Lebensdaten
1773 bis 1850
Geburtsort
Innsbruck
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Graveur ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 130210196 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klieber, Josef

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Zitierweise

Klieber, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130210196.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Urban (1741–1803), Bildhauer u. -Schnitzer (s. ThB), S d. Bartholomäus (1698–1770), Bildschnitzer, Tischlermeister u. Gastwirt in Telfs u. d. Maria Streng;
    M Maria Elisabeth (v. 1755-n. 1773), T d. Josef Schillger in Hall/Tirol u. d. Anna Susanna Rainer;
    Wien 1799 Theresia (1777–1843), T d. Friseurs Joh. Michael Raspacher in W. u. d. Sofie Wiser;
    14 K, u. a. Eduard (1808|-79), Maler u. Lithograph (s. ÖBL; ThB), Rosalia (⚭ Carl Peter Goebel, 1794–1823, Historienmaler, s. ThB);
    E Carl Goebel (1824–99), Maler u. Lithograph (s. ThB).

  • Leben

    Die Grundausbildung K.s erfolgte zunächst im Zeichenunterricht der Innsbrucker Hauptschule und in der Werkstatt seines Vaters. 1792 ging K. nach Wien, wo er sich mehrere Jahre mühsam mit untergeordneten kleinplastischen Arbeiten durchschlug. Gehilfentätigkeit bei J. Schroth und später bei Johann Martin Fischer markierte seinen beginnenden Aufstieg und verbesserte seine materielle Lebensbasis. Daneben besuchte K. die Akademie. Die wechselvolle Ausbildung verschaffte ihm technische Gewandtheit und sicheres Gefühl für dekorative Wirkung und Komposition. Auch wurde K. davor bewahrt, sich auf ein bestimmtes Vorbild zu fixieren. Gegen 1810 machte er sich selbständig und erhielt zunehmend Aufträge, meist bauplastischer Natur. Sein Hauptförderer war Fürst Johann I. von Liechtenstein, für dessen Landschlösser und Lustbauten K. zahlreiche Werke schuf. Im Zuge dieser Tätigkeit kam er in engeren Kontakt zu dem Architekten Josef Kornhäusel, der K. nun regelmäßig für die plastische Ausschmückung seiner Bauten heranzog. Die dominierende Rolle Wiens als Kunstzentrum der Donaumonarchie bewirkte, daß sich K.s Werke auf Österreich, Böhmen und Ungarn verteilten. 1814 wurde K. zum Direktor der „Erzverschneidungs(das ist Graveur)-Schule“ an der Wiener Akademie bestellt. Trotzdem blieb er in erster Linie Bildhauer; gelegentlich führte er sogar Wandmalereien in Grisailletechnik aus. K. wurde zum bedeutendsten Plastiker des vormärzlichen Wien. In seinem Atelier lernten neben anderen Franz Bauer, Anton Dietrich, István Ferenczy und Johann Feßler. Der Anteil der Werkstatt an den größeren Arbeiten ist bislang nicht genau abzugrenzen. Eine kritische Bearbeitung des Oeuvres, die den europäischen Rang des Künstlers zu belegen hätte, steht noch aus. Der in der Literatur häufig überbewertete Einfluß Canovas beschränkte sich auf ikonographische und typenmäßige Anregungen. Auf dem Nährboden der Wiener Tradition entwickelte K. daraus eine eigene, ruhigere Formensprache mit weicher Modellierung und menschlichsensitiven Stimmungselementen. Bezeichnenderweise bevorzugte er als Material neben weißem Marmor den weicheren und in der optischen Wirkung wärmeren Sandstein. Dieser vorzüglich auf das verhaltene Repräsentationsbedürfnis des Biedermeier abgestimmte Stil läßt K. in Parallele zu seinem Generationsgefährten Thorvaldsen erscheinen. Weit mehr als bloßer Klassizist, war K. Romantiker im weiteren Sinn, der Anschluß an die großen Leistungen der Kunst um Georg Raphael Donner fand und barocke Formqualitäten ins 19. Jahrhundert hinübertrug, wo sie den aufstrebenden Historismus befruchteten. Echt romantisch war auch das kühne Vorhaben, ein Kolossalporträt von Kaiser Franz I. in die Felsen des Schneebergs zu meißeln, das gleichsam die Idee des Mount Rushmore Memorial um 100 Jahre vorwegnahm, aber nicht verwirklicht wurde. K.s Hauptwerke liegen vor allem auf dem Gebiet des Reliefs und der monumentalen, in antikischem Faltengewand erscheinenden Einzelfigur.

  • Werke

    Weitere W u. a. Giebelreliefs d. Husarentempels b. Mödling, 1814;
    Giebelgruppe d. TH Wien, 1816-18;
    Plastiken f. d. (jetzt zerstörte) Weilburg b. Baden, 1821-23;
    Apollo u. d. Musen, Albertina, Wien, 1823 f.;
    Reliefs in d. Bibl. d. Schottenstifts, Wien, 1830 f.;
    Kaiserdenkmal in Klausenburg (Cluj), 1831;
    Statue v. Franz I., Festsaal d. TH Wien, 1837-42;
    zahlr. Fassadenreliefs bes. an Wiener Bürgerhäusern;
    Porträtbüsten;
    Grabmäler;
    Plastiken d. Esterházy-Gruft, Nagyganna, zw. 1816/25;
    Andreas-Hofer-Relief, Hofkirche, Innsbruck, 1834-37. -
    Monumentalmalereien: Bibl. d. Erzabtei Pannonhalma, 1829;
    Habsburgersaal d. Franzensburg, Laxenburg, 1830-32;
    Festsaal d. TH Wien, 1837-39. - Zeichnungen
    in d. Albertina u. d. Ak. d. bildenden Künste, Wien.

  • Literatur

    ADB 16;
    A. Weißenhofer, J. K., Diss. Wien 1918 (Versuch. e. W-Verz.; ungedr.)
    ;
    L. Fülep (Hrsg.), A magyarországi müvészet története, 1956, 51970;
    R. Feuchtmüller u. W. Mrazek, Biedermeier in Österreich, 1963;
    M. Poch-Kalous, J. K.s Zeichnungen z. Zyklus d. Musen im Studiensaal d. Albertina, in: Albertina-Stud. II/1964, H. 3, S. 76 ff.;
    W. Wagner, Die Gesch. d. Ak. d. bildenden Künste in Wien. 1967;
    M. Poch-Kalous u. a., Gesch. d. bildenden Kunst in Wien: Plastik in Wien, 1970;
    R. Feuchtmüller, Kunst in Österreich II, 1973;
    H. Schöny, Wiener Künstler-Ahnen II, 1975;
    ThB;
    ÖBL.

  • Portraits

    Ölgem. v. A. Einsle, 1844 (Wien, Ak. d. bildenden Künste);
    Punktierstich v. F. Stöber (nach J. Danhauser), 1837;
    Lith. v. C. Goebel, 1846.

  • Autor/in

    Walter Krause
  • Empfohlene Zitierweise

    Krause, Walter, "Klieber, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 64 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130210196.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Klieber: Josef K., Bildhauer, geb. zu Innsbruck am 1. Novbr. 1773; in Wien am 12. Jan. 1850. Derselbe war der Sohn des Bildhauers Urban Klieber in Innsbruck, von dem er auch seinen ersten Unterricht in der Bildhauerei erhielt. Nachdem K. sich durch den Unterricht im Zeichnen einiges Geld erworben, reiste er mit seinem Vater im J. 1792 nach Wien in der Hoffnung, durch letzteren bei einem der ersten Bildhauer zu seiner weiteren Ausbildung ein Unterkommen zu finden. Aber alle Versuche scheiterten und der Vater mußte seinem Sohne die Sorge für sein Fortkommen allein überlassen. K. hatte durch einige Zeit mit der bittersten Noth zu kämpfen, so daß er oft buchstäblich nur mit trockenem Brod seinen Hunger stillen mußte. Er war eben daran, der Kunst vollständig zu entsagen und Soldat zu werden, als er von seinem Vater, der große Bestellungen für eine Kirche erhalten, nach Innsbruck berufen wurde. K. kehrte nach kurzer Zeit wieder nach Wien zurück, wo er in die Dienste des Bildhauers Schrott trat und nach dessen Tode durch zwei Jahre im Atelier des Bildhauers Martin Fischer arbeitete. Unter der Anleitung des letzteren brach sich seine künstlerische Begabung und durch seine Studien in classischen Werken der Bildnerei sein lebhafter Sinn für die Antike Bahn. Zu einer selbständigen Geltung gelangte sein Talent durch den regierenden Fürsten Johann Liechtenstein, der bei K. große und zahlreiche Bestellungen zur Ausschmückung seines Palais in Wien und seiner Schlösser in Eisgrub und Lundenburg machte. In Folge dieser Arbeiten, welche die Aufmerksamkeit der Künstler und Kunstfreunde erregten und seiner einflußreichen Verbindungen verdankte es K., daß er im Jahre 1814 zum Director der Graveurschule an der k. Akademie der bildenden Künste und gleichzeitig zum kaiserlichen Rathe ernannt wurde, welches Amt derselbe bis zum J. 1845 versah. K. war ein sehr productiver Künstler und die Raschheit seines Schaffens blieb nicht ohne nachtheiligen Einfluß auf die Durchbildung eines Theiles seiner Werke. Immerhin zählt aber K. zu den bedeutenderen Bildhauern und jedenfalls zu den hervorragendsten der Wiener Akademie. Seine Kunstrichtung war von großem Einfluß auf die Plastik der Wiener Schule in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Von seinen größeren und künstlerisch tüchtigen Werken erwähnen wir folgende: „Apollo mit den neun Musen", aus Sandstein, „Minerva“ und „Amor und Psyche“ aus Gysis im Palais des Erzherzogs Albrecht in Wien; „Flora und Zephyr mit einem Kinde“ in dem Erzh. Albrecht'schen Sommerschlosse in der Weilburg bei Baden, das Standbild des Kaiser Franz I. und die sieben Basreliefs für das Polytechnikum, ein Hautrelief: „ König Wenzel und der hl. Johannes“ an der Pfarrkirche in der Praterstraße in Wien, beide aus Marmor, „Hygieia und Aesculap“ für den Sauerhof in Baden, die Brunnenfigur „Neptun“ aus Bronce im Hofe des Ständehauses in Wien, die Gruppe „Apollo und die Musen“ aus hartem Sandstein für das Theater in Budapest, die Standbilder „König Stephan“ und „Kaiser Franz“ im Bibliotheksaale der Abtei Martinsberg in Ungarn, das zu Ehren des Kaiser Franz in Klausenburg errichtete Denkmal, bestehend aus einer großen Pyramide mit vier Basreliefs, vier Adlern an den Ecken des Postaments und dem Genius Oesterreichs auf der Spitze der Pyramide, und das große Basrelief für das Hofer-Denkmal in der Hofkirche in Innsbruck aus carrarischem Marmor nach der Erfindung des J. M. Schärmer mit 32 Hauptfiguren. Außerdem sind erwähnenswerth die Porträtbüsten aus Marmor: „Fürst Franz Dietrichstein“, „Minister|Franz Thugut“, „Kaiser Franz“ und „Kaiser Ferdinand“ und „Erzherzog Karl“ und die Büsten berühmter Helden im Invalidenhause in Wien.

    • Literatur

      Vgl. die Selbstbiographie des Künstlers in Frankl's Sonntagsblättern v. J. 1847 und Wurzbach. Biogr. Lexikon XII, 93.

  • Autor/in

    K. Weiß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Karl, "Klieber, Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 182-183 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd130210196.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA