Lebensdaten
1904 bis 1985
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118812718 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwarz, Reinhard (eigentlich)
  • Schwarz-Schilling, Reinhard
  • Schwarz, Reinhard (eigentlich)
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Zitierweise

Schwarz-Schilling, Reinhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118812718.html [24.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Schwarz (1870–1952), aus H., Dr. phil., Chemiefabr.;
    M Elisabeth Schilling (1874–1957), aus Köln; Urururur-Gvv Heinrich Jung-Stilling (1740–1817), pietist. Schriftst., Augenarzt, Nat.ök., Kameralist (s. NDB X);
    B Karl Hubert Schwarz (1900–68), Balduin Schwarz (Ps. Johannes Ilen) (* 1902, ⚭ Helene Katzenstein, * 1897, jüd., seit 1929 kath.), Dr. phil., Philos., 1931 in Münster habilitiert, emigrierte 1933 in d. Schweiz, 1938 n. Frankreich, 1941 in d. USA, 1933–38 Doz. f. Philos. u. Gesch. an d. Univ. Fribourg, 1945–48 Prof. am Notre Dame College, 1948–50 am Seton Hill College, Pennsylvania, 1950–64 an d. Fordham Univ., New York, 1964–72 o. Prof. f. Philos. an d. Univ. Salzburg (s. L), Egon Schwarz (* 1910), Dr. phil., Prof. in the Humanities, Washington Univ. St. Louis, 1986 korr. Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt, 1990 Ehrenmitgl. d. American Association of Teachers of German, Dr. h. c. Wien 1997, Örebro 2002 (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2009), Schw Margarete Schwarz (* 1914), Sprachlehrerin;
    1929 Dusza v. Hakrid, geb. Gfn. Blondowicz ( n. 1984), aus Polen, Pianistin, Ausbildung in Wien, Schülerin v. Heinrich Kaminski (s. P);
    2 S Christian (* 1930, ⚭ Marie Luise Jonen, Dipl.-Volkswirtin, Untern., Schriftst.), Dr. phil., Sinologe, Untern., 1957 Geschäftsführer d. Akkumulatorenfabrik Sonnenschein in Büdingen u. Berlin, 1967–80 Gen.sekr. d. CDU Hessen, 1982–92 Bundesmin. f. Post- u. Fernmeldewesen, Dr. h. c. Bryant College, Smithfield, USA, 2004 Ehrenbürger d. Stadt Büdingen (s. Kanzler u. Min.; Biogr. Hdb. MdB; Munzinger; L), Fridolin (* 1934), 2 T u. a. Cara (1922–91, ⚭ Aurel Popescu, Vermögensberater), Bildhauerin, Mitgl. d. Ontario Soc. of Artists;
    N Stephen (* 1932), Prof. f. Philos. an d. Univ. Rhode Island, Kingston (s. L).

  • Leben

    Während seiner Schulzeit am humanist. Ks. Wilhelm-Gymnasium in Hannover erhielt S. Unterricht in Klavier und Musiktheorie und notierte im Alter von 14 Jahren erste Kompositionen. Nach dem Abitur begann er ein Musikstudium in München bei Walter Braunfels (1882–1954), dem er 1925 – nach einem Studienaufenthalt in Italien – an die Kölner Hochschule folgte. Hier waren neben Braunfels Philipp Jarnach (Partiturspiel), Heinrich Boell (Orgel) und Carl Ehrenberg (Dirigieren) seine Lehrer.

    Prägend für S.s kompositorische Laufbahn waren die Jahre 1927–29, die er als Schüler von Heinrich Kaminski (1886–1946) in Ried (Oberbayern) verbrachte. Als väterlicher Freund vermittelte Kaminski ihm besonders sein Schaffensethos und seinen Glauben an die transzendente Kraft der tonalen Musik. 1929 erhielt S. eine Anstellung als Dirigent des Innsbrucker Kammerchores und als Orgellehrer am kath. Priesterseminar Canisianum in Innsbruck. Seit 1935 lebte er mit seiner Familie als freischaffender Komponist in Feldafing (Oberbayern); 1938 folgte er einem Ruf als Kompositionslehrer an die Berliner Musikhochschule. 1944 wurde er in das Stabsmusikkorps der Wehrmacht einberufen. Nach zweimonatiger Kriegsgefangenschaft im Mai 1945 konnte er 1946 seine Lehrtätigkeit an der Berliner Hochschule wiederaufnehmen und wirkte hier seit 1955 als Professor für Komposition bis zu seiner Emeritierung 1971. Seit dem Tod seines Lehrers Kaminski setzte sich S. für dessen Werk ein. Er sichtete den Nachlaß, veröffentlichte ein Werkverzeichnis und vollendete den Klavierauszug von Kaminskis letztem Bühnenwerk „Das Spiel vom König Aphelius“ (UA 1950 Göttingen). Konzert- und Vortragsreisen führten S. 1960, 1967 und 1975 in die USA und nach Kanada. 1966 und 1979 war er zweimal Ehrengast der Villa Massimo in Rom, 1972 folgte er einer Einladung als Gastdozent und -dirigent nach Seoul (Korea).

    S.s eigenes Schaffen umfaßt neben Kammermusik, Klavier- und Orgelwerken einige wichtige Orchesterwerke und findet seinen Schwerpunkt in geistlicher und weltlicher Chormusik. Neben komplexen Werken stehen dabei schlichte Chorsätze für das Laienmusizieren. Ausgehend von Braunfels und Kaminski entwickelte S. eine eigene Tonsprache, die durch kontrapunktische Techniken in organischer Weiterentwicklung klassischer Vokalpolyphonie und durch ihre große Ernsthaftigkeit gekennzeichnet ist. Dabei hielt er, unbeirrt von Zeitströmungen, stets an einer teilweise durch modale und archaisierende Wendungen erweiterten Tonalität fest, die ihm als Urgesetz der Musik galt. Seine Kompositionen wurden vielfach durch namhafte Interpreten uraufgeführt; S.s Spätwerk gipfelt in der 1982 vollendeten Kantate „Die Botschaft“ nach Texten des Alten und Neuen Testaments. Zu seinen Schülern gehören der Musikologe und Co-Editor der A. Schoenberg-Gesamtausgabe Jürgen Thym(* 1943) und der Musikpädagoge, Autor und Komponist Peter Koch (* 1925).

  • Auszeichnungen

    Ehren-Medaille d. Nat.univ. Seoul (1972); Silbermedaille St. Hedwig f. MUSICA SACRA u. Silbermedaille v. Berlin-Wilmersdorf (1979); Gema-Ehrenmedaille (1982); BVK am Bande (1982); Sonderbriefmarke d. Dt. Post (2004).

  • Werke

    Weitere W u. a. Partita f. Orchester, 1935;
    Introduktion u. Fuge f. Streichorchester (UA Berlin 1949, Ltg.: S. Celibidache);
    Concert f. Violine u. Orch., 1953 (UA Berlin 1954, Ltg.: J. Keilberth);
    12 kl. Choralvorspiele f. Orgel, 1953;
    Missa in Terra Pax, 1955;
    Concerto per Organo, 1958;
    Laetare, Kantate, 1958;
    Symphonie in C, 1963;
    Cibavit, Motette, 1973;
    Über die Schwelle, Motette, 1975;
    vollst. W-Verz.: M. Heller, 1986 (s. L);
    Nachlaß:
    Berlin, Staatsbibl. Preuß. Kulturbes.

  • Literatur

    H. Berger, R. S.-S. z. 65. Geb.tag am 9. Mai 1969, in: Musica sacra, 1969, S. 111–14 (P);
    H.-E. Bach, R. S.-S., Motetten f. sechsstimmigen gemischten Chor, ebd., 1976, S. 56 f.;
    W. Kaempfer, R. S.-S. z. 75. Geb.tag am 9. Mai 1979, ebd., 1979, S. 161 (P);
    ders., Im Geist christl. Humanität, Zum Tod d. Komp. R. S.-S., in: Der Tagesspiegel v. 11. 12. 1985, S. 4 (P);
    FS f. R. S.-S. z. 80. Geb.tag, [hg. v. Christian Schwarz-Schilling, Büdingen 1984];
    M. Heller, R. S.-S., Werkverz. u. Schrr., 1986 (P);
    J. Thym, Die klavierbegleiteten Eichendorff-Lieder v. R. S.-S., in: Aurora, Jb. d. Eichendorff-Ges., 1977, S. 77–86;
    ders., Der Komp. als Evangelist, in: Cantate 7, Jg. Nr. 3, Mai/Juni 2004, S. 26–28 (P);
    Riemann;
    MGG;
    MGG2;
    BBKL;
    RGG4;
    zu Balduin Schwarz:
    Rehabilitierung d. Philos., Festgabe f. B. S. z. 70. Geb.tag, hg. v. D. v. Hildebrand, 1974;
    R. Ebneth, Die österr. Wschr. „Der christl. Ständestaat“, 1976;
    Vom Wahren u. Guten, FS f. B. S. z. 80. Geb.tag, hg. v. J. Seifert, 1982;
    C.-D. Krohn, Wiss. im Exil, 1987;
    Values and human experience, Essays in honor of the memory of B. S., hg. v. Stephen Schwarz, 1999.

  • Portraits

    Abb. u. a. in W. Abegg u. a., Heinrich Kaminski, 1986, S. 94, Abb. 8 (mit H. Kaminski, W. Abegg u. Dusza Schwarz-Schilling).

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Schwarz-Schilling, Reinhard" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 11-12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118812718.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA