Lebensdaten
1798 bis 1864
Geburtsort
Tübingen
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
lutherischer Liederdichter ; Hymnologe ; Gründer des ersten Tierschutzvereins in Deutschland
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118723642 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Knapp, Albert

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Zitierweise

Knapp, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723642.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gottfried Gabriel (1764–1828), Dr. iur., Hofgerichtsadvokat in T., 1800 Oberamtmann, Kloster- u. Forstverwalter in Alpirsbach, dann Oberjustizrat in T. (s. Jöcher VII), S d. Hofmeisters Ernst Eberhard auf d. Hof Einsiedel im Schönbuch u. d. Tabitha Schwarz;
    M Henriette (1775–1827), T d. Hofkammerrats Georg Jakob Finckh (1728–1803) in St. u. d. Christiane Karoline Heller;
    Ur-Gvv Joh. Stephan Schwarz (1679–1740), württ. GR, Obervogt zu Bebenhausen;
    Ov Gotthold v. K. (1750-1832), württ. Hof- u. Finanzrat, Reg.rat;
    B Hermann (1801–59), Dir. d. Stud.rats in St., Hrsg. jur. Werke;
    - 1) Stuttgart 1828 Christiane (1806–35), T d. württ. Gen.-Majors Franz v. Beulwitz u. d. Karoline v. Stetten, 2) ebd. 1836 Emilie (1809–49). Wwe d. Pfarrers Karl August Osiander, T d. Oberstetierrats Wilh. Frdr. Hoffmann in St. u. d. Elisabeth Magdalene Epplen, 3) Untertürkheim 1850 Minette (1815–97), T d. Rektors Joh. Ludwig Lerche in Schöppenstedt u. d. Auguste Schneider;
    1 T aus 1), 3 S, 1 T aus 2);
    1 Stief-T Emilie Osiander (1835–1908), Lehrerin, Mitgründerin d. Stadtmission in Berlin, gab Gedichte K.s heraus.

  • Leben

    Das Elternhaus und die Atmosphäre des gebildeten Bürgertums wecken in K. die Liebe zur Geschichte. Er faßt, zunächst ohne eigenen inneren Antrieb, den Entschluß, Theologie zu studieren und tritt im September 1816 als Zögling in das Tübinger Stift ein. Es entstehen lateinische und deutsche Gedichte sowie dramatische Fragmente. Klopstock und Schiller, später Goethe, Shakespeare, Uhland und vor allem Jean Paul wirken als Vorbilder und werden nachgeahmt. Diese frühen Versuche lassen eine gute Einfühlungsgabe und ein beachtliches stilistisches Talent erkennen, eine wirklich eigenständige künstlerische Begabung tritt aber kaum zutage. – K. tritt im November 1820 in den Dienst der Württembergischen Landeskirche. 1825 wird er Pfarrer in Sulz (Neckar), 1831 in Kirchheim (Teck) und 1836 – in Nachfolge Gustav Schwabs – in Stuttgart. Hier trifft er Ludwig Hofacker, den Prediger der Erweckungsbewegung in Württemberg, und erlebt selbst eine Erweckung. Der geistliche Beruf wird ihm nun innerstes Herzensanliegen. – Die neuen, mühelos und zahlreich entstehenden geistlichen Gedichte, ab 1829 als „Christliche Gedichte“ (4 Bände) und 1864 als „Geistliche Lieder“ veröffentlicht, finden großen Anklang und werden noch nach dem Tode K.s aufgelegt. Sie wollen einer wahren Christusfrömmigkeit dienen; aufgrund der Verbindung zum Missionshaus in Basel entstehen auch Missionslieder. Dichtung wird von K. nie als reine Kunst, sondern immer als Aufruf zu einem höheren Ziel verstanden. Die Gedichte sind oft pathetisch oder lehrhaft-didaktisch und behandeln dogmatische Glaubenssätze; Vorbilder sind Luther und Paul Gerhardt, ganz allgemein die Sprache der Bibel; die Anklänge stellen sich wie von selbst ein. Demgegenüber treten die übrigen literarischen Arbeiten K.s mit ihren historischen und patriotischen Themen und die vielen Gelegenheitsgedichte in den Hintergrund; zu nennen ist die Herausgabe von „Christoterpe. Ein Taschenbuch für christliche Leser“ (21 Jahrgänge, 1833–53), das vor allem biographische Skizzen enthält.

    K.s größte Bedeutung liegt in seiner Arbeit als Hymnologe. Er sammelt Kirchenlieder zu einem Nationalgesangbuch der Deutschen und gibt sie in seinem „Evangelischen Liederschatz“ (1837, 2 Bände, 21850, 31865, 41891) heraus. In weiteren Sammlungen werden unter anderem die geistlichen Gedichte Gottfried Arnolds (1845) und des Grafen Zinzendorf (1845) herausgegeben. K. ändert die Verse älterer sowie zeitgenössischer Dichter oft einschneidend und radikal entsprechend seinem Verständnis vom „Bedürfnis der Zeit“, manche Strophen sind freie Nachdichtungen des Originals. Biblische und dogmatische Ausdrücke, Wortprägungen der Erweckungsbewegung werden eingefügt. Die Änderungen entbehren zum Teil der wirklichen Begründung; K. wird deshalb heftig angegriffen, besonders von Wackernagel. Am „Gesangbuch für die Evangelische Kirche in Württemberg“ (1841) hat K. von Anfang an entscheidend mitgearbeitet; er hat dadurch das Liedgut dieser Kirche für lange Zeit mitgeprägt.

  • Werke

    Weitere W Hohenstaufen (Lieder u. Gedichte), 1839;
    Ansichten üb. d. Gesangsbuch-Entwurf f. d. ev. Kirche Württembergs, …, Zugl. e. Btr. z. dt. Hymnol., 1840;
    Christl. Lieder, Eine Ausw. geistl. Gesänge aus älterer u. neuerer Zeit, 1841 (Bearb);
    Gedichte, Neueste Folge, 1843;
    Leben v. Ludwig Hofacker, 1852;
    Gedichte (Ausw. in 1 Bd.), 1854;
    Lb. v. A. K., Eig. Aufzeichnungen, fortgeführt u. beendigt v. S Joseph Knapp, 1867;
    Lieder e. Verborgenen, 1858;
    Herbstblüten (Gedichte), 1859;
    Bilder d. Vorwelt, 1862;
    H. J. Koenens, Christl. Heidenbote, dt. 1862;
    Ges. prosa. Schrr., 2 Bde., 1870-75. -
    Nachaß: Marbach, Dt. Lit.archiv.

  • Literatur

    ADB 16;
    Koch VII, S. 213 f.;
    Martin Knapp, A. K. als Dichter u. Schriftsteller, mit e. Anhang unveröff. Jugendgedichte, 1912 (W-Verz., P);
    H. Hermelink, Gesch. d. Ev. Kirche in Württemberg v. d. Ref. b. z. Gegenwart, 1949, S. 370-73;
    J. Roessle, Von Bengel bis Blumhardt, Gestalten u. Bilder a. d. Gesch. d. schwäb. Pietismus, 1959, S. 340-52 (W, L, P).

  • Autor/in

    Gerhard Schäfer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schäfer, Gerhard, "Knapp, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 153-154 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723642.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Knapp: Albert K., geb. am 25. Juli 1798 in Tübingen (O. A. Freudenstadt, Württemberg), in Stuttgart am 18. Juni 1864, bekannt als Dichter und Hymnologe, sowie als Kanzelredner und Theologe, Sohn des Oberamtmann K. und der Ludovika geb. Finckh. Das romantische, an großartigen Naturschönheiten reiche Schwarzwaldthal, in welchem er seine Jugendjahre zubrachte, das uralte Kloster, architektonisch hochinteressant, durch alte Grabmonumente merkwürdig, machte einen tiefen bleibenden Eindruck auf das phantasievolle Gemüth des Knaben und ist für die Entwickelung seiner poetischen Anlage bedeutungsvoll gewesen. Nachdem er den gewöhnlichen Bildungsgang der württembergischen Theologen (niederes, höheres Seminar) durchgemacht, und einige Jahre Vicariatsdienste geleistet hatte, wurde er 1825 Diakonus in Sulz, 1831 in Kirchheim U/T., wo er an der frommen, durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannten Herzogin Henriette von Württemberg eine eifrige Gönnerin fand, 1836 Diakonus an der Hospitalkirche in Stuttgart, 1839 Archidiakonus an der Stiftskirche, 1845 Stadtpfarrer an der Leonhardskirche, welche Stelle er bis zu seinem Tode bekleidete. Während seiner Vicariatsjahre hatte er sich mit voller Entschiedenheit der streng gläubigen Richtung zugewandt, deren Hauptvertreter und damals hervorragendster Führer sein Altersgenosse Ludwig Hofacker war (s. Bd. XII S. 553), dieser Richtung ist er stets treu geblieben, war eines der Häupter der pietistischgesinnten evangelischen Geistlichkeit Württembergs, war auch Mitleiter der Predigerconferenz in Stuttgart, ohne indessen in beschränkte Einseitigkeit zu verfallen. In Stuttgart genoß er als markiger, durch Gedankenreichthum und ächte Frömmigkeit ausgezeichneter Prediger hohes und wohlverdientes Ansehen. Das Hauptfeld seiner Thätigkeit und Bedeutung lag aber nicht auf wissenschaftlichtheologischem oder kirchlichem Gebiet, sondern in seiner reichen poetischen Begabung und in seinen hymnologischen Forschungen. K. war ein ungemein fruchtbarer Dichter, dem eine reiche schwungvolle Phantasie, eine große Leichtigkeit in der Behandlung des Verses, eine Fülle von Gedanken und Gleichnissen|zu Gebote stand. Sein für alles Große und Edle in Natur und Geschichte aufgeschlossener Sinn, seine vielseitigen auf die verschiedensten Gebiete sich erstreckenden, durch gründliche Studien, wie durch Reisen und Umgang mit bedeutenden Männern (Arndt, Rückert, G. Schwab, Pyrker, Lenau, Anastasius Grün) immer genährten Kenntnisse, sein lebhaftes Interesse an den religiösen und politischen Fragen des Tages führten ihm den verschiedensten Stoff zu, sodaß seine Gedichte den mannichfachsten Inhalt tragen, wie er denn auch Familienfeste, Gedenktage, Todesfälle von Freunden und Verwandten durch poetische Spenden verherrlichte. Scherz und Ernst standen ihm dabei in gleichem Maße zu Gebote, Gemeines und Frivoles findet sich nie in seinen Gedichten. Die Natur, die Geschichte, besonders die vaterländische, am meisten die Religion, das Christenthum sind die drei Quellen, aus welchen seine Poesie ihre Nahrung schöpfte; es war nur eine Consequenz seiner entschieden religiösen Weltanschauung, daß seine Gedichte, auch die weltlichen Inhalts, diese Färbung tragen und zur Verherrlichung Christi dienen sollten. Geschmack und solide Bildung bewahrten ihn vor Einseitigkeiten, und wenn der Schwung seiner Gedanken, der Flug der Phantasie hier und da dem Inhalt Eintrag that, wenn bei seiner großen Productivität auch Mittelgut mit einfloß, so ist K. doch durch den Wohlklang der Sprache und der Verse, durch seine Frische und Lebendigkeit, durch das Pathos und den Ernst seiner Diction, wie durch den Gedankenreichthum seiner Gedichte, einer der bedeutendsten schwäbischen Dichter dieses Jahrhunderts: von seinen religiösen und kirchlichen Liedern, in welchen er den Ton des Erbaulichen und des für den Gottesdienst Geeigneten sehr gut zu treffen verstand, sind einige in das württembergische und in andere evangelische Gesangbücher übergegangen. In den Jahren seines inneren religiösen Kampfes hatte er zwei dicke Bände Gedichte im Manuskript verbrannt (geopfert, wie er sagte), später entschloß er sich zur Herausgabe verschiedener Sammlungen. 1829 erschienen: „Christliche Gedichte", Bd. I. II.; „Neue Gedichte" (Bd. III u. IV), 1834; neueste Folge (Bd. V), 1845; eine Auswahl seiner Gedichte gab er heraus 1854. Einen naheliegenden vaterländischen Stoff behandelt er in: „Hohenstaufen, ein Cyklus von Liedern und Gedichten", 1839, die Thaten und Kunstschöpfungen des Heidenthums besang er in: „Bilder der Vorwelt", 1862. Dem Abend seines Lebens gehören an: „Herbstblüthen“, 1859; eine Auswahl seiner geistlichen Lieder erschien 1864 nach seinem Tode. Sehr hervorragend sind seine hymnologischen Studien, bei welchen ihn neben der eigenen poetischen Begabung gediegene Musikkenntnisse unterstützten; sein Hauptwerk in dieser Hinsicht ist sein „Evangelischer Liederschatz für Kirche und Haus“, 1837, 3. Aufl. 1865, mit großer Sorgfalt und unendlichem Fleiße aus unzähligen Gesang- und Gedichtbüchern gesammelt und geschmackvoll geordnet; K. hielt sich bei der Auswahl an das Bekannteste und Beste, war nicht kleinlich bei der Wiedergabe und ließ den erbaulichen Zweck vorwiegen über den ursprünglichen Wortlaut, sodaß ein schönes Maß von pietätsvoller Treue gegen die Originalien und gesunder Anpassung an den modernen Geschmack sich kund gibt. Die „Christenlieder“, 1841, eine Ergänzung des Liederschatzes, wurden in den späteren Auflagen mit demselben verschmolzen. 1849 wurde er Mitglied der Commission für die Herausgabe eines neuen Gesangbuchs in Württemberg, 1843 gab er mit Barth in Calw und Palmer in Tübingen ein Schulgesangbuch heraus. Seine Forschungen in den Liedersammlungen der letzten zwei Jahrhunderte veranlaßten ihn zur Herausgabe von: „Gottfried Arnold's geistliche Lieder", 1845, und „Geistliche Lieder von Zinzendorf nach den Originalien herausgegeben“, 1845; „Oesterreichische Exulantenlieder aus der Zeit des 30jährigen Krieges“, 1861; auch die Herausgabe von Dichtungen jüngeren Datums wurde seiner sorgsamen und|fleißigen Hand anvertraut, so von Puchta 1860. Von dem geschätzten württembergischen Theologen C. Chr. Steinhofer gab er eine Sammlung neuer Predigten über die Evangelien und evangelischen Glaubensgrund 1846 heraus. 1862 übersetzte er das Gedicht des Holländers H. J. Könen: Der christliche Heidenbote, ins Deutsche. Ein schönes Zeugniß inniger Freundschaft und seiner Charakteristik ist das Leben Ludw. Hofacker's, das er 1852 publicirte, nach den genauesten Quellen bearbeitet (3. Aufl. 1872). Endlich ist K., dessen Fleiß nicht Kränklichkeit, auch nicht ein schweres Augenleiden, in Folge dessen das rechte Auge erblindete, hemmte, der Herausgeber der Christoterpe, eines christlichen weitverbreiteten Taschenbuchs und Almanachs, zu welchem die bedeutendsten Schriftsteller, welche der positiv gläubigen Richtung angehörten, Beiträge lieferten und das von 1832—53 erschien. — K. war drei Mal verheirathet, erstens mit Christiane v. Beulwitz, 11. April 1835; zweitens 1836 mit Amalie Geiger, 20. Sept. 1849; drittens am 14. Nov. 1851 mit Minette Lerche, eine zahlreiche Kinderschaar füllte das Haus; der älteste Sohn hat das Leben seines Vaters geschildert in: Lebensbild von A. Knapp, eigene Aufzeichnungen fortgeführt und beendigt von seinem Sohne Joseph K., 1867. Gerok, A. Knapp, ein Vortrag, 1880.

    • Korrektur

      |geb. in Tübingen (st. in Alpirsbach) nach seiner von Jos. Knapp herausgeg. Selbstbiographie.

  • Autor/in

    Theodor , Schott.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schott, Theodor, "Knapp, Albert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 263-265 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118723642.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA