Lebensdaten
1875 bis 1944
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Publizist ; Buchhalter
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118656414 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gracchus (Pseudonym)
  • Plutus (Pseudonym)
  • Bernhard, Georg
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Zitierweise

Bernhard, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656414.html [24.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann, Kaufmann;
    M Helene Soberski;
    1) 1899 Fritze, T des Louis Mühsam, 2) Paris 1939 Gertrud Landsberger (Pseudonym als Malerin Gert Sax), T des Apothekers Hans Sachs in Berlin;
    2 T aus 1), u. a. Stefanie Ruth, Schauspielerin.

  • Leben

    Nach Tätigkeit als Buchhalter in einer Berliner Bank wurde B. Korrespondent und Börsenvertreter, 1896 als „Gracchus“ Wirtschafts- und Finanzkritiker der „Welt am Montag“; vorübergehend war er ihr politischer Leiter. 1898-1903 Handelsredakteur der Ullsteinschen „Berliner Zeitung“, hat er auch den Handelsteil der 1898 gegründeten „Berliner Morgenpost“ aufgebaut. 1899-1902 studierte er in Berlin bei Franz von Liszt, Adolf Wagner, Wilhelm Kahl und J. Jastrow öffentliches Recht und Staatswissenschaften. Unter dem Pseudonym „Plutus“ war er 1901-03 ständiger Mitarbeiter der M. Hardenschen „Zukunft“. 1904 gründete er die wirtschaftspolitische Zeitschrift „Plutus“, deren Besitzer er war. 1908 trat er wieder bei Ullstein als redaktioneller Leiter der Abteilung Tageszeitungen und Mitglied der Verlags-Direktion ein. 1913-20 war er Verbindungsmann des Verlages zur Redaktion der Ende 1913 übernommenen „Vossischen Zeitung“. Nachdem er bereits seit 1914 sich mit Hermann Bachmann in die Leitung des Blattes geteilt hatte, übernahm er 1920-30 die Chefredaktion. Im ersten Weltkrieg gründete er mit Major Schweitzer die Pressekonferenz. Seit 1916 war er Dozent, 1928-33 Honorar-|professor für Bank-, Börsen- und Geldwesen an der Berliner Handelshochschule. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ullstein-Verlag wirkte er seit 1930 als Syndikus des Reichsverbandes der deutschen Warenhäuser. Politisch gehörte er ursprünglich zur Sozialdemokratischen Partei, wurde 1906 nach einer Auseinandersetzung mit Bebel aus ihr ausgeschlossen, blieb aber revisionistischer Sozialist außerhalb der Partei. Er wurde Mitglied des Reichswirtschaftsrates und war seit 1928 demokratischer Reichstagsabgeordneter. 1933 floh er über Kopenhagen nach Paris und begründete im Dezember das „Pariser Tageblatt“ (1936-40 „Pariser Tageszeitung“). Als linksdemokratische Zeitung zählte es u. a. Alfred Kerr, Bert Brecht, Leonhard Frank, Franz Werfel, Balder und Rudolf Olden zu Mitarbeitern; zur Redaktion gehörten: Kurt Caro, Richard Dyk (René Dufour) und Erich Kaiser. Ende 1937 legte B. die Chefredaktion nieder. Danach arbeitete er in Paris beim World Jewish Congress, wurde einige Zeit vor dem Waffenstillstand 1940 in das Lager Bassens bei Bordeaux gebracht und flüchtete 1941 nach den Vereinigten Staaten. Dort arbeitete er im Institute of Jewish Affairs des American Jewish Congress in New York.

    Als Redakteur der „Berliner Morgenpost“ kam ihm das Verdienst zu, den ersten volkstümlichen Handelsteil einer deutschen Zeitung geschaffen zu haben. Als Chefredakteur der „Vossischen Zeitung“ bekämpfte er seit 1918 den Revanche-Gedanken, setzte sich für eine Verständigung besonders mit Frankreich ein und wurde schon in der Weimarer Republik von der Rechten scharf bekämpft und zeitweilig auch verfolgt. 1934 wurde ihm, dessen Ruf weit über Deutschlands Grenzen ging, die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Er war einer der bedeutendsten Journalisten der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Innerhalb der professionellen Journalistenbewegung trat B. temperamentvoll und führend hervor und war bis 1930 Vorsitzender der Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse. Auch im Verein Berliner Presse und im Reichsverband der deutschen Presse war er Vorsitzender oder Schatzmeister. Die beim Genfer Völkerbund akkreditierten Journalisten wählten ihn zu ihrem Präsidenten, und er wurde an die Spitze der „Fédération Internationale des Journalistes“ berufen.

  • Werke

    Die Warenhaussteuer, ein wirtschaftl. Unfug, 1900;
    Der Verkehr in Wertpapieren, 31901;
    Krach - Krisis u. Arbeiterklasse, 1902;
    Geld u. Kredit, 1903;
    Berliner Banken, 1905;
    Armes, reiches Rußland, 1905;
    Die Börse, 1906;
    Die dt. Effektenbanken, 1906;
    Rußlands Bankrott. 1906;
    Übergangswirtschaft, 1918;
    Probleme d. Finanzreform, 1919;
    Das Mitbestimmungsrecht, 1920;
    Demokrat. Politik, 1921;
    Die Steuergemeinschaft, 1921;
    Wirtschaftsparlamente, 1923;
    Beamte u. Republik, 1925;
    Die Dt. Tragödie, d. Selbstmord einer Republik, 1933 (auch franz., 1933);
    Meister u. Dilettanten am Kapitalismus im Reiche d. Hohenzollern, 1936;
    Hrsg.: Die Kriegspolitik d. „Voss. Ztg.“, 1919.

  • Literatur

    50 J. Ullstein 1877-1927, 1927 (P);
    The New York Times, 11.2.1944;
    New York Herald Tribune, 11.2.1944;
    New Yorker Staats-Ztg. u. Herold, 12.2.1944, S. 2, u. 14.2.1944;
    C. Misch-M. Osborn, Leben u. Tod G. B.s, in: Aufbau. New York, 18.2.1944, S. 5 (P);
    H. Jacob, Adieu à G. B., in: France-Amérique, America's French Weekly, 20.2.1944;
    E. Herz, Denk ich an Dtld. in d. Nacht, 1951;
    Enc. Jud. I, 1927;
    Wi. IX, 1928;
    Rhdb. I, 1930 (P);
    Kürschner, Lit.-Kal. 1932;
    Kosch, Lit.-Lex. I.

  • Portraits

    So sehen wir aus, hrsg. v. d. Festausschuß d. Ver. Berliner Presse, 25.1.1930, S. 5; 2 Porträts, v. d. 2. Gattin v. G. B. gemalt, in ihrem Privatbesitz.

  • Autor

    Karl H. Salzmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Salzmann, Karl H., "Bernhard, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 117 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118656414.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA