Lebensdaten
1775 bis 1833
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Reval
Beruf/Funktion
Dichterin
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118973665 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Tieck, Sophie (geborene)
  • Knorring, Sophie von (verheiratete)
  • Bernhardi, Sophie von
  • mehr

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Zitierweise

Bernhardi, Sophie (verheiratete), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973665.html [20.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Ludwig Tieck ( 1802), Seilermeister in Berlin; M T des Schmiedemeisters Schale in Jeserig bei Brandenburg ( 1802);
    B Ludwig Tieck (1773–1853), Dichter, Friedrich Tieck (1776–1851), Bildhauer;
    1) 1799 August Ferdinand Bernhardi s. (3), geschieden 1807, 2) 1810 Karl Gregor von Knorring (1769–1837), estländischer Gutsbesitzer;
    S aus 1) Wilhelm Bernhardi (1800–78), Schriftsteller, Theodor von Bernhardi s. (1).

  • Leben

    B. schloß sich als Kind eng an den älteren Bruder an, und diese Bindung ist, trotz aller späteren Entfremdung, für ihr geistiges Leben bestimmend geblieben. Nach kurzer unglücklicher Ehe verließ sie ihren Gatten und versuchte, ihm die alleinige Schuld aufzubürden. Durch die Veröffentlichung ihrer in Schloß Coppet aufgefundenen Briefe an August Wilhelm Schlegel ist ihr Charakterbild sehr getrübt worden. Immer verflochten sich in ihren menschlichen Beziehungen Liebe, Eigensucht und Betrug unlöslich miteinander. Ihr Verhalten trug entscheidend zur Auflösung des Kreises bei, aus dem die Berliner Romantik hervorgegangen war. Sie lebte in den nächsten Jahren in Rom, Wien, München und Dresden. Auch ihre zweite Eheschließung vermochte ihr den ersehnten inneren Frieden nicht zu bringen. Als Dichterin übertraf sie die anderen Frauen der älteren Romantik an Begabung. Über die bloße Anempfindung erhob sie sich zu selbständiger Produktivität. Ihren Anfang nahm sie mit ironisch-satirischen Erzählungen, fand aber bald zu dem ihr eigensten Gebiet der Traumdichtungen, die alle, ob erzählt oder dramatisiert, Variationen des einen Themas schmerzlicher Liebessehnsucht und ihrer endlichen Erfüllung wurden. Um dieses Themas willen wählte sie auch das mittelhochdeutsche Epos „Flore und Blancheflur“ von Konrad Fleck für eine Nachdichtung in Stanzen. In echt romantischem Widerspruch zu ihrer eigenen Lebenswirklichkeit hat sie diese durch die Welt ihrer dichterischen Phantasie aufzuheben gesucht. In ihrem nachgelassenen Roman „Evremont“ zeigen sich indessen erste Ansätze eines beginnenden Realismus, freilich überdeckt von fast Richardsonscher Empfindsamkeit.

  • Werke

    Ein Abenteuer z. Paris, Das Portrait, Die neue Donna Diana, Männertreue, Freund u. Geliebte, Die Entführung, Traum u. Wirklichkeit, Ein Märchen, in: Straußfedern, hrsg. v. F. Nicolai, 6. u. 7. Jg., 1797;
    Der Besessene, Die Reise durch d. Gottfriedland, Die Höhle, Der Greis im Felsen, in: Bambocciaden, hrsg. v. A. F. Bernhardi, III, 1800;
    Lebensansicht, Aufsatz, in: Athenäum, hrsg. v. A. W. u. F. Schlegel, 3, 1800;
    Julie St. Albain, 1801;
    Wunderbilder u. Träume in elf Märchen, 1802;
    Ballade, Bilder d. Kindheit, in: Musenalm. f. d. J. 1802. hrsg. v. Schlegel u. Tieck;
    Lebenslauf, Eine Allegorie, in: Kynosarges, hrsg. v. A. F. Bernhardi, 1802;
    Die Liebes-Genesung, in: Taschenb. f. Liebe u. Freundschaft, 1803;
    Dramat. Phantasien, Drei romant. Schauspiele (Die Alte v. Bach, Die Brüder, Frühlingszauber), 1804;
    Egidio u. Isabella, Trauerspiel, in: Rostorfs Dichtergarten, 1807;
    Flore u. Blancheflur, Romant. Gedicht in zwölf Gesängen, hrsg. mit einer Vorrede v. A. W. Schlegel, 1822;
    Evremont, Roman, hrsg. v. L. Tieck, 1836, 21845;
    Briefwechsel zw. S. B. u. A. W. Schlegel, abgedr. b. J. Körner, Krisenjahre d. Frühromantik, 2 Bde., 1936/37;
    Nachlaß: Berlin, Staatsbibl., darin u. a. Donna Laura, Ein Lustspiel, Fragmente z. einem Trauerspiel Die Abenceragen, zwei Akte eines bürgerl. Trauerspiels.

  • Literatur

    ADB II;
    Goedeke VI, S. 46 (Bibliogr. unvollst.);
    Kosch, Lit.-Lex. I;
    Aus d. Leben Th. v. Bernhardis, T. I, 1893;
    F. Stefan, Entstehung u. äußere Form d. romant. Sage v. Flore u. Blancheflur durch S. B., Progr. Brünn, 1913;
    M. Breuer, S. B. als romant. Dichterin, Diss. Tübingen 1914;
    R. Kaulitz-Niedeck, Eine Romantikerin im Baltenlande, in: Balt. Mhh., Jg. 12, 1933;
    J. Körner, Krisenjahre der Frühromantik, 1936, Einl. (P, Bd. III mit wichtigem Kommentar angekündigt);zu Wilh. B.:
    Goedeke X, 1913, S. 441 f.

  • Portraits

    L. Tieck u. seine Schwester Sophie, Marmorrelief v. F. Tieck, 1796 (Potsdam, Privatbesitz); Ölgem. v. unbek. Künstler, 1830 (Privatbesitz).

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Bernhardi, Sophie/verheiratete" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 123-124 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118973665.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA