Lebensdaten
1894 bis 1959
Geburtsort
Lemberg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Osteuropaforscher ; lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119211807 | OGND | VIAF: 19791544
Namensvarianten
  • Koch, Hans
  • Coch, Hans

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Koch, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119211807.html [17.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    Vorfahren waren 1782 nach Galizien eingewanderte Pfälzer Kolonisten; V Jakob, Postbeamter;
    M Therese Schäfer;
    1934 Ruth Hoffmann; 1 Adoptiv-T.

  • Leben

    K. besuchte das deutsche Staatsgymnasium in Lemberg und begann 1912 das Theologie- und Philosophiestudium in Wien, das 1914-21 durch Teilnahme am 1. Weltkrieg, am polnisch-ukrainischen Kriege und durch sowjetrussische Gefangenschaft unterbrochen wurde. Der Kirchenhistoriker Karl Völker und Hans Uebersberger, der Begründer der Wiener Schule der Osteuropaforschung, waren seine bevorzugten Lehrer. Nach Abschluß des Theologiestudiums und Ordination (1923) trat K. in den Dienst der Evangelischen Kirche Österreichs. 1924 erfolgte die Promotion zum Dr. phil., 1927 die zum Dr. theol.; 1929 erhielt er eine Dozentur für Kirchengeschichte an der theologischen Fakultät in Wien. Studienreisen führten ihn in alle osteuropäischen Länder, in orthodoxe Klöster des Balkans, nach Konstantinopel, zum Berg Athos, die längste 1931 an das Päpstliche Orientalische Institut in Rom. Es folgten Berufungen auf die Lehrstühle für Kirchengeschichte in Königsberg (1934) und für osteuropäische Geschichte in Breslau (1937) und Wien (1940). Unterbrochen wurde die Lehrtätigkeit durch Teilnahme am 2. Weltkrieg. Eineinhalb Jahre lang weilte K. als Gastprofessor sowie Gründer und Leiter des dortigen Deutschen Wissenschaftlichen Instituts an der Universität Sofia. Nach Kriegsende und Jahren als Geistlicher in Aich-Assach (Steiermark, 1945–51) folgte er einem Ruf nach München, wo er 1952 das Osteuropa-Institut gründete, seit 1953 als Honorarprofessor an der Universität und Professor an der Hochschule für Politische Wissenschaften wirkte und 1958 auf den Lehrstuhl für Gesellschaft und Politik Osteuropas an der Universität berufen wurde.

    Der Ertrag der wissenschaftlichen Lebensarbeit K.s liegt weniger auf dem Gebiete osteuropischer Profangeschichte, so sehr er diese, unter anderem durch Wiederaufnahme der Herausgabe der „Jahrbücher für Geschichte Osteuropas“ und die „Veröffentlichungen des Osteuropa-Instituts München“, auch förderte. Er liegt auf dem Gebiete der Erforschung der orthodoxen slawischen Kirchen und der katholischen wie evangelischen Einflüsse auf diese. K. stellte die Geschichte der von Byzanz her geprägten orthodoxen Kirchen der Ost- und Balkanslawen gleichberechtigt neben die von Rom und Wittenberg beziehungsweise Genf geprägte Geschichte der christlichen Kirchen des Abendlandes. Osteuropäische Kirchengeschichte war für ihn „Geschichte des hellenistischen Geistes in der slawischen Welt“. Seit 1925 war er engster Mitarbeiter Theodor Zöcklers in der evangelischen Bewegung unter den Ukrainern, 1936 begründete er den „Kyrios, Vierteljahresschrift für Kirchen- und Geistesgeschichte Osteuropas“, die bislang einzige protestantische Zeitschrift zur Erforschung der Probleme der griechisch-orthodoxen Kirche. Für die geistige Ausdeutung Osteuropas in der Gegenwart war für K. der russische Bolschewismus zum Zentralproblem geworden, dem er eine Vielzahl von Studien und Arbeiten widmete. Er war Leiter der 1957 ins Leben gerufenen „Wissenschaftlichen Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte“, wissenschaftlicher Berater der Bundesregierung in Ostfragen und als solcher 1955 Begleiter Adenauers auf der Reise nach Moskau. K. hat sich auch als Übersetzer ukrainischer Lyrik einen Namen gemacht.

  • Werke

    Weitere W u. a. Katholizismus u. Protestantismus in d. russ. Orthodoxie d. petrin. Za., 1929;
    Das kirchl. Ostproblem, 1931;
    Gesch. d. Slawen, in: Propyläen-Weltgesch., 1938/39;
    Kleine Schrr. z. Kirchen- u. Geistesgesch. Osteuropas, 1962 (P).

  • Literatur

    G. Stöckl, in: Jbb. f. Gesch Osteuropas 7, 1959, H. 2 (W-Verz. [127 Titel], P);
    ders., in: HZ 190, 1960, S. 247 f.;
    O. Wagner, in: Kyrios NF H. 1, hrsg. v. P. Meinhold, 1960.

  • Autor/in

    Oskar Wagner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagner, Oskar, "Koch, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 263 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119211807.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA