Lebensdaten
1589 bis 1652
Geburtsort
Zweibrücken
Sterbeort
Schloß Stegeborg (Östergotland, Schweden)
Beruf/Funktion
Pfalzgraf bei Rhein zu Zweibrücken-Kleeburg
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119314118 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Johann Kasimir
  • Johann Casimir
  • Johann Kasimir
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Zitierweise

Johann Casimir, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119314118.html [21.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Pfalzgf. Johann I. v. Z. ( 1604, s. NDB X);
    B Pfalzgf. Johann II. ( 1635, s. NDB X);
    - Stockholm 21.6.1615 Katharina (1584–1638), T d. Kg. Karl IX. v. Schweden ( 1611) u. d. Maria v. d. Pfalz; Schwager Kg. Gustav II. Adolf v. Schweden ( 1632); 5 erwachsene K, u. a. Kg. Karl X. Gustav v. Schweden (1622–60), Pfalzgf. Adolf Johann (1629–89), Kristina Magdalena ( Mgf. Friedrich VI. v. Baden-Durlach, 1677, s. ADB VII), Eleonora Katharina ( Landgf. Friedrich v. Hessen-Eschwege, 1617–55), Maria Euphrosine ( 1687, Magnus Gf. de la Gardie, 1686, Reichskanzler Karls XI.).

  • Leben

    Als Verbindungsmann zwischen Schweden und dem prot. Deutschland, als Schwager und enger Mitarbeiter Gustav Adolfs und als Stammvater der Wittelsbacher auf dem Königsthron Schwedens (1654–1718) zieht J. das historische Interesse auf sich. Er erhielt eine gute humanistische Erziehung im Sinne der Zeit. 1589 trat sein Vater unter dem Einfluß seines Freundes Johann Casimir von Pfalz-Simmern endgültig zur ref. Lehre über. Damit wurde Zweibrücken eng mit der antihabsburg. Partei unter Führung der Kurpfalz verbunden. Als Johann I. 1604 starb, wurde Kf. Friedrich IV. von der Pfalz J.s Vormund. J. verbrachte die Jahre 1605-08 in Heidelberg und war 1606 Rektor der Universität. Sein Deputat waren die Burg Neukastel in der Südpfalz und 3 000 Gulden pro Jahr.

    Die jül. Erbfrage und die Politik der prot. Union prägten die Jugend J.s. Sein Bruder, Johann II., war als Vormund Kf. Friedrichs V. in Heidelberg der Führer der Union. Die Union wünschte engere Verbindungen mit Schweden, und J. wurde 1613 durch Vermittlung der deutschen Verwandten Gustav Adolfs, nach Stockholm entsandt, um dafür einzutreten, aber auch um dort sein eigenes Glück zu machen. Nach seiner Heirat mit der Halbschwester Gustav Adolfs (1615) versuchte J. vergeblich, den sehr großen Brautschatz seiner Gemahlin von dem kriegsverschuldeten Schweden sofort zu bekommen. Er kehrte im Frühjahr 1618 in die Pfalz zurück, tauschte Neukastel als Residenz mit der Burg Kleeburg im Elsaß und beabsichtigte, sich in dem nahgelegenen Birlenbach niederzulassen, wo er das Schloß Catharinenburg aufbauen ließ. 1620-22 wohnte er mit seiner Familie als Kriegsflüchtling in Straßburg. Von hier wurde er 1622 von Gustav Adolf, der noch kinderlos war und keine anderen nahen Verwandten hatte, nach Schweden gerufen, wo er bis zu seinem Tod blieb.

    J. war 1618-20 Verbindungsmann zwischen Gustav Adolf und dem „Winterkönig“ Friedrich I. von Böhmen und spielte auch später eine Rolle für die Verbindungen Gustav Adolfs zu Deutschland. Nach seinem Eintreffen in Schweden bekam er Schloß Stegeborg als Pfand für den Brautschatz. Seine administrative Tüchtigkeit und seine Loyalität bewirkten, daß er in der Gunst des Königs schnell stieg. Er erhielt während der Kriege Gustav Adolfs immer wichtigere militärische Aufträge in Schweden und wurde der dortige Oberbefehlshaber des Königs. Infolge des Mißtrauens des Königs in die Fähigkeit der Ratsregierung in Stockholm, die Versorgung seiner Feldarmee in Deutschland zu gewährleisten, wurde J. 1631 de facto Chef der schwed. Finanzverwaltung. Ein Jahr später bekam er auch die Verantwortung für die für die schwed. Kriegsökonomie so wichtige|Kupfermünze. Er stand immer in gewissem Gegensatz zu dem Reichskanzler Axel Oxenstierna, der u. a. einen wittelsbach. Thronprätendenten in Schweden befürchtete.

    Nach dem Tod Gustav Adolfs verlangte J. die Bestätigung des Besitzes von Stegeborg und Anerkennung des Erbrechtes seiner Familie auf den schwed. Thron. Die Regentschaft unter der Leitung Oxenstiernas bestätigte nur das Pfandrecht auf Stegeborg für die Zeit der Unmündigkeit der Kgn. Kristina. Es kam 1633 zum Bruch, und J. verließ für immer das öffentliche Leben. Er zog sich verbittert zurück nach Stegeborg, von wo er für die Interessen seines ältesten Sohnes Karl Gustav intrigierte. Kgn. Kristina, deren Erziehung J.s Gemahlin anvertraut worden war, löste die Probleme dadurch, daß sie 1649 Karl Gustav zu ihrem Thronfolger machte und 1651 J. und seinen Erben Stegeborg als ewiges Mannlehen gab.

    Angaben in der Literatur, daß J. das „Fürstentum Kleeburg“ und später Stegeborg als „Herzogtum“ besaß, sind falsch. Er blieb nur Großgutsbesitzer im Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Landesherrn.

  • Literatur

    ADB 14;
    C. T. Odhner, Om pfalzgreven I. C.s förhållande till drottning Christinas förmyndare, in: Nordisk univ. tidskrift 8, 1862, H. 4;
    J. G. Lehmann, Vollst. Gesch. d. Hzgt. Zweibrücken u. s. Fürsten, 1867;
    (O.) v. F(eilitzen), J. K., Nordisk Familjebok, 21910;
    P. Sondén, Riksarkivets Stegeborgssamling, in: Meddelanden från svenska riksarkivet, Ny följd I, Bd. 5, S. 83 ff.;
    ders., Förteckning över pfalzgreven J. C. och hans gemåls arkiv i Stegeborgssamlingen, ebd., S. 104 ff.;
    B. Boethius, Förteckning över pergamentsbrev i Stegeborgssamlingen, ebd., S. 96 ff.;
    Å. K(romno)w, J. K., in: Svenska män och kvinnor IV, 1948;
    ders., Pfalzgreve J. K. anteckningar vid tronskiftet 1632, in: Svensk historisk tidskrift 75, 1955. |

  • Quellen

    Qu.: Stockholm Reichsarchiv.

  • Portraits

    Ölgem. v. D. Beck, danach Miniaturen, Abb. in: Svenska kungliga porträtt I, 1943.

  • Autor/in

    Åke Kromnow
  • Empfohlene Zitierweise

    Kromnow, Åke, "Johann Casimir" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 515 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119314118.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Johann Casimir *)Zu Bd. XIV T. 314., Pfalzgraf zu Kleeburg, genannt „der Schwede“. J. C., der jüngste Sohn des Pfalzgrafen Johann I. des Aelteren von Zweibrücken und der Magdalena von Jülich und Cleve, wurde in Zweibrücken am 20. April 1589 geboren. 1606 bekleidete er das Rectorat der Universität Heidelberg. Am 12. August 1604 wurde er durch des Vaters Tod Besitzer einer kleinen Herrschaft, residirte zu Neukastel und seit 1617 in Kleeburg und begründete die pfalzgräfliche Linie zu Kleeburg; in Birlenbach baute er die Katharinenburg. J. C. war ein sehr eifriger Calvinist. Um sein Glück zu machen, ging er, durch Briefe des Landgrafen Moritz von Hessen empfohlen, 1613 an den verwandten schwedischen Hof. Trotz seiner zwei Schlösser, eines Marktfleckens und zehn kleiner Dörfer reichte ihm die Tochter König Karls IX. und Halbschwester Gustavs II. Adolf von Schweden, die geistvolle und energische Katharina (geb. am 19. Novbr. 1581) zu Stockholm am 21. Juni 1615 ihre Hand. Er liebte Ruhe, beschäftigte sich wenig mit den öffentlichen Angelegenheiten und besuchte zeitweilig die Kleeburger Heimath. Gustav II. Adolf hegte großes Vertrauen und echte Freundschaft zu ihm. J. C. nahm das innigste Interesse an seinem Vetter, dem unglücklichen Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz und hat ihm große Dienste geleistet, auch Gustav Adolf immer von neuem für ihn interessirt. Darum plünderten 1620 die Kaiserlichen das Kleeburger Ländchen, der Pfalzgraf floh mit den Seinen nach Straßburg und ging 1622 nach Nyköping zurück. Hier lebte er abwechselnd mit Stegeborg. Stockholm, Braborgshus und Skeuas. Als Gustav Adolf 1630 nach Deutschland zog, übertrug er die Oberaufsicht über die Erziehung seiner Tochter dem Pfalzgrafen und seiner Gemahlin und stellte Ersteren an die Spitze des Kriegswesens in Schweden, 1631 aber übertrug er ihm statt dessen die Finanzverwaltung, von seiner Rechtlichkeit und seinem Eifer überzeugt. Wie sehr J. C. für den Winterkönig sich|verwandte, zeigen seine Briefe an den schwedischen Residenten im Haag, Ludwig Camerarius (s. Moser's Neues Patriotisches Archiv, Bd. I.). Voll Thatkraft und Geschick leitete der Pfalzgraf die Geschäfte, aber die Großen haßten ihn als Ausländer und wegen seiner Sparsamkeit, fürchteten seinen Einfluß und argwöhnten, er beabsichtige die Vermählung seines ältesten Sohnes Karl Gustav mit der Thronerbin Christine, die mit diesem erzogen wurde. Nach Gustav Adolfs Tode rasteten sie darum nicht, bis sie ihn verdrängt hatten; freiwillig zog sich der kluge Mann 1633 zurück. Königin Christine aber, die ihn und seine Gemahlin hoch verehrte, erhielt ihm ihre vollste Gunst und blieb mit ihm in regem Briefwechsel und Verkehr. J. C. bewahrte, allen Einflusses beraubt, dem schwedischen Adel, voran Oxenstierna, einen von ihnen reichlich vergoltenen Haß. Am 23. Decbr. 1638 verlor er zu Westeras seine treffliche Gemahlin. Schweden war ihm zur anderen Heimath geworden, aber die Großen blieben ihm seind und nur bei außerordentlichen Gelegenheiten kam er nach Stockholm. 1649 wurde sein ältester Sohn zum Thronfolger in Schweden erwählt und am 16. Juni 1654 als Karl X. Gustav König von Schweden. J. C. aber starb auf Schloß Stegeborg in Ostgothland am 18. Juni 1652 und ruht mit seiner Gemahlin im Dome zu Strengnaes.

    • Literatur

      Droysen. Gustav Adolf, Bd. II. Leipzig 1870. Geijer, Gesch. Schwedens, Bd. III u. IV, Hamburg 1836 und Gotha 1855. von Lundblad. Geschichte Königs Karl X. Gustav. Bd. I. Berlin, Posen und Bromberg 1826. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz. Bd. II. Heidelb. 1845. Grauert. Christina Königin von Schweden und ihr Hof, Bd. I. Bonn 1837.

  • Autor/in

    Kleinschmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kleinschmidt, Arthur, "Johann Casimir" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 776-777 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119314118.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA