Ulrichi Hutteni operum supplementum II, 1, 1870, S. 294-96 (W);
    Goedeke I, 1884, S. 419 (W); die ältere L bei:
    G. C. Knod, Dt. Studenten in Bologna 1289-1562, 1898; die neuere L
    bei: H. Rupprich, Der Briefwechsel d. K. Celtis, Humanistenbriefe, hrsg. v. d. Bayer. Ak. d. Wiss., III, 1934, S. 401;
    H. Grimm, Ulrichs v. Hutten Universitätsjahre u. Jugenddichtungen, 1938, S. 84, 119, 127;
    eigene archival. Studien.

  • Autor/in

    Heinrich Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Heinrich, "Aesticampianus, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 92-93 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100076386.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Aesticampianus: Joh. Rhagius A., eigentlich Rack von Sommerfeld, geb. 1460, 1520, studirte in Italien, wo er den Unterricht des berühmten Philipp Beroaldus empfing und sich mit Jacob Questemberg, einem in Rom zu hohen Ehren gekommenen Deutschen, befreundete, durch dessen Vermittlung er vielleicht auch den Dichterlorbeer vom Papste erhielt. Von dort ging er nach Frankreich und kehrte von da, um die Wende des Jahrhunderts, nach Deutschland zurück, wo er im Laufe eines Jahrzehnts eine große Anzahl von Städten und Universitäten besuchte, überall die neuen Studien mit großem Eifer verbreitend und auch den Kampf mit den Anhängern der alten Richtung nicht scheuend. So lehrte er in Freiburg, wo er auch vom Kaiser den poetischen Lorbeerkranz erhielt, in Speier, in Köln, — von einer Vertreibung aus dieser Stadt erzählt man wol, aber mit Unrecht — in Basel, Krakau, Frankfurt a. O., Leipzig. Hier kam es doch zu einem feindlichen Zusammenstoß. Nachdem nämlich A. einige Jahre eifrig gelehrt, bewirkten die Gegner, die schon lange feindselige Absichten gehegt hatten, nach einer sehr heftigen Rede Aesticampianus', daß Herzog Georg von Sachsen der Vertreibung des kühnen Professors seine Billigung ertheilte. Welchen Eindruck diese Vertreibung machte und welche Bedeutung man ihr beilegte, zeigt der Umstand, daß der ganze Vorgang eine ausführliche Beschreibung in den Dunkelmännerbriefen erhielt. Von Leipzig ging A. nach Freiberg, wo damals eine lateinische Schule in hoher Blüthe stand, von da wurde er nach Wittenberg berufen. Hier schloß er sich eng an Luther und Melanchthon an und scheint, selbst zu deren Verwunderung, die theologische Richtung immer mehr verfolgt zu haben. Aesticampianus' Bedeutung liegt vor Allem in seiner Lehrthätigkeit, denn seine schriftstellerische war nicht groß, und was er schrieb ist so überaus selten, daß wir es fast nur aus bibliographischen Anführungen kennen.

    • Literatur

      Joh. Alb. Fabricii Biblioth. latina medii et infimi aevi Tom. VI. p. 198 ss. Erhard, Gesch. des Wiederaufblühens der Wissensch. III. S. 287 f. Böcking, Hutteni Opera, Supplementum Tom. II. 293 ss.

  • Autor/in

    Geiger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Ludwig, "Aesticampianus, Johannes" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 133-134 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100076386.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA