Lebensdaten
1738 bis 1786
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Sterbeort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
Buchhändler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 103759972 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kanter, Jan Jakub
  • Kanter, Johann J.
  • Kanter, Johann Jacob
  • mehr

Verknüpfungen

Visualisieren

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kanter, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd103759972.html [22.05.2017].

CC0

Kanter, Johann Jakob

Buchhändler, * 24.9.1738 Königsberg (Preußen), 18.4.1786 Königsberg (Preußen). (evangelisch)

  • Genealogie

    V Philipp Christoph ( 1764), Buchbinder, Buchdrucker, Verleger; M Catharina Elisabeth Schof; B Daniel Christoph (1725–1812), Buchdrucker, Alexander, Schriftgießer, Phil. Christoph (1736–1816), Papierfabr.; - Königsberg 1764 Sophia Dorothea Mehlbeck; 2 S, 1 T, u. a. Joh. Jacob ( 1812), Buchdrucker, Dor. Elisabeth ( Dr. med. Joh. Benjamin Jachmann 1765-1832, B d. Päd. Reinhold Bernh. J., 1843, s. NDB X).

  • Leben

    K. erhielt seine buchhändlerische Ausbildung in Leipzig bei Johann Wendler, dem geschäftstüchtigen Verleger Gellerts, und eröffnete 1760 in Königsberg, mit einem Privileg der russischen Besatzungsbehörde, eine Buchhandlung mit Buchverlag, der er 1765 eine Leihbücherei, die erste in Königsberg, angliederte. Nach dem Abzug der Russen erhielt er von der preußischen Regierung zusätzlich noch das Privileg zur Gründung der „Königsbergschen Gelehrten und Politischen Zeitungen“ (erschienen vom 3.2.1764 bis zum 29.12.1796). Er errichtete Filialen in Elbing und Mitau und belieferte auch Riga: die Mitauer Filiale wurde geleitet von seinem Gehilfen Johann Friedrich Hartknoch, der bald darauf hieraus seine eigene Unternehmung (seit 1767 in Riga) aufbaute; die 1768 erworbene Rüdigersche Buchhandlung in Berlin mußte K. wieder verkaufen, weil er das dortige Bürgerrecht nicht erhielt. 1769 wurde er auch Lotteriedirektor, 1772 gründete er nach Absolvierung einer Buchdruckerlehre bei seinem Bruder eine „Hofbuchdruckerei“, danach auch eine Schriftgießerei in dem neuen Verwaltungszentrum Marienwerder. 1775 kaufte K. das Gut Trutenau mit einer dazugehörigen Papiermühle und errichtete dort eine Preßspanfabrik (zur Glättung von Papier), beide – zum Teil mit englischen Maschinen ausgerüsteten – Unternehmungen sollen hochqualifiziert gearbeitet haben, waren aber durch Kredite stark belastet.

    Ein ständig von Plänen erfüllter, rasch enthusiasmierter, sprunghafter, freigiebiger Mann mit ziemlich uneinheitlichen Wesenszügen, so erscheint K.s Bild in Briefen und Erinnerungen seiner Zeitgenossen (zum Beispiel Hamann, Herder, Scheffner, von Hippel, von Baczko). Seine verlegerische Wirksamkeit war recht begrenzt. 1761-78 nennen die Meßkataloge 139 Titel (Höhepunkt 1765: 16 Titel), darunter viele Übersetzungen aus dem Französischen, auch Bücher zur preußischen und polnischen Geschichte, einige gute, von anderen übernommene Reihenwerke, zum Beispiel ein 18bändiges „Theater der Deutschen“; aber weder von Kant (letztes Werk bei K.: Träume eines Geistersehers, 1766) noch von Hamann (wichtigstes Werk bei ihm: Kreuzzüge eines Philologen, 1762) noch selbst von Hippel brachte K. die Hauptwerke: Der bedeutende Verleger im Nordosten war nicht K., sondern Hartknoch. Die Zeitung, zwar vor allem durch ihre literarische Beilage kulturgeschichtlich bemerkenswert, die zunächst von Hamann geleitet wurde, an der vorübergehend Kant und Herder mitarbeiteten, konnte sich auf die Dauer neben der Hartungschen Zeitung nicht halten. 1781 wurde sie verkauft. K.s eigentliche Wirkung – und das ist ein seltener Fall – ging von der Sortimentsbuchhandlung aus, über deren Modernität, Großzügigkeit, Lebendigkeit anschauliche Schilderungen vorliegen. Sie war gesellschaftlicher Treffpunkt, Diskussionsraum, Informationsstätte (über alle wichtigen Neuerscheinungen) für die Gelehrten, aber auch für Studenten. Vermutlich war sein Bücherangebot zu groß. Eine geschäftliche Krise machte sich schon 1769 bemerkbar, 1781 mußte auch die Buchhandlung verkauft werden, K.s andere Unternehmungen waren eine zu große Belastung. Nach K.s Tod wurde über sein Vermögen der Konkurs verhängt. Die Druckerei blieb bis 1923 im Familienbesitz.

    K., der mit Hamann befreundet war, bei dem Kant einige Jahre wohnte, der Herder entdeckte, bei dem die geistige Welt nicht nur seiner engeren Heimat ein- und ausging, scheiterte zuletzt in allem, und doch behielt er den Ruhm, als Buchhändler in Königsberg „zuerst ein literarisches Leben“ gestiftet und „verborgene Kräfte zu ungewöhnlicher Entwicklung“ gebracht zu haben (Hagen).

  • Literatur

    A. Hagen, Die Buchhändler K. u. Nicolovius in Königsberg, in: Neue Preuß. Provinzialbll. 5, 1850, S. 232-52; C. R. Dreher, Der Buchhandel u. d. Buchhändler zu Königsberg in Preußen im 18. Jh., in: Archiv f. Gesch. d. Dt. Buchhandels 18, 1896, S. 149-219; K. Forstreuter, Gräfe u. Unser, Zwei Jhh. Königsberger Buchhandel, 1932, S. 37-61; B. Rehberg, Gesch. d. Königsberger Ztgg. u. Zss. I, in: Alt-Königsberg III, 1942, S. 96 ff.; D. Leube, K. u. Hartknoch, in: Börsenbl. f. d. Dt. Buchhandel, Frankfurter Ausg., 22, Nr. 102 v. 21.12.1966. Aus d. Antiquariat XIV, S. 2821-29; Altpreuß. Biogr. (Qu.).

  • Autor

    Herbert G. Göpfert
  • Empfohlene Zitierweise

    Göpfert, Herbert G., "Kanter, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 125 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd103759972.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Artikel noch nicht erschlossen.