Lebensdaten
1886 bis 1946
Geburtsort
Tiengen (Schwarzwald)
Sterbeort
Ried bei Benediktbeuren (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
altkatholischer Vater
Normdaten
GND: 118776614 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kaminski, Heinrich
  • Kaminskij, Genrich
  • Kaminsky, Heinrich
  • mehr

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Kaminski, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118776614.html [26.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul, aus Polen, kath. Priester, dann Mitbegr. u. Pfarrer d. altkath. Kirche;
    M Mathilde Barro, Opernsängerin;
    München 1916 Friederike Mathilde (* 1892), T d. Prokuristen Karl Jopp u. d. Marie Schad;
    2 S (1 ⚔), 3 T.

  • Leben

    Die musikalische Begabung K.s prägte sich relativ spät aus. Nach dem Schulbesuch in Waldshut, Konstanz und Bonn arbeitete er zunächst in einer Bank in Frankfurt a. M. Er entschloß sich dann zum Studium der Nationalökonomie in Heidelberg. Hier erwachten seine musikalischen Interessen: Er nahm Klavierunterricht und studierte Theorie bei Ph. Wolfrum, auf dessen Rat er 1909 nach Berlin ging, um sich ganz der Musik zu widmen. Seine Kompositionslehrer waren H. Kaun, P. Juon und Wilhelm Klatte (1870–1930, s. Literatur). Letzterer übte neben seinem Klavierlehrer S. Eisenberg den stärksten Einfluß auf ihn aus. 1914 zog sich K. nach Ried zurück, wo er Anfang der 20er Jahre in das Haus von Franz Marc zog, mit dem er befreundet gewesen war. Er lebte mit einem kleinen Kreis von Schülern, zu denen unter anderem C. Orff und R. Schwarz-Schilling gehörten, ausschließlich seinem Schaffen. 1930 wurde K. als Nachfolger Pfitzners zum Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akademie der Künste in Berlin berufen und übernahm gleichzeitig die Leitung der Musikvereins-Konzerte in Bielefeld. Beide Ämter legte er jedoch 1933 nieder und zog sich endgültig nach Ried zurück. Aus politischen Gründen wurde seine Berufung zum Nachfolger Hindemiths an die Berliner Hochschule für Musik 1938 verhindert. Nur durch die Hilfe seiner Freunde, speziell durch die Unterstützung seines Winterthurer Mäzens W. Reinhart, auf dessen Einladung er bereits 1926 und 1928 auf Schloß Muzot im Wallis gelebt hatte, konnte er seine schwierige wirtschaftliche Lage meistern. Trotz schwerer Schicksalsschläge, die ihn durch den Verlust zweier Töchter und eines Sohnes während des Krieges trafen, ließ seine Schaffensintensität nicht nach. Noch kurz vor seinem Tode vollendete er seine zweite Oper.

    K. war ein kompromißloser Einzelgänger. Sein Oeuvre läßt sich den Hauptströmungen der Musik des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts nicht ohne weiteres zuordnen. Obgleich die äußere Erscheinungsform seiner Werke, speziell die seiner Orchesterkompositionen, auf seine Verbundenheit mit spätromantischen Klangvorstellungen hindeutet, dokumentiert sich, abgesehen von ihrer vorherrschend polyphonen Struktur, in ihrer Geistigkeit eine dem neuen Stilwillen zugewandte, anregend weiterwirkende künstlerische Einstellung. – Die Bedeutung seiner|Kompositionen liegt in einer ausgeprägten ethischen Haltung begründet. Die seinen Werken zugrundeliegende „Idee“ ist oft wesentlicher als ihre klangliche Erscheinung. K. war Mystiker und ordnete die Musik und damit auch den Schaffensprozeß selbst diesem Weltbild zu. Nach seiner Auffassung diente die Musik – wie die Kunst überhaupt – dazu, den Menschen „Kunde zu bringen von dem Mysterium der Urzusammenhänge“. Daraus erklärt sich die Dominanz religiöser Tendenzen in seinem Schaffen ebenso wie die Bevorzugung der vokalen Gattungen und das Vorherrschen linear polyphoner Gestaltungsprinzipien. Die Polyphonie faßte er als Realisation organischer, kosmischer Bezüge auf. Diese Vergeistigung der Gestaltungsformen führte zu einer eigenständigen Verlebendigung alter Formprinzipien. – Wie seine beiden Opern zeigen, ließen sich diese künstlerischen Vorstellungen nicht ohne weiteres auf dramatische Werke übertragen. Hingegen hat sich die Kraft seiner meditativen musikalischen Denkformen vor allem in der ekstatischen Geistigkeit seiner oft allerdings außerordentlich komplizierten Chorkompositionen und einzelner Orgel-, Kammermusik- und Orchesterwerke lebendig erhalten.

  • Werke

    Orch.werke;
    Chorwerke mit Orch.;
    Chor a cappella;
    Kammermusik;
    Klaviermusik;
    Orgelwerke;
    Gesänge. - Bühnenwerke:
    Jürg Jenatsch, Oper in 3 Akten n. C. F. Meyer, 1929;
    Das Spiel vom Kg. Aphelius in 5 Bildern, einem Vor- u. einem Nachspiel, 1951. - Schrr.:
    Ges. Aufsätze, 1930. -
    Vollst. Verz., hrsg. v. K. Schleifer u. R. Schwarz-Schilling, 1949 (P);
    Grove u. MGG VII.

  • Literatur

    F. Stein, Magnificat, in: Pult u. Taktstock, 1926, K. 2, S. 59 ff.;
    ders., H. K.s Chorwerke in: Die Musikpflege 7, 1936, H. 4;
    J. Müller Blattau, in: Die Singgemeinde, Augsburg, 1927/28, S. 7 f.;
    H. J. Moser, in: Zs. f. Musik, 1929, H. 10;
    E. Krieger, H. K.s Drama „Jürg Jenatsch“, ebd., 1933, H. 10;
    H. Scherchen, Lehrb. d. Dirigierens, 1929, S. 58, 91, 93, 99, 102, 109 f., 182, 192;
    H. Mersmann, Die Kammermusik IV, 19. u. 20. Jh., 1930, S. 138 ff.;
    K. Schleifer, H. K. u. s. Werk, in: Musik u. Kirche, Jan./Febr. 1942;
    ders., H. K. Leben u. Werk, in: Neue Musikzs. 1, 1947, S. 70 ff., 118 ff.;
    ders., Das Spiel v. Kg. Aphelius, ebd. 4, 1950, S. 92 ff.;
    ders., in: Musica 1, 1947, H. 2, S. 71 ff.;
    R. Schwarz-Schilling, Das Spiel v. Kg. Aphelius, ebd. 3, 1949, S. 429 ff.;
    B. Schwarz, Matthias Claudius Motette, in: Festschr. z. 70. Geb.tag v. Karl Straube, 1943;
    H. Hoffmann, in: Melos 14, 1946, H. 1;
    H. F. Redlich, in: The Monthly Musical Record 77, Sept. 1947, Nr. 889, S. 185 ff.;
    M. Schneider, in: Zeitwende 19, 1947, S. 372 ff.;
    H. J. Moser, Musikgesch. in hundert Lb., 1952;
    F. Seebaß, Neues v. u. über H. K., in: Dt. Rdsch. 81, 1955, S. 1273 ff.;
    I. Samson, Das Vokalschaffen v. H. K. mit Ausnahme d. Opern, Diss. Frankfurt a. M. 1956;
    Grove (W, L);
    MGG VII (W, L, P);
    Riemann u. Erg. Bd. (W, L). Zu W. Klatte: Riemann (W).

  • Autor/in

    Thomas-M. Langner
  • Empfohlene Zitierweise

    Langner, Thomas-M., "Kaminski, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 80-81 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118776614.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA