Lebensdaten
1749 bis 1816
Geburtsort
Rudolstadt
Sterbeort
Rudolstadt
Beruf/Funktion
Musiker ; Komponist ; Musiktheoretiker ; Musikschriftsteller
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118777602 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koch, Heinrich Christoph
  • Koch, H. Ch.
  • Koch, Heinrich C.
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Zitierweise

Koch, Heinrich Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777602.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Nicol, fürstl. Kammerdiener u. -musiker, S e. fürstl. Musikers;
    M Marie Catharina (* 1728), T d. Beutlermeisters Joh. Martin Baumgarten in|R.;
    1778 Euphrosyne Henr. Cordula, T d. Amtsverwesers Joh. Georg Sommer in Coburg;
    3 S, 1 T, u. a. Joh. Benjamin (1779–1864), Instrumenlist d. fürstl. Kapelle.

  • Leben

    Den ersten Musikunterricht erhielt K. von seinem Vater. 1763 oder 1764 trat er in die Hofkapelle als Spieler der 2. Violine ein. Für die weitere Ausbildung sorgten die Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt. Der Rudolstädter Kapellmeister Christian Scheinpflug unterrichtete ihn in Komposition, doch blieb der Unterricht durch die angegriffene Gesundheit des Lehrers in engen Grenzen, was K. durch autodidaktische Weiterbildung ausglich. Seine Gönner ließen ihn auch ½ Jahr lang von dem Weimarer Konzertmeister Gottlieb Göpfert im Violinspiel unterweisen. Studienreisen, ebenfalls von den Fürsten gefördert, führten ihn nach Berlin, Dresden (1773) und Hamburg. 1772 wurde er zum Hofmusikus und 1778 zum Kammermusiker ernannt. 1792 wurde er Leiter der Hofkapelle, ging jedoch nach gut einem Jahr auf eigenen Wunsch als „1. Vorspieler an der Violine“ ins Orchester zurück, um mehr Zeit für seine musiktheoretischen Arbeiten zu haben. Während das kompositorische Werk K.s, soweit es gesichert ist, dem Durchschnitt der Zeit entspricht, wurden seine musiktheoretischen Werke bald weithin anerkannt. Heute stellen seine Schriften nicht nur die wichtigsten Quellenwerke zur Musik jener Zeit dar, sondern haben das musiktheoretische Denken des 19. und 20. Jahrhunderts entscheidend beeinflußt. Das von ihm entwickelte Begriffsinstrumentarium wurde in den folgenden Jahrzehnten aufgegriffen und ausgebaut. In seiner Kompositionslehre verbindet K. ästhetische Kategorien seiner Zeit („Kunstgefühl, Geschmack, Genie“) mit den lehrbaren Elementen der Musik. Dabei knüpft er noch einmal an die rhetorische Tradition an, lehnt aber ausdrücklich die Bindung an die Vokalmusik ab. Für ihn behandelt Harmonie(lehre) den grammatischen, Melodie(lehre) den poetischen und Kontrapunkt sowie geschlossene Kompositionen den rhetorischen Aspekt der Musik. Seine Idee einer natürlichen Gesetzmäßigkeit der Musik gipfelt in dem für seine Zeit singulären Begriff der „Logik des Satzes“.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Schwed. Ak. (1818, postum).

  • Werke

    Schrr.: Versuch e. Anleitung z. Komp. 3 T., 1782/87/93, Nachdr. 1969;
    Musikal. Lex. 1802, 21817, Nachdr. 1964, Auszüge daraus als Kurzgefaßtes Hdwb. d. Musik f. prakt. Tonkünstler u. f. Dilettanten, 1811 (dän. hrsg. v. H. C. F. Bassen, 1826), Neubearb. v. A. v. Dommer, 1865;
    Hdb. b. Studium d. Harmonie, 1811 (Neubearb. d. Versuch …, T. 1, s. o.);
    mehrere Abhh. in Zss. -
    Hrsg.: Journal d. Tonkunst, 1795 (nur 2 Nrr. ersch.).

  • Literatur

    ADB 16;
    H. Riemann, Gesch. d. Musiktheorie im IX.-XIX. Jh., 21920, S. 500 ff.;
    A. Feil, Satztechn. Fragen i. d. Komp.lehren v. F. E. Niedt, J. Riepel u. H. Ch. K., Diss. Heidelberg 1955 (ungedr.);
    P. Benary, Die dt. Komp.lehre d. 18. Jh., 1961;
    F. Rietzel, Die Entwicklung d. „Sonatenform“ im musiktheoret. Schrifttum d. 18. u. 19. Jh., 1968, 31974;
    R. Pečman, Die Musik in d. Auffassung H. Ch. K.s, in: Sborník prací filosofické faculty brnĕnske univ. 20, H. 6, 1971;
    MGG VII (W, L);
    Riemann u. Erg.bd. (W, L).

  • Autor/in

    Gerhard Schuhmacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Schuhmacher, Gerhard, "Koch, Heinrich Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 263 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777602.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Koch: Heinrich Christoph K., geb. den 10. October 1749 in Rudolstadt, ebendaselbst den 12. März 1816 als Kammermusikus. Sein Vater, welcher bei dem Fürsten Johann Friedrich Kammerdiener und zugleich Mitglied der fürstlichen Kapelle war, ertheilte ihm den ersten Unterricht in der Musik: später wurde er auch in der Compositionslehre vom Kapellmeister Scheinpflug unterwiesen. Eine Universität konnte er wegen seiner dürftigen Verhältnisse nicht besuchen, doch hat er später vieles Versäumte mit unermüdlichem Fleiße nachzuholen sich bemüht. Dazu kam, daß er in seiner weiteren Ausbildung in der Tonkunst von dem Fürsten und dessen beiden Nachfolgern dadurch sehr gefördert wurde, daß sie ihn auf Reisen sandten (nach Leipzig und Dresden), außerdem ihn bei dem damals berühmten Concertmeister Göpfert in Weimar besonders im Violinspiel unterweisen ließen. Sein großer Fleiß zeigte sich bald durch vielfache Compositionen für Hoffeierlichkeiten (Geburtstag- und Trauercantaten). Er zeigte jedoch mehr Neigung für Theorie der Tonkunst und hat nach dieser Richtung hin durch Herausgabe vieler Werke auch das Meiste genützt. Hervorzuheben sind unter seinen Werken „Versuch einer Anleitung zur Composition", 1782—93, 3 Theile; sein „Musikalisches Lexikon" etc., welches bald nach seinem Erscheinen verdientes Aufsehen erregte; „Kurzgefaßtes Handwörterbuch der Musik“, 1807; „Handbuch beim Studium der Harmonie“, 1811. Zwei Jahre nach seinem Ableben wurde K. von der königlich schwedischen Akademie der Musik zu Stockholm, welche wahrscheinlich seinen Tod nicht erfahren hatte, vermittelst Diploms zu ihrem Mitgliede ernannt. Seine litterarischen Arbeiten finden sich vollständig verzeichnet in Hesse, Verzeichniß schwarzburgischer Gelehrten etc., 8. St.; Rudolstädter Schulprogramm von 1814, wonach manche Angaben in Gerber's musikalischem Lexikon der Tonkünstler, 1813, 3. Bd., zu berichtigen sind.

    • Literatur

      Vgl. außerdem Schilling's Encyklopädie der gesammten musikal. Wissenschaften, 4. Bd.; Allgem. musikal. Zeitung, Jahrg. 1820 Nr. 8; Meusel's gel. T.

  • Autor/in

    Anemüller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Anemüller, Ernst, "Koch, Heinrich Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 383 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777602.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA