Lebensdaten
1863 bis 1945
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118812602 | OGND | VIAF: 8184185
Namensvarianten
  • Kley, Heinrich
  • Kley, H.

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Zitierweise

Kley, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118812602.html [02.03.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (1831–70), Silberarbeiter, S d. Joh. Heinrich, Knopfmacher u. Posamentier in K., u. d. Anne Marie Greichgauer;
    M Emma (* 1841), T d. Bierbrauers und Gemeinderats Carl Wilh. Roos in K. u. d. Sophie Stulz;
    1) Karlsruhe 1886 Theophanie (* 1863. kath.), T d. Werkschreibers Karl Frdr. Kräuter in K. u. d. Marie Löhle, 2) 1928 Emily (* 1878), T d. August Philipp Schmidt in Hannover u. d. Emilie Elisabeth Maria Frankenfeld.

  • Leben

    K. studierte 1880-85 an der Karlsruher Akademie bei dem Historien- u. Porträtmaler Ferdinand Keller, dann in München bei dem Genremaler Carl Frithjof Smith. Bis 1909 lebte er in Karlsruhe, danach in München. – Bereits in den 80er Jahren begann K. mit kleinen Illustrationen und Gelegenheitszeichnungen. Die Bilder, mit denen er in den Ausstellungen im Münchner Glaspalast beteiligt war (1888/94), weisen ihn als Genre-, Stillleben- und Landschaftsmaler aus. Eher der Historienmalerei verpflichtet sind seine in offiziellem Auftrag entstandenen Wandbilder für die Schalterhalle des Reichspostgebäudes in Baden-Baden (Einweihung des römischen Merkuraltares; Spazierfahrt Kaiser Wilhelm I., 1903 vollendet) und für die neue Stadthalle in Karlsruhe (Darstellung des Heidelberger Sommertagszuges, 1903).

    Bekannt wurde K. als Industriemaler. Die Darstellung des Industrielebens stellt eine Bildgattung dar, die als Sonderform der Landschaftsmalerei in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hineinreicht und nach 1850 maßgeblich durch die Innenansicht einer industriellen Produktionsstätte in Adolph von Menzels „Eisenwalzwerk“ weiterentwickelt wurde. Die Bildthematik K.scher Industrieansichten|hat zwischen diesen alternativen Darstellungsweisen ihren Platz. Der Industriemalerei wandte er sich neben zahlreichen anderen Künstlern seiner Zeit (Hans Baluschek, Eugen Bracht, Theodor Hummel, Walter Klemm, Hermann Pleuer) um die Jahrhundertwende zu. Entsprechend dem malerischen Zeitstil wird das Industriemotiv zum Ausgangspunkt impressionistischer Licht- und Luftdarstellung. Die Umrisse der durch Nahsicht monumentalisierten Industrieelemente (zum Beispiel Hochofen) sind in schnellen Pinselstrichen nur angedeutet. Im Gegensatz zur Milieuschilderung, die in den Industriebildern Liebermanns aus den 80er Jahren noch die Thematik bestimmt, tritt der Mensch in den Hintergrund. Zuweilen deuten sich in K.s Industriebildern surreale Motive an, wenn moderne Technologie über ihr ästhetisches Erscheinungsbild hinaus als von unberechenbaren Dämonen beherrscht allegorisiert wird („Die Elemente hassen“, um 1910, Öl, Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, Werk Gustavsburg; „Riesen an den Schornsteinen“, 1920, Zeichnung).

    Zeichnungen, Karikaturen und Illustrationen stellen den eigenständigsten Bereich in K.s künstlerischem Schaffen dar. Bereits seit etwa 1895 zeichnete er für die Zeitschrift „Jugend“ (Im Jugendkleide; Der erste Ball, 1897; In vorgerückter Stunde, 1898; farbige Stadtansichten, 1925). Zwischen 1908 und 1944 ist seine Mitarbeit am „Simplizissimus“ feststellbar. Seine Zeichnungen ergänzen die kubineske Seite der Zeitschrift; allerdings sind K.s Symbolfiguren deutlicher, allgemeinverständlicher (zum Beispiel Mars bügelt sein Zivil). Er vermengt Antikes und Modernes, Exotisches und Einheimisches, Tierisches und Menschliches und erzielt so eine humoristische und zuweilen spukhafte Atmosphäre. Neben einigen Buchillustrationen (P. G. Ehrhardt, Die letzte Macht; Justinus Kerner, Reiseschatten; Alciphron, Hetärenbriefe, 1921) ergänzen Sammelmappen (Skizzenbuch, 1909, Leut' und Viecher, 1913; bei Alfred Langen erschienen) und Werbegraphiken (in: Gebrauchsgraphik 18, 1941, H. 1, S. 17-19) seine Arbeit als Zeichner.

    Das Gesamtoeuvre zeigt K. stilistisch als einen eigenständigen und gattungsmäßig als einen besonders vielseitigen Künstler, dessen Qualität jedoch nur partiell erkannt wurde.

  • Werke

    Weitere W u. a. Linienschiff Schleswig-Holstein auf d. Germaniawerft, 1912;
    Tiegelstahlguß b. Krupp, 1915 (Karlsruhe, Bad. Kunsthalle);
    Maschinenraum d. Kraftwerks Gersthofen, 1915 (Augsburg, Lech-Elektrizitätswerk);
    Werftarb. (Altenburg, Staatl. Lindenau-Mus.);
    Hochofen d. Friedrich-Alfred-Hütte, 1917;
    Umbau d. Wehres Jettenbach am Inn, 1920 (Mannheim, Fa. Grün u. Bilfinger AG).

  • Literatur

    J. A. Beringer, Bad. Malerei im 19. Jh., 1913;
    F. Haack, Die Kunst d. neuesten Zeit, 1925;
    P. Brandt, Schaffende Arb. u. bildende Kunst v. MA b. z. Gegenwart, 1928;
    H. Schmücker, Das Industriemotiv in d. dt. Malerei d. 19. u. 20. Jh., Diss. Münster 1930;
    R. Darmstädter, Künstlerlex., 1961;
    H. Zimdars, Die Zs. Simplizissimus, Ihre Karikaturen, Diss. Bonn 1972; Ausstellungskat.:
    Kunst u. Technik, Folkwang-Mus. Essen, 1928;
    Industrie u. Technik in d. dt. Malerei v. d. Romantik b. z. Gegenwart, Wilhelm-Lehmbruck-Mus. Duisburg, 1969;
    Singer I, Allgemein Künstler-Lexikon II, 1096;
    ThB;
    Vollmer.

  • Autor/in

    Brigitte Lohkamp
  • Empfohlene Zitierweise

    Lohkamp, Brigitte, "Kley, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1980), S. 61 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118812602.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA