Lebensdaten
1887 bis 1942
Geburtsort
Berlin
Beruf/Funktion
Lyriker
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 11876442X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • van Hoddis, Jacob
  • Davidsohn, Hans (Jacob van Hoddis ist Künstlername)
  • Hoddis, Jacob van
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Zitierweise

Hoddis, Jacob van, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11876442X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann Davidsohn (1842–1909), aus Konitz, Dr. med., Sanitätsrat, Hals-, Nasen- u. Ohrenarzt in B. (s. Fischer);
    M Doris Kempner (* 1858), 1933 emigriert;
    Tante-m Friederike Kempner ( 1904), Dichterin unfreiwilliger Komik.

  • Leben

    H. studierte in München Architektur, später in Jena Altphilologie und Philosophie, gab das Studium aber 1912 auf und lebte vor allem in Berlin. Dort traf er in der Studentenverbindung „Freie Wissenschaftliche Vereinigung“ mit K. Hiller zusammen, mit dem er in der Ablehnung des bürgerlichen Lebensklischees übereinstimmte. Zusammen mit Hiller gehörte er zu den Gründern des literarischen „Neuen Clubs“ (1909) und des daraus hervorgegangenen „Neopathetischen Clubs“ (1910). Hier trug H. seine Dichtungen vor; das wenigste ließ er publizieren, vieles blieb Manuskript und ging später verloren Er begann mit Jugendstiltönen; Bild und Sprache seiner frühen Gedichte verraten Georges Einfluß. Dann aber prägte er Stil und Motive zu einer beweglichen Sachlichkeit, einem kritischen Pathos um. Der Einfluß der Großstadt Berlin bestimmte nun – wie bei so vielen Expressionisten – seine Thematik. Sein Sprachrhythmus ist knapp, Wörter, die Bewegung vermitteln, werden bevorzugt. Mit seinem berühmtesten Gedicht „Weltende“ (1911) charakterisiert er präzise das Großstadtbürgertum seiner Zeit. „Ehrliche Formung der tausend kleinen und großen Herrlichkeiten und Schmerzlichkeiten im Erleben des intellektuellen Städters“ setzte Hiller 1913 als „Ziel der Gedichtschreibung“ und fand, daß H. als einer der ersten dem nahe kam. Hinter den ironischkabarettistischen Versen H.s steht Affront, der ihn äußerlich dem Expressionismus zuzuordnen scheint: Affront gegen die Familie, die Freunde (vor allem Heym und Hiller), aber auch gegen sich selbst. Doch das Gerüst, das sich H. im Leben und in der Dichtung aus Surrealem und Zynischem, aus Opposition und Ironie baute, vermochte ihn nicht in der Realität zu halten. Die Spannungen seiner Syntax und seiner Metaphern, das Destruktive der Gedichte spiegelt ihn selbst: 1914 diagnostizierte man Schizophrenie. Er lebte fortan in Sanatorien und Heilanstalten oder in privater Pflege bei einem Lehrer in Frankenhain in Thüringen (1915) und bei einem Gärtner in Tübingen (1922/23). 1933 wurde er in der einzigen jüdischen Heilanstalt in Sayn bei Koblenz interniert und von dort 1942 mit unbekanntem Ziel deportiert.

  • Werke

    1910-14 Veröff. vor allem in Der Demokrat, 1910 f., Die Aktion, 1911–14, Der Sturm, 1911-14. -
    Weltende (16 Gedichte), zuerst in: Die Aktion, 1918;
    Weltende, Ges. Dichtungen, hrsg. v. P. Pörtner (mit Nachwort v. dems., L. Meidner, D. Baumgart, K. Hiller, E. Loewinson, E. Lasker-Schüler, E. Blaß, F. Pfemfert, E. Ball-Hennings, A. Breton), 1958 (vollst. Bibliogr. d. Ztg.- u. Zs.veröff., L, P).

  • Literatur

    H. Schneider, J. v. H., Ein Blr. z. Erforschung d. Expressionismus, 1957;
    W. Weber, Zeit ohne Zeit, 1959;
    F. Richter, J. v. H. u. s. „Weltende“, in: Jb. d. Schles. Friedr.-Wilhelms-Univ. zu Breslau 13, 1968;
    Soergel II (P);
    Soergel-Hohoff II (P);
    Kosch, Lit.-Lex.;
    Kunisch;
    Eppelsheimer III, IV, VIII, IX.

  • Portraits

    Zeichnung v. L. Meidner, 1917, Abb. in: Weltende, Ges. Dichtungen, s. W.

  • Autor/in

    Gertraude Wilhelm
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilhelm, Gertraude, "Hoddis, Jacob van" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 297-298 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11876442X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA